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Gipsausstellung

Roms vergessener Feldzug: Die Schlacht am Harzhorn


Da wir dank der Auswertung der Zugriffsstatistiken der „Walkenrieder Nachrichten“ wissen, dass das elektronische Bürgerblatt inzwischen erfreulicherweise von vielen Urlaubern gelesen wird, stellen wir hier zukünftig das eine oder andere touristische „Highlight“ der näheren Umgebung vor und hoffen, damit auch unseren Walkenrieder Lesern neue Impulse für interessante Tagesausflüge liefern zu können.

 

Beginnen wollen wir mit dem archäologischen Ausgrabungsplatz am niedersächsischen Harzhorn bei Bad Gandersheim, durch den das historische Bild des Dauerkonfliktes zwischen Römern und germanischen Stämmen in den letzten Jahren vollständig auf den Kopf gestellt wurde. Über viele Jahrzehnte war sich die Wissenschaft sicher, dass die militärischen Interventionen des römischen Imperiums im germanischen Stammensgebiet nach der verlorenen Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus („Als die Römer frech geworden…“) sowie einer nur mäßig erfolgreichen Strafexpedition in den Jahren 14 bis 17 nach Christus ihr Ende gefunden hatten. Die am Harzhorn gemachten, spektakulären Funde beweisen jedoch eindeutig, dass auch in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts – und damit über 200 Jahre nach der vernichtenden Varusschlacht – römische Legionen tief in germanischem Stammesgebiet kämpften.

Harzhorn

Vorsicht Ausgrabung: Am Harzhorn sind Eingriffe in den Boden und Sondengänge strengstens verboten.

 

Archäologen gehen heute davon aus, dass die Römerschlacht am Harzhorn im Jahr 235 nach Christus zwischen Truppen des ersten römischen „Soldatenkaisers“ – Maximinus Thrax – und dort ansässigen Stammeskriegern stattfand, die den aus dem Norden heranrückenden Römern den Durchgang versperrten und sie zu einem Kampf im hügeligen Gelände zwangen. Durch die Auswertung der Anordnung der über viele Jahrhunderte hervorragend im Boden konservierten Pfeilspitzen, Katapultbolzen und römischen Schuhnägel lässt sich auch nach langer Zeit der Verlauf der Schlacht hervorragend rekonstruieren. Auch der Sieger lässt sich anhand der Fundstücke sowie korrespondierender historischer Quellen ermitteln: Die Römer zogen 235 ungeschlagen nach Süden weiter – konnten das ihnen als Germanien bekannte Gebiet jedoch trotzdem nie erobern.

Harzhorn

Die Harzhorn-Besucher des Walkenrieder Geschichtsvereins an einem Hang, den vor fast 1.800 Jahren ein römischer Pferdewagen hinunterstürzte.

 

Wer sich für die spannende Geschichte des Fundortes sowie die Details der rekonstruierten Schlacht interessiert, ist herzlich dazu eingeladen, meinen ausführlichen Artikel „Das Harzhorn – Ortstermin an einer Jahrhundertfundstelle“ auf der Wissenschaftsblogplattform ScienceBlogs.de zu lesen. Wer die Ausgrabungsstätte gerne einmal selbst besichtigen möchte, findet auf dieser Internetseite weitere Informationen zu buchbaren Gruppenführungen sowie allgemeine Hinweise zum Betreten des Geländes. Ich selbst konnte vor eineinhalb Jahren an einer solchen Gruppenführung mit dem Walkenrieder Geschichtsverein teilnehmen (bei der auch die hier eingebundenen Fotografien entstanden sind), und kann eine geführte Besichtigung nur empfehlen. Darüber hinaus sei noch auf die Landesausstellung „Roms vergessener Feldzug: Die Schlacht am Harzhorn“ hingewiesen, in deren Rahmen zahlreiche der am Harzhorn gemachten Fundstücke erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Ausstellung wird am 01.09.2013 im Landesmuseum Braunschweig – und damit ebenfalls ganz in unserer Nähe – eröffnet.

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Über Christian Reinboth

http://www.christian-reinboth.de

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