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Gipsausstellung

Aus dem Kriegstagebuch von Fritz Reinboth (3): 10. September 1914 – 24. November 1914


Die Veröffentlichung des Kriegstagebuchs von Friedrich Ernst Reinboth (1891 – 1918) in den “Walkenrieder Nachrichten” wird heute mit dem dritten von insgesamt zehn Teilen fortgesetzt. Alle wichtigen Informationen zu dieser Artikelserie finden sich hier im ersten Teil.

Zeichnung Husarenemblem

Von Fritz Reinboth angefertigte Zeichnung der Insignien des Husaren-Regiments Friedrich II. von Hessen-Homburg Nr. 14. Als Leitspruch ist
auf einem Banner „Schießen und Fechten hilft zum Rechten“ angegeben.

 


10. September 1914 (Orte: Esch-sur-Alzette, Montmedy)

Abfahrt nach Esch, Montmedy. Unterwegs ca. 24 Stunden Aufenthalt in Alansy, wegen des schlechten Bahnverkehrs nach dort.

13. September 1914 (Ort: Montmedy)

In Montmedy, dort ein zersprengter Tunnel.

14. September 1914 (Orte: Montmedy, Stenay, Verpel)

Früh Fahrt mit Leutnant der 13. Dragoner, mit Eisernem Kreuz, mittels Autos nach Stenai, wo das Oberkommando der V. Armee ist. Der Offizier besorgt Essen, dieses wird von Leuten, die er bei der Einnahme des Ortes vor der Zerstörung ihres Hauses beschützt hat, fein zubereitet. Wir wollen ein von ihm verlassenes Auto an der Chaussee wieder in Stand setzen und holen. Dasselbe ist aber schon von einem anderen Auto ins Schlepptau genommen und repariert. Nach Verständigen mit dem Offizier der Bagage werden wir von unserer Kavallerie-Division-Kraftwagenkolonne mitgenommen, und werden bis nach Verperl-Ardennen gebracht, wo unsere Schwadron schon vom 10. ab in Ruhe liegt. Ein Tag nach dem anderen vergeht mit Appells und Abteilungsreiten, ohne dass wir aus dem abgebrannten Dorfe abrücken. Ein Gottesdienst fand hier in der Kirche statt. Divisions-Wache, Nachexerzieren pp. bis zum 29.09.1914.

An diesem Tag: Nach der Niederlage in der Marneschlacht wird der deutsche Generalstabschef Helmuth von Moltke von Kaiser Wilhelm II. entlassen. Zu seinem Nachfolger wird Kriegsminister Erich von Falkenhayn ernannt, der dieses Amt jedoch bereits im Januar 1915 wieder verliert.

30. September 1914 (Ort: unbekannt)

Quartier in [unlesbar]. Ankunft 1 Uhr 30 Min. nachts.

01. Oktober 1914 (Orte: Arel, Mons)

Abmarsch 8 Uhr 30 Min. nach Etiolle-Arlone. Verladen in Arlons. 5 Uhr Nachmittags Essen in Arlone. Ausladen nachts um 1 Uhr 30 Min. in Mons.

03. Oktober 1914 (Ort: Mons)

Marsch durch die Stadt nach Abfuttern der Mannschaften und Pferde. Ankunft um 8 Uhr in [unlesbar].

04. Oktober 1914 (Ort: unbekannt)

Abmarsch 8 Uhr 15 Min. über St. Amons etc. nach Belechem. Nachts Biwak.

05. Oktober 1914 (Ort: Estaires)

Abmarsch mit Requisiteuren eines Wagens und Lebensmitteln. Abends Unterkunft in [unlesbar]. Aus Unvorsichtigkeit eines Artillerieserganten ein frz. Mädel erschossen. Früh Ausrücken aus [unlesbar] wo wir in einer grossen Gärtnerei übernachtet haben. Abends auf der Straße nach Estaires.

An diesem Tag: Zwischen einem französischen und zwei deutschen Piloten wird über Reims der erste Luftkampf der Geschichte ausgetragen. Er endet mit dem Sieg des Franzosen Joseph Frantz und dem Tod der beiden deutschen Piloten.

 

11. Oktober 1914 (Ort: Estaires)

½ 7 Uhr Abrücken aus Estaires. Beim Satteln bekommen wir Feuer. Schützen vor! Nichts ausgerichtet. Dann beim Abreiten bekommt unsere Spitze lebhaftes Feuer. Im Galopp einzeln über die Brücke des Kanals gesprengt, wobei auf die einzelnen Reiter ganze Salven abgefeuert wurden, durch feindliche Schützen im Gewächshaus und in einer Fabrik. Zurückgehen und Nachts Unterkunft in einem Estaminet.

An diesem Tag: Beginn der Schlacht um Flandern und heftige deutsche Luftangriffe auf Paris. Das deutsche U-Boot U26 versenkt den russischen Panzerkreuzer Pallada, wobei die 600 Mann starke Besatzung nahezu vollständig ums Leben kommt.

12.Oktober 1914 (Ort: Bailleul)

In Bailleul. Früh Ausrücken um 7 ½ Uhr, neblig. Spaten werden zur Aushebung einer Scheinstellung requiriert. Lebhaftes Artilleriefeuer unserer reitenden Abteilung. Abends Ausplündern eines Wollwarengeschäftes. Abends liegen wir in Schützenlinie. Es regnet! Die Bayern lösen uns ab. Rittmeister Stettmann fällt. Zurück ins Notquartiere.

Ekaha-Notizbuch

Die erste Seite von Fritz Reinboths „Ekaha Kriegs-Notizbuch“ von 1916.

 

15. Oktober 1914 (Ort: Armentières)

Beim Vorrücken stoßen wir auf engl. Infanterie. Abends übernachten wir in Armentiers. Am Tage wieder vorrücken, nachmittags wieder zurück.

16. Oktober 1914 (Orte: Nieppe, Marquette-lez-Lille)

Früh um 4 Uhr sind engl. Reiter bei unserem Regimentsstab, werden zu spät bemerkt, sie verwunden einen Infanteristen und verlieren eine Mütze. Am Tage Aufenthalt hinter einer Hecke in Nieppe. Abends Abmarsch, die Nacht durch nach Marquette. Der Ort ist ziemlich verlassen. Wir übernachten in einer Schule in den Klassen und Hof Marie. Ankunft um 5 Uhr früh. Abkochen in einem Hause, wo der Mann im Kriege ist. (Schmorbraten)

01. November 1914 (Ort: unbekannt)

Ruhetag.

18. November 1914 (Ort: Halluin)

Abmarsch abends um 6 Uhr nach Hallain. Ankunft 8 Uhr 30.

An diesem Tag: Die (erste) Schlacht um Flandern zwischen deutschen, französischen, britischen und belgischen Truppen endet mit einem alliierten Sieg. Auf beiden Seiten sterben mehr als 200.000 Soldaten in den vier Wochen andauernden Kämpfen nahe Nieuwpoort.

19. November 1914 (Ort: Halluin)

Vorziehen der Schützen. Unterkunft in einer katholischen Schule, wieder in den Klassen. Vernichten einer englischen Division d. unsere Brigade und Artillerie.

20. November 1914 (Orte: Halluin, Menen)

Abmarsch 7 Uhr Vorm. über Menin. Abends Gefecht in der Richtung auf Amerique. Nachher zurück zu den Pferden. Quartier in Menin.

21. November 1914 (Ort: Menen)

Früh Stellung bei der Windmühle bei Menin. Abends im Quartier in Menin.

22. November 1914 (Ort: Menen)

Dieselbe Stellung.

23. November 1914 (Ort: unbekannt)

Abends Vorgehen unter Zurücklassen der Pferde, im Chausseegraben Stellung. In der Nacht bekommen wir auf unser Schiessen lebhaftes Schützenfeuer. Alle Schüsse zu hoch.

24. November 1914 (Ort: unbekannt)

Granaten platzen dicht bei uns, ohne Schaden anzurichten. Unsere Artillerie feuert lebhaft. Wir sollten in der Nacht im Falle eines Rückganges der unsrigen mit Hilfe von Pionieren Schanzgräben auswerfen. Husar Bethe wird beim Vorbringen von Patronen in die Schützenlinie verwundet. Die Nacht das reine Höllenkonzert.

An diesem Tag: Eine Friedensinitiative des dänischen Königs Christian X. scheitert am Veto des deutschen Reichskanzlers Theobald von Bethmann-Hollweg.


Flohburg

Im städtischen Museum FLOHBURG in Nordhausen werden Fritz Reinboths Kriegstagebücher (darunter auch das hier vorgestellte) sowie weitere Dokumente aus seinem Nachlass vom 1. August bis zum 26. Oktober 2014 im Rahmen einer Sonderausstellung zum I. Weltkrieg gezeigt.

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Über Christian Reinboth

http://www.christian-reinboth.de

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