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Wir Walkenrieder

Aus dem Kriegstagebuch von Fritz Reinboth (4): 25. November 1914 – 09. April 1915


Die Veröffentlichung des Kriegstagebuchs von Friedrich Ernst Reinboth (1891 – 1918) in den “Walkenrieder Nachrichten” wird heute mit dem vierten von insgesamt zehn Teilen fortgesetzt. Alle wichtigen Informationen zu dieser Artikelserie finden sich hier im ersten Teil.

Reiterzeichnung

Von Fritz Reinboth angefertigte Zeichnung eines Husaren im Kampf.


25. November 1914 (Ort: unbekannt)

Am anderen Morgen erhielt ich, gerade beim Anzünden der Pfeife, von einem 1 ½ m über uns in einem Baume platzenden Schrapnell eine Schrapnellkugel in die linke Hand. Nach Anlage eines Notverbandes, wo auch noch Ltnt. Bockenheimer & Gefr. Krüll durch einen Schrapnellschuss verwundet wurden, wurden wir nach langem Warten mittels Auto zurück nach Merwigk gebracht. Unterwegs musste das Auto infolge starken Artilleriefeuers umkehren und ich setzte meinen Weg nach Galauve fort, wo ich erst unsere Handpferde aufsuchte und durch Sergt. Pfau auf die gr. Strasse gebracht wurde.

26. November 1914 (Orte: Menen, Kortrijk, Namur, Brüssel, Herbesthal, Dortmund)

In Menin wurde mir, nachdem ich die Nacht im Bürgerquartier verbracht hatte, am 26.11. die Kugel durch einen belgischen Civilarzt, der unter deutscher Aufsicht assistierte, ohne Narkose etc. entfernt. Abends ging es trotz der Hitze unter Gesang nach dem 2 Stunden entfernten Courtrai wo wir ungefähr 1000 Verwundete in einen Gütertransport nach 3stündigem Warten auf dem Bahnsteige verladen. Nach 2tägiger Fahrt über Namur, Brüssel, Lüttich, Herbistel, wo wir das erste Mal von deutschen Schwestern verpflegt wurden, nach Dortmund. Dort Unterkunft im Union-Hôtel. Nach gründlichem Waschen, wo ein alter Herr sehr liebenswürdig uns zur Hand ging und frisch verband, traten wir am

27. November 1914 (Orte: Dortmund, Kassel, Nordhausen)

morgens, wo wir durch einen ergreifenden Klaviervortrag durch einen verwundeten Oberlehrer geweckt wurden, unsere Heimreise über Cassel nach Nordhausen an. Daselbst Aufnahme im Reservistenlazarett. Nach 5-wöchenticher ausgezeichneter Behandlung wurde ich nach Cassel entlassen, von wo ich noch einmal in 14tägigen Urlaub fuhr.

27. Januar 1915 (Orte: Kassel, Warburg, Elberfeld, Köln, Aachen, Herbesthal, Lüttich, Tongern, Hasselt)

Nach langem Aufenthalt in der Garnison kam ich am 27. Januar wieder ins Feld. Morgens nach mühevollem Bestellen eines Waggons 5 Uhr 45 Abfahrt über Warburg, Elberfeld-Bramen, Cöln, Aachen, Herbesthal (Verpflegung war hier vorzüglich), Lüttich, Tongern. Ankunft in Hasselt am

28. Januar 1915 (Ort: Hasselt)

10 Uhr. Nach Ausladen Begrüssen der Schwadron. Anmelden beim Wacht- und Rittmeister.

29. Januar 1915 (Ort: Hasselt)

Früh Schruppen der Heckrodt-Kaserne. Nachmittags 5 Uhr Aufziehen auf Magazinwache. Kaisergeburtstagsfeier. Parademarsch vor dem Kreischef General v. Bissing. Abreise zur Wache in Dienst, Kanalwache. 2mal Hauptwache vor dem Governement. Schon herrliche Frühlingstage.

Der preußische Generaloberst Moritz Ferdinand von Bissing, der 1917 im Feld an einer Lungenkrankheit verstarb, wurde vor allem dadurch bekannt, dass er im Jahr 1915 als Generalgouverneur von Belgien die britische Krankenschwester Edith Cavell hinrichten ließ, weil diese alliierten Kriegsgefangenen zur Flucht verholfen hatte. Sein Sohn Friedrich Wilhelm von Bissing wurde später einer der erfolgreichsten deutschen Ägyptologen.

 

16. Februar 1915 (Orte: Hasselt, Hechtel, Beverlo)

Früh Ausrücken nach Hechtel. Nachts erste Patrouille nach Beverloh, Burg Luitpold. Angenehmes Quartier im Kaffee Menten.

17. Februar 1915 (Ort: unbekannt)

Einstellen der Pferde.

04. März 1915 (Orte: Eksel, Neerpelt, Overpelt, Lommel)

Nach Exel, Strasse am Bahnhof zur Besetzung Kaffee Linsen, um die grosse Patrouille zu reiten nach Nerpelt, Overpeld, Lömmel.

28. März 1915 (Ort: Hasselt)

Abrücken nach Hasselt in die alten Quartiere.

31. März 1915 (Orte: Hasselt, Herbesthal, Aachen, Elberfeld, Porta Westfalica, Hannover, Berlin-Lichterfeld, Berlin-Lichterfelde, Schneidemühl/Pila, Königsberg/Kaliningrad, Gussew, Eydthkuhnen/Tschernyschewskoje, Trakhenen/Jasnaja Poljana, …)

An diesem Tage früh 10 Uhr Verladen nach Russland. Die Fahrt geht, nach lebhaftem Abschied der belgischen Bewohner über Hervesthal, Aachen, Elberfeld, Porta Westphalika, Hannover, Berlin-Lichterfeld, Schneidemühl, Königsberg, Gumbinnen, Eydtkuhnen (vollständig von den Russen verwüstet), Trakehnen, Wilkowyzky, dortselbst werden wir ausgeladen.

02. April 1915 (Ort: unbekannt)

Karfreitag in Russland, quartiert auf Gut Pusttopedzie. Ostern traurig verlebt. N.E.L.b. Wir finden auf dem Boden verstecktes Mobiliar aus Ostpreussen.

09. April 1915 (Orte: Eydthkuhnen/Tschernyschewskoje, Gussew)

Mit Wachtmeister Stab nach Ausstellen eines ärztlichen Attestes nach Eydtkuhnen, um Geschirre zu holen für den Regimentsstab. Von da nach Gumbinnen. Logieren im Deutschen Haus (1,50 ohne Kaffee).


Flohburg

Im städtischen Museum FLOHBURG in Nordhausen werden Fritz Reinboths Kriegstagebücher (darunter auch das hier vorgestellte) sowie weitere Dokumente aus seinem Nachlass vom 1. August bis zum 26. Oktober 2014 im Rahmen einer Sonderausstellung zum I. Weltkrieg gezeigt.

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Über Christian Reinboth

http://www.christian-reinboth.de

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