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Leserbriefe

Ein zweiter Röseberg droht im Höll- und Sachsenstein bei Walkenried


(Leserbrief von Michael Reinboth)

Vor einigen Jahren mussten wir in Walkenried erleben, wie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion des damaligen Kreistags in Osterode der Röseberg zum Abschuss durch die Gipsindustrie freigegeben wurde. Das deprimierende Resultat kann sich jeder betrachten, der seinen Blick auf die zerwühlte und zerstörte Landschaft rund um den Kutschweg richtet. Nun droht neues Ungemach. Harmlos klingende, von den Gips-Lobbyisten den Ministerialbeamten im fernen Hannover, die die Zerstörungen ja nicht mit ansehen müssen, in die Feder diktierte Formulierungen im neuen Landesraumordnungsprogramm erlauben den ungenierten Zugriff auf vermeintlich durch deutsches und europäisches Recht geschützte Naturschutzgebiete. Kein Zweifel: Die Gipsindustrie startet den Frontalangriff auf die Schönheiten des Höllsteins, des Sachsensteins und des Himmelreichs.

Als Argument müssen einmal mehr die Arbeitsplätze herhalten. Die gibt es noch, aber sie haben sich seit Jahrzehnten umgekehrt proportional zur Ausweitung der Landschaftszerstörung entwickelt. Zahlreiche Gipswerke mitsamt allen Arbeitsplätzen wurden dem Erdboden gleichgemacht, in den Steinbrüchen agieren Subunternehmer, die hier keinen Pfennig Steuern entrichten und dafür alles kurz- und kleinfahren. Auch die Gewerbesteuereinnahmen verhalten sich den Zerstörungen entgegengesetzt: Je mehr Landschaft kaputtgeht, desto weniger fließt u.a. in die Walkenrieder Gemeindekasse. Diese Dinge hat man MdB Güntzler bei seinem Besuch auf der Kutzhütte wohlweislich verschwiegen. Mir ist auch nicht bekannt, dass er seine Schritte in eine der zerstörten Landschaften gerichtet hätte. Nur wenige Meter hätte er gehen müssen – hinter dem Werk hat die nächste großflächige Abholzung bereits begonnen. Das „Mehholz“ ist ein für allemal dahin – genau wie der Röseberg. Pfaffenholz und Trogstein sind auch nicht mehr zu retten – die gewünschten Erweiterungsflächen sind in den Karten bereits eingetragen. Und beim Lärmschutz gibt es offenbar auch Ausnahmen – tagelang dröhnt das Getackere aus den Brüchen und der Krawall des Brechers über den Ort hinweg und hat schon manchen Kaufwilligen bewogen, sein Haus woanders zu erwerben. Es geht, siehe Ellrich, auch deutlich leiser. Aber das schmälert ja die Gewinne!

Das, was jetzt noch geschützt ist, ist es aus gutem Grunde. Und es muss mitsamt entsprechender Pufferzonen auch weiterhin und dauerhaft geschützt bleiben. Wir dürfen nicht zulassen, dass dieses Raumordnungsprogramm in Kraft tritt!

Röseberg-West

Der Gipsbruch Röseberg-West (Foto: Dr. Reiner Cornelius, BUND Westharz).

Diskussionen

2 Gedanken zu “Ein zweiter Röseberg droht im Höll- und Sachsenstein bei Walkenried

  1. Eine Schande ist das! Das gesamte Gipskarstgebiet gehört geschützt (damit meine ich auch die schon genehmigten Flächen)! Man könnte so viel mit diesem Gebiet anfangen, was Tourismus und dergleichen angeht.
    Walkenried muß aufpassen, daß das Kloster nicht den Welterbestatus verliert, weil das Drumherum nicht mehr stimmt. Das kann schnell gehen, wie man in Dresden sehen konnte.

    Deshalb bitte mitmachen:
    http://www.bund-niedersachsen.de/harzer-gipskarst-retten

    Eine interessante Seite ist hier
    http://naturschatz.org/gips/index.html
    Wenn man hier http://naturschatz.org/gips/hg-killer.htm etwas runterscrollt, wird man was sehr Interessantes über Saint-Gobain lesen können. Das steht übrigens auch auf Nachrichtenseiten, falls jemand meinen sollte, daß das ausgedacht wäre.
    Und hier http://naturschatz.org/gips/hg-myth.htm werden die typischen Argumente der Gipsindustrie widerlegt.
    Diese Seiten sollte sich jeder durchlesen.

    Verfasst von Maren | 6. März 2021, 08:16
  2. Ich finde die Zerstörung der Landwirtschaft um Walkenried herum unsagbar traurig und unerträglich! Bodenformationen und Ökosysteme, die über Jahrtausende gewachsen sind, kann man nicht ausbeuten und dann wieder ‚renaturieren‘ , als wäre nichts geschehen. Warum kann die Gemeinde Walkenried nicht mehr dagegen tun?

    Verfasst von Ute Steckhan | 18. März 2021, 14:44

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