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Kulturrevier Harz

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Nach dem Festival ist vor dem Festival: Theaternatur visiert Spielzeit 2020 an

Benneckenstein (thea). Der letzte Vorhang ist gefallen, das Theaternatur Festival 2019 schon wieder Geschichte. Und es endete so, wie es begonnen hatte. Zwar kurz vom Regen unterbrochen, aber dennoch erneut mit einer gefeierten Vorstellung. Und mit einer ganz besonderen Botschaft.

Es wird als eines der bisher erfolgreichsten Festivals in die Geschichte eingehen. Auch wenn die Derniere von „Die Legende vom Glück ohne Ende“ ebenso wie die Premiere von „Die Legende von Sorge und Elend“ kurzeitig wegen Regens unterbrochen werden musste, Festivalchef Janek Liebetruth zog ein durchweg positives Resümee. Gemeinsam habe man es in diesem Jahr wieder geschafft, ein interessantes wie gleichermaßen abwechslungsreiches Programm auf die Bühne zu bringen. Und das habe so viele Besucher angesprochen, dass die 3000-Gäste-Marke von 2017 nur knapp verfehlt worden sei, betonte der Künstlerische Leiter.

Geboten wurde erneut eine ausgewogene Mischung aus Eigenproduktionen und handverlesenen Gastspielen. Dazu kamen Lesungen und Filmvorführungen. Insgesamt standen über 30 Einzelveranstaltungen auf dem erstmalig 17-tägigen Festivalprogramm. Die Spannweite umfasste sämtliche Genres, aber auch thematisch Perspektiven jenseits wie diesseits des ehemaligen Grenzwalls. Das gemeinsame über-, wie miteinander Lachen, Weinen sowie Hinterfragen stand im Mittelpunkt. Die Waldbühne war dafür einmal mehr als Veranstaltungsort prädestiniert, da das direkte Einzugsgebiet hier bis vor gut einer Generation durch einen Grenzwall getrennt gewesen sei, so Liebetruth weiter.

Foto: F. Drechsler

 

Das diesjährige Thema war ganz bewusst gewählt: Grenzen:Los! thematisierte vor historischem Hintergrund im 30. Jahr des Mauerfalls zahlreiche Ereignisse rund um das geteilte Deutschland. Und das direkt an der einstigen Nahtstelle zweier Gesellschaftssysteme und zweier Militärbünde. Theaternatur – das Festival der darstellenden Künste stand erneut für ein tolles Programm. Garniert mit grandiosen Inszenierungen, gespielt von hervorragenden Künstlern und vorbereitet von einem Team, das tagtäglich an seine Grenzen ging. Das zusammen garantierte Theaterkultur auf allerhöchstem Niveau.

Getragen wurde das Festival wie gewohnt von Eigenproduktionen. In diesem Jahr waren das „Die Legende vom „Glück ohne Ende“ und „Die Legende von Sorge und Elend“. Die Inszenierung von „Glück ohne Ende“ griff die Erzählung von Film und Roman von „Paul und Paula“ gleichermaßen auf und ließ das „schönste Liebespaar des Ostens“ auf der Freiluftbühne Benneckenstein, zwischen mythischem Harzwäldern und liebestollen Waldwesen erwachen. Das zweite Eigenproduktion, „Legende von Sorge und Elend“, ist ein von Sören Hornung geschriebenes Kammerstück in drei Akten. Es spielt im Jahr 2015. Zwei Frauen und zwei Herren. Eine Familie. Eltern und deren Kinder. Der Vater war einst Grenzer, die Mutter überzeugte Kommunistin. Die Familienharmonie gerät an ihre Grenzen, als die Kinder plötzlich anfangen, Fragen zu jener Zeit zu stellen. Es ging um das Auseinandersetzen mit ehemals zwei verschiedenen Systemen, der Vergangenheitsbewältigung und dem jahrelangen Herumtragen von Schuld.

Zu den namhaften Gastspielen gehörten in die Jahr zweifellos auch #BerlinBerlin, ein Gastspiel des Theaters Strahl aus der Hauptstadt Berlin. Die Geschichte handelte vom Bau der Berliner Mauer und wie der „Antifaschistische Schutzwall“ eine Familie über Jahrzehnte zerreißt. Und dann ist plötzlich die Grenze offen.

Foto: F. Drechsler

 

Und auch Mitsingen war in diesem Jahr ausdrücklich erwünscht: Im Rahmen des interaktiven Konzertes „Über sieben Brücken musst du gehen“ durften Besucherinnen und Besucher dabei auf der Waldbühne mit einstimmen. Die Sängerin Christine Wolff nahm dabei ihr Publikum musikalisch mit auf eine Reise in die Zeit des Mauerfalls. Mit allen Stücken der diesjährigen Spielzeit wurde auf unterschiedliche Art und Weise versucht, gleich auf mehrere Fragen Antworten zu finden. „Waren die einstigen „Nachbarn“ über Jahrzehnte hinweg Bürger*innen zweier grundverschiedener Länder?“ „Bedeutet dies etwas für das „Heute?“ Und ist die Endstation Einheit in ein grenzenloses Zusammenleben 30 Jahre nach der Grenzöffnung gemündet? Wo liegen die Unterschiede in Erinnerungen, Weltsichten, Hoffnungen und Befürchtungen? „Diese Fragen haben wir thematisch umgesetzt. Damit hat das Festival THEATERNATUR erneut Denkanstöße gegeben. Wir wollten GRENZEN ausloten und uns LOSreißen von Vorurteilen und Stereotypen“, betonte Liebetruth.

Während die erste Phase 2019 unter dem Titel GRENZEN:LOS! die Unterschiede west- und ostdeutscher Lebensweisen zum Gegenstand der kreativen Untersuchung machte, stehen im nächsten Jahr vom 7. bis zum 23. August unter ENDSTATION:EINHEIT? die vereinenden Aspekte im Mittelpunkt des Interesses. Trennung und Zusammenkunft, Klischee und Erfahrungswert, Vorurteil und Neuentdeckung. „30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist es endlich an der Zeit aufzuräumen, aufzuarbeiten und den letzten Schritt der Annäherung zu vollziehen. Wir wollen als Festival erneut einen Teil dazu beitragen, dass wir auch hier, an der Landesgrenze zu Niedersachsen, weiter zusammen wachsen“, so Liebetruth.

Foto: F. Drechsler

 

Weitere Informationen unter http://www.theaternatur.de im Internet.

Kulturrevier blickt beim Neujahrsempfang auch Richtung Westen

(Pressemitteilung des Kulturrevier Harz e.V.)

Traditionell lud der Verein Kulturrevier Harz anlässlich des Jahresauftaktes zum Neujahrsempfang ein. Rund 50 geladene Gästen aus Politik, Wirtschaft und dem öffentlichen Leben waren der Einladung in Müllers Hotel in Hohegeiß gefolgt. Dort blickte Vereinsvorsitzender Janek Liebetruth auf eine erfolgreiche Spielzeit 2018 zurück.

Auch die vierte Auflage des Festivals der darstellenden Künste, THEATERNATUR2018, sei rundherum gelungen gewesen. So lautete das einmütige Resümee Janek Liebetruths, künstlerischer Leiter und Vorsitzender des Vereins Kulturrevier Harz e.V. eingangs des Abends. Man habe es mit dem gewählten Thema geschafft, den demografischen Wandel und die damit vor allem in ländlichen Gebieten verbundenen Probleme zu thematisieren und diese als „Fremde Neue Welt“ auf der Bühne gekonnt künstlerisch umgesetzt. „Diese Thematik haben wir aufgegriffen und in zwei Eigenproduktionen erfolgreich umgesetzt. Die ausgewählten Stücke sollten die Kluft zwischen Alt und Jung thematisieren,“ so Liebetruth. So wurde beispielsweise Shakespeares „Der Sturm“ symbolträchtig in ein Altersheim als Exilort für Prospero gesetzt.

Die zweite Eigenproduktion war Frank Wedekinds „Frühlingserwachen“, der hier das Missverständnis der Jugend gegenüber dem Alten, dem Früheren verarbeitete. Neben beiden Eigenproduktionen habe der Programmmix aus Tanz, Konzert, Theater sowie Podiumsdiskussionen und Kinderveranstaltungen besonders viele Menschen aus der Region für das THEATERNATUR begeistert. Auf der „Kleinen Waldbühne“ wurde zudem eine zweite Spielstätte etabliert. Hier wurde u.a. das Stück „Nichts Schöneres“ von Oliver Bukowski aufgeführt.

Wie bei vielen anderen Projekten auch, habe auch das „Festival der darstellenden Künste“ in Benneckenstein viele Väter. Mittlerweile längst ein kleines Schwergewicht seiner Art in Mitteldeutschland und daher auch darüber hinaus wahrgenommen, werde das Ganze auch in Benneckenstein von vielen Händen getragen. Das betonte Liebetruth in seinen Ausführungen besonders. Ja mehr noch. Er hob zudem das Engagement der Sponsoren, von denen viele dem Festival seit der ersten Auflage gewogen seien, hervor. In den Reigen dieser Unterstützer würden sich Länder und Kommunen, aber auch die heimische Wirtschaft, einbringen. Liebetruth freue sich, dass die Unternehmen HarzEnergie und die Volksbank Braunlage ihre Unterstützung für die nunmehr fünfte Spielzeit bereits erneut zugesagt hätten. Im gleich Atemzug dankte er auch den Vereinsmitgliedern und Künstlern für ihr Engagement. Leah Lichtwitz (Kostümbild), Hannes Hartmann (Bühnenbild) und Simon Schabert (Bühnenbild) wurden daher als Ehrenmitglieder in den Verein aufgenommen. Mit Marianne Scharfe, Maria Hecht und Hans-Dieter Otto bekamen drei besonders verdiente Vereinsmitglieder die goldene Ehrennadel des Vereins verliehen.

Stimmig umrahmt wurde die Veranstaltung von Künstlern des Nordharzer Städtebundtheaters. Der Schauspieler Curdin Caviezel las mehrere Stücke, am Piano begleitete Violetta Kollar den Sänger Michael Rapke unter anderem beim „Lied der Deutschen“ von Hoffmann von Fallersleben und „Auferstanden aus Ruinen“. Die beiden Nationalhymnen sowie eine von Caviezel gelesenen Kurzgeschichte von DDR-Fluchtgeschichten Autor Michael Dullau, wiesen vor dem Hintergrund des 30-jährigen Jubiläums des Mauerfalls auf das Thema der nächsten Spielzeit hin: GRENZEN:LOS. Das THEATERNATUR findet diesem Sommer vom 9. bis zum 25. August statt. Man darf gespannt sein.

Neujahrsempfang Theaternatur 2019

Foto: Frank Drechsler

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