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Leserbriefe

Diese Kategorie enthält 48 Beiträge

Schwache Gemeinden – starke Vereine

(ein Leserbrief von Ruth Monicke)

Was wäre Walkenried, Wieda oder Zorge,  ohne die vielen Menschen, die sich in vielfältiger Weise für das öffentliche Wohl ihrer Gemeinde einsetzen? Es sind Gruppen, Vereine, aber auch einzelne Bürger, die sich in irgendeiner Form einbringen. Es ist nicht entscheidend, wie und was sie tun, es ist entscheidend, dass sie etwas tun was eine Gemeinde nicht leisten kann. Weder finanziell noch personalmäßig. Und darunter fallen auch die kleinen, aber so entscheidenden Dinge, die so wesentlich das Ansehen und den Ruf eines Ortes ausmachen.

Erst kürzlich, es war Pfingsten und Corona ließ erstmals ein Durchatmen zu. Ein Spaziergang entlang der Teiche in Richtung Spatenborn durfte schon mal drin sein understaunlich viel Fremde nutzten  ebenso das schöne Wetter.  Gemäht und freigehalten vom Gestrüpp waren die Wege entlang der Teiche und rund ums Anglerheim. Und als gelungene Überraschung säumten neue Ruhebänke die wunderschönen Wanderwege Richtung Blumenberg. Es musste an diesem Tage jedem Einheimischen bewusst sein, hier ergänzen sich zwei Vereine, der „Angelverein“ und die „Wir Walkenrieder“. Beide tragen dazu bei, Walkenried attraktiv und sehenswert für Wanderer und Gäste zu erhalten.                                 

So spielt die Unterhaltung der Teichlandschaft die gleiche wichtige Rolle, wie die Pflege rund ums Kloster, beides getragen von den Vereinen. Außerdem von vielen, die ohne Vereinszugehörigkeit immer zur Stelle sind, wenn sie gebraucht werden. Und wer denkt da nicht automatisch an leckere Salate und schmackhafte Kuchen, die die Walkenrieder Frauen anzubieten haben.All diese Arbeiten, die schon über Jahrzehnte mit viel  Einsatz und Freude geleistet werden, verlangen von den betreffenden Vereinsmitgliedern Kraft und Freizeit – und nicht zuletzt auch Geld.                                                                      

So denke ich an den „ Angelverein“, der schwere Gerätschaften selbst anschaffen und eine  Menge Pacht zahlen muss.  Ebenso die „Wir Walkenrieder“,  Bänke bauen sich nicht kostenlos und mit der Zeit hat auch jedes Mitglied seine Vorräte durchforstet und dies und das aus seinem Fundus gestiftet. Aber eines Tages ist auch das letzte Brett verbaut. Also, …….?  Naja, der geneigte Leser wird schon wissen,  worauf ich hinaus will. Ja, eine kleine Geldspende wäre hin und wieder angebracht. Denn all die Mühe der Vereine, ist nicht Eigennutz, wir, die Bürger und Gäste profitieren von einem gepflegten Umfeld.    

Doch es geht nicht allein um eine finanzielle Spende.  Vielleicht stellt sich der Leser mal an einem langweiligen Tag in seinen Keller, noch besser, in Opas Keller. Das ist die reinste Schatztruhe. Und jeder kommt zu folgendem Ergebnis:   Hier eine Schachtel neuer Steckschrauben (dabei brauchten wir damals nur zwei Stück, mussten aber die ganze Schachtel kaufen). Und in dem Regal auch noch Schachteln und so kommen unsagbar viele Gerätschaften und  Baumaterialien zum Vorschein,  die eines Tages im Müll landen könnten. Das sollte keiner zulassen, sprechen Sie jemanden vom Verein „Wir Walkenrieder“ an. Die werden manches gut gebrauchen können. Und wenn Sie dann noch eine verlassene Werkstatt anzubieten hätten, oder wenigstens wüssten, wo Ähnliches genutzt werden könnte, das wäre dann wirklich der Hammer!

So schließe ich mich den  Walkenrieder Einwohnern an, die sagen, wir haben zum Glück paar starke Vereine.

Ruth Monicke

Ein zweiter Röseberg droht im Höll- und Sachsenstein bei Walkenried

(Leserbrief von Michael Reinboth)

Vor einigen Jahren mussten wir in Walkenried erleben, wie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion des damaligen Kreistags in Osterode der Röseberg zum Abschuss durch die Gipsindustrie freigegeben wurde. Das deprimierende Resultat kann sich jeder betrachten, der seinen Blick auf die zerwühlte und zerstörte Landschaft rund um den Kutschweg richtet. Nun droht neues Ungemach. Harmlos klingende, von den Gips-Lobbyisten den Ministerialbeamten im fernen Hannover, die die Zerstörungen ja nicht mit ansehen müssen, in die Feder diktierte Formulierungen im neuen Landesraumordnungsprogramm erlauben den ungenierten Zugriff auf vermeintlich durch deutsches und europäisches Recht geschützte Naturschutzgebiete. Kein Zweifel: Die Gipsindustrie startet den Frontalangriff auf die Schönheiten des Höllsteins, des Sachsensteins und des Himmelreichs.

Als Argument müssen einmal mehr die Arbeitsplätze herhalten. Die gibt es noch, aber sie haben sich seit Jahrzehnten umgekehrt proportional zur Ausweitung der Landschaftszerstörung entwickelt. Zahlreiche Gipswerke mitsamt allen Arbeitsplätzen wurden dem Erdboden gleichgemacht, in den Steinbrüchen agieren Subunternehmer, die hier keinen Pfennig Steuern entrichten und dafür alles kurz- und kleinfahren. Auch die Gewerbesteuereinnahmen verhalten sich den Zerstörungen entgegengesetzt: Je mehr Landschaft kaputtgeht, desto weniger fließt u.a. in die Walkenrieder Gemeindekasse. Diese Dinge hat man MdB Güntzler bei seinem Besuch auf der Kutzhütte wohlweislich verschwiegen. Mir ist auch nicht bekannt, dass er seine Schritte in eine der zerstörten Landschaften gerichtet hätte. Nur wenige Meter hätte er gehen müssen – hinter dem Werk hat die nächste großflächige Abholzung bereits begonnen. Das „Mehholz“ ist ein für allemal dahin – genau wie der Röseberg. Pfaffenholz und Trogstein sind auch nicht mehr zu retten – die gewünschten Erweiterungsflächen sind in den Karten bereits eingetragen. Und beim Lärmschutz gibt es offenbar auch Ausnahmen – tagelang dröhnt das Getackere aus den Brüchen und der Krawall des Brechers über den Ort hinweg und hat schon manchen Kaufwilligen bewogen, sein Haus woanders zu erwerben. Es geht, siehe Ellrich, auch deutlich leiser. Aber das schmälert ja die Gewinne!

Das, was jetzt noch geschützt ist, ist es aus gutem Grunde. Und es muss mitsamt entsprechender Pufferzonen auch weiterhin und dauerhaft geschützt bleiben. Wir dürfen nicht zulassen, dass dieses Raumordnungsprogramm in Kraft tritt!

Röseberg-West

Der Gipsbruch Röseberg-West (Foto: Dr. Reiner Cornelius, BUND Westharz).

Argumente der Fusionsgegner sind stichhaltig und verdienen gehört zu werden

(von Michael Reinboth)

Wer in diesen Tagen die Tagespresse im Südharz studiert, der muss zu dem Schluss kommen, dass die Gegner einer Fusion Bad Lauterberg – Walkenried (oder, richtiger formuliert, der Einverleibung von Walkenried, Wieda und Zorge durch Bad Lauterberg) von der Bildfläche verschwunden sind. Es kommen – trotz publizierter Pressemitteilungen und verteilter Flyer – nur Befürworter der Fusion zu Wort. Das ist sehr bedauerlich und widerspricht auch dem Ziel einer ausgewogenen und fairen Berichterstattung. Allerdings gibt es heute – in diesem Fall: Zum Glück! – auch andere Möglichkeiten der Information.

Die Fusionsgegner haben zum Beispiel dieser Tage an alle Haushalte in Walkenried, Wieda und Zorge einen Flyer verteilt, in dem sie auf die erheblichen Risiken der Fusion hinweisen, die Schwachstellen des so genannten Fusionsvertrages (der eher einer Unterwerfungserklärung entspricht und alles, aber auch alles in die Hände des Lauterberger Rates legt) aufzeigen und vor allem darlegen, dass jedwede Fusion ohne nachhaltige Verbesserung der kommunalen Einnahmen vergebliche Liebesmühe ist. Die Befürworter machen sich nicht einmal die Mühe, hierauf einzugehen. Das ist noch nachzuvollziehen. Das die freie Presse ebenso verfährt, ist allerdings ein Skandal.

Auch das Nichtauftreten vor der Kamera hat seinen Grund. Gefragt, ob man denn als Bürgerin oder Bürger, der sich gegen die Fusion äußert, im Rahmen der Veranstaltung Gelegenheit bekommt, auf das zu erwartende kollektive Niedermachen der Argumente entgegnen zu dürfen, wurde klipp und klar geantwortet: Nein! Bei einer derart einseitigen und als durchsichtiges politisches Manöver leicht zu enttarnenden Vorgehensweise muss man nicht mitmachen.

Leider wird auch nicht erwähnt, dass die Befürworterseite sich ihre Gegner auf dem Posium quasi „ausgesucht“ hat. Man hätte die Fusionsgegner ja auch bitten können, die Gesprächspartner für eine solche Runde zu benennen. Das hat man tunlichst unterlassen. Warum eigentlich? Ebenfalls unerwähnt bleibt das von vornherein geplante Missverhältnis von 6 zu 2 – 6 Amtsträger sollten auf 2 Bürgerinnen und Bürger munter einprügeln können. Demokratie sieht eigentlich anders aus – aber die wurde in Sachen Fusion schon immer mit Füßen getreten.

Aber sei’s drum. Der Flyer liefert erschöpfende und ausreichende Argumente, um diese Fusion allemal abzulehnen. Selbst wenn man Zusammenarbeit befürwortet und auch für notwendig erachtet, ist der vorliegende Vertrag eine Farce.

Damit nicht nur „Einheimische“ sich informieren können, stellen wir den Flyer hiermit auf unsere Seiten. Für die Gegenseite sorgt in herausragender Weise ja bereits der „HarzKurier“, der übrigens Leserbriefe der Fusionsgegner während der Hacker-Pause gar nicht erst entgegennahm. Er war – für den Normalbürger – schlicht nicht zu erreichen… Jetzt ist er es wieder, aber leider so einseitig wie eh und je. Es wäre schön, wenn die Befürworter des sounsovielten Zusammenschlusses im Südharz (noch keiner hat ansatzweise etwas gebracht) sich endlich einmal mit den dort aufgeworfenen Fragen beschäftigen würden, anstatt immer wieder dieselben, längst abgenutzten Argumente zu wiederholen.

Keiner, der auf dem Podium saß, hat sich in seiner zum Teil langwährenden politischen Karriere auch nur ansatzweise darum bemüht, die kommunale Finanzseite zu stärken. Von MdL Hausmann, gefühlt seit Jahrzehnten im Landtag, war diesbezüglich noch nie etwas zu hören. Stattdessen vergleicht er LaPeKa, unmittelbar an Osterode angrenzend und schon immer die Infrastruktur der alten Kreisstadt mitnutzend, mit Walkenried, Wieda und Zorge. Der Mann hat eben keine Ahnung oder weiß nicht, dass zwischen Walkenried und Bad Lauterberg 15 Kilometer und eine keineswegs optimale ÖPNV-Verbindung liegen.

Krönung der Veranstaltung war aber die kollektive Drohung, dass „wegen Corona“ alles noch schlechter werden wird. Wohlan denn: Dann bringt die geplante Fusion schon gar nichts und wir lassen es besser, weil die dann fusionierte Kommune sofort wieder vor der Pleite steht – und erneut fusionieren muss… Vielleicht sollten die Damen und Herren auf dem Podium mal die Ärmel hochkrempeln und sich für eine bessere Finanzausstattung der Kommunen einsetzen. Sogar Olaf Scholz hat das ja nun gerafft und geäußert, dass man gerade nach Corona die Finanzkraft der Kommunen stärken muss. In ihrer Einfallslosigkeit malen die Diskussionsteilnehmer unisono aber nur Corona als Schreckgespenst an die Wand – ein argumentatives Armutszeugnis.

Die Gegner einer Fusion sind keineswegs blind und taub. Sie blicken nur ganz realistisch auf das, was die bisherigen Fusionen (Auflösung des Kreises Blankenburg, Bildung der Samtgemeinde Walkenried, Auflösung des Kreises Osterode, Bildung der Einheitsgemeinde Walkenried) gebracht haben und sehen, dass Bürgerbeteiligung in immer weitere Ferne rückt. Bald haben wir hier in unseren drei Orten überhaupt nichts mehr selbst zu entscheiden.

Was sagte neulich eine betagte, aber noch sehr helle Bewohnerin? „Gut, dass das Kloster keine Räder hat. Sonst hätten sie uns das auch schon weggenommen!“ Recht hat sie.

Walkenrieder Geiersberg: Bürgerbeteiligung unerwünscht?

(von Jürgen Domayer)

Landauf, landab wird die Politik nicht müde, ehrenamtliche Tätigkeit zu loben und bürgerschaftliches Engagement zu preisen, ohne die unser Gemeinwesen schlechterdings nicht existieren könne. Wer bei der letzten Walkenrieder Bürgerfragestunde anwesend war, musste freilich – und das nicht zum ersten Mal – feststellen, dass solches Engagement dann unerwünscht ist, wenn es mit Kritik an eben jener Politik und der ausführenden Verwaltung einhergeht. Als Bürger, der die Arbeiten auf dem Geiersberg in Walkenried kritisiert, auf die Vernichtung von Werten und auf unsachgemäße Ausführung hinweisen, zugleich aber auch auf mögliche Schritte nach vorn aufmerksam machen wollte, wurde ich mit ausgesprochen unsachgemäßen und unpassenden Argumenten und Kommentaren quasi nieder-gemacht. Auf das eigentliche Thema wurde nicht eingegangen, stattdessen wurde auf mein früher angeblich fehlendes Engagement verwiesen.

Abgesehen davon, dass Letzteres einfach nicht stimmt, zeugt es von einer fehlenden Souveränität im Umgang mit berechtigten Bürgeranliegen und vom schlechten Gewissen, was das Objekt der Kritik, nämlich den einstigen Wald- oder Bürgerpark auf dem Geiersberg angeht. Der „HarzKurier“ schlug sich auf die Seite der Verwaltung und mahnte fehlendes Lob für die Gemeindearbeiter an, die ich in diesem Zusammenhang gar nicht kritisiert hatte, weil sie zwar den Schaden unmittelbar verursacht, aber doch nur auf Weisung gehandelt haben und es ihnen zudem an fachlicher Beratung fehlte. Beratung, die ich im Vorfeld der Maßnahme übrigens angeboten hatte. Wer diesen Umgang mit den Bürgern, der zum Teil am Rande einer Bürgerbeschimpfung verlief, miterlebt hat, wird sich künftig drei Mal überlegen, ob er in einer öffentlichen Fragestunde kritische Punkte aufgreifen wird.

Und solche Punkte gibt es gerade im Bereich Grünpflege mehrfach. Nicht nur auf dem Geiersberg wurden Werte vernichtet, sondern auch im Kurpark von Zorge. Auch hier hätte man mit entsprechender Beratung lobenswertes Engagement in die richtige Richtung lenken können. Und was die Bäume in der Walkenrieder Harzstraße betrifft, so wurde das, was in der Ausschreibung verlangt wurde, nämlich Wurzelbehandlung und Einbringen von Mutterboden, vollkommen und unter den Augen der den Bau überwachenden Mitarbeitern der Gemeinde missachtet. Wenn diese – von den Bürgern gespendeten! – Bäume demnächst zu leiden beginnen, müssen wir uns nicht wundern. Und nach dieser Art Umgang mit bürgerschaftlichem Engagement auch an dieser Stelle muss man sich sicher auch nicht wundern, wenn die Bereitschaft der Bürger, für ihren Ort zu spenden oder sich in anderer Form einzubringen, gen Null gehen wird.

Unserer Verwaltung fehlt es klipp und klar an Bürgernähe und vor allem auch an Verbundenheit mit dem Ort. Kein Wunder, kommt doch nicht einer der leitenden Mitarbeiter von hier oder hat hier seinen Wohnort. Wer die Harzstraße nur auf dem Wege zur Arbeit und zurück durchfährt, nimmt natürlich nicht wahr, wie da mangels Überwachung Dinge kaputtgehen. Und viele derer, die im Rathaus schaffen, haben den Weg nach dort oben wohl noch nicht gefunden. Sonst wüssten sie, worum es geht!

Damit zurück zum Geiersberg. Dieser wurde nach den Zerstörungen durch den Sturm 1972 von den Walkenrieder Bürgerinnen und Bürgern aufgeräumt. Dieses enorme bürgerschaftliche Engagement war Voraussetzung für die anschließende Umgestaltung zu einem Waldpark, bei der die Auswahl der Bäume und Sträucher ganz bestimmte Überlegungen zugrunde lagen, die nunmehr obsolet sind, weil die wertvollen Hölzer gekappt, die Brombeerhecken am Wasserbassin hingegen geschont wurden. Auch ökologische Aspekte wurden mithin mit Füßen getreten. Aber der Park erfreut sich, siehe die endlose Geschichte der Verpachtung des Kiosks und die Verwahrlosung des Grillplatzes, schon seit Jahren fehlender Aufmerksamkeit durch die, welchen man seine Betreuung anvertraut hat. Dennoch sind trotz aller Rückschläge und trotz aller Abkanzeleien „von oben“ immer noch Bürgerinnen und Bürger bereit, sich für ihren Park einzusetzen. Und sie sind – wie ich auch – bereit, trotz aller Fehlleistungen der Vergangenheit nach vorn zu schauen und sich bei einer Umgestaltung des Parks einzubringen.

Sie erwarten hierfür allerdings von Rat und Verwaltung Aufmerksamkeit und Respekt. Bürgerschaftliches Engagement sollte auch dann willkommen sein, wenn es nicht im Mainstream der Überlegungen der Verwaltung mitschwimmt.

Erinnerungen an die Walkenrieder Weihnacht des Jahres 1946

(von Ruth Monicke)

Walkenried im Südharz, im Jahre 1946, für viele Menschen bekannt als Durchschlupf unter dem Zaun in die sowjetische Zone. Das Risiko geschnappt zu werden ist groß; ein paar Tage im Gewahrsam wird in Kauf genommen – es gab schon Schlimmeres. Walkenried, Endpunkt des Krieges, ist nun auch Endpunkt der Eisenbahn. Zudem vollgestopft mit Flüchtlingen aus dem Osten. Und dann setzt der Strom der Vertriebenen erst richtig ein. Mit der beschaulichen Idylle im Südharz ist es vorbei. Es funktioniert alles mehr schlecht als recht.

Der kleine Ort, nun Grenzort und von seiner wirtschaftlichen Ader urplötzlich abgeschnitten, ist einfach überfordert. Und von überallher kommen weitere Menschen die einen Unterschlupf suchen. Eigentlich wollten sie mit der Familie „rüber“, das wurde plötzlich unmöglich. Der Wohnraum ist schon lange erschöpft. Die Behausungen und Gelasse, die sich heute keiner mehr vorstellen kann, beherbergen Obdachlose, deren Zuhause nicht mehr vorzufinden ist. Im Park und überall halten sich Gestrandete auf, trocknen bescheiden Wäschestücke. Bisher ist es noch warm, was aber wenn der Winter naht?

Und der kam schneller als erwartet. Und zwar mit viel Schnee und einer eisigen Kälte wie lange zuvor nicht mehr. Jeder erreichbare Ast und alles was Wärme spendet wird verfeuert. Die Menschen frieren, die Menschen hungern, nur die Schulkinder bekommen „Schulspeisung“. Doch es fehlt an allem, weder warme Kleidung noch genügend Nahrung steht zur Verfügung und zu allem Überfluss friert auch noch das Wasser in Walkenried ein. An verschiedenen Zapfstellen wird zu festen Zeiten das Wasser angestellt, die Bevölkerung versorgt sich so gut es geht. Nur die Kinder haben ihre helle Freude an den zugefrorenen Teichen, eine alte Tradition, sich aufs Eis zu begeben. Ein ganz neues Erlebnis auch für die Flüchtlingskinder.

Die zeitigen und sehr strengen Winter 1946 und 1947 sollten in die Geschichtsbücher eingehen. Die Kälte – oftmals bis 28 Grad – trifft die Menschen in größter Not. Es ist die Weihnachtszeit, das zweite Weihnachten nach dem Krieg, dem Krieg, der verheerende Zerstörungen hinterließ, unendliches Elend über die Menschheit brachte und den Kindern die Väter nahm. Und so rückten die Tage zum heiligen Fest näher, vielleicht stiegen auch die Erwartungen der Kinder? Wie mag es nur den Müttern ergangen sein, die sich in der verzweifelten Lage befanden, den Kindern ein schönes Weihnachtsfest gestalten zu wollen?

Doch, es ging, die Kinder hatten keine Wünsche, hatten sie schon lange nicht mehr. Sie wussten, die Mutter hat sie heil bis hierher gebracht, die Mutter ist ihnen Schutz und Hort zugleich und wenn die einsame Kerze ihr warmes Licht auch nur in einer elenden Hütte verbreitet – sie, die Kinder waren geborgen und in Sicherheit. Als die Glocken in die Kirche riefen, feierten sie alle gemeinsam das heilige Fest. Sie lauschten der Andacht und jeder fühlte die einhüllende Wärme der Gemeinschaft, das Gebet war ihr größtes Geschenk ans Leben, an das Wunder des Überlebens!

Einige Kinder von damals werden sich vielleicht noch erinnern, dass die wirtschaftliche Not in Deutschland so katastrophal war, dass sich am 26.12. 1945 die Wohlfahrtsorganisationen Amerikas zusammenschlossen und Care gründeten – die sagenhaften Care-Pakete!

In der Adventszeit 2018, geschrieben von einem damaligen Flüchtlingsmädchen.

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