//
Archiv

Leserbriefe

Diese Kategorie enthält 45 Beiträge

Walkenrieder Geiersberg: Bürgerbeteiligung unerwünscht?

(von Jürgen Domayer)

Landauf, landab wird die Politik nicht müde, ehrenamtliche Tätigkeit zu loben und bürgerschaftliches Engagement zu preisen, ohne die unser Gemeinwesen schlechterdings nicht existieren könne. Wer bei der letzten Walkenrieder Bürgerfragestunde anwesend war, musste freilich – und das nicht zum ersten Mal – feststellen, dass solches Engagement dann unerwünscht ist, wenn es mit Kritik an eben jener Politik und der ausführenden Verwaltung einhergeht. Als Bürger, der die Arbeiten auf dem Geiersberg in Walkenried kritisiert, auf die Vernichtung von Werten und auf unsachgemäße Ausführung hinweisen, zugleich aber auch auf mögliche Schritte nach vorn aufmerksam machen wollte, wurde ich mit ausgesprochen unsachgemäßen und unpassenden Argumenten und Kommentaren quasi nieder-gemacht. Auf das eigentliche Thema wurde nicht eingegangen, stattdessen wurde auf mein früher angeblich fehlendes Engagement verwiesen.

Abgesehen davon, dass Letzteres einfach nicht stimmt, zeugt es von einer fehlenden Souveränität im Umgang mit berechtigten Bürgeranliegen und vom schlechten Gewissen, was das Objekt der Kritik, nämlich den einstigen Wald- oder Bürgerpark auf dem Geiersberg angeht. Der „HarzKurier“ schlug sich auf die Seite der Verwaltung und mahnte fehlendes Lob für die Gemeindearbeiter an, die ich in diesem Zusammenhang gar nicht kritisiert hatte, weil sie zwar den Schaden unmittelbar verursacht, aber doch nur auf Weisung gehandelt haben und es ihnen zudem an fachlicher Beratung fehlte. Beratung, die ich im Vorfeld der Maßnahme übrigens angeboten hatte. Wer diesen Umgang mit den Bürgern, der zum Teil am Rande einer Bürgerbeschimpfung verlief, miterlebt hat, wird sich künftig drei Mal überlegen, ob er in einer öffentlichen Fragestunde kritische Punkte aufgreifen wird.

Und solche Punkte gibt es gerade im Bereich Grünpflege mehrfach. Nicht nur auf dem Geiersberg wurden Werte vernichtet, sondern auch im Kurpark von Zorge. Auch hier hätte man mit entsprechender Beratung lobenswertes Engagement in die richtige Richtung lenken können. Und was die Bäume in der Walkenrieder Harzstraße betrifft, so wurde das, was in der Ausschreibung verlangt wurde, nämlich Wurzelbehandlung und Einbringen von Mutterboden, vollkommen und unter den Augen der den Bau überwachenden Mitarbeitern der Gemeinde missachtet. Wenn diese – von den Bürgern gespendeten! – Bäume demnächst zu leiden beginnen, müssen wir uns nicht wundern. Und nach dieser Art Umgang mit bürgerschaftlichem Engagement auch an dieser Stelle muss man sich sicher auch nicht wundern, wenn die Bereitschaft der Bürger, für ihren Ort zu spenden oder sich in anderer Form einzubringen, gen Null gehen wird.

Unserer Verwaltung fehlt es klipp und klar an Bürgernähe und vor allem auch an Verbundenheit mit dem Ort. Kein Wunder, kommt doch nicht einer der leitenden Mitarbeiter von hier oder hat hier seinen Wohnort. Wer die Harzstraße nur auf dem Wege zur Arbeit und zurück durchfährt, nimmt natürlich nicht wahr, wie da mangels Überwachung Dinge kaputtgehen. Und viele derer, die im Rathaus schaffen, haben den Weg nach dort oben wohl noch nicht gefunden. Sonst wüssten sie, worum es geht!

Damit zurück zum Geiersberg. Dieser wurde nach den Zerstörungen durch den Sturm 1972 von den Walkenrieder Bürgerinnen und Bürgern aufgeräumt. Dieses enorme bürgerschaftliche Engagement war Voraussetzung für die anschließende Umgestaltung zu einem Waldpark, bei der die Auswahl der Bäume und Sträucher ganz bestimmte Überlegungen zugrunde lagen, die nunmehr obsolet sind, weil die wertvollen Hölzer gekappt, die Brombeerhecken am Wasserbassin hingegen geschont wurden. Auch ökologische Aspekte wurden mithin mit Füßen getreten. Aber der Park erfreut sich, siehe die endlose Geschichte der Verpachtung des Kiosks und die Verwahrlosung des Grillplatzes, schon seit Jahren fehlender Aufmerksamkeit durch die, welchen man seine Betreuung anvertraut hat. Dennoch sind trotz aller Rückschläge und trotz aller Abkanzeleien „von oben“ immer noch Bürgerinnen und Bürger bereit, sich für ihren Park einzusetzen. Und sie sind – wie ich auch – bereit, trotz aller Fehlleistungen der Vergangenheit nach vorn zu schauen und sich bei einer Umgestaltung des Parks einzubringen.

Sie erwarten hierfür allerdings von Rat und Verwaltung Aufmerksamkeit und Respekt. Bürgerschaftliches Engagement sollte auch dann willkommen sein, wenn es nicht im Mainstream der Überlegungen der Verwaltung mitschwimmt.

Erinnerungen an die Walkenrieder Weihnacht des Jahres 1946

(von Ruth Monicke)

Walkenried im Südharz, im Jahre 1946, für viele Menschen bekannt als Durchschlupf unter dem Zaun in die sowjetische Zone. Das Risiko geschnappt zu werden ist groß; ein paar Tage im Gewahrsam wird in Kauf genommen – es gab schon Schlimmeres. Walkenried, Endpunkt des Krieges, ist nun auch Endpunkt der Eisenbahn. Zudem vollgestopft mit Flüchtlingen aus dem Osten. Und dann setzt der Strom der Vertriebenen erst richtig ein. Mit der beschaulichen Idylle im Südharz ist es vorbei. Es funktioniert alles mehr schlecht als recht.

Der kleine Ort, nun Grenzort und von seiner wirtschaftlichen Ader urplötzlich abgeschnitten, ist einfach überfordert. Und von überallher kommen weitere Menschen die einen Unterschlupf suchen. Eigentlich wollten sie mit der Familie „rüber“, das wurde plötzlich unmöglich. Der Wohnraum ist schon lange erschöpft. Die Behausungen und Gelasse, die sich heute keiner mehr vorstellen kann, beherbergen Obdachlose, deren Zuhause nicht mehr vorzufinden ist. Im Park und überall halten sich Gestrandete auf, trocknen bescheiden Wäschestücke. Bisher ist es noch warm, was aber wenn der Winter naht?

Und der kam schneller als erwartet. Und zwar mit viel Schnee und einer eisigen Kälte wie lange zuvor nicht mehr. Jeder erreichbare Ast und alles was Wärme spendet wird verfeuert. Die Menschen frieren, die Menschen hungern, nur die Schulkinder bekommen „Schulspeisung“. Doch es fehlt an allem, weder warme Kleidung noch genügend Nahrung steht zur Verfügung und zu allem Überfluss friert auch noch das Wasser in Walkenried ein. An verschiedenen Zapfstellen wird zu festen Zeiten das Wasser angestellt, die Bevölkerung versorgt sich so gut es geht. Nur die Kinder haben ihre helle Freude an den zugefrorenen Teichen, eine alte Tradition, sich aufs Eis zu begeben. Ein ganz neues Erlebnis auch für die Flüchtlingskinder.

Die zeitigen und sehr strengen Winter 1946 und 1947 sollten in die Geschichtsbücher eingehen. Die Kälte – oftmals bis 28 Grad – trifft die Menschen in größter Not. Es ist die Weihnachtszeit, das zweite Weihnachten nach dem Krieg, dem Krieg, der verheerende Zerstörungen hinterließ, unendliches Elend über die Menschheit brachte und den Kindern die Väter nahm. Und so rückten die Tage zum heiligen Fest näher, vielleicht stiegen auch die Erwartungen der Kinder? Wie mag es nur den Müttern ergangen sein, die sich in der verzweifelten Lage befanden, den Kindern ein schönes Weihnachtsfest gestalten zu wollen?

Doch, es ging, die Kinder hatten keine Wünsche, hatten sie schon lange nicht mehr. Sie wussten, die Mutter hat sie heil bis hierher gebracht, die Mutter ist ihnen Schutz und Hort zugleich und wenn die einsame Kerze ihr warmes Licht auch nur in einer elenden Hütte verbreitet – sie, die Kinder waren geborgen und in Sicherheit. Als die Glocken in die Kirche riefen, feierten sie alle gemeinsam das heilige Fest. Sie lauschten der Andacht und jeder fühlte die einhüllende Wärme der Gemeinschaft, das Gebet war ihr größtes Geschenk ans Leben, an das Wunder des Überlebens!

Einige Kinder von damals werden sich vielleicht noch erinnern, dass die wirtschaftliche Not in Deutschland so katastrophal war, dass sich am 26.12. 1945 die Wohlfahrtsorganisationen Amerikas zusammenschlossen und Care gründeten – die sagenhaften Care-Pakete!

In der Adventszeit 2018, geschrieben von einem damaligen Flüchtlingsmädchen.

Bericht vom Abfischen im Spätherbst 2017

(von Ruth Monicke)

Kalt ist es, und ungemütlich. Der erste Frost zeigt den Spätherbst an. Langsam lichtet sich im Morgengrauen der dunstige Nebel über dem Priorteich. Der steigt aus dem freigeworden Schlamm aus der Tiefe und gibt den letzten Rest seiner gespeicherten Wärme ab. Ganz sachte wurde der Mönch gezogen, Brett für Brett, tagelang. Und so ist der Monat Oktober ins Land gegangen, es ist November. Der Regen hat die Wiesen und Moose gesättigt, Rinnsale überall. Es hat viel geregnet in letzter Zeit. So braucht es Geduld, ehe sich das letzte Wasser im Gerinne sammelt. Und so stehen die Männer beim anbrechenden Tag am Ufer und blicken gespannt auf das was da ankommt.

Es wird eng vorm Mönch, zusammengedrängt bringen die Fische das Wasser zum Brodeln. Die Fischernte kann beginnen. Es sind anstrengende Stunden, es ist längst Mittag vorbei. Aber die Arbeit ist noch nicht beendet, die fängt erst richtig an. Das Sortieren der Setzlinge in die Wasserkübel, mal kleine, mal große Fische. Das erneute Wiederbesetzen der Teiche ringsum beginnt. Es muss schnell gehen beim Abfischen, der Sauerstoff wird knapp. Es wird hierhin und dorthin gefahren. Verteilt wird nach Größe und Art. Vorbereitet muss alles sein. Für die Frage wohin mit dem Nachwuchs, wäre jetzt keine Zeit. Wo kann sich der kleine Fisch gut entwickeln, in Ruhe wachsen. Das ist längst geklärt. Optimal wäre ein „raubfischsauberes Gewässer“, aber wo gibt es den Teich in dem der Hecht keinen Unterstand zum Jagen hat? Es gibt viele Jäger im und am Wasser, hier herrscht das Prinzip des Fressens und gefressen Werdens. Der nächtlich räubernde Waschbär knackt liebend gern die Muschel, und der Reiher kommt seiner Mahlzeit so nahe wie nie zuvor, oder der kleine Vogel, was für ein saftiger Schmaus. Die Bewohner des Waldes wissen genau wann Abfischzeit ist. Und so ist die Teichlandschaft, insbesondere das Wasser, eine ergiebige Nahrungsquelle, um für den Winter Fettreserven anzulegen. Doch der Priorteich ist nicht der einzige Teich, der in diesem Jahr abgelassen wird, die Arbeit ist noch nicht beendet.

Das ist der fortlaufende Rhythmus im Teichverbund, der wechselweise das Abfischen in jedem Jahr bestimmt. Doch jeder Teich braucht Jahre für Ruhezeiten. Wichtig ist der ständige Wiederaufbau der winzigen Nährtiere (dem Zooplankton), alles muss im Zusammenhang betrachtet werden. Denn Walkenried hat Naturteiche, keine Fischzucht. Und so ist alles Leben im Wasser auf die intakte Nahrungskette angewiesen. Das ist auch die Voraussetzung beim Brutverhalten der Wasservögel; die schnelle Erholung der Natur im Umfeld der Teiche. Darum kommt der Hege und Pflege ein gewichtiger Stellenwert zu, zum Wohle unserer Teichlandschaft. Die verlangt Umsicht und Einsatz. Daher sollte auch die Erholung des Menschen nicht außer Acht gelassen werden. Denn alle, die sich unentgeltlich in ihrer Freizeit, und das nicht nur in der Zeit des Herbstes, für die Teich- und Abfischarbeiten zur Verfügung stellen, die tun etwas für das Gemeinwohl Walkenrieds. Denn die „Walkenrieder Klosterteiche“ sind keine angelegten Angelteiche, wie man es gemeinhin betrachtet. Es ist ein 900 Jahre altes, über 30 Hektar großes Kulturgut, das zum langfristigen Bestandschutz kontinuierlicher Pflegemaßnahmen bedarf. So brauchen all die Mitglieder des Walkenrieder Angelvereins, ob sie im Sommer für begehbare Wanderwege rund um die Teiche sorgen oder Sportfischer-Unterricht geben, ob sie im Herbst beim Geräteauf- und Geräteabbau, dabei sind – sie hantieren ständig am Wasser.

Nicht zu vergessen, die jahrelange Arbeitsleistung als geldwerten Beitrag bei der (noch), fortlaufenden Sanierungsarbeit. Spätestens in jedem Jahr beim Abfischen, was über Wochen geht, bei Kälte und Nässe, bei Schlamm und Dreck, fragt sich mancher: Warum mach ich das bloß? Und das machen die Walkenrieder Sportfischer jetzt annähernd 40 Jahre lang – und bezahlen auch noch Pacht dafür. Stellt sich da nicht für machen die Frage, was wäre, wenn es diese Idealisten nicht gäbe?

Abfischen

Besucher des Walkenrieder Osterfeuers blieben trocken

Der Himmel war dem ausrichtenden TV Friesen und den am Ende doch zahlreichen Besuchern des Walkenrieder Osterfeuers auf dem Geiersberg gnädig gestimmt. Nachdem es noch am Vormittag regnerisch war, konnten Bratwurst und Bier bei prasselndem Feuer und nächtlichen Feuerwerk ohne Regenschirm genossen werden. Freilich war man gut beraten, eine warme Jacke und eine Mütze dabei zu haben. Gegen 20 Uhr loderte das mit viel Mühe zusammengetragene und aufgeschichtete Feuer hoch auf. Vom Geiersberg aus konnte man aber auch das Feuer im Nachbarort Wieda beobachten. Die doch recht kühle Witterung tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Immer wieder kann man feststellen, dass das Osterfeuer auch ehemalige Walkenrieder anlockt, die über Ostern zu Besuch im Klosterort weilen. Dem TV Friesen gebührt ein großes Dankeschön dafür, dass er sich Jahr für Jahr der Mühe unterzieht, das Walkenrieder Osterfeuer zu gestalten. Viele Helfer sind für Aufbau, Grill, Getränkeverkauf und – nicht zu vergessen – das anschließende Aufräumen nötig. Hoffen wir, dass das Osterfeuer 2018 etwas mehr vom Wetter begünstigt wird.

Osterfeuer

Leserbrief zu den Forstarbeiten an den Hirsewiesen

(von Ruth Monicke)

Es ist sehr zu begrüßen, dass die Niedersächsischen Landesforsten (Forstamt Lauterberg), die Hirsewiesen ausholzen. Die rigorose Unterschutzstellung dieser hochsensiblen Feuchtwiesen, hat durch Baum- und Strauchbewuchs zum Ausbleiben genügender Wasserzufuhr für die Klosterteiche geführt. Es war doch allgemein bekannt, dass beim Anlegen der Klosterteiche nur das Gebiet „Hirsewiesen“ als Wasserversorger und im Besonderen als Wasserspeicher bei Trockenzeiten galt. In der Vergangenheit wurden die Flächen entsprechend bewirtschaftet. Seit Unterschutzstellung wurde nichts mehr gegen das Überwachsen mit Buschwerk und Bäumen getan, in der Folgezeit verringerte sich die Speicherkapazität. So wurde ein Großteil des zur Verfügung stehenden Wassers durch wucherndes Wurzelwerk aufgesaugt und dem angrenzenden Hirseteich als Vorfluter entzogen.

Der Schutzstatus im NSG wurde trotzdem eisern befolgt. Dabei waren die intakten Feuchtwiesen Anfang des 12. Jahrhunderts das Kriterium für das Anlegen der 16 Teiche mit einer Größe von 40 ha. Diese Teiche, allesamt „Himmelsteiche“, die nur von der Schneeschmelze, dem Regen und den Hirsewiesen gespeist werden, müssen ohne jegliche Bacheinleiter auch im heißesten Sommer auskommen. Das können die Teiche in normalen Jahren durch ihr ausgeklügeltes Umlaufsystem auch mal verkraften. Bleibt aber über Jahre durch fehlende Schneemenge und Trockenperioden das „Himmelswasser“ aus, verringert sich mehr und mehr der Wasserstand er Teiche. Das Wasser erwärmt sich und die Teiche wachsen schneller zu – sie verlanden vom Ufer aus.

Um nun der Verlandung entgegenzuwirken, sind Maßnahmen wie jetzt an den Hirsewiesen wichtige Schritte. Ob allerdings die Verlandung, bedingt auch durch die Klimaveränderung, dauerhaft aufgehalten werden kann, ist bei den flachen Klosterteichen fraglich. Ein Überdenken der rigorosen Schutzmaßnahmen und das Abwägen, ob nicht das totale „sich selbstüberlassen“ manchmal mehr Schaden als Nutzen einbringt, ist schon mal ein guter Ansatz. Bei den Hirsewiesen mit Sicherheit.

Der Höllteich bei Walkenried

Der Höllteich bei Walkenried / Zeichnung von Walther Hans Reinboth.

Zugriffsstatistik

  • 246.824 Besucher

(aktuell 73 Abonnent*innen)