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Leserbriefe

Diese Kategorie enthält 45 Beiträge

Leserbrief: Die kriminelle Verlockung

(von Ruth Monicke)

Zunehmend wird im digitalen Zeitalter über den bargeldlosen Zahlungsverkehr berichtet. Die Vorstellung, im alltäglichen Leben ohne Geld im Portmonee rumzulaufen ist zwar gewöhnungsbedürftig, die Vorzüge sind aber nicht von der Hand zu weisen. Und je mehr man darüber nachdenkt, kommt man zu der Überzeugung, dass die Welt vielleicht ein kleinwenig sicherer werden könnte. Um Betrugsfälle der besonderen Art einzudämmen, wird erwogen, den Druck großer Geldscheine einzustellen. Der Normalbürger ist davon nicht unbedingt betroffen. Der trägt selten einen Fünfhunderter mit sich herum (den hat schon die Miete geschluckt), der hat es auch weniger mit Rauschgifthandel und Ganoven im großen Stil zu tun. Würde sich der digitale Zahlungsverkehr negativ auf uns auswirken? Im gesellschaftlichen Leben wäre es zwar wieder ein Verlieren an persönlicher Freiheit (oder Gewohnheit), trotz alledem, würden wir davon an Sicherheit gewinnen. Beziehungsweise, im Umkehrschluss ein Quäntchen Freiheit der kriminellen Entwicklung opfern. Das ist nun mal unbestreitbar, leider sprechen aber alltägliche Vorkommnisse für sich:

  • Unzählige Senioren werden durch skrupellose Betrüger mit dem schäbigen Enkeltrick um ihr mühselig Erspartes gebracht (der Täter will doch kein Überweisungsformular).
  • Entführung, Lösegeldforderungen (wird schwierig, schwierig).
  • Banküberfälle würden aufhören (kein Bargeld vorhanden).
  • Tresoraufbrüche in Büros (nur Buchungspapier).
  • Geldautomaten würden abgebaut (schonender als sprengen).
  • Raubüberfälle auf der Straße (wird eingedämmt).
  • Nachts würden die Straßen sicherer (Angst reduziert sich).
  • Handtaschenraub (nur Lippenstift und Tempo drin).
  • Einbrüche werden nachlassen (kein Bargeld im Haus).
  • Tankstellen (außer Smarties keine Beute).
  • Beschaffungskriminalität (kein schneller Joint).
  • Erpressungen unter Schülern (kein Taschengeld)
  • Die Juweliere, (die wären vielleicht die Gekniffenen).

Die Polizei würde entlastet wenn sich die Alltagskriminalität verringert und hätte Kräfte frei für andere Dinge. Man bedenke, allein um an Bargeld zu kommen, wird Jahr für Jahr ein enormer volkswirtschaftlicher Sachschaden durch Zerstörung angerichtet. Letztlich trägt das wiederum die Allgemeinheit durch steigende Versicherungsprämien. Absoluten Schutz wird es nie geben. Aber das Argument, dass wir dadurch mehr und mehr zum gläsernen Bürger würden, das ist fadenscheinig, denn was über Handys und Facebook alles freiwillig in die Welt getrötet wird, soviel wollen die Späher gar nicht wissen. Doch der Vorteil liegt doch auf der Hand, dass durch bargeldlosen Zahlungsverkehr zahlreiche Straftaten verhindert und dafür mehr alltägliche Sicherheit erreicht würde. Dazu wäre es für manchen Zeitgenossen eine Chance, mangels Aussicht auf eine Euro-Beute vorm Knast bewahrt zu werden. Doch zur allgemeinen Beruhigung, es ist als Folge nicht zu befürchten, dass die Gefängniswärter dann in leere Zellen gucken.

Ruth Monicke

Diese Geldstücke im Wert von 10 bzw. 1 Pfennig wurden 1914 geprägt.

Diese Geldstücke im Wert von 10 bzw. 1 Pfennig wurden 1914 geprägt.

Spätsommerlicher Spaziergang

Manchmal, wenn der Ärger über irgendetwas zu groß wird – zum Beispiel, wenn man lesen muss, dass das Telefon des Bahnhofs Walkenried nie öffentlich war, obwohl es jahrelang immer wieder im Bürgerblatt der Samtgemeinde aufgeführt wurde – und die Stube zu eng, schickt mich meine Frau in den Wald. Da kommst Du auf andere Gedanken! Manchmal komme ich dann allerdings noch wütender zurück: Kaputte Bank, abgerissenes Schild, Hundekot mitten auf dem Weg… Am vergangenen Wochenende allerdings war es anders. Eine wunderbare morgendliche Spätsommerstimmung mit ganz klarer Luft machte den Gang zum Vergnügen.

Eckteich

Der Eckteich hat seine Sanierung ganz gut verkraftet, die baggerbedingte Lücke hinten sieht man kaum. Möge es nun so bleiben. Weiter zum Drehkreuz – den Weg werden wir mal schneiden müssen! – und hinauf zum Sachsenstein. Die Zwerglöcher am Wege haben sich nicht verändert. An der Helbinghütte hingegen hat Dietmar Langer den Schilderwald sortiert und nun zwei ordentliche Pfosten aufgestellt. Das sieht doch richtig gut aus! Nun zum Ausblick oben auf den Klippen. Den hat die Forst ja wieder freigeschnitten. Man kann wieder gut nach Sachsa hinüber blicken. Was von dort an Kommentaren zur Entschuldung kommt, vergessen wir mal kurz. Wie war das vor einigen Jahren im Freizeitzentrum, als man auf die „bad bank“ in Form der Holding hinwies? Hohn und Spott wurde über uns Klostersche ausgegossen. Und nun? Die Wahrheit lässt sich eben nicht ewig verbergen. Die wirklich gemeinen Kommentare kommen ja aber aus Neuhof, und den Ort kann man von hier oben gar nicht richtig sehen…

Weiter zur Spatenbornwiese. Da sind sie wieder, diese magischen Lichtmomente des Spätsommers – oder soll man sagen des Frühherbstes? Die Sonne steht halt schon recht tief. Sie scheint aber recht schön auf die Spätblüher und deren Nutzer, die Insekten. Zu guter Letzt kommt auch noch ein Zug. Und da ist er wieder, der Ärger. Die werden mit ihren popeligen Gleisbauarbeiten schon wieder nicht rechtzeitig fertig…

Gipsloch

Klippen

Waldweg

Spätblüher

Biene

Ein paar schöne sonnige und klare Spätsommertage wünscht Ihnen die Redaktion der „Walkenrieder Nachrichten“!

Schönheit oder Monsterraupe?

(von Gisela Gust)

Den ersten Tag, an dem die Sonne nicht mehr so heiß vom Himmel brannte, nutzte ich für eine wieder nötige intensive Fuchsienpflege. Ich war ziemlich erschrocken, als ich beim Auflockern der Erde eine Raupe des Mittleren Weinschwärmers (Deilephila elpenor) zwischen den Fingern hatte.

„Die Raupe ist / wird fingerdick und ca. 8 cm lang. Im jüngeren Stadium ist sie grün, später braun und kurz vor der Verpuppung braunschwarz. Die deutlich hervortretenden Augenflecken lassen das Tier bedrohlich erscheinen. Das auf dem Hinterleib sitzende Analhorn ist spitz zulaufend. Der Falter erreicht eine Flügelspannweite von 4,5 bis 6 cm. Die Farbe pink ist neben anderen am auffälligsten. Die Tiere kommen in ganz Europa vor mit Ausnahme des hohen Nordens.“ (Quelle: Wikipedia)

In meinem Garten habe ich noch nie ein Exemplar gesehen. Ich kannte den Mittleren Weinschwärmer jedoch bereits von der für Fuchsienfreunde sehr interessanten Homepage www.fuchsien.jezi.de. Da mein kleiner Apparat keine scharfen Nahaufnahmen macht, darf ich die Fotos meines Fuchsienfreundes Winfried Jeziorowski aus dem Saarland verwenden. Von ihm weiß ich auch, dass eine Raupe in 4 – 5 Tagen eine Fuchsie mittlerer Größe kahlfressen kann. Aus Interesse hat er einmal eine gewähren lassen.

Eben hab ich noch eine Fraßstelle an meiner Fuchsie ‚Gisela Gust’ gefunden, aber keine Raupe. Hat wohl einem anderen Tierchen geschmeckt. Diese Fuchsie wurde ebenfalls von „Jezi“ gezüchtet. Vor allem sind Weidenröschen die bevorzugte Nahrung, in einem Fuchsiengarten aber eben auch sehr gerne Fuchsien. Jetzt füttere ich „meine“ Raupe in ihrer kleinen Behausung mit Fuchsienblättern. Ich werde mir einen Wegrand mit Weidenröschen suchen und sie dort aussetzen.

Übrigens sollte jeder, der Fuchsien in seinem Garten hat, Weidenröschen, auch die wilden, daraus verbannen. Sie sind Wirtspflanzen für den gefürchteten Fuchsienrost. Schreibt mir jemand unter gilagu@gmx.de wenn er schon einmal diese Spezies in unserer Gegend gefunden hat?

Mittlerer Weinschwärmer

Mittlerer Weinschwärmer

Stabilisierungshilfe für die Samtgemeinde Walkenried – wie geht es jetzt weiter?

(ein Gastbeitrag von Bürgermeister Herbert Miche)

Das Land Niedersachsen hat der Samtgemeinde Walkenried eine Stabilisierungshilfe in Höhe von 1,2 Mio. EUR in Aussicht gestellt. Dazu hat mit Vertretern des Ministeriums (MI) und des Landkreise Osterode am 30.07.2015 ein Gespräch stattgefunden. Das MI informierte offiziell über die Modalitäten der Stabilisierungshilfen, insbesondere über die Hintergründe der Stabilisierungshilfen und die maximale Höhe der Entschuldungshilfe. Außerdem wurden die Voraussetzungen zur Bewilligung der Hilfen genannt. Neben der in Aussicht gestellten Stabilisierungshilfe in Höhe von 10,2 Mio. EUR wurden auch Bedarfszuweisungen für die Jahre 2015 und 2016 in Aussicht gestellt. Gefordert wird in diesem Zusammenhang jedoch ein Konsolidierungsbeitrag (Haushaltsverbesserung) in einer bestimmten Größenordnung. Die durch das MI vorgegebene Zielsetzung im Rahmen des Finanzplanungszeitraumes muss bis 2018 umgesetzt werden. Das MI stellte auch die Genehmigung einer Einheitsgemeinde in Aussicht.

Bitte haben sie Verständnis, dass ich an dieser Stelle keine Größenordnung in Bezug auf die erforderliche Haushaltsverbesserung nenne. Bis zum Jahresende müssen dem MI entsprechende Maßnahmen vorgelegt werden. Sofern die vorgegebenen Bedingungen erfüllt werden, kann dann mit dem Land Niedersachsen ein entsprechender Vertrag geschlossen werden. Die Räte der Mitgliedsgemeinden und der Samtgemeinderat werden sich in Zusammenarbeit mit der Verwaltung mit den Bedingungen intensiv beschäftigen und die Machbarkeit prüfen.

Auf alle Fälle hat die Samtgemeinde Walkenried mit der in Aussicht gestellten Stabilisierungshilfe eine große Chance erhalten.

Es gilt, diese Chance zu nutzen!

Herbert Miche
(Bürgermeister)

Leserbrief zur Flüchtlingsdebatte: Wie sich die Themen gleichen

(von Ruth Monicke)

Widerwärtig nennt Bundespräsident Gauck die Angriffe auf Flüchtlingsheime. Und deren gab es im ersten Halbjahr 2015 schon 150, Tendenz steigend. Flüchtlinge waren noch nie beliebt. Und jeder der eine andere Hautfarbe hat, ist so und so suspekt – und dann die Sprache. Das sind ja Ausländer – nee, die woll‘n wir nicht.

Da haben wir ja direkt noch Glück gehabt. Wir, die Flüchtlinge von damals. Und dass wir sogar noch Deutsch sprachen, na sowas. Hätten’s die Einheimischen nicht gehört, sie hätten‘s nicht für möglich gehalten. Dass wir aber zerlumpt und ärmlich daher kamen und hier bei ihnen im Westen Unterschlupf suchten, das empfand man dann doch als arge Zumutung. Das ließ man uns Flüchtlinge deutlich spüren. Und ich bin mir nicht sicher, hätte man zur damaligen Zeit nicht so großen Respekt vor der Obrigkeit gehabt, vielleicht wäre auch so manche Baracke abgefackelt worden. Wir Flüchtlingskinder wussten sehr wohl wie dreckiges Gesindel aussieht – eben wie wir. Und so erstaunt es mich heute überhaupt nicht, wie mit den jetzigen Flüchtlingen umgegangen wird.

Wie sich die politische Seele im Jahr 2015 in Deutschland offenbart, von der menschlichen will ich gar nicht sprechen, das verkündet die tägliche Meldung. Man fühlt sich hier im sicheren Westen in seiner satten Trägheit gestört. Und je tiefer auf dem stillen Lande, je dichter ist der engstirnig gewebte Kokon.

Diese Tatsache ist jedoch nicht unbekannt und so werfe ich der Politik schwere Fehler vor. Statt die Menschen im Vorfeld einzubinden, sie vorzubereiten und mit ihnen gemeinsam zu beraten, wie das mit dem Ansturm der Flüchtlinge gelöst werden kann, stellt man sie vor vollendete Tatsachen. Es fehlt an geschulten Menschen die aufklärend wirken – aber die Politik darf sich nicht hinter zu wenig Personal verstecken. Es werden doch auch Stellen beim Wolfs-Monitoring geschaffen, Wolfsberater, die aufklärend auf die Begegnung mit dem Wolf vorbereiten. Das sind nur Tiere, hier geht es aber um Menschen. Gut, der Vergleich hinkt, aber wir sind in Notlagen doch einfallsreich – holt die größten Schreihälse, gebt ihnen Aufgaben, lasst sie Einblick in das Elend nehmen.

Denn geht es so weiter, muss Deutschland aufpassen, dass sich in unserem Lande der Rassismus nicht salonfähig macht – breitgemacht hat er sich schon.

Ruth Monicke

Flüchtlinge

Bundesarchiv: Deutsche Flüchtlinge laden 1945 ihr Gepäck an einem Berliner Bahnhof aus (Lizenz: CC BY-SA 3.0 de).

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