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Börgardts

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Neuzugänge für die Ausstellung „Gips – mehr als weißes Pulver“

Die Dauerausstellung zum Thema Gips im Walkenrieder Vereinshaus erfreut sich nicht zuletzt dank einer guten Internet-Präsenz regen Interesses. Kürzlich erhielten wir Besuch aus Stöckey. Reinhardt Wagner, gebürtiger Klettenberger und mit dem dortigen Gipswerk der Firma Börgardts sehr vertraut, brachte uns einige Gegenstände und Dokumente. Herzlichen Dank dafür! Die Dokumente sind vor allem deswegen sehr interessant, weil sie die Zeit beleuchten, in der die Firma Börgardts in Klettenberg noch eigenständig aktiv war und es offensichtlich – trotz schon bestehender Grenze – auch noch Kontakte zum Werk auf der Kutzhütte gab.

Marmorgipssack

Transportsack für 50kg Marmorgips aus Klettenberg, genutzt in den 1950er Jahren.

 

Dieser Sack für Marmorgips wurde in Klettenberg verwendet. Interessant ist vor allem die Rückseite, denn sie zeigt noch das alte „Logo“ mit dem Zeppelin, zugleich aber auch schon – schwach erkennbar – das Kennzeichen der Vereinigung Südharzer Gipswerke in der späteren DDR.

Zeppelin-Logo

Zeppelin-Logo auf der Rückseite von Gips-Transportsäcken der Firma Börgardts aus den 1950er Jahren.

 

Der Zeppelin ist gestochen scharf, es fehlen auch nicht die Motorgondeln.

Auch der Schriftwechsel aus der Zeit zwischen 1945 und 1950 ist beachtenswert.

Auftragsschein

Auftrag über die Lieferung von 3 Fass oder 10 Sack Marmorgips des Bremer Händlers Karl Fiebig an die Gipsfabrik Börgardts aus dem Jahr 1947.

 

Hier hat ein Geschäftspartner aus Bremen „3 Fass oder 10 Sack Marmorgips N“ in Klettenberg bestellt. „An Kutzhütte gegeben“ hat jemand mit Bleistift auf dem Auftragszettel vermerkt, auf welchem Klettenberg auch noch mit „C“ geschrieben steht. Von der Mangelwirtschaft damaliger Jahre zeugt ein anderes Stück Papier.

Lieferschein

Lieferschein über 12 Tonnen technischen Gips aus Walkenried an die Rheinhold & Co. GmbH in Dresden aus dem Jahr 1950.

Walkenrieder Bildernachmittag in der Bücherei

Am Mittwoch, den 20. Februar 2013 findet in den Räumen der Walkenrieder Bücherei ein weiterer „Walkenrieder Bildernachmittag“ statt. Dem Archiv des Vereins für Heimatgeschichte wurden in letzter Zeit wieder zahlreiche Fotos und andere Dokumente anvertraut, die von Claus Koch gescannt und archiviert worden sind und von denen eine kleine Auswahl von 15 bis 17 Uhr präsentiert werden soll. Schwerpunkt ist dieses Mal die Walkenrieder Feuerwehr, aber auch einige Ereignisse werden zum Anlass genommen, sie bildlich vorzustellen. Es wird genügend Raum und Zeit zum „Knätschen“ über die eine oder andere Person oder Geschichte vorhanden sein.

Feuerwehrfoto

Nun aber los! Unter den strengen Augen der Kampfrichter und beobachtet von den Zuschauern auf der Tribüne, werden die Schläuche ausgerollt. Aber wann und wo? Alles sieht noch ein wenig nach Militär aus, dazu einfache Gummistiefel – es könnte zu Beginn der fünfziger Jahre gewesen sein.

 

Nicht nur, aber auch am 20. besteht die Möglichkeit, einige Neuerwerbungen der ortsgeschichtlichen Sammlungen zu bewundern: Druckplatten von Genzel und Börgardts und ein weiteres Bild von Kasimir Ballenstedt. Im Rahmen der Veranstaltung wird Michael Reinboth auch ein neues Buchprojekt des Vereins für Heimatgeschichte erläutern, bei dem die Mitwirkung von Ortsbewohnern ausgesprochen wünschenswert ist. Geplant ist nämlich die Herausgabe eines Buches mit „Walkenrieder Weihnachtsgeschichten“.

Mehr dazu am 20. Februar…

Altes Walkenried

Die sehr frühe Aufnahme von Walkenried lässt sich anhand bestimmter Indizien zeitlich gut einordnen.

Unterirdische Sprengungen ……. dass die Häuser wackeln

(von Ruth Monicke)

Welch medialer Aufschrei, der in Anbetracht der heißen Diskussionen um zerstörte Wälder und Karstgebiete das neue elektronische Bürgerblatt erschüttert. Und welch ein Drama, dass es gerade das Umfeld der Familie Rode mit aller Härte trifft, das geht schon sehr zu Herzen. Vor allem, dass es jetzt sogar unterirdische Sprengungen sein sollen, das ist ja ganz was Neues. Ein Glück, dass diese Sprengtechnik nicht schon in den Jahren um 1864 im Rode-Steinbruch angewandt wurde (damals aggressives Dynamit), denn dann wären längst schon einige Straßen in der Versenkung verschwunden und andere nie gebaut worden.

So aber wurden noch Mitte des 20. Jahrhunderts im Rode-Steinbruch ganz normale Sprengungen vorgenommen, wo zwar noch mit brisanteren Sprengmitteln als mit dem (späteren) gelatinösem Sprengstoff Ammongelit gearbeitet wurde, dafür aber wurde täglich gesprengt. Heute dagegen bevorzugt man Sprengstoffe mit abgeschwächter Brisanz bei Gesteinsoberflächensprengungen, besonders diese, die in Ortsnähe eingesetzt werden. Vor allem aber, um Häuser vor dem „Wellenwackeln“ zu schützen.

Schablone der Fa. Rode

Bei diesem Exponat aus der Walkenrieder Gipsausstellung handelt es sich um eine Schablone der in Walkenried ansässigen Firma Rode, die zur Markierung von Transportbehältern eingesetzt wurde.

 

Diese technischen Feinheiten hat es zu Rodes Zeiten leider noch nicht gegeben. Die weit über die Grenzen Walkenrieds hinaus bekannte Gipsfabrik Albrecht Meyer am Röseberg, ab 1904 der Familie Rode gehörend war – neben Genzel – einer der wichtigsten Arbeitgeber Walkenrieds. Noch heute zeugt die ehemalige „Rode-Villa“ von der wirtschaftlichen Blütezeit der Gipsindustrie. Viele Familien hatten hier Arbeit und Brot, manche Immobilie wurde erschaffen und einige Arbeiter fanden in Rodes Werkswohnungen unmittelbar am Steinbruch sogar ein Zuhause. Und wie noch heute berichtet wird, fühlten sich alle auf dem Werksgelände sehr wohl.

Und heute? Keine Sirene kann mehr stören, es gibt keinen Brecher mehr, keinen Kocher, kein Geklappere auf der Verladerampe und keine einfahrenden Güterwaggons oder Lastwagen zu Rodes Gipswerk bedrohen mehr die Idylle am Teich. Die profitable Gipsfabrik Meyer/Rode ist erloschen. Und so hat sich ein Stückchen Walkenrieder Geschichte längst verabschiedet. Wie so vieles. Walkenried erinnert jetzt ein bisschen an ein Rentnerdorf. Schon vor einem Jahr wurde der Stillstand eingeläutet. Absolute Ruhe ist angesagt, die Jugend ist weg, Kinder auch und Arbeitsstätten machen endlich keinen Lärm mehr. Einzig erstrebenswerter Vorzug – die bedrückende Stille schont die überreizten Nerven.

Ruth Monicke

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