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Erster Weltkrieg

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Aus dem Kriegstagebuch von Fritz Reinboth (8): 03. August 1915 – 10. August 1915

Die Veröffentlichung des Kriegstagebuchs von Friedrich Ernst Reinboth (1891 – 1918) in den “Walkenrieder Nachrichten” wird heute mit dem achten von insgesamt zehn Teilen fortgesetzt. Alle wichtigen Informationen zu dieser Artikelserie finden sich hier im ersten Teil.

Kriegstagebuch Friedrich Reinboth

Eines der drei Kriegstagebücher der Marke „Ekeha“, die von Fritz Reinboth zwischen 1914 und 1917 geführt wurden.

 


03. August 1915 (Ort: Kėdainiai)

Quartier an der Strasse. Früh 4 Uhr Abmarsch.

Nachdem Sergt. M. und 8 Mann als Seitendeckung in dem Wäldchen an der Strasse aufgestellt hatte, begann die Beschießung des Dorfes Skrktalla. Nachdem eine weit ausgeschwärmte Schützenlinie vorgezogen. Besetzen des Dorfes. Beim Bahnhof wird ein lebhaftes Feuer auf uns abgegeben, doch ohne uns zu schaden. Wieder zurück.

Nach einer halben Stunde dasselbe Manöver. Wir lassen unsere Pferde im Graben des Eisenbahndammes in Deckung zurück und besetzen, zu Fuß vorgehend, den Bahnhof. Bei unserem ersten Versuch, in das Dorf vorzugehen, bekommen wir zwischen den ersten Häusern Feuer. Ein Unteroffizier durch Beschuss verwundet. Zurückbringen. Nachdem wir Verstärkung bekommen, gehen Sergt. Meder, Sergt. Diecher und ich ins das Dorf, was die Kosaken auf unser Anstürmen eilig verlassen. Wir folgen ihnen dicht auf den Hacken sitzend und haben wegen der kurzen Entfernung gute Schußwirkungen.

Ich bin bei der Verfolgung zu weit zwischen die Kosaken geraten und muß mir, da ich verwundet wurde, den Rückweg mit dem Bajonett erkämpfen. Dann reite ich zur Eskadron zurück. Die Nacht verbringe ich unter Schmerzen bei der Bagage. Am anderen Mittag veranlasst Wachtmeister Staab meine Überführung nach Keidany.

An diesem Tag: Von der deutschen Regierung im Geheimen aufgenommene Verhandlungen über einen Sonderfrieden mit Russland werden endgültig von der zaristischen Regierung zurückgewiesen.

10. August 1915 (Orte: Pagėgiai, Sowetsk)

Abfahrt mittels Fuhrparkkolonne nach Seredinkk. Unterwegs Übernachten dort. Dann durch das herrliche durch Kämpfe interessante Dubissatal nach [unlesbar]. Herrliche Fahrt auf Schleppkahn bis Schmellingken. Von da nach Tilsit. Nach Entlassung u.s.w. Abfahrt am 13.08.1915 abends ½ 10.


Mit diesem Datum endet das erste der insgesamt drei erhalten gebliebenen Kriegstagebücher von Fritz Reinboth. Die beiden anderen Tagebücher, die seinen weiteren Weg in den Jahren 1915 bis 1917 nachzeichnen, befinden sich ebenfalls noch im Besitz unserer Familie – das (mutmaßlich von ihm geführte) letzte Tagebuch über Teile der Jahre 1917 und 1918 ging dagegen wohl mit ihm selbst auf dem Gebiet der heutigen Ukraine verloren. Alle noch von ihm erhaltenen Aufzeichnungen werden voraussichtlich bis zur hundertjährigen Wiederkehr des Kriegsendes im Jahr 2018 noch transkribiert und veröffentlicht werden. Auf diese Weise hofft unsere Familie einen kleinen Beitrag zum Nichtvergessen dieses leidvollen Konflikts leisten zu können. In den letzten beiden Teilen dieser zehnteiligen Blogserie hier in den „Walkenrieder Nachrichten“ werden wir uns mit den Bilddokumenten und Postkarten der Jahre 1914 und 1915 aus dem Familiennachlass beschäftigen – und spätestens 2016 wird diese Serie dann mit der Transkription des nächsten Tagebuchs fortgesetzt. Eine druckbares PDF der Transkription des ersten Tagebuchs werden wir hier ebenfalls noch zum Download bereitstellen.

Flohburg

Im städtischen Museum FLOHBURG in Nordhausen wurden Fritz Reinboths Kriegstagebücher sowie weitere Dokumente aus seinem Nachlass im Rahmen einer Sonderausstellung zum I. Weltkrieg vom 1. August bis zum 26. Oktober 2014 gezeigt.

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Aus dem Kriegstagebuch von Fritz Reinboth (7): 21. Juni 1915 – 22. Juli 1915

Die Veröffentlichung des Kriegstagebuchs von Friedrich Ernst Reinboth (1891 – 1918) in den “Walkenrieder Nachrichten” wird heute mit dem siebten von insgesamt zehn Teilen fortgesetzt. Alle wichtigen Informationen zu dieser Artikelserie finden sich hier im ersten Teil.

Kriegstagebuch Friedrich Reinboth

Eines der drei Kriegstagebücher der Marke „Ekeha“, die von Fritz Reinboth zwischen 1914 und 1917 geführt wurden.

 


21. Juni 1915 (Ort: Woronki)

Gefecht bei Litwjaki. Auch in Melechi (30 km v. Pirjatin), Woronki und am Sula-Abschnitt steht Feind. 7. bay. Brig. wird über Tiski gegen Woronki angesetzt; 2. Esk. soll die Enge offenhalten, 25. Brig. bei Berezniaki nach NO. und O. vorgehen. 22. Brig. steht 9 Uhr sö. Lubny und wendet sich in zwei Kolonnen gegen Berezolwoe (nö. Wolczek) und Litwjaki (gegebenenfalls zur Unterstützung der 45. Lanw. Div.)

Bei einem Angriff Auf Bhf. Romodanowke ö. Lubny. Rechts Kolonne radf. Jäg. 3 M.G. Abt. 2., V2 reit./15 auf Wolzia Wolina, links Hus.Rgt. 14 Musk. Abt. 2. Garde-Ul. und 2 reit./15 9.30 Uhr auf Wolczek. 3. Esk.-Vorhut mit zwei M.G. entwickelt sich 11.30 Uhr gegen das Dorf, das eine Feldhaubitze unter Feuer nimmt. 4. Esk. sucht eingliederig zu Pferde in den Südteil zu gelangen.

Doch erreicht 3. schon vorher den Ostrand, wo die Bolschewiki erneut Widerstand leisten. Nun werden auch die Schützen der 1. und zwei weitere M.G. eingesetzt; die Artillerie zwingt den Gegner zum Weichen; 1.15 Uhr ist das Dorf gesäubert. 1. und 3. Schwadron gehen durch das unmittelbar anstossende Litwjaki vor und erreichen kampflos 2 Uhr den Ostrand. 4. hatte mittags den Südteil von Wolczek gewonnen, wo sie mit einem M.G. gegen Feind ins Gefecht trat, der Häusergruppen jenseits eines Sumpfes besetzt hielt. Der Kampf konnte nicht durchgeführt werden, da die Schwadron 1.15 Uhr den Befehl erhielt, sich ans Regiment heranzuziehen.

Beim Marsch durch den Westteil von Litwjake trifft sie auf schwachen, von S. nach N. zurückgehenden Gegner, dem sie namhafte Verluste beibringt. Die Gesamtstärke des Feindes betrug etwa 40 Mann und vier M.G., unsere Verluste je einen Toten und Verwundeten.

Die Bolschewiki schossen sehr schlecht, die Infanterie – Reiterei tritt vorläufig überhaupt nicht auf – besteht zum kleinsten Teil aus alten Soldaten, meist aus minderwertigen Neuangeworbenen, nachteilig für uns ist die geringe Gefechtsstärke, meist nur 40 Schützen je Schwadron, die Handpferde sind nur langsam beweglich, eine schnelle Verfolgung kaum möglich.

5.30 Uhr zieht sich die Brigade in Litwjake unter nach einem Marsch von 24. Km. Eine Patrouille sprengt nach Mitternacht die Bahn n. Bhf. Romodanowska. Die Aufklärungs-Esk. blieb in Tiski; vormittags war Gegner bis 2 km n. vorgedrungen, geht aber bei Dunkelheit n. zurück; 7. Bayr. Brigade folgt ihm.

26. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Abmarsch nach einem Vorwerk von Liwowinany.

An diesem Tag: In der SPD-Parteizeitung „Vorwärts“ erscheint ein Appell an die deutsche Regierung, Friedensverhandlungen mit den Alliierten zu suchen. Der Druck der Zeitung wird daher im Folgemonat verboten.

27. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Abmarsch nach Elny, von da nach einem Gehöft.

28. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Quartier dortselbst.

29. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Auch da.

An diesem Tag: In einer der größten Antikriegsdemonstrationen versammeln sich in New York 80.000 Kriegsgegnerinnen und -gegner, um für die Fortsetzung der Neutralität ihres Landes zu werben.

30. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

(Mittwoch) Kirchgang in der Nähe von Kilny beim Regimentsstab.

 

An diesem Tag: Nahe dem Fluss Isonzo (slowenisch Soča) in Slowenien tobt die erste von zwölf Isonzoschlachten zwischen italienischen und österreichisch-ungarischen Truppen, die rund 25.000 Opfer fordert. In allen zwölf Isonzoschlachten werden mehr als eine halbe Million Soldaten beider Seiten ihr Leben verlieren.

01. Juli 1915 – 03. Juli 1915 (Ort: unbekannt)

Abmarsch nach demselben Vorwerk bei Litodwiany.

04. Juli 1915 (Ort: unbekannt)

Ankunft in Piktnijce bei Litowiany. Besetzen eines gut ausgebauten Schützengrabens bei Schidlowo.

05. Juli 1915 (Ort: unbekannt)

Abends Abmarsch der Anlösungen, um 8 Beschießen eines deutschen Fliegers durch russische Artillerie.

06. Juli 1915 (Ort: unbekannt)

Als vorgeschobener Seitenposten der Feldwache in dem Walde vor unserer Stellung. Herrlicher Wald. Abends 8 Uhr abgelöst.

11. Juli 1915 (Ort: Szydlowo)

Beim Teekochen fängt die alte Strohbude Feuer und während ich im Unterstande bin, sengt die Bude ab. Unter fürchterlicher Hitze retten wir unseren Karabiner u.s.w. Abreissen der Wände und Schornsteins wegen Gefährdung des Laufgrabens. Am [unlesbar] als Patrouille beim Brigadestab. Abends Anlösen der Jäger. Marsch auf Straße Szydlowo – Citowiany. Kurz beim Verlassen von Szydlowo 5m vor unserer Spitze eine russische Granate. Durch Gottes Fügung keiner verletzt. Abbiegen nach dem Walde. Sammeln hinter der Höhe. Abends Ankunft in Rogajica.

Besetzten der Schützengräben durch Jäger zu Pferde. Als linker Flügelposten vor Stivecka. Verbindung mit der 5. Gardeinfanterie, die früh 7 Uhr nach Artillerievorbereitung angreifen. Furchtbares Regenwetter. Höhe 143, Dorf Lovkeitzie gestürmt. Mehrere 100 Gefangene. Junge Kerle. Hauptsächlich Juden. Auf Verbindungspatrouille mit dem rechten Flügel.

An diesem Tag: Der seit acht Monaten im ostafrikanischen Rufidji-Fluss eingeschlossene deutsche Kreuzer SMS Königsberg wird von britischen Kriegsschiffen angegriffen und versenkt.

22. Juli 1915 (Ort: unbekannt)

Abends Rückmarsch mit Handpferden zu Fuß. Beim Eintreffen Wegreiten nach Rossierni u. nach Polijnie. Unterwegs Rast in [unlesbar]. Nachtmarsch.


Flohburg

Im städtischen Museum FLOHBURG in Nordhausen wurden Fritz Reinboths Kriegstagebücher sowie weitere Dokumente aus seinem Nachlass im Rahmen einer Sonderausstellung zum I. Weltkrieg vom 1. August bis zum 26. Oktober 2014 gezeigt.

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