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Fahrkartenverkauf

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Fahrkartenverkauf am Walkenrieder Bahnhof schon wieder bedroht

Nervöse Kunden und übereifrige Kontrolleure machen der Bahn zu schaffen

Vor einem Jahr schien die Walkenrieder Bahnwelt noch in Ordnung zu sein. Mit Hilfe des Harz-Weser-Netzes gelang es in letzter Minute, den personenbedienten Fahrkartenverkauf am Walkenrieder Bahnhof zu retten, auch wenn die Öffnungszeiten eingeschränkt werden mussten. Viele vor allem ältere Bahnkunden wissen seither den für einen Ort der Größe Walkenrieds ungewohnt guten Service zu schätzen, doch nehmen auch Auswärtige aus der „Vertriebs-Diaspora“ der Bahn die Dienste gern in Anspruch.

Doch nun ziehen schon wieder dunkle Wolken am Verkaufshorizont auf. DB Regio, so der Leiter des Betriebes Braunschweig kürzlich gegenüber PRO BAHN-Mitgliedern, „stehe kurz davor, die Reißleine zu ziehen“. Dafür gibt es zwei Gründe – von denen einer prinzipiell abstellbar und der andere mehr als ärgerlich ist.

Grund Nummer eins sind ungeduldige Kunden, die nicht nachvollziehen können, dass der Mitarbeiter der Bahn in erster Linie Fahrdienstleiter und damit für die Zugfahrten verantwortlich ist. Wenn Züge fahren, muss man schon einmal ein paar Minuten warten. Wenn dabei ein Wort das andere ergibt, kann sich eine solche Situation leicht aufschaukeln – angeblich bis hin zu Anrufen bei der Bundespolizei. Hier kann man nur an die Walkenrieder und andere Nutzer appellieren, Geduld zu haben. Nach wenigen Minuten geht es ja weiter. In diesem Zusammenhang ist es natürlich sehr ärgerlich, dass der Bahnhof telefonisch nicht mehr erreichbar ist und man, gerade als Auswärtiger, schlecht in Erfahrung bringen kann, ob die Fahrkartenausgabe geöffnet ist oder, wie kürzlich, aufgrund technischer Probleme kein Verkauf erfolgen kann. Mit dem Abmelden des Telefons hat die Bahn unerfreulichen Situationen am Schalter insoweit selbst Vorschub geleistet, denn wer unverrichteter Dinge wieder abziehen muss, ist natürlich entsprechend „geladen“.

Der andere Grund ist eigentlich ein ungeheuerlicher und zeigt, warum es die Eisenbahn heutzutage in unserer Gesellschaft nicht leicht hat. Sie wird nämlich vom Eisenbahn-Bundesamt kontrolliert, und zwar nicht nur, wie man es sicher für richtig hält, in Sachen Sicherheit der Fahrzeuge und Gleise, sondern auch in Sachen Vertrieb. Und da haben übereifrige Kontrolleure sich gerade kleine Verkaufsstellen herausgepickt und tauchen mit Fragen wie der „Mitnahme von Hunden in Zügen in Österreich“ und anderem mehr am Schalter auf. Wird die Frage falsch beantwortet, kommt ein Bußgeldbescheid.

„Es ist unglaublich, dass ausgerechnet das Eisenbahn-Bundesamt dafür sorgt, dass immer mehr Verkaufsstellen aufgeben. Manches Reisebüro hat den Fahrkartenverkauf schon beendet, weil es kein Bußgeld mehr riskieren will. Und nun geht es den ländlichen Vertriebsstellen der Bahn auch an den Kragen, nur weil einige Sesselpupser ihre Existenzberechtigung unter Beweis stellen wollen“ meint Michael Reinboth von der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ hierzu. Statt sich auf wichtige Dinge zu stürzen, werden unter anderem in Walkenried Fragen gestellt, die ansonsten in 100 Jahren nicht einmal auftauchen – und der Verkauf ganz gewöhnlicher Inlandstickets nebst Beratung, der in Walkenried gut funktioniert und 99,9 % der Geschäfte ausmachen, werden nachhaltig bedroht.

Für falsche Fahrkarten und Auskünfte gibt es geregelte Beschwerdewege und Instanzen. Das Eisenbahn-Bundesamt wird gerade hierfür keineswegs benötigt. Aber es tritt auch in anderer Beziehung eher als Bremser in Erscheinung (Fahrzeug-Zulassungen werden infolge immer neuer und kurzfristig eingeführter Vorgaben verzögert und so weiter). Im Falle ländlicher Verkaufsstellen ist das Engagement der Behörde kontraproduktiv. Die Quittung für behördliches Kontrollgehabe zahlen wir – die Kunden der Eisenbahn.

Pikant: Wer sich nolens-volens im Internet um einen Fahrschein bemüht, ist für Fehleingaben und falsches Heraussuchen selbst verantwortlich. Und noch pikanter: Im Fernbusbereich wird überhaupt nicht kontrolliert, was angeboten und was verkauft wird…

ÖPNV-Treffen in Walkenried

Ein Zug, zwei Busse, viele Fahrgäste – gegen 14 Uhr herrscht am Bahnhof Walkenried viel Leben (Foto: Michael Reinboth)

Verknüpfungspunkt der kurzen Wege muss erhalten bleiben

Verknüpfungspunkt

Der Bahnhof in Walkenried ist ein in jeder Hinsicht vorbildlicher Verknüpfungspunkt zwischen Bahn und Bus. Wie man diesem Bild entnehmen kann, sind zwischen den Zügen und den Omnibussen keine 20 Meter zurückzulegen, und dies niveaugleich und barrierefrei. Überdachte Wartemöglichkeiten für beide Bereiche und ein täglich besetzter Bahnhof mit Fahrkartenverkauf sowie zahlreiche P&R-Plätze runden das Bild ab.

So schön muss es freilich nicht bleiben. Die Deutsche Bahn schmiedet Umbaupläne, welche in allererster Linie zu einer Verschlankung der Infrastruktur (volkstümlich: zu weniger Weichen) führen sollen und wie bei anderen Stationen wie Gittelde-Bad Grund zu einer eklatanten Verlängerung der Umsteigewege nebst Überquerung verkehrsreicher Straßen führen können. Dies wäre dann der Fall, wenn der Bahnsteig für Züge nach Nordhausen hinter den Bahnübergang (in Richtung des Röseteichs) verlegt werden würde. Die Schranke regelt dann den Zugang quasi kostenlos mit. Das Nachsehen hätte der Fahrgast, denn alle hier auf diesem Bilde zu sehenden Kunden hätten nicht mehr 10, sondern etwa 100 Meter zurückzulegen und müssten dabei die von vielen Lkws genutzte Straße nach Neuhof und den P&R-Parkplatz überqueren, um zu den Bussen zu kommen. Umgekehrt würde dies für Fahrgäste vom Bus zum Zug nach Nordhausen gelten.

Diese Verschlechterung der Umsteigesituation muss verhindert werden. Wir wollen kein zweites Gittelde, und wir wollen keine Unfälle beim Überqueren der Landstraße. DB Netz hat sich im Südharz als durchaus zugänglicher und Vernunftargumenten nicht gänzlich abgeneigter Gesprächspartner erwiesen. Hoffen wir, dass es auch in diesem Fall so bleibt und der „Bahnhof der kurzen Wege“ erhalten wird.

Personenbedienter Fahrkartenkauf in Walkenried weiter möglich

Eine gute Nachricht für alle, die ihre Fahrkarten und Auskünfte lieber persönlich anstatt aus dem Automaten oder dem Internet beziehen: Der personenbediente Fahrkartenverkauf auf dem Bahnhof Walkenried wird auch über das Jahr 2014 hinaus weiter möglich sein. Die beteiligten Partner – DB Vertrieb, DB Netz und die Landesnahverkehrsgesellschaft in Hannover – haben sich darauf verständigt, den persönlichen Vertrieb in Walkenried so lange anzubieten, wie die personelle Besetzung des Bahnhofs dies erlaubt. Im Klartext: Mit der Umstellung des eigentlichen Fahrbetriebs auf das elektronische Stellwerk in Göttingen gibt es in Walkenried keinen örtlichen Mitarbeiter mehr, die Fahrkarten verkaufen könnten. Bis dahin geht es weiter, wenngleich Einschränkungen in den Öffnungszeiten hingenommen werden müssen.

Bei der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ ist man ob dieser Nachricht sehr erfreut, denn es wäre, so Sprecher Michael Reinboth, letztlich den Fahrgästen kaum vermittelbar, wenn das vor Ort vorhandene DB-Personal keine Fahrkarten mehr verkaufen dürfte. Auch bei der Initiative weiß man, dass es sich hier nur um einen Aufschub bis zur Betriebsumstellung handelt, aber der Zeitpunkt hierfür steht noch nicht fest und wird noch einige Jahre auf sich warten lassen. „Wir bedanken uns bei allen an dieser Entscheidung Beteiligten, ganz besonders aber bei Udo Diedrich, dem Leiter des Harz-Weser-Netzes, für sein Engagement in dieser Sache“, so Michael Reinboth weiter. Denn mit der Entscheidung ist auch klar, dass es am Bahnhof Walkenried weiterhin einen kleinen Aufenthaltsraum für die Kunden geben wird und andere Informationen, Prospekte usw. zu haben sein werden. Selbst solche einfachen Dinge sind bei nicht mehr besetzten Stationen nicht zu bekommen.

„Höchste Eisenbahn“ weist auch darauf hin, dass der Fahrkartenautomat vor dem Gebäude nicht nur Fahrscheine, sondern auch Zugverbindungen ausdruckt und insoweit eine „Grundversorgung“ wie an anderen Stationen auch während der mittäglichen Schließzeiten und am Abend gewährleistet ist. „Die Walkenrieder müssen sich letztlich daran gewöhnen, dass die anderen Vertriebswege, nämlich Automaten und Internet, immer stärker nachgefragt werden und die Ausnahmestellung, die Walkenried noch genießt, nicht mehr auf Dauer erhalten werden kann“ erläutert Reinboth. Wenn es eines Tages soweit ist, muss nach Ansicht der Initiative aber der Service verbessert werden: Der Automat steht heute völlig im Freien, seine Bedienung ist bei Regen und Schnee eine Zumutung, Scheine werden nicht immer akzeptiert und so weiter. Für den Fall eines Bahnsteigumbaus muss zwingend ein zweiter Automat aufgestellt werden, um überflüssige Fußwege zu vermeiden. Es ist jetzt noch Zeit, entsprechende Pläne zu erarbeiten.

Fahrscheine des Verkehrsverbundes Süd-Niedersachsen, die im Bus und im Zug gelten, sind natürlich auch bei den Busfahrern der Hahne-Linien 470 und 472 erhältlich.

ÖPNV-Treffen in Walkenried

Ein Zug, zwei Busse, viele Fahrgäste – gegen 14 Uhr herrscht am Bahnhof Walkenried viel Leben (Foto: Michael Reinboth)

Landesnahverkehrsgesellschaft bestellt Fahrkartenverkauf in Walkenried ab

Bei dem am 21. Februar in Herzberg am Harz durchgeführten Symposium der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“, an dem seitens der Gemeinde u.a. Bürgermeister Haberlandt sowie Claus Eggert und Ulrich Kamphenkel teilnahmen, überraschte der Referent der Landesnahverkehrsgesellschaft in Hannover, Joachim Ebinger, mit einer schlechten Nachricht für Walkenried: Die LNVG wird mit Inkrafttreten des neuen Vertrages zwischen ihr und DB Regio den personenbedienten Fahrscheinverkauf in Walkenried – als einziger Verkaufsstelle im Vertragsgebiet – abbestellen.

Im Klartext: Ab Ende dieses Jahres können Fahrkarten des Nahverkehrs in Walkenried nur noch am Automaten – und wie bisher auch bei den Fahrern der Linienbusse – gelöst werden, nicht aber am Schalter. Dies wirft auch einen dunklen Schatten auf den personenbedienten Fahrscheinverkauf insgesamt, denn ob die Fahrkartenausgabe allein mit dem Umsatz aus dem Fernverkehr überlebensfähig ist, steht dahin.

Udo Diedrich, der Leiter des DB Harz-Weser-Netzes, dessen Mitarbeiter in Walkenried neben ihrer Aufgabe als Fahrdienstleiter auch den Fahrscheinverkauf wahrnehmen, beruhigt zunächst. Er geht davon aus, dass der Verkauf bis zur Umstellung der Südharzstrecke auf Fernsteuerung erhalten bleiben wird. Mit dieser Umstellung wäre ab 2018 zu rechnen. Dann wird in Walkenried kein Personal mehr vor Ort sein, was zwangsläufig das Aus für den Fahrscheinverkauf bedeuten wird. Ob diese Prognose jedoch zutrifft, muss sich erst noch herausstellen.

Am Fahrscheinverkauf hängt aber auch die Frage der Öffnung des kleinen Vorraums im Bahnhof, der für die wartenden und umsteigenden Reisenden einen erheblichen Komfortgewinn mit sich bringt, zumal an kalten und regnerischen Tagen, wenn der Wind den Regen in die kleine Wartehalle auf dem Bahnsteig hineindrückt und die Geldscheine beim Fahrkartenverkauf nass werden.

Michael Reinboth sieht die Kommune in der Pflicht, in dieser Frage bei der LNVG und der DB nachzuhaken. „Die LNVG würde sich keinen Zacken aus der Krone brechen, wenn sie den Fahrkartenverkauf jedenfalls bis zur Umstellung auf Fernsteuerung weiter bestellen würde. Auf alle Fälle gilt es zu klären, inwieweit mehr Komfort für den Automatenverkauf – sprich Wetterschutz – geschaffen werden und ob die Schalterhalle zwecks Wartens auf Züge und Busse weiter geöffnet bleiben kann.“ Reinboth wird in dieser Frage seitens „Höchste Eisenbahn“ auch noch einmal in Hannover vorsprechen. Ein zweiter Automat müsse – unabhängig von der Frage des Umbaus der Bahnsteige, die sich bei der Umstellung auf Fernsteuerung automatisch stellen wird und, so viel steht fest, deutlich längere Wege mit sich bringen wird – dann her, wenn es zu einer Abbestellung kommt, damit bei Ausfall oder Störung eines Automaten ein Fahrscheinkauf trotzdem möglich ist. Außerdem ist der Entwerter häufig gestört, so dass die Reisenden Probleme haben, ihre Vierer- oder Achterkarten zu entwerten.

Auf lange Sicht bleiben für Walkenried wohl nur die Automaten, die Busfahrer und natürlich das Internet als Verkaufswege übrig.

ÖPNV-Treffen in Walkenried

Ein Zug, zwei Busse, viele Fahrgäste – gegen 14 Uhr herrscht am Bahnhof Walkenried viel Leben (Foto: Michael Reinboth)

Bahnhof Walkenried wieder uneingeschränkt geöffnet

Seit Mitte des Monats März hat der Fahrkartenschalter des Bahnhofs Walkenried wieder ohne Einschränkungen geöffnet.

Die Öffnungszeiten sind:

  • Montag bis Freitag 5.40 Uhr bis 20.00 Uhr
  • Samstag 6.40 Uhr bis 20.00 Uhr
  • Sonn- und Feiertag 7.40 Uhr bis 20.00 Uhr

Zu beachten ist jedoch eine tägliche 20minütige Schließzeit während des mittäglichen Schichtwechsels von 13.05 Uhr bis 13.25 Uhr.

Personenzug

Jede Stunde mit dem Zug nach Nordhausen, Northeim, Osterode, Göttingen oder Braunschweig

 

Zu den obigen Öffnungszeiten bietet der Bahnhof Walkenried die gesamte Palette eines Reisezentrums der Deutschen Bahn an: Auskünfte zu Reiseverbindungen, Fahrkartenverkauf, Platzreservierungen und umfassende Beratung. Damit und mit seinen Öffnungszeiten ist der Bahnhof Walkenried zum Anlaufpunkt vieler Kunden aus einem weiten Umkreis geworden. Außerhalb der Öffnungszeiten steht der Automat vor dem Bahnhofsgebäude zur Verfügung, an dem neben allen gängigen Fahrscheinen auch Auskünfte eingeholt und ausgedruckt werden können.

Zugriffsstatistik

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