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Friedrich Ernst Reinboth

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Aus dem Kriegstagebuch von Fritz Reinboth (7): 21. Juni 1915 – 22. Juli 1915

Die Veröffentlichung des Kriegstagebuchs von Friedrich Ernst Reinboth (1891 – 1918) in den “Walkenrieder Nachrichten” wird heute mit dem siebten von insgesamt zehn Teilen fortgesetzt. Alle wichtigen Informationen zu dieser Artikelserie finden sich hier im ersten Teil.

Kriegstagebuch Friedrich Reinboth

Eines der drei Kriegstagebücher der Marke „Ekeha“, die von Fritz Reinboth zwischen 1914 und 1917 geführt wurden.

 


21. Juni 1915 (Ort: Woronki)

Gefecht bei Litwjaki. Auch in Melechi (30 km v. Pirjatin), Woronki und am Sula-Abschnitt steht Feind. 7. bay. Brig. wird über Tiski gegen Woronki angesetzt; 2. Esk. soll die Enge offenhalten, 25. Brig. bei Berezniaki nach NO. und O. vorgehen. 22. Brig. steht 9 Uhr sö. Lubny und wendet sich in zwei Kolonnen gegen Berezolwoe (nö. Wolczek) und Litwjaki (gegebenenfalls zur Unterstützung der 45. Lanw. Div.)

Bei einem Angriff Auf Bhf. Romodanowke ö. Lubny. Rechts Kolonne radf. Jäg. 3 M.G. Abt. 2., V2 reit./15 auf Wolzia Wolina, links Hus.Rgt. 14 Musk. Abt. 2. Garde-Ul. und 2 reit./15 9.30 Uhr auf Wolczek. 3. Esk.-Vorhut mit zwei M.G. entwickelt sich 11.30 Uhr gegen das Dorf, das eine Feldhaubitze unter Feuer nimmt. 4. Esk. sucht eingliederig zu Pferde in den Südteil zu gelangen.

Doch erreicht 3. schon vorher den Ostrand, wo die Bolschewiki erneut Widerstand leisten. Nun werden auch die Schützen der 1. und zwei weitere M.G. eingesetzt; die Artillerie zwingt den Gegner zum Weichen; 1.15 Uhr ist das Dorf gesäubert. 1. und 3. Schwadron gehen durch das unmittelbar anstossende Litwjaki vor und erreichen kampflos 2 Uhr den Ostrand. 4. hatte mittags den Südteil von Wolczek gewonnen, wo sie mit einem M.G. gegen Feind ins Gefecht trat, der Häusergruppen jenseits eines Sumpfes besetzt hielt. Der Kampf konnte nicht durchgeführt werden, da die Schwadron 1.15 Uhr den Befehl erhielt, sich ans Regiment heranzuziehen.

Beim Marsch durch den Westteil von Litwjake trifft sie auf schwachen, von S. nach N. zurückgehenden Gegner, dem sie namhafte Verluste beibringt. Die Gesamtstärke des Feindes betrug etwa 40 Mann und vier M.G., unsere Verluste je einen Toten und Verwundeten.

Die Bolschewiki schossen sehr schlecht, die Infanterie – Reiterei tritt vorläufig überhaupt nicht auf – besteht zum kleinsten Teil aus alten Soldaten, meist aus minderwertigen Neuangeworbenen, nachteilig für uns ist die geringe Gefechtsstärke, meist nur 40 Schützen je Schwadron, die Handpferde sind nur langsam beweglich, eine schnelle Verfolgung kaum möglich.

5.30 Uhr zieht sich die Brigade in Litwjake unter nach einem Marsch von 24. Km. Eine Patrouille sprengt nach Mitternacht die Bahn n. Bhf. Romodanowska. Die Aufklärungs-Esk. blieb in Tiski; vormittags war Gegner bis 2 km n. vorgedrungen, geht aber bei Dunkelheit n. zurück; 7. Bayr. Brigade folgt ihm.

26. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Abmarsch nach einem Vorwerk von Liwowinany.

An diesem Tag: In der SPD-Parteizeitung „Vorwärts“ erscheint ein Appell an die deutsche Regierung, Friedensverhandlungen mit den Alliierten zu suchen. Der Druck der Zeitung wird daher im Folgemonat verboten.

27. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Abmarsch nach Elny, von da nach einem Gehöft.

28. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Quartier dortselbst.

29. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Auch da.

An diesem Tag: In einer der größten Antikriegsdemonstrationen versammeln sich in New York 80.000 Kriegsgegnerinnen und -gegner, um für die Fortsetzung der Neutralität ihres Landes zu werben.

30. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

(Mittwoch) Kirchgang in der Nähe von Kilny beim Regimentsstab.

 

An diesem Tag: Nahe dem Fluss Isonzo (slowenisch Soča) in Slowenien tobt die erste von zwölf Isonzoschlachten zwischen italienischen und österreichisch-ungarischen Truppen, die rund 25.000 Opfer fordert. In allen zwölf Isonzoschlachten werden mehr als eine halbe Million Soldaten beider Seiten ihr Leben verlieren.

01. Juli 1915 – 03. Juli 1915 (Ort: unbekannt)

Abmarsch nach demselben Vorwerk bei Litodwiany.

04. Juli 1915 (Ort: unbekannt)

Ankunft in Piktnijce bei Litowiany. Besetzen eines gut ausgebauten Schützengrabens bei Schidlowo.

05. Juli 1915 (Ort: unbekannt)

Abends Abmarsch der Anlösungen, um 8 Beschießen eines deutschen Fliegers durch russische Artillerie.

06. Juli 1915 (Ort: unbekannt)

Als vorgeschobener Seitenposten der Feldwache in dem Walde vor unserer Stellung. Herrlicher Wald. Abends 8 Uhr abgelöst.

11. Juli 1915 (Ort: Szydlowo)

Beim Teekochen fängt die alte Strohbude Feuer und während ich im Unterstande bin, sengt die Bude ab. Unter fürchterlicher Hitze retten wir unseren Karabiner u.s.w. Abreissen der Wände und Schornsteins wegen Gefährdung des Laufgrabens. Am [unlesbar] als Patrouille beim Brigadestab. Abends Anlösen der Jäger. Marsch auf Straße Szydlowo – Citowiany. Kurz beim Verlassen von Szydlowo 5m vor unserer Spitze eine russische Granate. Durch Gottes Fügung keiner verletzt. Abbiegen nach dem Walde. Sammeln hinter der Höhe. Abends Ankunft in Rogajica.

Besetzten der Schützengräben durch Jäger zu Pferde. Als linker Flügelposten vor Stivecka. Verbindung mit der 5. Gardeinfanterie, die früh 7 Uhr nach Artillerievorbereitung angreifen. Furchtbares Regenwetter. Höhe 143, Dorf Lovkeitzie gestürmt. Mehrere 100 Gefangene. Junge Kerle. Hauptsächlich Juden. Auf Verbindungspatrouille mit dem rechten Flügel.

An diesem Tag: Der seit acht Monaten im ostafrikanischen Rufidji-Fluss eingeschlossene deutsche Kreuzer SMS Königsberg wird von britischen Kriegsschiffen angegriffen und versenkt.

22. Juli 1915 (Ort: unbekannt)

Abends Rückmarsch mit Handpferden zu Fuß. Beim Eintreffen Wegreiten nach Rossierni u. nach Polijnie. Unterwegs Rast in [unlesbar]. Nachtmarsch.


Flohburg

Im städtischen Museum FLOHBURG in Nordhausen wurden Fritz Reinboths Kriegstagebücher sowie weitere Dokumente aus seinem Nachlass im Rahmen einer Sonderausstellung zum I. Weltkrieg vom 1. August bis zum 26. Oktober 2014 gezeigt.

Aus dem Kriegstagebuch von Fritz Reinboth (6): 02. Juni 1915 – 19. Juni 1915

Die Veröffentlichung des Kriegstagebuchs von Friedrich Ernst Reinboth (1891 – 1918) in den “Walkenrieder Nachrichten” wird heute mit dem sechsten von insgesamt zehn Teilen fortgesetzt. Alle wichtigen Informationen zu dieser Artikelserie finden sich hier im ersten Teil.

Kriegstagebuch Friedrich Reinboth

Eines der drei Kriegstagebücher der Marke „Ekeha“, die von Fritz Reinboth zwischen 1914 und 1917 geführt wurden.

 


02. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Furchtbares Artilleriefeuer. Eine Granate schlägt direkt in einen Unterstand neben uns, während dem Unteroffizier Meyer ausgetreten ist, ohne zu explodieren, gerade auf eine Lagerstätte. Die 2 anderen, die noch mit darin schliefen, werden verschüttet und leicht verletzt. Die weiteren Granaten wühlen die Erde vor und hinter uns auf, dass schwarzer Dreck und Qualm haushoch fliegen und die Sprengstücke bis in unseren Unterstand rein schwirren. Der Graben ist, da alles Sand, teilweise eingerutscht. In der Wiese hinter uns war ein Granatloch neben dem anderen. Sie war arg zerwühlt. Nachts auf Schleichpatrouille zum Anzünden eines Gehölzes. Beim Zurückkommen bekommen wir aus dem eigenen Graben Feuer.

03. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Als Ablösung bei den Handpferden.

An diesem Tag: Deutsche und österreichisch-ungarische Truppen erobern die russisch besetzte polnische Stadt Przemyśl zurück.

04. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Nachts wieder Marsch in den Schützengraben, bei Leutnant von Münchhausen. Am Tage Angreifen der Russen, die sich bis 1200 m Entfernung in den Wiesen und Buschwäldchen rangearbeitet haben. Sie kommen heran bis 300 resp. 100 m ohne sich um unser Feuer zu kehren.

An diesem Tag: Die türkische Regierung gibt die Niederschlagung eines armenischen Aufstands bekannt, weist zugleich jedoch alle Vorwürfe von Verbrechen und Massenmorden an der armenischen Bevölkerung zurück.

Postkarte Offizierskasino

Vorderseite einer Postkarte, deren Motiv das Offizierskasino der Hessen-Homburg-Husaren zeigt, bei denen Fritz Reinboth diente. Die (unbeschriebene) Postkarte fand sich im Nachlass seines Bruders Walther Hans.

 

05. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Die Nacht vom 5. zum 6. Juni 1915 war dermassen, dass sie jedem in Erinnerung bleibt von unserem Regt. Unter heftigem Artilleriefeuer bestreichen sie fortwährend unseren Grabenrand mit Maschinengewehrfeuer und auch teilweise von der Flanke. Die Russen waren so nahe rangekommen, dass wir schon das Mündungsfeuer aufblitzen sahen. Wir schiessen, dass teilweise die Karabinerläufe glühen, bis Patronenmangel eintritt.

Der Reservist Vogel wird mit dem Rekruten Schröder zurückgeschickt und kommt nicht wieder, während der Rekrut durch einen Rückenschuss verwundet wurde und liegen blieb. Um 3 Uhr flaut der Angriff der Russen ab. Wir werden durch Gardeschützen abgelöst; was die Russen durch lebhaftes Befeuern des Grabens verhindern wollten.

Durch Fortschaffen des Rekruten Schröder kommen 5 Mann von den Schützen ab. Dieselben bekommen auf der Strasse, welche von den Russen durch schweres Artilleriefeuer bestrichen wird, einen Volltreffer, wobei Unteroffizier Krause und ein Cheauleger [bei einem Chevauleger handelt es sich um eine leichten Kavallerieeinheit] zerrissen, Eichenberg, Preiss, Lonert schwer verwundet werden. Wir erreichen die Handpferde.

06. Juni 1915 (Ort: am Fluss Dubysa)

Mittags 12 Uhr Abmarsch der ganzen Division. Abends mit Sergt. Meder nach Szawle auf Patrouille. Wir sollten versuchen links- oder rechtsseits der Dubissa bis nach Szawle zu gelangen, was jedoch die Russen durch scharfes Artilleriefeuer und Infanteriefeuer verhinderten, sowie wir uns blicken liessen. Die Nacht verbringen wir hinter unserer Infanterielinie. Tolle und Trews stürzen mit ihren Pferden beim Überschreiten eines Steges in die Dubissa. Nachdem wir mühevoll die Pferde an dem steilen Ufer herausgezogen, Quartier.

Am anderen Morgen Abreiten der eigenen Front. Wir können einmal die Wirkung unserer schweren Artillerie beobachten, welche fast bei jedem Schuss einen Volltreffer in die russischen Schützengräben hat. Wir beobachten, wie die Russen scharenweise die Gräben verlassen, aber sowie sie an den Waldrand kommen, wahrscheinlich durch Offiziere gezwungen, gehen sie wieder vor und besetzen den Graben. Unsere Jäger pürschen sich geschickt an die Gräben heran und verjagen die Russen. Abends Quartier in Juskajzie. Wachtmeister v. Urff leistet uns am Abend mit seiner Patrouille Gesellschaft.

Am anderen Morgen Abreiten des Schlachtfeldes, wobei wir die Wirkung unserer Artilleriegeschosse durch die unzähligen Toten beobachten konnten. Haufenweise lagen die Russen in den Gräben, alles war verlassen – Munition, Waffen usw. Abends wieder Eintreffen bei der Eskadron, nachdem wir uns wieder mit Nahrungsmitteln versehen, mit Sergt. Meder als Verbindungsreiter bei den Dragonern.

Übernachten bei Brigadestab.

08. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Vorrücken der ganzen Brigade. Wir als Bedeckung der Maschinengewehre.

09. Juni 1915 (Orte: Budraici, Cytowiany)

Quartier in Podubis. Am anderen Morgen, nachdem wir nochmals in Cytowiany waren. Als Spitze bekommen wir Feuer aus einer Waldecke, nachdem wir die Pferde in Deckung gebracht, zu Fuss den Wald durchschritten. Da wir nichts fanden, zurück nach dem Dorfe. Nach Aussagen eines Einwohners befanden sich schon mehrere Tage starke Kosakenpatroullien von 70 Mann dort, welche ihre Pferde im Walde liessen und in die Dörfer kamen, um zu requirieren. Abends mit Wachtmeister Urff auf Klebepatrouille.

Nachts Unterkunft in Budrajzie, bei einer bayerischen Feldwache. Früh um 10 Uhr werden wir durch Infanteriefeuer aus dem Schlafe gestört. Mit der bayerischen Patrouille zurück. Der Rittmeister befiehlt uns, das Dorf sofort wieder zu besetzten. Wir verlassen die Bayern und reiten in das nächste Dorf Bieoojonajzie und besetzten dasselbe am Eingange. Auf die Windmühle setzen wir einen Posten. Nach 20 Minuten haben die Kosaken das Dorf von der anderen Seite besetzt. Doch wir schlagen den Angriff zurück und entwischen. Ich reite mit Meldung zurück an unseren Brigadestab, welcher in Cytowiany im Schloss im Quartier lag.

Reiterzeichnung

Von Fritz Reinboth angefertigte Zeichnung eines Husaren im Kampf.

 

11. Juni 1915 (Ort: Cytowiany)

Quartier in Cytowiany. Ich bleibe bei den Handpferden. Eskadron im Schützengraben.

12., 13. & 14. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Bein Brigadestab als Stabswache.

15. & 16. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Beim Rittmeister beim Regimentsstab.

17. Juni 1915 (Ort: Szydłów)

Früh Abrücken der gesamten Eskadron um ½ 4 Uhr, nach Twibiuki. Ich werde als Verbindungsreiter über Pokopie nach Szuki über Vorwerk Nonanzie gesandt, um die Verbindung mit der bayerischen Chevauleger-Eskadron und III. Bataillon Inf.R.d.R. 59 aufzunehmen. Beim Rückmarsch mit der Lanze zwischen die Gänseherden und eine Gans geschlachtet und am Pferde mitgenommen. Beim Eintreffen bei unserem Zuge haben die auch noch ein kleines Schwein geschlachtet, was uns nach den Strapazen sehr gut bekam. In der Nacht vom 17. zum 18. früh ½ 1 Uhr Abrücken, nachdem wir durch die Bayern abgelöst sind, über Oytowiany nach Schidlowo.

Dort besetzen wir einen Schützengraben welcher von dem I.R. 254 grossartig ausgebaut ist. In der Nacht vom 17. zum 18. Früh ½ Uhr Abrücken, nachdem wir am 18. durch Bayern abgelöst sind, über Citowyany nach Schildlowo. Dort Besetzen des Schützengrabens.

An diesem Tag: Das dänische Parlament bekräftigt die Neutralität des Landes. Die weitgehend dänisch geprägten Bewohner von Nordschleswig – bis 1920 zu Preußen gehörig – müssen aber auf deutscher Seite am Krieg teilnehmen.

19. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Gefangennahme eines Russen aus einem Kornfelde als Horchposten. Warkole.

An diesem Tag: Die Leipziger Volkszeitung veröffentlicht ein Manifest der SPD-Politiker Eduard Bernstein, Karl Kautsky und Hugo Haase, die ihre Parteifreunde auffordern, die Unterstützung des Krieges aufzugeben.


Flohburg

Im städtischen Museum FLOHBURG in Nordhausen wurden Fritz Reinboths Kriegstagebücher sowie weitere Dokumente aus seinem Nachlass im Rahmen einer Sonderausstellung zum I. Weltkrieg vom 1. August bis zum 26. Oktober 2014 gezeigt.

Aus dem Kriegstagebuch von Fritz Reinboth (5): 16. April 1915 – 01. Juni 1915

Die Veröffentlichung des Kriegstagebuchs von Friedrich Ernst Reinboth (1891 – 1918) in den “Walkenrieder Nachrichten” wird heute – nach viel zu langer Pause – mit dem fünften von insgesamt zehn Teilen fortgesetzt. Alle wichtigen Informationen zu dieser Artikelserie finden sich hier im ersten Teil.

Kriegstagebuch Friedrich Reinboth

Eines der drei Kriegstagebücher der Marke „Ekeha“, die von Fritz Reinboth zwischen 1914 und 1917 geführt wurden.

 


16. April 1915 (Ort: unbekannt)

Ankunft auf dem Schloss des Grossfürsten Nokolajewitsch beim Dorf Pojezibriy. Das Schloss war von den Russen vollständig unterminiert, sie haben es aber nicht mehr zum Sprengen bringen können.

An diesem Tag: Französische Flugzeuge bombardieren das Hauptquartier des deutschen Generalstabs an der Westfront in Charlesville sowie den Bahnhof von Freiburg in Breisgau. Die Angriffe richten große Schäden an.

19. April 1915 (Ort: Vilkaviškis)

Wache auf dem Bahnhof Wilkowischsky bis zum

21. April 1915 (Orte: Kassel, Nordhausen)

Nach Verladen des unzähligen Gepäcks 2 Uhr 16 M. Abfahrt nach Cassel im Gepäckwagen. Nach ziemlich 6tägiger Fahrt und Abgeben der Sachen in Cassel, Urlaub nah Nordhausen. Nachdem der erste Urlaub abgelaufen, durch Erkrankung des Vizewachtmeisters Rudolph 8 Tage Urlaub nachbewilligt. Jahrmarkt in Nordhausen u.s.w.

19. Mai 1915 (Orte: Witzenhausen, Kaliningrad, Sowetsk, Lauksargiai)

Rückfahrt nach Cassel. In Witzenhausen durch das herrliche Werratal, welches bei Witzenhausen in herrlichster Kirschblüte prangte, abends 3 Uhr 24 Min. Abfahrt nach Nordhausen mittels D-Zuges, der infolge Brechen der Pleuelstange mit einstündiger Verspätung in Nordhausen eintraf. Die Verspätung kann er nicht wieder einholen, und wir erreichen den Anschluss von Berlin nach Königsberg nicht. Am selben Tage rückten die 200 Mann Ersatz von Kassel ins Feld mit Musik. Fahrt mit Personenzug weiter nach Königsberg. Interessante Bekanntschaft eines Soldaten vom Eisenbahnerregt. Besuch der Jubiläumshallen in Königsberg. Essen und Abendschoppen daselbst im Beisein des Gefreiten und seiner Frau.

Nach Abschied von demselben Weiterfahrt nach einer Stunde Schlaf auf der Bahnhofswache um 2 Uhr 34 nach Tileit. Ankunft hier um 10 Uhr und 1 Uhr 50 Weiterfahrt nach Laugenszargen.

20. Mai 1915 (Orte: Lauksargiai, Tauroggen, Skaudville, Lelėnai)

Verbringen der Pfingstfeiertage in Laugenszargen. Wir sind den zurückgekehrten Bewohnern Ostpreussens beim Bestellen der Felder behilflich. Herrliches Wetter!

Am 3. Pfingstfeiertag (25.05.15) Abmarsch nach frischem Beschlagen meines Pferdes, welches sich bei meiner Abwesenheit bei der Bagage gut gepflegt und herausgefuttert hatte, nach Tauroggen und Lale über Skaudville. Unterwegs angenehme Rast an einer zersprengten Brücke.

26. Mai 1915 (Orte: Lelėnai, Kelmė, Schaulen)

Ankunft in Lale abends. Schwadron, die alarmiert ist, kommt uns entgegen. Abends Marsch nach Kielmy. Nach Unterkunft in einer Scheune Abmarsch nach 1 ½ stündiger Rast um 1 Uhr 30 nachts nach Szawli. Herrlicher Sonnenaufgang. Rast auf der Chaussee.

Als Bedeckung der Artillerie abgesandte Patrouillen werden angeschossen. Husar Kurz schwer verwundet, stirbt auf dem Transport. Fischer kommt nicht wieder zurück, wahrscheinlich gefallen. Als Beobachtungsposten mit dem Rittmeister auf eine Höhe geritten. Halbrechts von uns sehen wir russische Kavallerie und Artillerie aufmarschieren. Lebhaftes Befeuern des Waldes rechts von unserer Höhe von uns mit Schrapnells und Granaten. Abends mit den Handpferden der Gulaschkanone entgegen. Fürchterliches Regenwetter.

Zeichnung Husarenemblem

Von Fritz Reinboth angefertigte Zeichnung der Insignien des Husaren-Regiments Friedrich II. von Hessen-Homburg Nr. 14.
Als Leitspruch ist auf einem Banner „Schießen und Fechten hilft zum Rechten“ angegeben.

 

28. Mai 1915 (Ort: unbekannt)

Unterkunft in einer offenen Scheune, wo es furchtbar durchregnet. Um 3 Uhr 30 wieder etwas zurück. Ein Gefecht vor uns ist im Gange. Starkes Artilleriefeuer. Eskadron zur Besetzung eines Schützengrabens, den wir uns in Eile ausheben mussten.

29. Mai 1915 (Ort: unbekannt)

Schanzarbeiten im Schützengraben.

30. Mai 1915 (Ort: unbekannt)

Russischer Angriff nach Artillerievorbereitung nachts auf unsere Höhe. Verschiedene verwundet. Rekrut Brandt neben mir durch Kopfschuss schwer verwundet, während dem heftigen Maschinengewehr- und Artilleriefeuer.

30. Mai 1915 (Ort: unbekannt)

Brandt stirbt. Beerdigung desselben mit Kamerad Schneider hinter unserem Schützengraben, dabei starkes Maschinengewehrfeuer, sowie durch unseren Spaten die Erde hoch flog. Wir mussten ihn im Liegen beerdigen. Nachts, während die anderen Stacheldraht- und Schanzverhaue ausführten, schmücke ich das Grab notdürftig.

31. Mai 1915 (Ort: unbekannt)

Ebenfalls ein Angriff abgewiesen, z. Essenholen kommend.

An diesem Tag: Beim ersten deutschen Luftschiff-Angriff des Krieges werden die Londoner Werft- und Hafenanlagen bombardiert.

01. Juni 1915 (Ort: unbekannt)

Ruhig.

An diesem Tag: An Schulen in ganz Deutschland beginnen vorgezogene Abschlussprüfungen für alle Schüler, die sich freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet haben.


Flohburg

Im städtischen Museum FLOHBURG in Nordhausen wurden Fritz Reinboths Kriegstagebücher sowie weitere Dokumente aus seinem Nachlass im Rahmen einer Sonderausstellung zum I. Weltkrieg vom 1. August bis zum 26. Oktober 2014 gezeigt.

Aus dem Kriegstagebuch von Fritz Reinboth (2): 07. August 1914 – 04. September 1914

Die Veröffentlichung des Kriegstagebuchs von Friedrich Ernst Reinboth (1891 – 1918) in den „Walkenrieder Nachrichten“ wird heute mit dem zweiten von insgesamt zehn Teilen fortgesetzt. Alle wichtigen Informationen zu dieser Artikelserie finden sich hier im ersten Teil.

Fritz und Karl 1914

Die beiden Brüder Friedrich (links) und Carl Reinboth (rechts) in einer Aufnahme aus dem Jahr 1914.
Auch Carl kämpfte später in einer Infanterieeinheit, überlebte den Krieg jedoch unverletzt.

 


07. August 1914 (Orte: Boismont, Bazailles)

Früh 7 Uhr Abmarsch. Bei Baizailles stossen wir auf feindliche Stellungen. Verschiedene Patrouillen werden abgeschossen. Unter anderem fällt Ltnt. Wangenheim, Ltnt. Mosch H.14. Esk. schwer verwundet. Auch Schuster von uns. Schwadron wird verwundet. Die in eiliger Flucht erlassenden Waldränder zeugen, wie gut sich die franz. Inf. dort eingenistet hatte. Nachmittag kommt unsere Artillerie auf die fliehende Infanterie zum 2. Gefecht. Sie hat durch das sichere Schiessen gute Resultate. Der 1. feindl. Flieger in Sicht.

An diesem Tag: Trotz andauernden Widerstands durch belgisches Militär gelingt deutschen Truppen die Besetzung der Stadt Lüttich, wo es zu erheblichem Vandalismus kommt. In Berlin bricht man alle Vorbereitungen für die dort geplanten Olympischen Spiele des Jahres 1916 ab, die in Deutschland hätten stattfinden sollen.

08. August 1914 (Ort: unbekannt, ggf. Mercy-le-Bas)

Notquartier. Um 1 Uhr Alarm. Ausrücken bis Marie le Pas. Beim Wegreiten durch Franktireur 1 Dragoner erschossen. Erschiessen des Bürgermeisters durch Gefr. Becker. 4/H.14.

Als Francs-tireurs (abgeleitet aus den französischen Worten franc für frei und tireur für Schütze) wurden ursprünglich französische Freikorps während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 bezeichnet. Der Name fand später auch für französische Partisanen im Ersten und Zweiten Weltkrieg Verwendung.

10. August 1914 (Ort: Boismont)

Früh 2 Uhr Wecken. 3 Uhr Abmarsch in der Richtung wo 2 Jägerbataillone der Franzosen die Stadt verlassen haben. Im Ort wird kurze Rast gemacht. Alarm! Besetzen die Höhen vor der Stadt. Abends kommt die Botschaft vom Aufreiben der Artillerie und Jäger zu Fuss vor uns durch französische Artillerie. Dieselben seien überrascht sogar beim Baden. Um 12 Uhr Einrücken in Boismont. Eintreffen der Bagage nach 9 Tagen.

Zeichnung Husarenemblem

Von Fritz Reinboth angefertigte Zeichnung der Insignien des Husaren-Regiments Friedrich II. von Hessen-Homburg Nr. 14. Als Leitspruch ist auf einem Banner „Schießen und Fechten hilft zum Rechten“ angegeben.

 

11. August 1914 (Orte: Bazailles, Boismont)

Ausrücken um 9 Uhr. Unterkunft in Baisailles, wurden aber durch Meldungen gezwungen, nach Boie-Mont zurückzugehen. Übernachten auf freiem Felde. Wir erhalten planlos Feuer durch eigene Truppen.

An diesem Tag: Kriegserklärung Frankreichs an Österreich-Ungarn.

12. August 1914 (Orte: Longwy, Boimsont)

Auf Patrouille nach der Schlacht auf Longwy. Nichts vom Feinde zu sehen, deshalb zurückgehen. In Boimont auf dem Felde Biwak. Die Verwundeten werden zurücktransportiert in eine Schule.

Bei Longwy sollte sich einige Tage später – vom 22. bis zum 25. August 1914 – eine verlustreiche Schlacht zwischen deutschen und französischen Truppen ereignen, der Fritz vielleicht nur aufgrund einer Beinverletzung entging, die er sich drei Tage nach diesem Tagebucheintrag zuzog.

13. August 1914 (Orte: Esch-sur-Alzette, Reckingen)

Früh Ausrücken zum Rückzug aus Frankreich über Deutsch-Orth, Esch. Jubelnde Begeisterung in Esch. Wir werden förmlich traktiert mit Liebesgaben. Unterkunft abends im Luxemburgischen, im Ort Reckingen.

An diesem Tag: Die Veröffentlichung des gesellschaftskritischen Romans „Der Untertan“ von Heinrich Mann in der Zeitschrift „Zeit im Bild“ wird eingestellt, da die Redaktion das Werk für zu unpatriotisch erachtet.

14. August 1914 (Ort: Arel)

5 Uhr Ausrücken. Um ½ 9 Überschreiten der belgischen Grenze. Das schmucke Städtchen Arlons ist ziemlich verlassen. Durch feindliches Entgegentreten der letzten Hausbewohner werden dessen Häuser von den 88ern und 89ern Infanteristen demoliert. Abends 9 Uhr Unterkunft in Franze.

15. August 1914 (Ort: unbekannt)

Weiteres Vorrücken bis [Lücke im Text des Tagebuchs]. Mit Unteroffizier Meder & Wetter auf Erkundungsritt. Dabei im Galopp mit dem Pferd in ein Drahtgefüge gestürzt und das linke Bein gequetscht. Nachts im Biwak unter Franze. Übernachten unter Bagagewagen.

16. August 1914 (Ort: Etalle)

Einliefern mittels Sanitätswagen nach Etaille ins Lazarett. Sergant Kellner und Stürmcke als verwundet dorthin gebracht. Fuhrmann und Röcher tot. 8 Pferde verloren.

An diesem Tag: Beginn der Schlacht von Cer (auch: Schlacht am Jadar) im Rahmen der ersten österreichisch-ungarischen Offensive gegen Serbien, die am 24. August nach 39.000 Toten auf beiden Seiten mit dem Rückzug der österreichisch-ungarischen Armee endet.

17. August 1914 (Orte: Etalle, Arel, Trier, Koblenz)

Verbinden in Etaille. Wegbringen mittels Auto. Sergeant Kellner, Stürmcke und ich unter Mitnahme eines franz. Kürassiers nach Arlone. Von dort mittels Zug über Luxemburg, Trier (Sergt. Kellner wird wegen Durchbluten des Verbandes in Trier ausgeladen), Coblens ins Garnisonslazarett. Von dort nach Feststellung durch Röntgen, dass es ein Knöchelbruch ist, am

18. August 1914 (Orte: Kloster Marienhof in Koblenz, Oberwerth in Koblenz)

nach Kloster Mariahof. Sorgfältige Pflege durch Schwestern. Besuch S.M. des Kaisers im Feld-Larzarett – Übersiedeln nach Oberwerth, Lehrerinnen-Seminar direkt am Rhein.

Zeichnung Kaiser Wilhelm II

Zeichnung von Kaiser Wilhelm II, angefertigt von Fritz Reinboth nach einem Besuch Wilhelms
in seinem Verwundetenlager im Kloster Mariahof.

 

02. September 1914 (Ort: Oberwerth)

Entfernen des Gipsverbandes. Das Gehen geht im Anfang schlecht, wird aber bis zum 04.09. so gut, dass ich am

04. September 1914 (Orte: Oberwerth, Koblenz, Diedenhofen/Thionville)

entlassen werde, felddienstfähig. Abends nach Abmelden von der Kommandantur in Coblenz, Abfahrt nach Diedenhofen [heute Thionville im Elsass]. Dort werden wir ohne Waffen nicht weiterbefördert. Nach Absenden eines Telegramms nach Cassel lauere ich 6 Tage auf meine Ausrüstung.


Flohburg

Im städtischen Museum FLOHBURG in Nordhausen werden Fritz Reinboths Kriegstagebücher (darunter auch das hier vorgestellte) sowie weitere Dokumente aus seinem Nachlass vom 1. August bis zum 26. Oktober 2014 im Rahmen einer Sonderausstellung zum I. Weltkrieg gezeigt.

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Aus dem Kriegstagebuch von Fritz Reinboth (1): 29. Juli 1914 – 06. August 1914

Am 28. Juni des Jahres 1914 erschoss der bosnische Serbe Gavrilo Princip in Sarajevo den österreichisch-ungarischen Thronfolger Kronprinz Franz Ferdinand und dessen Frau Sophie. Dieses Attentat löste die sogenannte Julikrise aus, die wiederum im Ausbruch des Ersten Weltkriegs gipfelte, welcher bis Kriegsende am 11. November 1918 mehr als 17 Millionen Menschenleben kosten sollte. Dieses entscheidende Ereignis der jüngeren europäischen Geschichte hat sich im laufenden Jahr zum einhundertsten Mal gejährt, weshalb man dieser Tage viel über den „Großen Krieg“ hört und liest.

Im Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg, von dessen Leiden uns – noch – viele Zeitzeugen berichten können, verliert sich der Erste Weltkrieg zunehmend im Nebel der Geschichte. Eine umso größere Bedeutung kommt daher den noch vorhandenen persönlichen Aufzeichnungen derer zu, die diese dunkle Periode miterlebt und mitgestaltet haben – den Tagebüchern und Feldpostkarten der Soldaten ebenso wie den Briefen der Daheimgebliebenen. Seit einigen Jahren bemüht sich daher die Europeana – ein von der Europäischen Union finanziertes digitales Archiv für europäisches Kulturgut – um Briefe, Tagebücher, Zeichnungen, Bilder und Postkarten aus der Zeit zwischen 1914 und 1918, die sich noch in den Kellern und Dachböden Europas finden lassen.

Dass auch ein Mitglied meiner Familie – mein Urgroßonkel Fritz (eigentlich Friedrich) Reinboth – im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte und 1918 nicht mehr aus der Ukraine ins heimatliche Nordhausen zurückgekehrt war, war mir aus familiären Erzählungen bereits bekannt – wie viele Postkarten, Fotos, Briefe und andere Erinnerungsstücke an diese Zeit aber noch existieren, wurde mir erst bewusst, nachdem ich meine Großeltern vor zwei Jahren auf den Aufruf der Europeana angesprochen hatte. Denn tatsächlich fanden sich bei näherem Hinsehen nicht nur Postkarten und Briefe, sondern auch etliche militärische Dokumente sowie eine ganze Reihe handschriftlich geführter Tagebücher aus Fritz siebenjährigem Dienst als Husar im 2. Kurhessischen Regiment Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg.

Kriegstagebuch Friedrich Reinboth

Eines der drei Kriegstagebücher der Marke „Ekeha“, die von Fritz Reinboth zwischen 1914 und 1917 geführt wurden.

 

Insbesondere die Lektüre dieser Aufzeichnungen hat mir ein völlig neues Bild des mir und auch meinen Eltern und Großeltern nahezu unbekannten Verwandten vermittelt. In den insgesamt drei, von 1914 bis 1917 reichenden Tagebüchern gibt Fritz detaillierte Auskunft über seine Dienstorte, beschreibt die Gefechte, in die seine Einheit verwickelt wurde, und listet die Namen seiner gefallenen Kameraden auf. Nicht verschwiegen werden dabei auch die durch seine Einheit verübten Gräuel wie etwa die Hinrichtung der Bürgermeister einiger besetzter Orte oder die versehentliche Tötung von Zivilisten.

ReiterbildFritz Reinboth wurde am 29. September des Jahres 1891 in Nordhausen als Sohn des Kunst- und Dekorationsmalers Friedrich Ernst Reinboth und seiner Frau Amalie Reinboth (geb. Hendrich) als zweitältestes von sechs Kindern geboren – die drei Jahre ältere Schwester Luzia verstarb kurz vor ihrem vierten Geburtstag an Diphtherie. Fritz, der seinem Vater nacheifern und als Kunstmaler tätig werden wollte, diente während des Krieges im Kasseler Husaren-Regiment Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg Nr. 14 unter Fürst Adolf II. von Schaumburg-Lippe, welches zunächst in Frankreich und später in Polen, Litauen und der Ukraine eingesetzt wurde. Fritz wurde während des Krieges mehrere Male verwundet und unter anderem mit dem Eisernen Kreuz sowie mit dem Lippischen Verdienstorden ausgezeichnet. Er fiel am 21. März 1918 – mehrere Wochen nach der Unterzeichnung des Friedens von Bresk-Litowsk – in einem Gefecht in der bereits in den Wirrungen des russischen Bürgerkriegs versinkenden Ukraine. Sein jüngerer Bruder – und mein Urgroßvater – Walther Hans Reinboth (1899 – 1990), der 1917 mit 18 Jahren ebenfalls zum Kriegsdienst einberufen wurde, trat Jahre später in die künstlerischen Fußspuren des Bruders und hat sein großes Vorbild in zahlreichen Bildern festgehalten – wie auch in diesem Ölgemälde, das Fritz Reinboth als Husar zu Pferd zeigt und das viele Jahre die Wände meines Studierzimmers zierte.

Was dieser Mensch, der für mich die größte Zeit meines Lebens nicht mehr als ein Bild an der Wand gewesen ist, über den Krieg für sich und die Nachwelt festhalten wollte, kann in der mit dem heutigen Tage startenden, zehnteiligen Artikelserie hier in den „Walkenrieder Nachrichten“ nachgelesen werden. Wo dies sinnvoll erschien, habe ich die Ausführungen um zeitgeschichtliche Anmerkungen ergänzt. Die Tagebucheinträge wurden – auch orthografisch – dagegen nicht verändert und sind nachfolgend originalgetreu wiedergegeben.


29. Juli 1914 (Ort: Kassel)

Abgabe der älteren Garnituren und Empfang der Kriegs-Garnitur. Das Leben innerhalb der Kaserne wird kritisch. Die Begeisterung für den bevorstehenden Krieg steigert sich.

An diesem Tag: Österreichisch-ungarische Truppen beginnen mit dem Beschuss der serbischen Hauptstadt Belgrad. In Berlin trifft sich Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg mit dem SPD-Abgeordneten Albert Südekum, um über das Ja der SPD zu einem Kriegseintritt zu verhandeln.

Tagebuchzeilen

Die ersten Zeilen im Kriegstagebuch von Fritz Reinboth für das Jahr 1914: „Die Begeisterung für den bevorstehenden Krieg steigert sich.“

 

31. Juli 1914 (Ort: Kassel)

Genaues Verpassen der Sättel und Zaumzeuge. Packen der Pack-, Lebensmittel- und Sanitätswagen. Abgabe der Degen zum Schleifen. Es wird langweilig in der Kaserne durch das Warten auf die Mobilmachung. Es darf niemand das Kasernement verlassen.

An diesem Tag: Gegen Mittag verkündet Kaiser Wilhelm II. vom Balkon seines Berliner Stadtschlosses einen Zustand der drohenden Kriegsgefahr. Er billigt ein deutsches Ultimatum an Russland, in dem der Zar zur Einstellung aller Kriegsvorbereitungen aufgefordert wird. In Russland und Österreich wird die Generalmobilmachung ausgerufen.

01. August 1914 (Ort: Kassel)

Bügelriemen verpassen. Früh Zugreiten und Stechen nach Stechpfahl. Nach ¾ Jahren setzte ich mich das erste Mal wieder auf ein Pferd (Adolf). Abends ½ 7 Uhr Mobilmachung. [Unterstreichung im Original]

An diesem Tag: Um 17:00 Uhr verkündet der Kaiser die Generalmobilmachung für das Deutsche Reich. Um 19:00 Uhr erfolgt die deutsche Kriegserklärung an Russland. Vom Balkon des Berliner Stadtschlosses aus ruft der Kaiser in die jubelnde Menge: „In dem jetzt bevorstehenden Kampfe kenne ich in meinem Volke keine Parteien mehr. Es gibt unter uns nur noch Deutsche.“ Noch am Abend dringen erste russische Truppen in Ostpreußen ein.

02. August 1914 (Ort: Kassel)

Grosser Trubel in der Kaserne. Allgemeine Begeisterung durch Absingen patriotischer Volkslieder.

An diesem Tag: Mit dem Einmarsch deutscher Truppen im Großherzogtum Luxemburg beginnt die Umsetzung des sogenannten Schlieffen-Plans. Das Osmanische Reich erklärt, im Falle eines Krieges mit Russland an der Seite Deutschlands sowie Österreich-Ungarns in den Krieg eintreten zu wollen.

03.August 1914 (Orte: Kassel, Marburg, Wetzlar, Koblenz, Trier, Örtlingen)

Früh ½ 3 Uhr Wecken. 5 Uhr Abrücken zum Oberstadtbahnhof unter Gesang und lebhaftem Zuwinken der Casseler Bürger. Dabei standen manchen die Tränen in den Augen. 6 Uhr Verladen. 9 Uhr 15 Min Abfahrt über: Marburg, Wetzlar, Limburg, Coblens. ½ 8 Uhr abends Überfahrt des Rheines unter lebhafter Begeisterung. Besetzung der einzelnen Eisenbahnwagen wegen der feindl. Flieger. Durchfahren des herrlichen Moselthales über Trier nach dem Luxemburgischen. Nachts 3 Uhr Ausladen in Wellen. Erstes Quartier unter mühsamem Nachbringen der Bagage in strömendem Regen nach Leiplingerhof b. Örtlingen b. Luxemburg. Friedliches Verhalten der Einwohner.

An diesem Tag: Um 18:00 Uhr erklärt Deutschland dem Nachbarn Frankreich den Krieg. Belgien lehnt die deutsche Forderung nach einem Truppendurchmarsch über belgisches Gebiet mit Verweis auf die Neutralität des Landes ab. Reichskanzler Theobald von Bethman-Hollweg fordert die Briten in einem Appell zur Neutralität im deutsch-französischen Krieg auf.

Postkarte Hessen-Homburg-Husaren

Vorderseite einer Postkarte, deren Motiv Reiter der Hessen-Homburg-Husaren zeigt, bei denen Fritz Reinboth diente.
Die (unbeschriebene) Postkarte fand sich im Nachlass seines Bruders Walther Hans.

 

04. August 1914 (Ort: nahe Örtlingen)

Ruhetag. Verhaften von 2 Deserteuren.

An diesem Tag: Die deutsche Armee marschiert in Belgien ein und liefert sich bei Lüttich schwere Gefechte mit belgischen Truppen. Während die britische Regierung ein Ultimatum an Deutschland verabschiedet, erklärt US-Präsident Woodrow Wilson die Vereinigten Staaten für neutral und bietet zugleich eine Vermittlerrolle an. In Berlin billigt der Reichstag einstimmig die vom Reichskanzler eingebrachten Kriegsgesetze.

05. August 1914 (Orte: Sandweiler, Reckingen)

Vorrücken auf Örtlingen – Sandweiler – Luxemburg – Ausgang Marl. Früh um 8 Uhr. Davor antreten. Vorlesen der französischen Kriegserklärung mit Ausbringen eines 3-fachen Hurrah auf S.M. [kurz für Seine Majestät] – Ankunft in Reckingen.

An diesem Tag: Großbritannien erklärt dem Deutschen Reich den Krieg.

06. August 1914 (Orte: Reckingen, Esch-sur-Alzette, Villerupt, Boismont)

Quartier in Reckingen. Nachts 11 Uhr fertig zum Abmarsch. Pferde bleiben bis früh gesattelt ½ 5 Uhr. Um 11 Uhr Abmarsch der Eskadron. Unter Hurra im Galopp über die Grenze bei Esch – Deutsch-Orth – Villerupt. Nachmittag Vorgehen der Division. Unsere Spitze bekommt Feuer. 3 Pferde erschossen und 1 Mann leicht verletzt. Ausreissen der Besatzung des Ortes Bois-Mont – 1 Schwadron Jäger und 1 Compagnie franz. Infanterie. Demolieren der Häuser beim Stürmen. Im nächsten Orte Notquartier. Durch das Nichtverstehn der Dorfbewohner entstehen interessante Momente.

An diesem Tag: Während Österreich-Ungarn Russland den Krieg erklärt, erfolgt auch die Kriegserklärung Serbiens an Deutschland.


Flohburg

Im städtischen Museum FLOHBURG in Nordhausen werden Fritz Reinboths Kriegstagebücher (darunter auch das hier vorgestellte) sowie weitere Dokumente aus seinem Nachlass vom 1. August bis zum 26. Oktober 2014 im Rahmen einer Sonderausstellung zum I. Weltkrieg gezeigt.

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