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Friedrich Reinboth

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Walkenried in Gemälden: Aus welchem Jahr stammt das Bild des unbekannten Malers – und wo entstand es?

Vor nunmehr drei Jahren haben wir hier in den „Walkenrieder Nachrichten“ ein Gemälde der Walkenrieder Klosterruine von einem uns unbekannten Maler veröffentlicht. Nach drei Jahren hat uns unser Leser Stefan Martin nun dankenswerterweise darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Urheber vermutlich um Paul Venz handelt, einen Amateurmaler aus der Sächsischen Schweiz, der zwischen 1864 und 1903 lebte und wirkte (und über dessen Leben und Schaffen sich im Internet leider keine weiteren Informationen finden lassen).

Klosterruine

Fritz Reinboth, der langjährige Vorsitzende des Walkenrieder Geschichtsvereins, nahm sich diesen wertvollen Hinweis zum Anlass, sich noch einmal über die genauere zeitliche Einordnung des Gemäldes – diese passt gut zu Venz Lebensdaten – sowie den Standort des Malers Gedanken zu machen und ließ uns hierzu die folgenden Anmerkungen zukommen:

Hit Hilfe eines Vergleichs perspektivischer Details des Venz-Gemäldes mit den alten Klosteransichten von Becker / Richter und Rohbock ergibt sich als Standort des Malers die Kante des Kupferbergs, etwa auf Höhe der sogenannten Rohbockbank. Unten an der Wieda kann Venz dagegen nicht gesessen haben, da man dort ja nicht von oben auf die Ruinen des Mittelschiffs und darüber hinweg zum Röseberg blickt. Das Gebüsch im Vordergrund ist allerdings etwas verwirrend, wie auch die Darstellung der Chorruine, die bei Venz im Widerspruch zur Gesamtansicht von unten dargestellt zu sein scheint.

Paul Venz

Dieser „Rohbockblick“ ist heute leider ziemlich verwachsen. Becker – vermutlich der aus Ballenstedt stammende Maler August Becker – hat etwas näher am heutigen Kindergarten gesessen, denn die Ostfassade des Kapitelsaals ist in ihren Werken nicht teilweise von der Chorruine verdeckt. Das Ölbild von Venz wurde ganz eindeutig vor dem Einsturz des mittleren Chorfensters angefertigt, also vor den Jahr 1902. Im Gegensatz zu den Darstellungen von Becker und Rohbock fehlen allerdings die Gehöfte innerhalb der Kirchenruine, die ja schon um 1860 vor das Klostertor versetzt worden sind. Der aus dem Dach der Klausur ragende Schornstein gehörte zur damaligen Heizung der Kirche im Kapitelsaal. Vor dem Kloster stehen noch die großen Kastanien; am Röseberg erkennt man die Waldlücke des alten Steinbruchs oberhalb der Walkenrieder Gipsfabrik.

Aus dem Kriegstagebuch von Fritz Reinboth (8): 03. August 1915 – 10. August 1915

Die Veröffentlichung des Kriegstagebuchs von Friedrich Ernst Reinboth (1891 – 1918) in den “Walkenrieder Nachrichten” wird heute mit dem achten von insgesamt zehn Teilen fortgesetzt. Alle wichtigen Informationen zu dieser Artikelserie finden sich hier im ersten Teil.

Kriegstagebuch Friedrich Reinboth

Eines der drei Kriegstagebücher der Marke „Ekeha“, die von Fritz Reinboth zwischen 1914 und 1917 geführt wurden.

 


03. August 1915 (Ort: Kėdainiai)

Quartier an der Strasse. Früh 4 Uhr Abmarsch.

Nachdem Sergt. M. und 8 Mann als Seitendeckung in dem Wäldchen an der Strasse aufgestellt hatte, begann die Beschießung des Dorfes Skrktalla. Nachdem eine weit ausgeschwärmte Schützenlinie vorgezogen. Besetzen des Dorfes. Beim Bahnhof wird ein lebhaftes Feuer auf uns abgegeben, doch ohne uns zu schaden. Wieder zurück.

Nach einer halben Stunde dasselbe Manöver. Wir lassen unsere Pferde im Graben des Eisenbahndammes in Deckung zurück und besetzen, zu Fuß vorgehend, den Bahnhof. Bei unserem ersten Versuch, in das Dorf vorzugehen, bekommen wir zwischen den ersten Häusern Feuer. Ein Unteroffizier durch Beschuss verwundet. Zurückbringen. Nachdem wir Verstärkung bekommen, gehen Sergt. Meder, Sergt. Diecher und ich ins das Dorf, was die Kosaken auf unser Anstürmen eilig verlassen. Wir folgen ihnen dicht auf den Hacken sitzend und haben wegen der kurzen Entfernung gute Schußwirkungen.

Ich bin bei der Verfolgung zu weit zwischen die Kosaken geraten und muß mir, da ich verwundet wurde, den Rückweg mit dem Bajonett erkämpfen. Dann reite ich zur Eskadron zurück. Die Nacht verbringe ich unter Schmerzen bei der Bagage. Am anderen Mittag veranlasst Wachtmeister Staab meine Überführung nach Keidany.

An diesem Tag: Von der deutschen Regierung im Geheimen aufgenommene Verhandlungen über einen Sonderfrieden mit Russland werden endgültig von der zaristischen Regierung zurückgewiesen.

10. August 1915 (Orte: Pagėgiai, Sowetsk)

Abfahrt mittels Fuhrparkkolonne nach Seredinkk. Unterwegs Übernachten dort. Dann durch das herrliche durch Kämpfe interessante Dubissatal nach [unlesbar]. Herrliche Fahrt auf Schleppkahn bis Schmellingken. Von da nach Tilsit. Nach Entlassung u.s.w. Abfahrt am 13.08.1915 abends ½ 10.


Mit diesem Datum endet das erste der insgesamt drei erhalten gebliebenen Kriegstagebücher von Fritz Reinboth. Die beiden anderen Tagebücher, die seinen weiteren Weg in den Jahren 1915 bis 1917 nachzeichnen, befinden sich ebenfalls noch im Besitz unserer Familie – das (mutmaßlich von ihm geführte) letzte Tagebuch über Teile der Jahre 1917 und 1918 ging dagegen wohl mit ihm selbst auf dem Gebiet der heutigen Ukraine verloren. Alle noch von ihm erhaltenen Aufzeichnungen werden voraussichtlich bis zur hundertjährigen Wiederkehr des Kriegsendes im Jahr 2018 noch transkribiert und veröffentlicht werden. Auf diese Weise hofft unsere Familie einen kleinen Beitrag zum Nichtvergessen dieses leidvollen Konflikts leisten zu können. In den letzten beiden Teilen dieser zehnteiligen Blogserie hier in den „Walkenrieder Nachrichten“ werden wir uns mit den Bilddokumenten und Postkarten der Jahre 1914 und 1915 aus dem Familiennachlass beschäftigen – und spätestens 2016 wird diese Serie dann mit der Transkription des nächsten Tagebuchs fortgesetzt. Eine druckbares PDF der Transkription des ersten Tagebuchs werden wir hier ebenfalls noch zum Download bereitstellen.

Flohburg

Im städtischen Museum FLOHBURG in Nordhausen wurden Fritz Reinboths Kriegstagebücher sowie weitere Dokumente aus seinem Nachlass im Rahmen einer Sonderausstellung zum I. Weltkrieg vom 1. August bis zum 26. Oktober 2014 gezeigt.

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