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Fritz Rode

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Gipsfabrik Rode, Walkenrieder Kanzel und mehr: Termine des Geschichtsvereins

Aktuelle Termine des Vereins für Heimatgeschichte Walkenried / Bad Sachsa und Umgebung e.V.:

1. Mittwoch, 25.10.2017, 15 Uhr, Gemeindebücherei Walkenried: Präsentation des Modells der Walkenrieder Gipsfabrik (Rode) im Maßstab 1:160 und Kurzvorträge zur Geschichte dieser Fabrik und die Eigentümer Albrecht Meier und Fritz Rode. Die Walkenrieder Gipsfabrik unter dem Röseberg spielte zeitweise eine wichtige Rolle in der Walkenrieder Industriegeschichte, ist aber heute bis auf die Villa des Fabrikanten Meier vom Erdboden verschwunden.

2. Sonntag, 05.11.2017, 10.30 Uhr, Kapitelsaal der Klosterkirche: Im Rahmen des Gottesdienstes gehen wir auf die Geschichte der Walkenrieder Kanzel ein, die in diesem Jahr ein rundes Jubiläum feiert (Erbauer, Figurenschmuck usw.). Mit Herrn Pfarrer Reinhard haben uns auf diese Version verständigt und würden uns freuen, wenn Vereinsmitglieder daran teilnehmen.

3. Letzter Mittwoch im Januar 2018: Präsentation des alten Modells der Klosterkirche Walkenried, welches 1927 aus Anlass des Klosterjubiläums gebaut und beim Festumzug mitgeführt wurde. Es stand früher im Brunnenhaus und/oder Kreuzgang und fristet nun ein ziemlich unbeachtetes Dasein. Das Museum hat sich bereiterklärt, uns das Modell zur Verfügung zu stellen. Recherchen über Planer und Erbauer laufen derzeit. Etwas abstauben müssen wir es sicher auch noch.

4. Letzter Mittwoch im Februar 2018: Noch ein Jubiläum – vor 150 Jahren wurde die Himmelreichhöhle bei Bauarbeiten der Bahn nach Nordhausen entdeckt. Was man damals so vorhatte und nicht umsetzen konnte und was die Bahn mit der Höhle in den folgenden Jahrzehnten für Kummer hatte, wird beleuchtet werden.

5. Letzter Mittwoch im März: JHV und Kurzvortrag über neue Erkenntnisse zur Walkenried/Ellricher Gipsindustrie auf der Juliushütte.

Gipsfabrik Rode

Eine Schablone der in Walkenried ansässigen Firma Rode, die zur Markierung von Transportbehältern eingesetzt wurde.

Walkenried in Gemälden: Die Gipsfabrik Rode

Für unsere kleine Artikelreihe “Walkenried in Gemälden” hier in den „Walkenrieder Nachrichten“ ist dieser Tage eine ganz besonders interessante Zusendung eingegangen: Familie Preissler aus Walkenried übersandte uns die unten zu sehende Zeichnung der Gipsfabrik Rode aus dem Jahr 1978 (entstanden also ein Jahr vor ihrem Abriss). Bemerkenswert an diesem Bild ist, dass (derzeit noch) niemand den Künstler kennt – die Zeichnung wurde auf einem Flohmarkt erstanden, aus der Signatur lassen sich Namen wie „Heyer“ oder „Freyer“ herauslesen. Eventuell weiß ja einer unserer Leserinnen und Leser, welchem Künstler oder welcher Künstlerin das Bild zuzuordnen ist – wir freuen uns über jeden Hinweis in den Kommentaren oder per E-Mail an christian.reinboth@gmx.de.

Gipsfabrik Rode

Eine Zeichnung der Gipsfabrik Rode aus dem Jahr 1978 von einem (noch) unbekannten Künstler.

 

Signatur

Die Signatur des (noch) unbekannten Künstlers – wer kann sie identifizieren?

Chronik der Gipsindustrie in Walkenried und Neuhof erschienen

Der Verein für Heimatgeschichte führt seine Schriftenreihe weiter fort. Soeben ist – immerhin schon als Nummer 40 – die „Chronik der Gipsindustrie in Walkenried und Neuhof“ aus der Feder von Fritz Reinboth erschienen. Reinboth konnte hierbei auf Materialien des Vereinsarchivs, der Firma Formula sowie Reinhard Kohrs und Walther Reinboth senior zurückgreifen und hat auf rund 60 Seiten in knapper, aber reich bebildeter Form die Geschichte dieses für Walkenried und Neuhof wie für den gesamten Südharz prägenden Wirtschaftszweig nachgezeichnet.

Gipsindustrie-Chronik

Für 1705 findet sich ein erster Hinweis auf das Brechen und Brennen von Gips in Neuhof, für 1750 dann auch in Walkenried. Über handwerkliche Betriebsstrukturen und Familienbetriebe wie Albrecht Meier, später Fritz Rode, Burchard, Heinz und Erich Börgardts führte der Konzentrationsprozess zunächst zur Stilllegung mehrerer Werke und Zusammenführung aller Tätigkeiten auf der „Kutzhütte“ und dann zum Übergang dieses Betriebes an einen multinational agierenden Weltkonzern. Deutlich rückläufige Arbeitsplatzzahlen gehen dabei mit einer stetigen Ausweitung der Produktion mit immer neuen Steinbrüchen einher. Grundlage der Betriebe war, ist und bleibt – mit vielerlei durchaus negativen Begleiterscheinungen – der Südharzer Gips. Reinboth ist allen Spuren nachgegangen und dokumentiert den längst vergessenen Ewaldschen Gipsofen am Neuhofer Priesterstein ebenso wie die „Südharzer Baustoffwerke“ (die SÜBA) und weithin erfolglose Versuche, auch den Höllstein in einen Steinbruch zu verwandeln. Auch der „Culemeyer“ findet seinen Platz. So ist eine lebendige, nicht nur für ehemalige und heutige Mitarbeiter der Gipsindustrie lesenswerte Chronik entstanden, die zum Preis von 5,00 € im Vereinsarchiv, bei der Postagentur und in Veras Kiosk zu erwerben ist.

Schablone der Fa. Rode

Bei diesem Exponat aus der Walkenrieder Gipsausstellung handelt es sich um eine Schablone der in Walkenried ansässigen Firma Rode, die zur Markierung von Transportbehältern eingesetzt wurde.

Walkenried in Gemälden: Die Gipsfabrik Rode

Mit diesem Gemälde von Eckhard Rode setzen wir heute unsere Reihe “Walkenried in Gemälden” fort. Das Bild zeigt die – inzwischen bekanntlich nicht mehr existierende – Gipsfabrik des bekannten Walkenrieder Industriellen Fritz Rode am Röseberg. Der Unternehmer hatte die von Albrecht Meier gegründete Walkenrieder Gipsfabrik nach dessen Tod im Jahr 1904 erworben und in den Folgejahren erheblich ausgebaut. Ende der 70er Jahre wurde die Gipsfabrik von Rodes Sohn an die Firma Börgardts verkauft, die im Jahr 1979 die Produktionsgebäude und historischen Gipsöfen abbrach und nur den Steinbruch weiterbetrieb. Wer selbst noch über alte (oder auch neue) Gemälde, Skizzen und Zeichnungen von Walkenried verfügt, ist herzlich dazu eingeladen, unsere kleine Sammlung durch eine Zusendung an christian.reinboth@gmx.de zu bereichern.

Gipsfabrik Rode

Die Gipsfabrik von Fritz Rode am Röseberg – ein Ölgemälde von Eckhard Rode.

Das Jahr 1923 in Walkenried und Umgebung

Als historisches Hintergrundprogramm (und als Schlechtwetteralternative, die jedoch zum Glück nicht benötigt wurde) hat das Team der Ortsgeschichtlichen Sammlung Walkenried für den Markt der Vereine am vergangenen Samstag eine Präsentation zum Gründungsjahr des 90jährigen Jubilars – der Volksbank Braunlage – vorbereitet. Hierfür musste umfassend recherchiert werden, was sich im Jahr 1923 in Walkenried und Umgebung zugetragen hat – eine spannende Aufgabe mit interessanten Ergebnissen, die wir gerne auch in einem Artikel hier in den Walkenrieder Nachrichten präsentieren möchten.

Volksbank Braunlage

In diesem Gebäude am Hotel „Brauner Hirsch“ in Braunlage wurde im November 1923 die erste Filiale der Volksbank Braunlage eröffnet (Bildquelle: Volksbank Braunlage eG).

 

Wenn man entscheidende Jahreszahlen der jüngeren deutschen Geschichte nennen sollte, würden einem vermutlich zunächst die Jahre des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918, die Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933, die Jahre des Zweiten Weltkriegs von 1939 bis 1945 und sicher auch noch der Mauerfall und die Wiedervereinigung in den Jahren 1989 und 1990 einfallen. An das Jahr 1923 wird dagegen spontan wohl kaum jemand denken – und das, obwohl sich gerade in diesem Jahr ganz entscheidende Ereignisse und Weichenstellungen für den weiteren Verlauf der deutschen Geschichte ereigneten.

 

So war 1923 etwa das Jahr, in dem die Hyperinflation der 20er Jahre in Deutschland ihren absoluten Höhepunkt erreichte. Zahlreiche Geldscheine der Deutschen Reichsbank sowie Notgeldscheine der Kommunen unserer Region zeugen von dem enormen Preisverfall, der sich innerhalb nur weniger Monate in Deutschland ereignete. Kostete etwa der Versand einer Postkarte im Juli 1923 bereits 400 Reichsmark, so waren nur acht Wochen später bereits 50 Millionen Reichsmark zu entrichten.

3.000.000 Reichsmark

Geldschein mit einem Nennwert von zwei Millionen Reichsmark, ausgegeben am 9. August 1923 (Original aus der Ortsgeschichtlichen Sammlung Walkenried).

 

Einen entscheidenden Anteil an der Zuspitzug dieser Währungskrise hatte die im Januar 1923 erfolgte Besetzung des Ruhrgebiets durch französische und belgische Truppen wegen ausstehender Reparationsleistungen des Deutschen Reiches aus dem Ersten Weltkrieg. Nachdem die Berliner Regierung die Bevölkerung zu passivem Widerstand aufgerufen hatte, kam es zu massiven Streiks und Protesten aber auch zu Sabotageakten und Todesfällen. Die enormen Kosten des Widerstands versetzten der ohnehin schwächelnden Währung endgültig den Todesstoß. Im November 1923 wurde die Reichsmark schließlich durch die Rentenmark abgelöst. Der Jahresbericht des Harzvereins aus dem Jahr 1923 verdeutlicht, welche Auswirkungen diese Währungsreform hatte: Aus einem Kassenbestand von unvorstellbaren 2.145.029.992.096 Reichsmark wurde über Nacht ein neuer Kassenbestand von 2 Rentenmark und 15 Pfennigen.

Jahresabschluss 1923

Der Jahresabschluss des „Harzvereins“ aus dem Jahr 1923 zeigt die drastischen Auswirkungen der Währungsreform: Aus einem Kassenbestand von 2.145.029.992.096 Reichsmark wurde über Nacht ein neuer Kassenbestand von 2 Rentenmark und 15 Pfennigen (Bildquelle: Ortsgeschichtliche Sammlung Walkenried).

 

Die wirtschaftliche und soziale Aufruhr, die mit dieser Währungskrise einherging, führte auch zu politischen Verwerfungen (allein im Jahr 1923 standen der Reichsregierung mit Gustav Stresemann, Wilhelm Cuno und Wilhelm Marx gleich drei Kanzler vor) und verhalf einer neuen rechtsextremen Bewegung zum Aufstieg, die das Land einige Jahrzehnte später übernehmen und zugrunde richten sollte. Am 9. September 1923 erklärt der Weltkriegs-General Erich Ludendorff gemeinsam mit Adolf Hitler in München die Reichsregierung für abgesetzt. Der Putsch scheitert am Eingreifen der bayerischen Justiz, die Hitler verhaften lässt und ihn später zu einer – allerdings recht milden – Gefängnisstrafe verurteilt. Während dieser Haftzeit entstand Hitlers berüchtigte Hetzschirft „Mein Kampf“, die nach der Machtübernahme im Jahr 1933 in millionenfacher Auflage gedruckt wurde. Auch eine der Wurzeln dieses Übels ist somit im für die deutsche Geschichte im Rückblich erstaunlich bedeutenden Jahr 1923 zu sehen.

Dr. Heinrich Jasper

Dr. Heinrich Jasper (SPD) regierte 1923 und später noch einmal den Freistaat Braunschweig. Die Nazis brachten ihn ins KZ und 1944 in Bergen-Belsen um (Bildquelle: „Die Braunschweigische Landesgeschichte – Jahrtausendrückblick einer Region“).

 

Was aber tat sich 1923 in Walkenried und Umgebung? Walkenried war zu dieser Zeit dem Freistaat Braunschweig zugehörig, der wiederum äußerst erfolgreich von Dr. Heinrich Jasper (SPD) regiert wurde, nach dem im Klosterort bekanntlich auch eine Straße benannt ist. Dr. Jasper wurde in den 40er Jahren durch die Nazis verhaftet und 1944 im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet. Ein anderer Braunschweiger Politiker dieser 1920er Jahre – der Landtagsabgeordnete Otto Grotewohl – wurde später Ministerpräsident der DDR und spielte während des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 eine eher unrühmliche Rolle, als er gegen die Normenerhöhungen demonstrierende DDR-Bürger in einer Rundfunkansprache als „faschistische Provokateure“ geißelte und alle „ehrlichen Bürger“ dazu aufforderte, Demonstranten bei den Staatsorganen zu denunzieren.

Seifenpulver GENWA

Eine Werbeanzeige für das Seifenpulver GENWA – eines von vielen Produkten, die in der Walkenrieder Seifenfabrik Genzel hergestellt wurden (Bildquelle: Ortsgeschichtliche Sammlung Walkenried).

 

Wie die Beschreibungen von Walkenried, Wieda und Zorge aus dem sogenannten Grieben-Führer des Jahres 1924 zeigen, waren der Klosterort und seine Umgebung auch damals bereits bekannte und reizvolle Urlaubsziele. Walkenried selbst war 1923 übrigens noch kaum über das heutige Unterkloster hinausgewachsen – lediglich Harzstraße, Hopfenhellerstraße, Kirschwiese, Kupferbergstraße, Bahnhofstraße, Poststraße und Karl-Genzel-Straße waren bereits vorhanden.

Einer der größten Walkenrieder Arbeitgeber der 1920er Jahre war die Seifenfabrik Genzel, zu deren Wirken die Ortsgeschichtliche Sammlung Walkenried 2011 ja schon einmal eine Sonderausstellung veranstaltet hat. Viele Familien des Klosterortes hingen damals wirtschaftlich direkt oder indirekt von der Seifenproduktion ab. Neben der Seifenfabrik existierten 1923 auch noch die inzwischen ebenfalls verschwundene Walkenrieder Gipsfabrik von Fritz Rode sowie die Gipsfabrik Juliushütte von Julius Bergmann, die politisch ebenfalls Walkenried zuzurechnen war. Viele Arbeitsplätze boten auch die am Knotenpunkt Walkenried noch sehr präsente Reichsbahn sowie die damals noch existierende Kleinbahn von Walkenried über Wieda nach Braunlage.

 

Für das Jahr 1923 verzeichnet die Walkenrieder Ortschronik insbesondere zwei bedeutede Ereignisse: Die Erbauung der „Villa“ (aus Gipsleichtstein) auf der Kutzhütte, die heute als Verwaltungsgebäude dient, sowie die Einweihung des „Kriegerdenkmals“ für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs im heutigen Bürgerpark, das heute Mahnmahl für alle Opfer von Krieg und Gewalt ist. Nicht zuletzt wurde natürlich auch die Braunlager Volksbank im Jahr 1923 – am 24. November – gegründet, unterhielt jedoch erst seit 1968 eine Zweigstelle in Walkenried. Und obwohl ihre Gründung in wirtschaftlich und pekuniär mehr als nur unsicheren Zeiten erfolgte, hat sich die Volksbank Braunlage eG ungeachtet eines weiteren Weltkrieges, der deutsch-deutschen Teilung sowie mehrerer Wirtschafts- und Bankenkrisen erfolgreich weiterntwickelt und finanziert heute in der Region nicht nur Schützenfeste und Malwettbewerbe, sondern auch den Bodfeldlauf in Königshütte und zahlreiche touristische Info-Tafeln für Wir Walkenrieder e.V.

Überhaupt ist es ja irgendwie auch ein schönes Gefühl, wenn zumindest eine Institution den Wandel der Zeit übersteht. Vieles aus dem Jahr 1923 – die Seifenfabrik Genzel, die Gipsfabriken Bergmann und Rode, die Südharzer Kleinbahn, der alte Walkenrieder Bahnhof – gehört ja inzwischen der Vergangenheit an – die Braunlager Volksbank jedoch ist geblieben. Geblieben ist bei der Vorbereitung der Präsentation zum 22. Juli übrigens auch ein letztes fotografisches Rätsel: Warum nur stehen auf diesem Foto des Walkenrieder Bahnhofs, welches im Jahr 1923 entstand, zwei Frauen (in der Vergrößerung erkennbar an der Bekleidung) auf dem Vordach des Gebäudes…?

Hauptbahnhof Walkenried

Auffällig sind die beiden Damen, die offenbar auf dem Vordach des Bahnhofs stehen (Bildquelle: Ortsgeschichtliche Sammlung Walkenried).

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