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KZ-Gelände Ellrich/Juliushütte wurde gemeinsam aufgeräumt

Die Beteiligung am samstäglichen Arbeitseinsatz im Gelände des KZ Ellrich/Juliushütte war beeindruckend. Etwa 60 Menschen hatten sich eingefunden, um über mehrere Stunden hinweg die arg heruntergekommenen Reste des KZ wiederherzurichten und den Rundweg von Müll, überhängenden Zweigen und anderem zu befreien.

Arbeitseinsatz Juliushütte

Vor dem Gelände: Andreas Heise aus Ellrich gibt Erläuterungen. Achim Schridde und Claus Koch machen sich bereit.

 

Besonders erfreulich war die Beteiligung aus Walkenried, denn knapp die Hälfte der Arbeitswilligen kam aus dem Klosterort. Daneben waren viele Ellricher, die „Jugend für Dora“ und einige Bewohner aus den Nachbarorten mit dabei. „Die Walkenrieder“, so fasst es Michael Reinboth zusammen, „haben Flagge gezeigt und damit unterstrichen, dass ihnen das, was dort zwischen 1944 und 1945 an Schrecklichem passierte, keineswegs egal ist.“

Der Einsatz wurde dadurch erschwert, dass „Sabine“ in der letzten Woche doch noch einiges umgeworfen hat, was zusätzlich aus dem Weg geräumt werden musste. Nach Einweisung der drei Arbeitsgruppen ging es ins Gelände. Es wurde nicht nur aufgeräumt, gesägt und geschnitten, sondern es wurden auch neue Pfosten gesetzt, Schilder angebracht und gereinigt und einiges mehr. Immer in Abstimmung mit dem Naturschutz, weswegen einiges eben auch weiterhin unter Bäumen und Büschen verborgen bleiben wird.

Arbeitseinsatz Juliushütte

Zur besseren Kennzeichnung des Rundweges wurden neue Pfosten und Schilder gesetzt.

Arbeitseinsatz Juliushütte

Zur besseren Kennzeichnung des Rundweges wurden neue Pfosten und Schilder gesetzt.

 

Der Gedenkstein auf Walkenrieder Seite wurde wieder in seinen Ursprungszustand versetzt. „Das wird nicht allen so zusagen, vor allen jenen nicht, die sich in den letzten Jahren sehr um den Zustand des Steins gekümmert haben und die wir um Verständnis bitten. Aber Buchsbaumhecken gehören dort nicht hin – sie haben schon begonnen, sich im Umfeld breit zu machen“ erläutert Michael Reinboth. Im Nachgang wird der Sockel noch mit Gipsgestein „umkränzt“, also Gestein, welches für das Gelände charakteristisch ist. Soweit zu vernehmen war, wollen die Landesforsten den neben dem Stein stehenden Baum noch fällen.

Gedenkstein KZ Juliushütte

So sieht der Stein jetzt wieder aus. Der Sockel wird noch abgedeckt werden.

Seidelbast

Ringsum blüht mitten im Februar schon der geschützte Seidelbast.

 

Der Rundweg wurde mit Schildern, die „Jugend für Dora“ angefertigt hat, besser kenntlich gemacht. Den Walkenrieder fiel hierbei auf, dass die Beschreibung des „Bewacherlagers“, also der eigentlichen Juliushütte, samt ihrer Vor- und Nachgeschichte doch sehr dürftig ausfällt und zudem ausgesprochen uneinheitlich wirkt. „Da gibt es Schilder des Rundweges, Schilder des Karstwanderweges, eine alte Tafel dieses Weges, aber nichts, was die Juliushütte und ihre Gebäude sowie ihre bewegte Geschichte wirklich beschreibt. Es fehlt auch das Kapitel 1964“ meint Reinboth. „Das möchten wir gern ergänzen und werden uns hierzu mit Dr. Wagner von den Niedersächsischen Gedenkstätten abstimmen.“ Zwei Pfosten wurden schon „auf Vorrat“ gesetzt. Als Beispiele nennt Reinboth die Kammern zur Lagerung des Sprengstoffs der Gipswerke und die Reste von zwei „Harzer Kochern“, die den Besuchern Rätsel aufgeben und zu Fehlinterpretationen führen.

Arbeitseinsatz Juliushütte

Viel zu tun gab es, um die Fundamente sichtbar zu machen. Hoffentlich nicht nur bis zum nächsten Sturm (Foto: Meike Helbing).

Arbeitseinsatz Juliushütte

Nach Ende der Arbeiten gab es bei Kaffee und Bratwurst noch einiges zu bereden (Foto: Meike Helbing).

 

Am 2. März findet um 19 Uhr in der Walkenrieder Gemeindebücherei eine kleine „Einweisung“ in die Geschichte der Juliushütte statt. Besonders die Ellricher hatten darum gebeten, etwas mehr über diesen fast unbekannten, bis 1945 „heimlichen Stadtteil“ von Ellrich zu erfahren.

Buch zum Jubiläum der Südharzstrecke Northeim – Nordhausen ab sofort erhältlich

Am 1. Dezember 2018 konnte die Strecke Northeim – Herzberg ihren 150. Geburtstag feiern, am 1. August 2019 kann es dann die gesamte Strecke Northeim – Nordhausen. Viele Ereignisse während des Baus und des Betriebs der Strecke weisen sie als eine besondere aus, die in ihren 150 Jahren viel erlebt hat. Deswegen stand für Michael Reinboth vom Geschichtsverein in Walkenried von vornherein fest, dass es zu diesem Jubiläum auch ein angemessenes Buch geben musste.

150 Jahre Northeim - Nordhausen

Kurz vor Weihnachten konnte er die ersten Exemplare beim Papierflieger in Clausthal-Zellerfeld abholen, der – wie für alle Schriften des Geschichtsvereins – auch als Verlag für dieses Buch fungiert. Es ist zum Preis von 15 € ab sofort bei Michael Reinboth, im Archiv des Geschichtsvereins in Walkenried und beim Papierflieger-Verlag zu bekommen. Ab Anfang Januar kann es dann auch über den örtlichen Buchhandel bezogen werden. Auf 240 Seiten wird nicht nur die Strecke mit ihren Bahnhöfen und Besonderheiten beschrieben, sondern es gibt auch eigene Kapitel zur Baugeschichte, zum Walkenrieder Tunnel, zur Rolle der Strecke während des Dritten Reichs und im Zweiten Weltkrieg (ein Beitrag von Paul Lauerwald aus Nordhausen), zur Entwicklung des Güterverkehrs und des Personenzug-Fahrplans. Ein Kapitel widmet sich dem aktuellen Zustand der Strecke und dem heutigen Fahrplan mit seinen Stärken und Schwächen.

Sehr viele Bilder aus den letzten Jahrzehnten ergänzen das Werk. Keines davon wurde vorher in anderen Büchern publiziert, so dass auch für Freunde der Fahrzeuggeschichte einiges Interessante dabei sein dürfte. Hierbei haben viele Fotografen und Sammler Michael Reinboth unterstützt und aus ihrem Fundus herrliche Aufnahmen zur Verfügung gestellt.

„Es ging mir darum, nicht Bekanntes wie den Einsatz der letzten Dampfloks 1976 zu wiederholen, sondern einige andere Aspekte der Streckengeschichte in den Vordergrund zu rücken“ erläutert Reinboth, der sich auch über die Grußworte der Landesnahverkehrsgesellschaft und der DB Regio freut, zeigen sie doch, dass man sowohl in Hannover als auch in Braunschweig an der weiteren Entwicklung der Strecke interessiert ist.

Zwei interessante Veranstaltungen des Vereins für Heimatgeschichte

Im Januar und Februar bietet der Verein für Heimatgeschichte zwei ausgesprochen interessante Veranstaltungen zur älteren und jüngeren Walkenrieder Vergangenheit an, zu der wie immer Gäste herzlich willkommen sind.

Am Mittwoch, 25. Januar 2017, widmet sich Fritz Reinboth zu Beginn des Lutherjahres 2017 zwei Dingen, die den Reformator in Bezug zum Kloster Walkenried bringen. Da ist einmal die Geschichte der geheimnisvollen „Lutherfalle“ in der Klausur. Luther war nicht in Walkenried und konnte somit auch nicht durch diese Falle gestürzt werden. Dennoch halten sich sowohl Name wie die Geschichte drum herum hartnäckig. Ist am Ende doch etwas dran? Der Vortragende hat hierzu noch einmal alle Quellen ausgewertet.

Einen ganz anderen Bezug stellt ein Brief dar, den der ältere Luther an seinen Freund und Mitstreiter Justus Jonas, einen gebürtigen Nordhäuser, richtete und der das Verhalten des Walkenrieder Abtes Holtegel in Bezug auf einen alten Walkenrieder Mönch, der in Ellrich ein armseliges Dasein fristete, zum Gegenstand hat. Hier wird mit verbalen Attacken nicht gespart – ein echter Luther sozusagen. Aber war das Verhalten des – auch ansonsten meistens negativ dargestellten – Abtes Holtegel so verwerflich oder ist Luther falschen Informationen aufgesessen? Auch hier versucht Fritz Reinboth, Licht ins Dunkel zu bringen und Holtegel, immerhin Mitbegründer der Klosterschule, ein wenig Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

Beginn ist um 15.00 Uhr in der Gemeindebücherei Walkenried am Geiersberg.

Am Mittwoch, 22. Februar 2017, geht es hingegen um die letzten 150 Jahre Walkenrieder Geschichte. Zahnarzt Dr. Andreas Helbing ist begeisterter Sammler von Walkenrieder Ansichten namentlich in Form alter Postkarten. Aus diesem Fundus hat er knapp 50 ausgewählt, die überwiegend den Klosterort aus diversen Perspektiven von den umliegenden Anhöhen zeigen, also vom Kupferberg, vom Röseberg, vom Geiersberg und so weiter – oder auch aus der Luft. Claus Berger hat versucht, die Motive mit Stand 2016 nachzuvollziehen. So lässt sich die Entwicklung des Ortes gut nachvollziehen, und viele Änderungen, die wir kaum mehr wahrnehmen, werden uns wieder bewusst gemacht.

Auch diese Veranstaltung beginnt um 15.00 Uhr und findet voraussichtlich im Freizeitzentrum statt. Bitte achten Sie hierzu auf Hinweise in der Presse und im Internet.

Gipsmuseum

Das Archiv für Heimatgeschichte, die ortsgeschichtliche Sammlung Walkenried sowie die Bücherei befinden sich im Gebäude der ehemaligen Walkenrieder Grundschule am Geiersberg.

Der „Walkenrieder Kapitän“ Felix Meier (1834-1886) – Teil IV

Die Familie des Gipsindustriellen Albrecht Meier (1838-1904) hat Walkenried in vielerlei Hinsicht stark geprägt. Auch sein Bruder Felix Meier (1834-1886) hat als „Walkenrieder Kapitän“ und Geschäftspartner Albrechts seine Spuren im Ort – und in der Welt – hinterlassen. In den kommenden Wochen wollen wir hier in den „Walkenrieder Nachrichten“ im Rahmen einer vierteiligen Artikelserie das faszinierende Leben dieses Seemans und späteren Gipsfabrikanten beleuchten. Ermöglicht wird uns dies durch eine Dokumentenspende seines Enkels, Henning Meier-Lüderßen aus Hamburg, dem an dieser Stelle herzlich für seine Unterstützung gedankt sei.

(zusammengestellt von Christian Reinboth, Michael Reinboth und Fritz Reinboth)

Letzte Reisen, Familiengründung und Ruhestand im Harz

Auch nach dem Verlust des „Kingman“ blieb Felix Meier der Seefahrerei noch einige Jahre treu, bis das Alter und die angeschlagene Gesundheit ihn zum Rückzug in den Ruhestand zwangen. Seine späten Jahre verbrachte er dann an der Seite seines Bruders als Geschäftspartner in der Walkenrieder Gipsindustrie und mehrfacher Familienvater im „Kapitänshaus“ an der Harzstraße.

Von Newschwang aus meldete Felix seinen Eltern nach dem Untergang des „Kingman“, dass er über Land heimkehren würde. Am 23. November 1863 startete er in Suez mit dem Dampfer, dann per Eisenbahn nach Kairo und Alexandria und anschließend wieder per Dampfer nach Triest am 3. Dezember. Von dort aus fuhr er direkt nach Hamburg, um sich um seine Geschäfte zu kümmern. Am 16. Dezember war er nach zweijähriger Abwesenheit wieder daheim in Braunschweig und blieb dort wochenlang, um seine durch die vielen Aufregungen angegriffene Gesundheit zu kräftigen. Er fasste den Entschluss, sich bei der königlich-preußischen Marine zu melden, bevor er aber eine Antwort erhalten hatte, wurde ihm erneut ein Handelsschiff der Zephyrer Reederei angeboten. Mit Freude übernahm er das Kommando und fuhr im Oktober 1864 nach Melbourne über Singapur und über Sankt Helena nach London, gab dort sein Schiff ab und lernte jetzt erst London kennen, wobei er bei liebenswürdigen Verwandten (Fritz Thomae) mehrere Wochen verlebte und seine Geschäfte abwickelte. Mitte November 1865 war er wieder in Hamburg und traf am 24. November dieses Jahres in Braunschweig ein, wo er alle seine Lieben gesund antraf und ein schönes Weihnachtsfest mit ihnen feiern konnte. Anfang 1866 besuchte er seine Brüder Ernst und Heinrich in Berlin und lernte nun auch diese deutsche Großstadt kennen.

Édouard Manet

Die Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko (Gemälde von Édouard Manet).

 

Am 7. März 1866 übernahm er in Hamburg die „Pallas“ der Reeder Gebrüder Amisenk und segelte mit ihr am 7. Juni von Hamburg nach Manzanillo an der Westküste von Mexico. Da durch eine durch widrige Wunde ungewöhnlich in die Länge gezogene Reise das Trinkwasser in den Tonnen schlecht geworden war und darum nicht ausreichte, kam er erst Anfang November auf die Höhe von Manzanillo. Da aber in Mexico ein Krieg zwischen den Liberalen und der kaiserlichen Regierung ausgebrochen war, wurde ihm das Landen verboten und er musste monatelang vor der Küste kreuzen, ehe ihm das Einlaufen in den Hafen erlaubt wurde. Diese Zeit war für ihn eine höchst unangenehme und langweilige; die Hitze war sehr groß, so dass der größte Teil seiner Leute fieberkrank wurde, teilweise wohl eine Folge der ungesunden Kost, da frische Lebensmittel und Wasser nur mit großen Kosten und Schwierigkeiten zu erlangen waren. Nachdem ihm Mitte Februar 1867 das Landen gestattet wurde, wickelte er so schnell wie möglich seine Geschäfte in Manzanillo und Mazatlan ab und konnte Anfang April die Heimreise antreten. Im August traf er nach einer glücklichen Reise in Falmonth ein und erhielt dort Order für Hamburg.

Bei dem hier erwähnten Krieg handelte es sich um eine militärische Intervention Frankreichs in Mexiko, die zwischen den Jahren 1861 und 1867 stattfand und die das Ziel hatte, mit dem österreichischen Erzherzog Maximilian einen frankreichtreuen Monarchen in Mexiko zu installieren. Die Intervention endete jedoch mit einem Sieg des mexikanischen Präsidenten Benito Juárez und der Hinrichtung Maximilians am 14. Mai 1867 – nur einige Monate nach Felix Meiers Irrfahrt vor der mexikanischen Küste.

Nach einem glücklichen Wiedersehen mit den Eltern in Braunschweig verlebte Felix Meier mit ihnen und fast allen seinen Geschwistern einige schöne Tage im Harz, kehrte dann aber wieder nach Hamburg zurück. Hier lehnte er das Anerbieten seines Reeders Amisenk, wieder die „Pallas“ zu fahren ab, um seine angegriffene Gesundheit zu kräftigen und blieb dafür den ganzen Winter des Jahres 1867 in Braunschweig.

Im Februar 1868 wurde Felix schließlich Kapitän des „Neptun“, der nach schwerer Havarie im Hafen lag und erst am 21. August wieder seetüchtig wurde. In der langen Wartezeit, in der er die Reparaturen des „Neptun“ beaufsichtigte, bewarb er sich um die vakant gewordene Stelle eines Marineinspektors in Hamburg. Seine Hoffnung auf eine erfolgreiche Wahl wurde jedoch enttäuscht – und spätestens hier stieg wohl der Gedanke in ihm auf, das unruhige Leben des Seemanns ganz aufzugeben und sich mit seinen Kräften an dem Gipsgeschäft seines Bruders Albrecht in Walkenried zu beteiligen, der ihn schon vor einigen Jahren als stillen Teilhaber angefordert hatte.

Als jedoch der „Neptun“ fahrbereit war, ging er noch einmal mit ihm nach Callao und den Chinetra-Inseln vor der Küste Perus, um Guano zu laden. Zu demselben Zweck lagen viele große Schiffe dort und die Kapitäne pflegten untereinander eine fröhliche Geselligkeit. Auch mit seinem ersten Kapitän Beichmann feierte er dort ein fröhliches Wiedersehen. Am 15. März 1869 trat er die Rückreise nach Hamburg an und traf nach einer glücklichen Fahrt am 11. Juli 1869 im Hamburger Hafen ein, wo er nun endgültig mit seinem wechselvollen und aufregenden Beruf abschloss.

Felix Meier

Felix Meier und seine Frau Ida Helene Meier im Jahr 1870 (Quelle: Nachlass der Familie Meier im Archiv des Vereins für Heimatgeschichte in Walkenried / Bad Sachsa und Umgebung e.V.).

 

Am 6. August 1869 verlobte sich Felix Meier mit Ida Helene Saul in Braunschweig, der Tochter des Pastors und späteren Kirchenrats Carl Wilhelm Saul und dessen Ehefrau, Philippine Blomeyer. Beide stammten aus Kurhessen und waren, nachdem sie im Jahre 1837 nach Braunschweig zogen, um einem Ruf an die reformierte Gemeinde zu folgen, seit Jahren mit der Meierschen Familie bekannt und befreundet. Nach der am 25. November 1869 stattgefundenen Vermählung des jungen Paares zog die Familie nach Walkenried im Harz, wo sie zahlreiche glückliche Jahre verlebte. Wohl bedurfte es einiger Zeit, ehe sich Felix an sein so ganz verändertes Leben gewöhnt hatte – und auch an das ungewohnt raue Klima des Harzes musste er sich erst gewöhnen. Seine Tätigkeit [als Geschäftspartner seines Bruders] befriedigte ihn nicht so, wie er gehofft hatte, und alle Bemühungen seine Kräfte anderweitig zu verwerten, waren erfolglos. Erfüllung fand er dagegen in seiner Familie, die um zwei Söhne und zwei Töchter anwuchs.

Einen Einblick in das Familienleben der Meiers gewährt das nachfolgend abgebildete, um 1890 in Walkenried entstandene Familienfoto. Es zeigt Felix Meiers Bruder Albrecht Meier ganz links in einem zeitgenössischen Freizeitlook (für den Hut war seinerzeit auch der Begriff „Kreissäge“ geläufig) im Kreise seiner Verwandten. Wo genau diese Aufnahme entstand, verschließt sich heute leider unserer Kenntnis, es könnte aber durchaus die ehemalige Schustereiche am Itelteich gewesen sein. Felix Meier war zum Zeitpunkt dieser Aufnahme bereits verstorben, zu sehen sind allerdings (ganz rechts im Bild) seine Witwe Ida Meier sowie daneben (wahrscheinlich) seine älteste Tochter Luise (mit Hut in der Hand) und sein jüngster Sohn Felix Meier jun.

Albrecht Meier

Historische Fotografie der Familie des Walkenrieder Gipsfabrikanten Albrecht Meier aus dem Jahr 1890.

 

Die vielen Aufregungen und Mühseligkeiten seines Lebens, besonders der Untergang seines geliebten „Kingman“, hatten Felix Meiers Gesundheit untergraben und führten ihn einem frühen Tode entgegen. Seit dem Jahr 1880 begann sich ein schweres Herzleiden bemerkbar zu machen. Mit großer Geduld ertrug er seine zeitweise sehr schmerzhaften Leiden, bis er seiner Familie am 9. Mai 1886 durch den Tod entrissen wurde. Der älteste Sohn Ernst [der spätere Vater von Ernst Meier-Cortés, der die Aufzeichnungen Heinrich Meiers transkribierte], eben 15 Jahre alt, war gerade acht Tage vor seines Vaters Tod konfirmiert wurden, die Töchter Luise und Hedwig waren zum Zeitpunkt seines Todes 13 und 11 Jahre, der jüngste Sohn Felix 5 Jahre alt.

Damit enden die von Henning Meier-Lüderßen übergebenen Aufzeichnungen zum Leben Felix Meiers. Herrn Meier-Lüderßen sei an dieser Stelle noch einmal herzlich für die Einblicke in das Leben einer Familie gedankt, die Walkenried stark geprägt hat. Auf der nächsten Seite haben wir wiederkehrende und besonders wichtige Orte aus Felix Meiers Weltreisen auf einer Karte vermerkt – und gelangen damit leicht zu der Erkenntnis, dass dieser Bürger unseres Klosterortes schon vor über 150 Jahren mehr von der Welt sehen durfte, als es vielen von uns selbst heute vergönnt ist.

Weltkarte

Einige der wichtigsten und wiederkehrenden Stationen im Leben des „Walkenrieder Kapitäns“ Felix Meier.

 

Als kurzer Nachtrag zur Lebensgeschichte Felix Meiers sei noch auf das leider eher unrühmliche Schicksal der Gräber dieser prägenden Walkenrieder Familie hingewiesen, die der Enkel Henning Meier-Lüderßen im Jahr 1965 noch auf dem alten Friedhof an der Ellricher Straße fotografieren konnte. Wenig später wurden die beiden Grabsteine von Felix und seiner Frau Ida Meier sowie die an einem Baum angebrachte Grabtafel für den lokalhistorisch ebenfalls bedeutenden Forstmeister Adolf Heusinger auf eine Anweisung der Gemeindeverwaltung von Walkenried hin beseitigt – Verbleib unbekannt.

Erst im Jahr 1972 wurde die benachbarte Grabstätte von Gustav Schmid und Frau abgetragen und das davor angebrachte schmiedeeiserne Gitter verschrottet. Walter Reinboth sen. hat in seiner Funktion als Vorsitzender des Geschichtsvereins damals die Grabkreuze zunächst noch im Brüdersaal sichergestellt, später wurden diese jedoch im Zuge der Bauarbeiten ebenfalls entsorgt. Gerettet wurden einzig die Grabtafeln der Familie Schmid durch einige Hinterbliebene. Geschichtsinteressierte Bürgerinnen und Bürger unseres Klosterortes haben deshalb aufgrund des – recht kurzsichtigen – Verhaltens der damaligen Verwaltung heute leider nicht mehr die Möglichkeit, die Grabstätten von Felix Meier, Adolf Heusinger oder Gustav Schmid zu besuchen – und auch das Grab des Bruders und bedeutenden Industriellen Albrecht Meier auf dem Geiersberg-Friedhof existiert aufgrund von Verwaltungshandeln leider nicht mehr.

Grabstein

Inzwischen einplaniertes Grab von Felix Meier auf dem alten Friedhof an der Ellricher Straße, die Aufnahme wurde um 1965 von Henning Meier-Lüderßen gemacht.

 

Verwendete Text- und Bildquellen

Gedruckte Quellen

Reinboth, Fritz: Der rote Faden – Ein Gang durch das alte Walkenried, Heft 32 der Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte Walkenried / Bad Sachsa und Umgebung e.V., Clausthal-Zellerfeld 2010.

Reinboth, Fritz: Wilhelm Raabe in Walkenried 1878/79, Heft 34 der Schriftenreihe des Vereins
für Heimatgeschichte Walkenried / Bad Sachsa und Umgebung e.V., Clausthal-Zellerfeld 2010.

Dr. jur. Bernhard Koerner (Herausg.): Genealogisches Handbuch Bürgerlicher
Familien, ein Deutsches Geschlechterbuch, S. 328 – 335, Berlin 1904.

Archivgut

Archiv des Vereins für Heimatgeschichte Walkenried / Bad Sachsa und Umgebung:
Sammelmappe zum Nachlass von Kapitän Felix Meier (Stiftung von H. Meier-Lüderßen)

Bildquellen (die Seitenzahlen beziehen sich auf die PDF-Version dieses Textes)

Seite 1: John Oxley Library, State Library of Queensland / Lizenz: Public Domain
Seite 3: Fotografie aus dem Privatbesitz von Felix Meier jun. / Lizenz: ARR
Seite 4: Aquarell von Walter Reinboth, Privatbesitz / Lizenz: CC BY-ND 2.0
Seite 4: Fotografie von Fritz Reinboth (2010) / Lizenz: CC BY-ND 2.0
Seite 5: Aus der Wikipedia / Lizenz: Public Domain
Seite 6: Aus der Wikipedia / Lizenz: Public Domain
Seite 7: Library of Congress / Lizenz: Public Domain
Seite 8: Archive of Sotheby’s / Lizenz: Public Domain
Seite 9: Aus der Wikipedia / Lizenz: Public Domain
Seite 11: Aus der Wikipedia / Lizenz: Public Domain
Seite 14: The Yorck Project / Lizenz: Public Domain
Seite 15: Bildarchiv des Vereins für Heimatgeschichte Walkenried / Lizenz: Public Domain
Seite 16: Bildarchiv des Vereins für Heimatgeschichte Walkenried / Lizenz: Public Domain
Seite 17: Selbsterstellt, basierend auf einer Public Domain-Weltkarte / Lizenz: Public Domain
Seite 18: Fotografie von Henning Meier-Lüderßen (1968) / Lizenz: ARR

Der „Walkenrieder Kapitän“ Felix Meier (1834-1886) – Teil III

Die Familie des Gipsindustriellen Albrecht Meier (1838-1904) hat Walkenried in vielerlei Hinsicht stark geprägt. Auch sein Bruder Felix Meier (1834-1886) hat als „Walkenrieder Kapitän“ und Geschäftspartner Albrechts seine Spuren im Ort – und in der Welt – hinterlassen. In den kommenden Wochen wollen wir hier in den „Walkenrieder Nachrichten“ im Rahmen einer vierteiligen Artikelserie das faszinierende Leben dieses Seemans und späteren Gipsfabrikanten beleuchten. Ermöglicht wird uns dies durch eine Dokumentenspende seines Enkels, Henning Meier-Lüderßen aus Hamburg, dem an dieser Stelle herzlich für seine Unterstützung gedankt sei.

(zusammengestellt von Christian Reinboth, Michael Reinboth und Fritz Reinboth)

Reisen mit dem „Kingman“ und Schiffbruch vor China

Nach rund acht Jahren auf See ergab sich für Felix Meier die Chance, als Kapitän ein eigenes Kommando zu übernehmen – ein großer Karrieresprung, der jedoch durch eine Meuterei und einen Schiffbruch teilweise wieder zunichte gemacht werden und letztendlich zum Ausstieg Felix Meiers aus der Seefahrerei führen sollte.

Mitte März 1858 wurde Felix der Antrag gemacht, als Kapitän das neue Schiff „Kingman“ von der Reederei Berenberg und Goslar zu übernehmen. Dasselbe lag in Sundsvall in Schweden und sollte unter seiner Aufsicht erst fertig gebaut werden. Wie froh und glücklich nahm er dieses Anerbieten an – schließlich hatte er nun das Ziel seiner Wünsche erreicht. In den letzten Tagen im April 1858 traf er bereits in Sundsvall ein und verlebte jeden Tag auf der Werft beim Bau seines Schiffes. Erst im Oktober wurde der„Kingman“ fertig und zunächst nach Rio, Kapstadt, Batavia und Singapur entsandt. Von dort aus ging er nach China und fuhr viele Küstenfachten.

Am 15. Februar 1861 stach der „Kingman“ von Fontchou aus mit einer Ladung Tee in Richtung Europa in See und traf nach glücklich zurückgelegter Reise am 28. Juni 1861 in Cuxhaven ein. Nach einer dreijährigen Abwesenheit kehrte Felix Meier gesund von seiner langen aber interessanten Reise heim. In seinem engsten Familienkreise fand er zwar alle Lieben bei guter Gesundheit an, jedoch waren sein Onkel August [der Hamburger Senator, der ihn einst zur Seefahrerei brachte] und seine Tante Maria Lüderßen während seiner Abwesenheit verstorben, wodurch das Wiedersehen getrübt wurde. Dennoch verbrachte Felix im Sommer 1861 zahlreiche glückliche Wochen im Kreise seiner Familie, bevor er erneut mit dem „Kingman“ in See stach.

Singapur

Segelschiffe im Hafen von Singapur, aufgenommen um 1890 (Quelle: Wikipedia).

 

Auf einer neuen Reise Mitte September 1861 nach Schweden begleitete ihn sein Bruder Albrecht Meier [Hier handelt es sich um den eingangs erwähnten späteren Gründer der Walkenrieder Gipsfabrik, der zu diesem Zeitpunkt noch ein Student des Eisenhüttenwesens und Hütteneleve in Zorge war. Wie im ersten Kapitel erwähnt, zerschlugen sich diese Berufspläne jedoch einige Jahre darauf.], der dort die großen Erzbergwerke eingehend besichtigte; er selbst fuhr dann weiter über Kapstadt nach East London, nach Batavia, nach Makassar – wo er überaus freundlich von einem Braunschweiger namens Jonas aufgenommen wurde – nach Hongkong und nach Shanghai. Von hier aus unternahm er mehrere Küstenfahrten. Mit anderen Kapitänen machte er hier sogar einmal Jagd auf chinesische Piraten, denen sie mehrere Boote mit gestohlenem Reis abnahmen.

Am 30. Dezember 1862, als der „Kingman“ vor Amoy (oder Shanghai) lag, meuterte die Mannschaft unter Führung des Zimmermanns, da sie keine Arbeit mehr verrichten und abgemustert werden wollte. Weil das Schiff schon segelfertig war, hatte sie jedoch nicht das Recht, die Arbeit zu verweigern und Abmusterung zu verlangen. Felix musste dennoch fremde Leute für die Arbeit dingen. Als am fünften Tage der Zimmermann, der die lärmenden Leute hinter sich dachte, handgreiflich zu werden drohte, zog Felix seinen Revolver, worauf der Kerl ihn höhnisch verlachte und schrie: „Wenn Sie ein Kerl sind, schießen Sie doch“. Felix feuerte den Revolver daraufhin ab und verwundete sein Gegenüber am Hals. Obwohl der Zimmermann die Mannschaft aufforderte, ihn zu rächen, rührte sich keiner – und als Felix den Leuten befahl, sich an die Arbeit zu begeben, endete die Meuterei und Ruhe trat ein.

Die gerichtliche Untersuchung stand Kapitän Meier zu, dass er vollständig in seinem Recht gehandelt habe, ihn selbst aber bedrückte es lange Zeit sehr, dass er auf einen Mitmenschen geschossen hatte, und er fand erst seinen fröhlichen Gleichmut wieder, als der Zimmermann vollständig genesen war. Eine große Freude und Genugtuung war es ihm, dass ihm beide Steuerleute treu zur Seite gestanden hatten.

Meuterei auf der Bounty

Die bekannteste Meuterei der Weltgeschichte – die auf der HMS Bounty – in einer Darstellung von Robert Dodd aus dem Jahr 1790 (Quelle: Wikipedia).

 

Seine Hoffnung und seines Reeders Wunsch, den „Kingman“ gut zu verkaufen, erfüllte sich allerdings nicht, da das Schiff durch einen Unfall verlorenging. Auf der Fahrt von Shanghai nach Newschwang rann das Schiff am 24. August 1863 bei Nebel fünf Seemeilen vom Lande entfernt auf ein im Wasser verborgenes Riff; und bald sah der Kapitän ein, dass sein geliebter „Kingman“ verloren war. Boote wurden ausgesetzt und alle gelangten glücklich an Land wobei mit unbeschreiblicher Anstrengung viel von der Ladung und sämtliche Passagiere gerettet wurden. Felix verließ am 26. August 1863 als Letzter das Wrack und ließ die letzten Reste des Schiffs durch Feuer vernichten. Chinesische Seefahrer brachten dann Mannschaft und Passagiere sowie die Reste der Ladung gegen teure Bezahlung nach Newschwang.

Der Verlust seines Schiffes, die großen Anstrengungen bei der Rettung der Ladung aus den wassergefüllten Schiffsräumen und die seelische Aufregung durch dieses Unglück legten den Keim für das spätere Herzleiden Felix Meiers.

Im nächsten Teil: Letzte Seereisen und Ruhestand im Harz.

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