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Der „Walkenrieder Kapitän“ Felix Meier (1834-1886) – Teil IV

Die Familie des Gipsindustriellen Albrecht Meier (1838-1904) hat Walkenried in vielerlei Hinsicht stark geprägt. Auch sein Bruder Felix Meier (1834-1886) hat als „Walkenrieder Kapitän“ und Geschäftspartner Albrechts seine Spuren im Ort – und in der Welt – hinterlassen. In den kommenden Wochen wollen wir hier in den „Walkenrieder Nachrichten“ im Rahmen einer vierteiligen Artikelserie das faszinierende Leben dieses Seemans und späteren Gipsfabrikanten beleuchten. Ermöglicht wird uns dies durch eine Dokumentenspende seines Enkels, Henning Meier-Lüderßen aus Hamburg, dem an dieser Stelle herzlich für seine Unterstützung gedankt sei.

(zusammengestellt von Christian Reinboth, Michael Reinboth und Fritz Reinboth)

Letzte Reisen, Familiengründung und Ruhestand im Harz

Auch nach dem Verlust des „Kingman“ blieb Felix Meier der Seefahrerei noch einige Jahre treu, bis das Alter und die angeschlagene Gesundheit ihn zum Rückzug in den Ruhestand zwangen. Seine späten Jahre verbrachte er dann an der Seite seines Bruders als Geschäftspartner in der Walkenrieder Gipsindustrie und mehrfacher Familienvater im „Kapitänshaus“ an der Harzstraße.

Von Newschwang aus meldete Felix seinen Eltern nach dem Untergang des „Kingman“, dass er über Land heimkehren würde. Am 23. November 1863 startete er in Suez mit dem Dampfer, dann per Eisenbahn nach Kairo und Alexandria und anschließend wieder per Dampfer nach Triest am 3. Dezember. Von dort aus fuhr er direkt nach Hamburg, um sich um seine Geschäfte zu kümmern. Am 16. Dezember war er nach zweijähriger Abwesenheit wieder daheim in Braunschweig und blieb dort wochenlang, um seine durch die vielen Aufregungen angegriffene Gesundheit zu kräftigen. Er fasste den Entschluss, sich bei der königlich-preußischen Marine zu melden, bevor er aber eine Antwort erhalten hatte, wurde ihm erneut ein Handelsschiff der Zephyrer Reederei angeboten. Mit Freude übernahm er das Kommando und fuhr im Oktober 1864 nach Melbourne über Singapur und über Sankt Helena nach London, gab dort sein Schiff ab und lernte jetzt erst London kennen, wobei er bei liebenswürdigen Verwandten (Fritz Thomae) mehrere Wochen verlebte und seine Geschäfte abwickelte. Mitte November 1865 war er wieder in Hamburg und traf am 24. November dieses Jahres in Braunschweig ein, wo er alle seine Lieben gesund antraf und ein schönes Weihnachtsfest mit ihnen feiern konnte. Anfang 1866 besuchte er seine Brüder Ernst und Heinrich in Berlin und lernte nun auch diese deutsche Großstadt kennen.

Édouard Manet

Die Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko (Gemälde von Édouard Manet).

 

Am 7. März 1866 übernahm er in Hamburg die „Pallas“ der Reeder Gebrüder Amisenk und segelte mit ihr am 7. Juni von Hamburg nach Manzanillo an der Westküste von Mexico. Da durch eine durch widrige Wunde ungewöhnlich in die Länge gezogene Reise das Trinkwasser in den Tonnen schlecht geworden war und darum nicht ausreichte, kam er erst Anfang November auf die Höhe von Manzanillo. Da aber in Mexico ein Krieg zwischen den Liberalen und der kaiserlichen Regierung ausgebrochen war, wurde ihm das Landen verboten und er musste monatelang vor der Küste kreuzen, ehe ihm das Einlaufen in den Hafen erlaubt wurde. Diese Zeit war für ihn eine höchst unangenehme und langweilige; die Hitze war sehr groß, so dass der größte Teil seiner Leute fieberkrank wurde, teilweise wohl eine Folge der ungesunden Kost, da frische Lebensmittel und Wasser nur mit großen Kosten und Schwierigkeiten zu erlangen waren. Nachdem ihm Mitte Februar 1867 das Landen gestattet wurde, wickelte er so schnell wie möglich seine Geschäfte in Manzanillo und Mazatlan ab und konnte Anfang April die Heimreise antreten. Im August traf er nach einer glücklichen Reise in Falmonth ein und erhielt dort Order für Hamburg.

Bei dem hier erwähnten Krieg handelte es sich um eine militärische Intervention Frankreichs in Mexiko, die zwischen den Jahren 1861 und 1867 stattfand und die das Ziel hatte, mit dem österreichischen Erzherzog Maximilian einen frankreichtreuen Monarchen in Mexiko zu installieren. Die Intervention endete jedoch mit einem Sieg des mexikanischen Präsidenten Benito Juárez und der Hinrichtung Maximilians am 14. Mai 1867 – nur einige Monate nach Felix Meiers Irrfahrt vor der mexikanischen Küste.

Nach einem glücklichen Wiedersehen mit den Eltern in Braunschweig verlebte Felix Meier mit ihnen und fast allen seinen Geschwistern einige schöne Tage im Harz, kehrte dann aber wieder nach Hamburg zurück. Hier lehnte er das Anerbieten seines Reeders Amisenk, wieder die „Pallas“ zu fahren ab, um seine angegriffene Gesundheit zu kräftigen und blieb dafür den ganzen Winter des Jahres 1867 in Braunschweig.

Im Februar 1868 wurde Felix schließlich Kapitän des „Neptun“, der nach schwerer Havarie im Hafen lag und erst am 21. August wieder seetüchtig wurde. In der langen Wartezeit, in der er die Reparaturen des „Neptun“ beaufsichtigte, bewarb er sich um die vakant gewordene Stelle eines Marineinspektors in Hamburg. Seine Hoffnung auf eine erfolgreiche Wahl wurde jedoch enttäuscht – und spätestens hier stieg wohl der Gedanke in ihm auf, das unruhige Leben des Seemanns ganz aufzugeben und sich mit seinen Kräften an dem Gipsgeschäft seines Bruders Albrecht in Walkenried zu beteiligen, der ihn schon vor einigen Jahren als stillen Teilhaber angefordert hatte.

Als jedoch der „Neptun“ fahrbereit war, ging er noch einmal mit ihm nach Callao und den Chinetra-Inseln vor der Küste Perus, um Guano zu laden. Zu demselben Zweck lagen viele große Schiffe dort und die Kapitäne pflegten untereinander eine fröhliche Geselligkeit. Auch mit seinem ersten Kapitän Beichmann feierte er dort ein fröhliches Wiedersehen. Am 15. März 1869 trat er die Rückreise nach Hamburg an und traf nach einer glücklichen Fahrt am 11. Juli 1869 im Hamburger Hafen ein, wo er nun endgültig mit seinem wechselvollen und aufregenden Beruf abschloss.

Felix Meier

Felix Meier und seine Frau Ida Helene Meier im Jahr 1870 (Quelle: Nachlass der Familie Meier im Archiv des Vereins für Heimatgeschichte in Walkenried / Bad Sachsa und Umgebung e.V.).

 

Am 6. August 1869 verlobte sich Felix Meier mit Ida Helene Saul in Braunschweig, der Tochter des Pastors und späteren Kirchenrats Carl Wilhelm Saul und dessen Ehefrau, Philippine Blomeyer. Beide stammten aus Kurhessen und waren, nachdem sie im Jahre 1837 nach Braunschweig zogen, um einem Ruf an die reformierte Gemeinde zu folgen, seit Jahren mit der Meierschen Familie bekannt und befreundet. Nach der am 25. November 1869 stattgefundenen Vermählung des jungen Paares zog die Familie nach Walkenried im Harz, wo sie zahlreiche glückliche Jahre verlebte. Wohl bedurfte es einiger Zeit, ehe sich Felix an sein so ganz verändertes Leben gewöhnt hatte – und auch an das ungewohnt raue Klima des Harzes musste er sich erst gewöhnen. Seine Tätigkeit [als Geschäftspartner seines Bruders] befriedigte ihn nicht so, wie er gehofft hatte, und alle Bemühungen seine Kräfte anderweitig zu verwerten, waren erfolglos. Erfüllung fand er dagegen in seiner Familie, die um zwei Söhne und zwei Töchter anwuchs.

Einen Einblick in das Familienleben der Meiers gewährt das nachfolgend abgebildete, um 1890 in Walkenried entstandene Familienfoto. Es zeigt Felix Meiers Bruder Albrecht Meier ganz links in einem zeitgenössischen Freizeitlook (für den Hut war seinerzeit auch der Begriff „Kreissäge“ geläufig) im Kreise seiner Verwandten. Wo genau diese Aufnahme entstand, verschließt sich heute leider unserer Kenntnis, es könnte aber durchaus die ehemalige Schustereiche am Itelteich gewesen sein. Felix Meier war zum Zeitpunkt dieser Aufnahme bereits verstorben, zu sehen sind allerdings (ganz rechts im Bild) seine Witwe Ida Meier sowie daneben (wahrscheinlich) seine älteste Tochter Luise (mit Hut in der Hand) und sein jüngster Sohn Felix Meier jun.

Albrecht Meier

Historische Fotografie der Familie des Walkenrieder Gipsfabrikanten Albrecht Meier aus dem Jahr 1890.

 

Die vielen Aufregungen und Mühseligkeiten seines Lebens, besonders der Untergang seines geliebten „Kingman“, hatten Felix Meiers Gesundheit untergraben und führten ihn einem frühen Tode entgegen. Seit dem Jahr 1880 begann sich ein schweres Herzleiden bemerkbar zu machen. Mit großer Geduld ertrug er seine zeitweise sehr schmerzhaften Leiden, bis er seiner Familie am 9. Mai 1886 durch den Tod entrissen wurde. Der älteste Sohn Ernst [der spätere Vater von Ernst Meier-Cortés, der die Aufzeichnungen Heinrich Meiers transkribierte], eben 15 Jahre alt, war gerade acht Tage vor seines Vaters Tod konfirmiert wurden, die Töchter Luise und Hedwig waren zum Zeitpunkt seines Todes 13 und 11 Jahre, der jüngste Sohn Felix 5 Jahre alt.

Damit enden die von Henning Meier-Lüderßen übergebenen Aufzeichnungen zum Leben Felix Meiers. Herrn Meier-Lüderßen sei an dieser Stelle noch einmal herzlich für die Einblicke in das Leben einer Familie gedankt, die Walkenried stark geprägt hat. Auf der nächsten Seite haben wir wiederkehrende und besonders wichtige Orte aus Felix Meiers Weltreisen auf einer Karte vermerkt – und gelangen damit leicht zu der Erkenntnis, dass dieser Bürger unseres Klosterortes schon vor über 150 Jahren mehr von der Welt sehen durfte, als es vielen von uns selbst heute vergönnt ist.

Weltkarte

Einige der wichtigsten und wiederkehrenden Stationen im Leben des „Walkenrieder Kapitäns“ Felix Meier.

 

Als kurzer Nachtrag zur Lebensgeschichte Felix Meiers sei noch auf das leider eher unrühmliche Schicksal der Gräber dieser prägenden Walkenrieder Familie hingewiesen, die der Enkel Henning Meier-Lüderßen im Jahr 1965 noch auf dem alten Friedhof an der Ellricher Straße fotografieren konnte. Wenig später wurden die beiden Grabsteine von Felix und seiner Frau Ida Meier sowie die an einem Baum angebrachte Grabtafel für den lokalhistorisch ebenfalls bedeutenden Forstmeister Adolf Heusinger auf eine Anweisung der Gemeindeverwaltung von Walkenried hin beseitigt – Verbleib unbekannt.

Erst im Jahr 1972 wurde die benachbarte Grabstätte von Gustav Schmid und Frau abgetragen und das davor angebrachte schmiedeeiserne Gitter verschrottet. Walter Reinboth sen. hat in seiner Funktion als Vorsitzender des Geschichtsvereins damals die Grabkreuze zunächst noch im Brüdersaal sichergestellt, später wurden diese jedoch im Zuge der Bauarbeiten ebenfalls entsorgt. Gerettet wurden einzig die Grabtafeln der Familie Schmid durch einige Hinterbliebene. Geschichtsinteressierte Bürgerinnen und Bürger unseres Klosterortes haben deshalb aufgrund des – recht kurzsichtigen – Verhaltens der damaligen Verwaltung heute leider nicht mehr die Möglichkeit, die Grabstätten von Felix Meier, Adolf Heusinger oder Gustav Schmid zu besuchen – und auch das Grab des Bruders und bedeutenden Industriellen Albrecht Meier auf dem Geiersberg-Friedhof existiert aufgrund von Verwaltungshandeln leider nicht mehr.

Grabstein

Inzwischen einplaniertes Grab von Felix Meier auf dem alten Friedhof an der Ellricher Straße, die Aufnahme wurde um 1965 von Henning Meier-Lüderßen gemacht.

 

Verwendete Text- und Bildquellen

Gedruckte Quellen

Reinboth, Fritz: Der rote Faden – Ein Gang durch das alte Walkenried, Heft 32 der Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte Walkenried / Bad Sachsa und Umgebung e.V., Clausthal-Zellerfeld 2010.

Reinboth, Fritz: Wilhelm Raabe in Walkenried 1878/79, Heft 34 der Schriftenreihe des Vereins
für Heimatgeschichte Walkenried / Bad Sachsa und Umgebung e.V., Clausthal-Zellerfeld 2010.

Dr. jur. Bernhard Koerner (Herausg.): Genealogisches Handbuch Bürgerlicher
Familien, ein Deutsches Geschlechterbuch, S. 328 – 335, Berlin 1904.

Archivgut

Archiv des Vereins für Heimatgeschichte Walkenried / Bad Sachsa und Umgebung:
Sammelmappe zum Nachlass von Kapitän Felix Meier (Stiftung von H. Meier-Lüderßen)

Bildquellen (die Seitenzahlen beziehen sich auf die PDF-Version dieses Textes)

Seite 1: John Oxley Library, State Library of Queensland / Lizenz: Public Domain
Seite 3: Fotografie aus dem Privatbesitz von Felix Meier jun. / Lizenz: ARR
Seite 4: Aquarell von Walter Reinboth, Privatbesitz / Lizenz: CC BY-ND 2.0
Seite 4: Fotografie von Fritz Reinboth (2010) / Lizenz: CC BY-ND 2.0
Seite 5: Aus der Wikipedia / Lizenz: Public Domain
Seite 6: Aus der Wikipedia / Lizenz: Public Domain
Seite 7: Library of Congress / Lizenz: Public Domain
Seite 8: Archive of Sotheby’s / Lizenz: Public Domain
Seite 9: Aus der Wikipedia / Lizenz: Public Domain
Seite 11: Aus der Wikipedia / Lizenz: Public Domain
Seite 14: The Yorck Project / Lizenz: Public Domain
Seite 15: Bildarchiv des Vereins für Heimatgeschichte Walkenried / Lizenz: Public Domain
Seite 16: Bildarchiv des Vereins für Heimatgeschichte Walkenried / Lizenz: Public Domain
Seite 17: Selbsterstellt, basierend auf einer Public Domain-Weltkarte / Lizenz: Public Domain
Seite 18: Fotografie von Henning Meier-Lüderßen (1968) / Lizenz: ARR

Der „Walkenrieder Kapitän“ Felix Meier (1834-1886) – Teil III

Die Familie des Gipsindustriellen Albrecht Meier (1838-1904) hat Walkenried in vielerlei Hinsicht stark geprägt. Auch sein Bruder Felix Meier (1834-1886) hat als „Walkenrieder Kapitän“ und Geschäftspartner Albrechts seine Spuren im Ort – und in der Welt – hinterlassen. In den kommenden Wochen wollen wir hier in den „Walkenrieder Nachrichten“ im Rahmen einer vierteiligen Artikelserie das faszinierende Leben dieses Seemans und späteren Gipsfabrikanten beleuchten. Ermöglicht wird uns dies durch eine Dokumentenspende seines Enkels, Henning Meier-Lüderßen aus Hamburg, dem an dieser Stelle herzlich für seine Unterstützung gedankt sei.

(zusammengestellt von Christian Reinboth, Michael Reinboth und Fritz Reinboth)

Reisen mit dem „Kingman“ und Schiffbruch vor China

Nach rund acht Jahren auf See ergab sich für Felix Meier die Chance, als Kapitän ein eigenes Kommando zu übernehmen – ein großer Karrieresprung, der jedoch durch eine Meuterei und einen Schiffbruch teilweise wieder zunichte gemacht werden und letztendlich zum Ausstieg Felix Meiers aus der Seefahrerei führen sollte.

Mitte März 1858 wurde Felix der Antrag gemacht, als Kapitän das neue Schiff „Kingman“ von der Reederei Berenberg und Goslar zu übernehmen. Dasselbe lag in Sundsvall in Schweden und sollte unter seiner Aufsicht erst fertig gebaut werden. Wie froh und glücklich nahm er dieses Anerbieten an – schließlich hatte er nun das Ziel seiner Wünsche erreicht. In den letzten Tagen im April 1858 traf er bereits in Sundsvall ein und verlebte jeden Tag auf der Werft beim Bau seines Schiffes. Erst im Oktober wurde der„Kingman“ fertig und zunächst nach Rio, Kapstadt, Batavia und Singapur entsandt. Von dort aus ging er nach China und fuhr viele Küstenfachten.

Am 15. Februar 1861 stach der „Kingman“ von Fontchou aus mit einer Ladung Tee in Richtung Europa in See und traf nach glücklich zurückgelegter Reise am 28. Juni 1861 in Cuxhaven ein. Nach einer dreijährigen Abwesenheit kehrte Felix Meier gesund von seiner langen aber interessanten Reise heim. In seinem engsten Familienkreise fand er zwar alle Lieben bei guter Gesundheit an, jedoch waren sein Onkel August [der Hamburger Senator, der ihn einst zur Seefahrerei brachte] und seine Tante Maria Lüderßen während seiner Abwesenheit verstorben, wodurch das Wiedersehen getrübt wurde. Dennoch verbrachte Felix im Sommer 1861 zahlreiche glückliche Wochen im Kreise seiner Familie, bevor er erneut mit dem „Kingman“ in See stach.

Singapur

Segelschiffe im Hafen von Singapur, aufgenommen um 1890 (Quelle: Wikipedia).

 

Auf einer neuen Reise Mitte September 1861 nach Schweden begleitete ihn sein Bruder Albrecht Meier [Hier handelt es sich um den eingangs erwähnten späteren Gründer der Walkenrieder Gipsfabrik, der zu diesem Zeitpunkt noch ein Student des Eisenhüttenwesens und Hütteneleve in Zorge war. Wie im ersten Kapitel erwähnt, zerschlugen sich diese Berufspläne jedoch einige Jahre darauf.], der dort die großen Erzbergwerke eingehend besichtigte; er selbst fuhr dann weiter über Kapstadt nach East London, nach Batavia, nach Makassar – wo er überaus freundlich von einem Braunschweiger namens Jonas aufgenommen wurde – nach Hongkong und nach Shanghai. Von hier aus unternahm er mehrere Küstenfahrten. Mit anderen Kapitänen machte er hier sogar einmal Jagd auf chinesische Piraten, denen sie mehrere Boote mit gestohlenem Reis abnahmen.

Am 30. Dezember 1862, als der „Kingman“ vor Amoy (oder Shanghai) lag, meuterte die Mannschaft unter Führung des Zimmermanns, da sie keine Arbeit mehr verrichten und abgemustert werden wollte. Weil das Schiff schon segelfertig war, hatte sie jedoch nicht das Recht, die Arbeit zu verweigern und Abmusterung zu verlangen. Felix musste dennoch fremde Leute für die Arbeit dingen. Als am fünften Tage der Zimmermann, der die lärmenden Leute hinter sich dachte, handgreiflich zu werden drohte, zog Felix seinen Revolver, worauf der Kerl ihn höhnisch verlachte und schrie: „Wenn Sie ein Kerl sind, schießen Sie doch“. Felix feuerte den Revolver daraufhin ab und verwundete sein Gegenüber am Hals. Obwohl der Zimmermann die Mannschaft aufforderte, ihn zu rächen, rührte sich keiner – und als Felix den Leuten befahl, sich an die Arbeit zu begeben, endete die Meuterei und Ruhe trat ein.

Die gerichtliche Untersuchung stand Kapitän Meier zu, dass er vollständig in seinem Recht gehandelt habe, ihn selbst aber bedrückte es lange Zeit sehr, dass er auf einen Mitmenschen geschossen hatte, und er fand erst seinen fröhlichen Gleichmut wieder, als der Zimmermann vollständig genesen war. Eine große Freude und Genugtuung war es ihm, dass ihm beide Steuerleute treu zur Seite gestanden hatten.

Meuterei auf der Bounty

Die bekannteste Meuterei der Weltgeschichte – die auf der HMS Bounty – in einer Darstellung von Robert Dodd aus dem Jahr 1790 (Quelle: Wikipedia).

 

Seine Hoffnung und seines Reeders Wunsch, den „Kingman“ gut zu verkaufen, erfüllte sich allerdings nicht, da das Schiff durch einen Unfall verlorenging. Auf der Fahrt von Shanghai nach Newschwang rann das Schiff am 24. August 1863 bei Nebel fünf Seemeilen vom Lande entfernt auf ein im Wasser verborgenes Riff; und bald sah der Kapitän ein, dass sein geliebter „Kingman“ verloren war. Boote wurden ausgesetzt und alle gelangten glücklich an Land wobei mit unbeschreiblicher Anstrengung viel von der Ladung und sämtliche Passagiere gerettet wurden. Felix verließ am 26. August 1863 als Letzter das Wrack und ließ die letzten Reste des Schiffs durch Feuer vernichten. Chinesische Seefahrer brachten dann Mannschaft und Passagiere sowie die Reste der Ladung gegen teure Bezahlung nach Newschwang.

Der Verlust seines Schiffes, die großen Anstrengungen bei der Rettung der Ladung aus den wassergefüllten Schiffsräumen und die seelische Aufregung durch dieses Unglück legten den Keim für das spätere Herzleiden Felix Meiers.

Im nächsten Teil: Letzte Seereisen und Ruhestand im Harz.

Der „Walkenrieder Kapitän“ Felix Meier (1834-1886) – Teil I

Die Familie des Gipsindustriellen Albrecht Meier (1838-1904) hat Walkenried in vielerlei Hinsicht stark geprägt. Auch sein Bruder Felix Meier (1834-1886) hat als „Walkenrieder Kapitän“ und Geschäftspartner Albrechts seine Spuren im Ort – und in der Welt – hinterlassen. In den kommenden Wochen wollen wir hier in den „Walkenrieder Nachrichten“ im Rahmen einer vierteiligen Artikelserie das faszinierende Leben dieses Seemans und späteren Gipsfabrikanten beleuchten. Ermöglicht wird uns dies durch eine Dokumentenspende seines Enkels, Henning Meier-Lüderßen aus Hamburg, dem an dieser Stelle herzlich für seine Unterstützung gedankt sei.

(zusammengestellt von Christian Reinboth, Michael Reinboth und Fritz Reinboth)

Familie Meier und das „Kapitänshaus“ in Walkenried

Als Gründer der Meierschen Gipsfabrik ist der Industrielle Albrecht Meier (1838 – 1904) mit Sicherheit eine der prägenden Persönlichkeiten der jüngeren Walkenrieder Zeitgeschichte. Nachdem Albrecht Meiers ursprüngliche Laufbahn als Staatsbeamter aufgrund der Privatisierung der Zorger Eisenhütte scheiterte, erwarb er im Jahr 1864 gemeinsam mit seinem Bruder Felix Meier die Walkenrieder Ölmühle samt dem Mühlengrundstück von Friedrich Ballhause und baute diese zu einer Gipsmühle um. Hierzu errichtete er einen Gipsofen, pachtete ein Grundstück am Röseberg als Gipsbruch und übernahm schließlich im Jahr 1868 den von Heinrich Krieghoff betriebenen Gipsofen am Faulen Sumpf. Mit diesen wichtigen Investitionen legte Albrecht den Grundstein für die Walkenrieder Gipsindustrie, die nach seinem Tod im Jahr 1904 von Fritz Rode aus Oberkaufungen übernommen und ausgebaut wurde.

Albrecht-Meier-Linde

Die Albrecht-Meier-Linde neben dem ehemaligen Wasserrad der früheren Gipsmühle.

 

Albrecht Meier hat sich jedoch nicht nur als Industrieller und Mitglied im Harzverein für Geschichte und Altertumskunde um Walkenried verdient gemacht – so gründete er 1887 etwa den (2013 leider aufgelösten) Walkenrieder Harzklub-Zweigverein und war als Schriftführer des Gemeinderats tätig. Heute erinnern unter anderem die Albrecht-Meier-Linde neben dem ehemaligen Wasserrad der früheren Gipsmühle sowie die 1891 von Albrecht Meier als Wohnhaus errichtete Villa am Faulen Sumpf, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sie zu großen Teilen aus Gipsbausteinen besteht, an das Wirken des Walkenrieder Industriellen und Heimatforschers.

Kapitänshaus

Das „Kapitänshaus“ auf einer Fotografie, entstanden vor 1900 (aus dem Privatbesitz von Felix Meier jun.).

 

Während über Albrecht Meier in den letzten Jahrzehnten viel geschrieben wurde, ist leider nur sehr wenig über das Leben seines Bruders und Geschäftspartners Felix Meier bekannt, obwohl auch dieser durchaus seine Spuren im Klosterort hinterlassen hat: An dem an der Harzstraße liegenden Teil des Ölmühlen-Grundstücks erbaute der Seefahrer, der beinahe 20 Jahre auf den Weltmeeren unterwegs war, ein Wohnhaus für seine Familie und seinen späteren Alterssitz, welcher bis zum heutigen Tag als das „Kapitänshaus“ bekannt ist. Felix Meier war darüber hinaus ein regelmäßiger Gast beim Honoratiorenstammtisch im Walkenrieder „Goldenen Löwen“ und genoss während des Walkenried-Aufenthalts des Schriftstellers Wilhelm Raabe im Jahr 1878 als Braunschweiger dessen besondere Freundschaft. So erwähnt Raabe beispielsweise in seinem Tagebuch, am Tag seiner Abreise von Felix Meier und seiner Frau zusammen mit der Familie seines Bruders Heinrich Raabe zum Bahnhof begleitet worden zu sein.

Kapitänshaus

Das „Kapitänshaus“ in seinem heutigen Zustand nach der Entfernung des Balkons auf der Frontseite.

 

Dank einer freundlichen Dokumentenspende von Henning Meier-Lüderßen – dem Enkel Felix Meiers – an den Verein für Heimatgeschichte kann das bislang unvollständige Bild des Kapitäns nun präzisiert werden. Dem Text liegen offenbar Aufzeichnungen von Oberst Heinrich Meier (1842-1923) zugrunde, dem jüngsten Bruder Felix Meiers, dessen Laufbahn als preußischer Offizier 1890 endete. Zuletzt war er Kommandeur des 6. Schlesischen Fußartillerie-Regiments „von Dieskau“. Im Ruhestand betätigte er sich dann als namhafter Braunschweiger Lokalhistoriker – und als Familienchronist.

Stammbaum

Dieser Auszug aus dem Stammbaum der Familie Meier verdeutlicht die verwandtschaftliche Beziehung zwischen Kapitän Felix Meier, Heinrich Meier, Ernst Meier-Cortés und Henning Meier-Lüderßen.

 

Die Transkription dieser Aufzeichnungen erfolgte im Jahr 1978 durch Ernst Meier-Cortés, einen weiteren Enkel Felix Meiers. Nachfolgend wird dieser Text in kursiver Schrift und bis auf einige kleine, ausschließlich der Verständlichkeit dienende Änderungen im Original wiedergegeben. Dazwischen finden sich eingerückte Anmerkungen und Kommentare in nicht-kursiver und kleinerer Schrift, die wir zur Darstellung des historischen Kontextes eingefügt haben. Ein Verzeichnis aller verwendeten Text- und Bildquellen findet sich im Anhang.

Jugend und erste Seereise nach Buenos Aires

Carl Heinrich Julius Felix Meier wurde am 27. März 1834 geboren und am 15. Mai 1834 – dem Geburtstag seiner Großmutter Meier – zu Braunschweig durch Pastor Haßenmüller in St. Ulrici getauft. Taufzeugen waren Sophie Lüderßen, die Schwester seines Großvaters Lüderßen, Julie Meier, die Schwester seines Vaters, Carl Dietrich Löbbecke, der Vetter seines Vaters, und Pastor Carl Eschenburg zu Lehndorf, der Bruder der Großmutter Lüderßen.

Felix Meier besuchte zunächst die Bürgerschule und dann das Gymnasium und wuchs im Hause seiner Eltern zu einem kräftigen, tatendurstigen Jüngling heran, der durch seinen frischen Humor das ganze Haus erheiterte. Durch häufige Besuche bei seinem Onkel, dem Senator August Meier in Hamburg, entstand bei ihm wohl die Lust, Seemann zu werden. Die sitzende Lebensweise eines Beamten gefiel ihm dagegen nicht – und so ging er, nachdem die Hoffnung auf eine deutsche Flotte im Jahr 1849 gescheitert war, mit Bewilligung seiner Eltern zur Hamburger Handelsmarine.

Schon am 7. Juni 1850 – und damit im Alter von 16 Jahren – trat er als Schiffsjunge auf der Bark „Carl“ unter Kapitän Beichmann seine erste Reise nach Buenos Aires an. Obwohl er einen guten Kapitän hatte, war das Leben und Treiben auf dem Schiff unter ungebildeten Matrosen, die sich eine Freude daraus machten, die feine und verwöhnte „Landratte“ zu hänseln, ein sehr ungewohntes und beschwerliches für ihn. Dennoch versetzte ihn sein Mut nie – und mit Humor ertrug er die Schattenseiten seines Berufs nicht nur auf dieser ersten Reise.

Buenos Aires


Eine der ältesten überhaupt existierenden Fotografien von Buenos Aires – eine sogenannte Daguerreotypie – aus dem Jahr 1852 zeigt den Blick auf das Südufer des Rio de la Plata (Fotograf: Carlos D. Fredericks & Cía.).

 

Eine große Freude für ihn war es, dass er gleich nach seiner Anmusterung monatlich Gehalt bekam. Er schreibt darüber an seine Mutter: „Keiner von meinen Bekannten verdient schon etwas und ich bekomme mehr, als Wilhelma und Christiane [die beiden Dienstboten des Elternhauses] bekommen. Die beiden bekommen, glaube ich, noch nicht einmal so viel, dafür muss ich aber auch stärker arbeiten als sie.“

Im nächsten Teil: Felix Meiers Ausbildung zum Steuermann und (viele) weitere Reisen.

Roms vergessener Feldzug: Die Schlacht am Harzhorn

Da wir dank der Auswertung der Zugriffsstatistiken der „Walkenrieder Nachrichten“ wissen, dass das elektronische Bürgerblatt inzwischen erfreulicherweise von vielen Urlaubern gelesen wird, stellen wir hier zukünftig das eine oder andere touristische „Highlight“ der näheren Umgebung vor und hoffen, damit auch unseren Walkenrieder Lesern neue Impulse für interessante Tagesausflüge liefern zu können.

 

Beginnen wollen wir mit dem archäologischen Ausgrabungsplatz am niedersächsischen Harzhorn bei Bad Gandersheim, durch den das historische Bild des Dauerkonfliktes zwischen Römern und germanischen Stämmen in den letzten Jahren vollständig auf den Kopf gestellt wurde. Über viele Jahrzehnte war sich die Wissenschaft sicher, dass die militärischen Interventionen des römischen Imperiums im germanischen Stammensgebiet nach der verlorenen Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus („Als die Römer frech geworden…“) sowie einer nur mäßig erfolgreichen Strafexpedition in den Jahren 14 bis 17 nach Christus ihr Ende gefunden hatten. Die am Harzhorn gemachten, spektakulären Funde beweisen jedoch eindeutig, dass auch in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts – und damit über 200 Jahre nach der vernichtenden Varusschlacht – römische Legionen tief in germanischem Stammesgebiet kämpften.

Harzhorn

Vorsicht Ausgrabung: Am Harzhorn sind Eingriffe in den Boden und Sondengänge strengstens verboten.

 

Archäologen gehen heute davon aus, dass die Römerschlacht am Harzhorn im Jahr 235 nach Christus zwischen Truppen des ersten römischen „Soldatenkaisers“ – Maximinus Thrax – und dort ansässigen Stammeskriegern stattfand, die den aus dem Norden heranrückenden Römern den Durchgang versperrten und sie zu einem Kampf im hügeligen Gelände zwangen. Durch die Auswertung der Anordnung der über viele Jahrhunderte hervorragend im Boden konservierten Pfeilspitzen, Katapultbolzen und römischen Schuhnägel lässt sich auch nach langer Zeit der Verlauf der Schlacht hervorragend rekonstruieren. Auch der Sieger lässt sich anhand der Fundstücke sowie korrespondierender historischer Quellen ermitteln: Die Römer zogen 235 ungeschlagen nach Süden weiter – konnten das ihnen als Germanien bekannte Gebiet jedoch trotzdem nie erobern.

Harzhorn

Die Harzhorn-Besucher des Walkenrieder Geschichtsvereins an einem Hang, den vor fast 1.800 Jahren ein römischer Pferdewagen hinunterstürzte.

 

Wer sich für die spannende Geschichte des Fundortes sowie die Details der rekonstruierten Schlacht interessiert, ist herzlich dazu eingeladen, meinen ausführlichen Artikel „Das Harzhorn – Ortstermin an einer Jahrhundertfundstelle“ auf der Wissenschaftsblogplattform ScienceBlogs.de zu lesen. Wer die Ausgrabungsstätte gerne einmal selbst besichtigen möchte, findet auf dieser Internetseite weitere Informationen zu buchbaren Gruppenführungen sowie allgemeine Hinweise zum Betreten des Geländes. Ich selbst konnte vor eineinhalb Jahren an einer solchen Gruppenführung mit dem Walkenrieder Geschichtsverein teilnehmen (bei der auch die hier eingebundenen Fotografien entstanden sind), und kann eine geführte Besichtigung nur empfehlen. Darüber hinaus sei noch auf die Landesausstellung „Roms vergessener Feldzug: Die Schlacht am Harzhorn“ hingewiesen, in deren Rahmen zahlreiche der am Harzhorn gemachten Fundstücke erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Ausstellung wird am 01.09.2013 im Landesmuseum Braunschweig – und damit ebenfalls ganz in unserer Nähe – eröffnet.

Walkenrieder Erinnerungsstücke an den Ersten Weltkrieg gesucht

Am 28. Juni 1914 erschoss der neunzehnjährige bosnische Serbe Gavrilo Princip in Sarajevo den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie. Dieses Attentat löste die sogenannte Julikrise aus, die letztendlich im Ausbruch des Ersten Weltkriegs gipfelte, der bis zu seinem Ende im Jahr 1918 mehr als 17 Millionen Menschenleben fordern sollte. Am 28. Juni 2014 – also in etwas mehr als einem Jahr – wird sich dieses entscheidende Ereignis der europäischen Geschichte zum einhundertsten Mal jähren.

 

Anlässlich dieses Jahrestages ruft die Europeana – eine EU-Initiative zur Bewahrung des europäischen Kulturerbes – Bürgerinnen und Bürger in ganz Europa dazu auf, ihre Keller und Dachböden nach familiären Erinnerungsstücken an die Zeit des Ersten Weltkriegs zu durchsuchen. Die Historiker der Europeana wollen auf diesem Weg ermitteln, wie viele originale Fotografien, Feldpostkarten, Briefe, Tagebücher und andere Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg noch in den europäischen Haushalten zu finden sind. Interessante Funde können fotografiert oder eingescannt und – versehen mit einer kurzen Beschreibung – per Internet an die EU-Experten versandt werden, die sie dann begutachten und historisch bewerten. Alle authentischen Funde finden Eingang in die Europeana-Datenbank „1914 – 1918“, mit der nach und nach eine “Familiengeschichte“ des Ersten Weltkriegs geschaffen werden soll, die nicht nur Geschichtsfreunden der Gegenwart, sondern vor allem den nachfolgenden Generationen neue und wertvolle Einblicke in die Schrecken und Wirrnisse des ersten industriell geführten Menschheitskrieges gestatten soll.

Friedrich Reinboth

Die beiden Brüder Friedrich (links) und Carl Reinboth (rechts) in einer Aufnahme aus dem Jahr 1914. Friedrich trägt die Paradeuniform des Husaren-Regiments Landgraf Friedrich II von Hessen-Homburg (2. Kurhessisches) Nr. 14, in dem er während des Ersten Weltkriegs diente.

 

Dass auch einer meiner Verwandten – mein Urgroßonkel Friedrich Reinboth – im Ersten Weltkrieg gekämpft hatte und 1918 nicht wieder aus der Ukraine ins heimatliche Nordhausen zurückgekehrt war, war mir aus vielen familiären Geschichtserzählungen bereits bekannt gewesen – wie viele Briefe, Postkarten, Fotos und andere Erinnerungsstücke an diese Zeit aber noch existierten wurde mir dagegen erst bewusst, nachdem ich meine Großeltern vor eineinhalb Jahren auf den Aufruf der Europeana angesprochen hatte. Tatsächlich fanden sich in Keller und Dachboden des Hauses im Hohen Weg nicht nur zahlreiche Postkarten und Briefe, sondern auch Zeichnungen, Führungszeugnisse und andere militärische Dokumente sowie eine ganze Reihe handschriftlich geführter Feldtagebücher aus Friedrich Reinboths siebenjähriger Zeit als Husar im 2. Kurhessischen Regiment „Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg“. Inzwischen sind immerhin schon zwölf dieser familiären Erinnerungsstücke in die Europeana aufgenommen worden – und ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn bis 2014 noch viele weitere Einreichungen anderer Walkenrieder hinzukämen.

Kriegstagebuch

Eines von drei Kriegstagebüchern von Friedrich Reinboth, der während des Ersten Weltkriegs im in Kassel stationierten Husaren-Regiment Landgraf Friedrich II von Hessen-Homburg (2. Kurhessisches) Nr. 14 diente.

 

Schließlich wird es auch in zahlreichen anderen Walkenrieder Haushalten noch Erinnerungsstücke an die Jahre zwischen 1914 und 1918 geben, die den Bestand der Europeana ergänzen könnten. Wie man digitale Fotografien, eingescannte Dokumente und begleitende Erklärungstexte bei der Europeana einreichen kann, wird hier ausführlich erläutert. Sollte es Walkenriederinnen und Walkenrieder geben, die sich mit Familienerinnerungen am Projekt beteiligen wollen, mit der technischen Seite der Einsendung jedoch noch Schwierigkeiten haben, stehe ich per E-Mail unter der E-Mail-Adresse christian.reinboth@gmx.de sehr gerne für Fragen zur Verfügung. Bei Bedarf und Interesse ließe sich sicher an einem Wochenende auch einmal ein „Europeana-Tag“ in der Walkenrieder Gipsausstellung organisieren, an dem Scanner, Digitalkamera und Internetanschluss nebst geschulter Hilfe zur Vefügung stünden. Wer Interesse an einer solchen Veranstaltung hat, kann sich ebenfalls gerne unter der bereits angegebenen E-Mail bei mir melden.

Tagebucheintrag

Der erste Eintrag ins Kriegstagebuch von Friedrich Reinboth vom 29.07.1914 – zwei Tage vor der Mobilmachung – verdeutlicht den Irrsinn des von den Militärs aller Seiten geradezu herbeigejubelten Krieges: „Abgabe der älteren Garnituren und Empfang der Kriegsgarnitur. Das Leben innerhalb der Kaserne wird kritisch. Die Begeisterung für den bevorstehenden Krieg steigert sich.“

 

Darüber hinaus kann ich allen geschichtsinteressierten Leserinnen und Lesern natürlich nur ans Herz legen, die bereits heute schon äußerst umfangreiche Sammlung der Europeana einmal zu durchsuchen. Hier finden sich hochinteressante Exponate wie beispielsweise dieses Tagebuch einer britischen Krankenschwester mit Unterschriften aller von ihr betreuten Verwundeten, diese Ausgeherlaubnis für einen Tiroler Infanteristen aus dem Jahr 1914 oder auch diese Postkarte aus einem Prager Verwundetenspital aus dem Jahr 1916.

Arbeiten wir also gemeinsam daran, dass die Erinnerungen auch und gerade an die ganz persönlichen und familiären Schicksale dieses zerstörerischen und grausamen Krieges für die nachfolgenden Generationen erhalten bleiben.

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