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Klettenberg

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Die Nordhäuser Buslinie 25 fährt jetzt auch über Neuhof

Seit dem Fahrplanwechsel am 16.12.2013 verkehrt die Buslinie 25 der Verkehrsbetriebe Nordhausen (VBN), welche die Kreisstadt mit Mackenrode und Limlingerode verbindet, mit einigen Fahrten an Werktagen auch über den Bad Sachsaer Stadtteil Neuhof. Damit erhalten die Neuhöfer Bürger die Möglichkeit, mehrmals täglich nach Nordhausen einerseits und nach Klettenberg, Holbach, Mackenrode oder Limlingerode andererseits zu fahren. Die Linie 25 ist an der Haltestelle „Neuhof Kirche“ aber auch mit den schon immer über Neuhof verkehrenden Linien 470 und 472 der Firma Hahne-Reisen verknüpft. Es ergeben sich Umsteigemöglichkeiten zum Bahnhof Bad Sachsa, in die Stadt Bad Sachsa und nach Walkenried.

Am heutigen Montag wurden die ersten über Neuhof führenden Fahrten gebührend in Empfang genommen, denn neben Helene Hofmann, Bürgermeisterin der Stadt Bad Sachsa und Ortsbürgermeister Ziegenbein aus Neuhof hatten sich auch Wolfgang Hahne und Cornelia Zühlke von Hahne-Reisen zur Begrüßung eingefunden. Auch Thorsten Schwarz, Leiter des Busbetriebes bei den Verkehrsbetrieben Nordhausen, war dabei und gab einige Erläuterungen zur neuen Linienführung.

Buslinie

Cornelia Zühlke (Hahne-Reisen), Thorsten Schwarz (VBN), Ortsbürgermeister Ziegenbein, Bürgermeisterin Helene Hofmann und Wolfgang Hahne begrüßen einen Kurs der Linie 25 auf dem Weg nach Limlingerode.

 

Man habe, so Schwarz, aufgrund von Nachfragen aus dem Kreis Nordhausen nach einer Verknüpfungsmöglichkeit des Nordhäuser Liniennetzes mit den Buslinien im Kreis Osterode gesucht und sei auch aufgrund der schon in Hohegeiß erprobten Zusammenarbeit mit der Firma Hahne in Neuhof gelandet. Hier ließ sich rasch etwas umsetzen. Die Verknüpfung ist zunächst auf einige Fahrten beschränkt, grundsätzlich aber ausbaufähig. Auch Bürgermeisterin Hofmann freute sich über die neuen Fahrtmöglichkeiten für die Neuhöfer, aber auch darüber, dass die Kernstadt Bad Sachsa nun wieder aus dem Kreis Nordhausen per Linienbus erreichbar ist.

Exkursion nach Klettenberg fand großen Zuspruch

Am 10. Mai führte der Verein für Heimatgeschichte seine Frühjahrsexkursion in den Nachbarort Klettenberg durch. Rund 30 Teilnehmer interessierten sich für die Geschichte von Ort und Burg, die hoch interessante Kirche und die Reste der Wehranlagen und ließen sich von Dr. Karl Schmidt, ergänzt von Michael Stampniok, fachkundig führen.

Frühjahrsexkursion

Dr. Schmidt gibt einführende Hinweise zum Burg- und Kirchengelände.

 

Die ungewöhnlich große Kirche befindet sich inmitten des nicht weniger imposanten einstigen Burgareals. Klettenberg hatte ursprünglich sogar eine zweite Kirche unten im Ort. Wer sie kurz nach der Wende einmal besuchen konnte – und der Verein für Heimatgeschichte war als einer der ersten mit vor Ort – konnte sich nicht vorstellen, dass aus dieser Ruine einmal wieder ein funktionsfähiges Gotteshaus werden könnte. Und doch ist es gelungen, mit Hilfe des Denkmalschutzes aus Thüringen und eines rührigen örtlichen Vereins. Das für dörfliche Verhältnisse ungewöhnlich große, mit Tonnendecke und barockem Kanzelaltar versehene Gebäude zählt zu den interessantesten Kirchen unserer Landschaft. Noch bleibt freilich einiges zu tun. Unter anderem muss der Altar noch fertiggestellt werden.

Von der einstigen Burg ist hingegen kaum noch etwas erhalten, und auch von den Nachfolgegebäuden der Domäne steht fast nichts mehr. Das Areal allerdings ist mit diversen Kellereingängen, einer alten Zisterne und dem „Tempel“, einem steilen Gipsfelsen, der einst einen Turm trug, ausgesprochen bemerkenswert. Das gesamte Areal wurde vor kurzem an, wie in Klettenberg kolportiert wird, einen russischen Staatsbürger verkauft, kann jedoch nicht bebaut werden… Anscheinend findet die denkwürdige Geschichte Klettenbergs eine weitere interessante Fortsetzung.

Kanzelaltar

Tonnendecke, Kanzelaltar mit den Figuren Glaube, Liebe und Hoffnung und den vier Evangelisten.

Empore

Die moderne, doch durchaus angemessene Einbau des Gemeinderaums auf der Empore der Kirche.

 

Klettenberg und Walkenried verbindet vielerlei. So zielt der die Burg verlassende Weg über Branderode direkt auf das Walkenrieder Kloster – er ist jedoch auf Walkenrieder Gemarkung nun, als „Kutschweg“ bekannt, Opfer der nimmersatten Gipsindustrie geworden, die auch vor historischen Altwegen nicht Halt macht. Apropos Gips: Das Stammhaus der heutigen „Kutzhütte“ befand sich als Firma „Börgardts & Pohlig“ auch in Klettenberg, wo bis zur Wende noch Gips produziert wurde. Und in der einstigen Molkerei wurde auch Walkenrieder Milch verarbeitet. Ein Besuch lohnt sich also.

Burggelände

Im Burggelände: Was mag einmal wo gestanden haben?

 

Nach seinem Vortrag über die Geschichte des verschwundenen Klettenberger Mühlgrabens, der „Uffe“, vermochte Dr. Schmidt ein weiteres Mal Klettenberg den Besuchern näher zu bringen. Der Verein für Heimatgeschichte wird vor der Sommerpause noch einen Besuch in Nordhausens Unterwelt durchführen und plant für den Oktober eine Busexkursion nach Kloster Huysburg und einer alten Mühle bei Halberstadt.

Neuzugänge für die Ausstellung „Gips – mehr als weißes Pulver“

Die Dauerausstellung zum Thema Gips im Walkenrieder Vereinshaus erfreut sich nicht zuletzt dank einer guten Internet-Präsenz regen Interesses. Kürzlich erhielten wir Besuch aus Stöckey. Reinhardt Wagner, gebürtiger Klettenberger und mit dem dortigen Gipswerk der Firma Börgardts sehr vertraut, brachte uns einige Gegenstände und Dokumente. Herzlichen Dank dafür! Die Dokumente sind vor allem deswegen sehr interessant, weil sie die Zeit beleuchten, in der die Firma Börgardts in Klettenberg noch eigenständig aktiv war und es offensichtlich – trotz schon bestehender Grenze – auch noch Kontakte zum Werk auf der Kutzhütte gab.

Marmorgipssack

Transportsack für 50kg Marmorgips aus Klettenberg, genutzt in den 1950er Jahren.

 

Dieser Sack für Marmorgips wurde in Klettenberg verwendet. Interessant ist vor allem die Rückseite, denn sie zeigt noch das alte „Logo“ mit dem Zeppelin, zugleich aber auch schon – schwach erkennbar – das Kennzeichen der Vereinigung Südharzer Gipswerke in der späteren DDR.

Zeppelin-Logo

Zeppelin-Logo auf der Rückseite von Gips-Transportsäcken der Firma Börgardts aus den 1950er Jahren.

 

Der Zeppelin ist gestochen scharf, es fehlen auch nicht die Motorgondeln.

Auch der Schriftwechsel aus der Zeit zwischen 1945 und 1950 ist beachtenswert.

Auftragsschein

Auftrag über die Lieferung von 3 Fass oder 10 Sack Marmorgips des Bremer Händlers Karl Fiebig an die Gipsfabrik Börgardts aus dem Jahr 1947.

 

Hier hat ein Geschäftspartner aus Bremen „3 Fass oder 10 Sack Marmorgips N“ in Klettenberg bestellt. „An Kutzhütte gegeben“ hat jemand mit Bleistift auf dem Auftragszettel vermerkt, auf welchem Klettenberg auch noch mit „C“ geschrieben steht. Von der Mangelwirtschaft damaliger Jahre zeugt ein anderes Stück Papier.

Lieferschein

Lieferschein über 12 Tonnen technischen Gips aus Walkenried an die Rheinhold & Co. GmbH in Dresden aus dem Jahr 1950.

Erinnerung an eine fast vergessene mittelalterliche Ingenieurleistung

Walkenrieds Umgebung ist reich an beeindruckenden Bauten und Ingenieurleistungen gerade aus dem Mittelalter. Die Klosterteiche und ihre überlegte Anordnung, die Verbindung der Teiche untereinander belegen das Können der Zisterzienser oder vielmehr der von ihnen beschäftigten Techniker unter den „Laienbrüdern“. Eine andere, sehr bemerkenswerte Leistung in der unmittelbaren Nachbarschaft stellt der ehemalige Klettenberger Mühlgraben dar, an den der Verein für Heimatgeschichte am 16.10. im Rahmen eines von Dr. Karl Schmidt und Fritz Reinboth gestalteten Vortrags erinnerte.

Modell des Klosters Walkenried

Modell des Klosters Walkenried in der Ortsgeschichtlichen Sammlung Walkenried

 

Viel mehr als Erinnern kann man auch nicht, denn der Klettenberger Mühlgraben, konzipiert und angelegt im Mittelalter vielleicht unter tätiger Mithilfe der Walkenrieder, wurde ein Opfer der Zonengrenze oder vielmehr der damit einhergehenden Absperrmaßnahmen der DDR. Das der Abzweigung dienende Wehr lag unmittelbar an der Grenze bei Neuhof, es wurde nach 1961 aufgegeben und somit auch der Mühlgraben seiner Funktion beraubt. Heute ist er weitgehend verschüttet, und auch die Vielzahl der von ihm einst angetriebenen Mühlen besteht nicht mehr. Dabei handelte es sich um ein höchst bemerkenswertes Bauwerk.

Die Burg Klettenberg und der deutlich später entstandene Ort verfügten nämlich, da im Gipskarst gelegen, über keine geeigneten Quellen oder Bäche, mit deren Hilfe Mühlen hätten betrieben werden können. Also kam man auf die Idee, Wasser aus der von Bad Sachsa über Neuhof kommenden Uffe abzuzweigen und über Klettenberg und Holbach der dort vorbei fließenden Ichte zuzuführen. Verwirrend hieran ist, dass die Uffe an dem Punkt, wo das Wehr zur Abzweigung eingebaut wurde, bereits „Sachsengraben“ heißt, während der künstlich angelegte Mühlgraben in Klettenberg selbst wiederum „Uffe“ genannt wurde. Technisch beeindruckend ist die Tatsache, dass zwischen Branderode und Klettenberg eine Wasserscheide zu überwinden ist. Mit viel Mühe und unter Ausnutzung natürlicher Senken, die es im Gipskarst immer wieder gibt, wurde der Graben über die Wasserscheide hinweg nach Klettenberg geführt und versorgte dort und in Holbach fortan über zehn Mühlen. Mit Hilfe einer Wasserkunst wurde dem Graben auch Wasser entnommen, um es auf einen Berg zu pumpen und so den Ort, die Domäne und das Rittergut mit Brauchwasser zu versorgen. Wie vom Mühlgraben, so existiert auch von dieser „Wasserkunst“ heute fast nichts mehr. Die Mühlen wurden später mit Turbinen versehen, um – in geringen Mengen – Strom zu erzeugen; auch das Klettenberger Gipswerk der Firma Börgardts nutzte eine der Mühlen für ihre Mahlvorgänge. Dem dahinter liegenden Steinbruch viel die alte Druckwasserleitung von der „Wasserkunst“ zum Hochbehälter zum Opfer. Heute ist der Mühlgraben, einst Lebensader von Klettenberg, nur noch fragmentarisch vorhanden und zu einer Kloake verkommen. Was sehr bedauerlich ist, denn, wie gesagt, es handelt sich um einer sehr beachtliche vermessungs- und bautechnische Leistung der Vergangenheit.

Fritz Reinboth steuerte eine Anekdote zum Thema Mühlgraben bei, denn bei der Neuanlage des Wehrs im 17. Jahrhundert gab es Streit zwischen Neuhof (zum Herzogtum Braunschweig gehörend) und dem inzwischen preußischen Klettenberg, der bis hinauf zu Herzog Carl I. und König Friedrich Wilhelm I. drang. Allerdings ist wohl davon auszugehen, dass die beiden Potentaten sich nicht persönlich mit der Angelegenheit befassten, die dann auch friedlich beigelegt wurde. Die exzessive Entnahme des Wassers aus dem Sachsengraben (der Uffe) führte übrigens dazu, dass die unterhalb des Wehrs liegenden Orte Branderode, Obersachswerfen und Gudersleben ohne Mühlen auskommen mussten. Eine lebhafte Debatte über die Energieversorgung einst und jetzt beendete den gut besuchten Vortragsabend. Er gibt vielleicht Anregung, sich die Klettenberger Mühlgrabengeschichte einmal vor Ort anzusehen.

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