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Leserbrief

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Leserbrief: Die kriminelle Verlockung

(von Ruth Monicke)

Zunehmend wird im digitalen Zeitalter über den bargeldlosen Zahlungsverkehr berichtet. Die Vorstellung, im alltäglichen Leben ohne Geld im Portmonee rumzulaufen ist zwar gewöhnungsbedürftig, die Vorzüge sind aber nicht von der Hand zu weisen. Und je mehr man darüber nachdenkt, kommt man zu der Überzeugung, dass die Welt vielleicht ein kleinwenig sicherer werden könnte. Um Betrugsfälle der besonderen Art einzudämmen, wird erwogen, den Druck großer Geldscheine einzustellen. Der Normalbürger ist davon nicht unbedingt betroffen. Der trägt selten einen Fünfhunderter mit sich herum (den hat schon die Miete geschluckt), der hat es auch weniger mit Rauschgifthandel und Ganoven im großen Stil zu tun. Würde sich der digitale Zahlungsverkehr negativ auf uns auswirken? Im gesellschaftlichen Leben wäre es zwar wieder ein Verlieren an persönlicher Freiheit (oder Gewohnheit), trotz alledem, würden wir davon an Sicherheit gewinnen. Beziehungsweise, im Umkehrschluss ein Quäntchen Freiheit der kriminellen Entwicklung opfern. Das ist nun mal unbestreitbar, leider sprechen aber alltägliche Vorkommnisse für sich:

  • Unzählige Senioren werden durch skrupellose Betrüger mit dem schäbigen Enkeltrick um ihr mühselig Erspartes gebracht (der Täter will doch kein Überweisungsformular).
  • Entführung, Lösegeldforderungen (wird schwierig, schwierig).
  • Banküberfälle würden aufhören (kein Bargeld vorhanden).
  • Tresoraufbrüche in Büros (nur Buchungspapier).
  • Geldautomaten würden abgebaut (schonender als sprengen).
  • Raubüberfälle auf der Straße (wird eingedämmt).
  • Nachts würden die Straßen sicherer (Angst reduziert sich).
  • Handtaschenraub (nur Lippenstift und Tempo drin).
  • Einbrüche werden nachlassen (kein Bargeld im Haus).
  • Tankstellen (außer Smarties keine Beute).
  • Beschaffungskriminalität (kein schneller Joint).
  • Erpressungen unter Schülern (kein Taschengeld)
  • Die Juweliere, (die wären vielleicht die Gekniffenen).

Die Polizei würde entlastet wenn sich die Alltagskriminalität verringert und hätte Kräfte frei für andere Dinge. Man bedenke, allein um an Bargeld zu kommen, wird Jahr für Jahr ein enormer volkswirtschaftlicher Sachschaden durch Zerstörung angerichtet. Letztlich trägt das wiederum die Allgemeinheit durch steigende Versicherungsprämien. Absoluten Schutz wird es nie geben. Aber das Argument, dass wir dadurch mehr und mehr zum gläsernen Bürger würden, das ist fadenscheinig, denn was über Handys und Facebook alles freiwillig in die Welt getrötet wird, soviel wollen die Späher gar nicht wissen. Doch der Vorteil liegt doch auf der Hand, dass durch bargeldlosen Zahlungsverkehr zahlreiche Straftaten verhindert und dafür mehr alltägliche Sicherheit erreicht würde. Dazu wäre es für manchen Zeitgenossen eine Chance, mangels Aussicht auf eine Euro-Beute vorm Knast bewahrt zu werden. Doch zur allgemeinen Beruhigung, es ist als Folge nicht zu befürchten, dass die Gefängniswärter dann in leere Zellen gucken.

Ruth Monicke

Diese Geldstücke im Wert von 10 bzw. 1 Pfennig wurden 1914 geprägt.

Diese Geldstücke im Wert von 10 bzw. 1 Pfennig wurden 1914 geprägt.

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Leserbrief zur Flüchtlingsdebatte: Wie sich die Themen gleichen

(von Ruth Monicke)

Widerwärtig nennt Bundespräsident Gauck die Angriffe auf Flüchtlingsheime. Und deren gab es im ersten Halbjahr 2015 schon 150, Tendenz steigend. Flüchtlinge waren noch nie beliebt. Und jeder der eine andere Hautfarbe hat, ist so und so suspekt – und dann die Sprache. Das sind ja Ausländer – nee, die woll‘n wir nicht.

Da haben wir ja direkt noch Glück gehabt. Wir, die Flüchtlinge von damals. Und dass wir sogar noch Deutsch sprachen, na sowas. Hätten’s die Einheimischen nicht gehört, sie hätten‘s nicht für möglich gehalten. Dass wir aber zerlumpt und ärmlich daher kamen und hier bei ihnen im Westen Unterschlupf suchten, das empfand man dann doch als arge Zumutung. Das ließ man uns Flüchtlinge deutlich spüren. Und ich bin mir nicht sicher, hätte man zur damaligen Zeit nicht so großen Respekt vor der Obrigkeit gehabt, vielleicht wäre auch so manche Baracke abgefackelt worden. Wir Flüchtlingskinder wussten sehr wohl wie dreckiges Gesindel aussieht – eben wie wir. Und so erstaunt es mich heute überhaupt nicht, wie mit den jetzigen Flüchtlingen umgegangen wird.

Wie sich die politische Seele im Jahr 2015 in Deutschland offenbart, von der menschlichen will ich gar nicht sprechen, das verkündet die tägliche Meldung. Man fühlt sich hier im sicheren Westen in seiner satten Trägheit gestört. Und je tiefer auf dem stillen Lande, je dichter ist der engstirnig gewebte Kokon.

Diese Tatsache ist jedoch nicht unbekannt und so werfe ich der Politik schwere Fehler vor. Statt die Menschen im Vorfeld einzubinden, sie vorzubereiten und mit ihnen gemeinsam zu beraten, wie das mit dem Ansturm der Flüchtlinge gelöst werden kann, stellt man sie vor vollendete Tatsachen. Es fehlt an geschulten Menschen die aufklärend wirken – aber die Politik darf sich nicht hinter zu wenig Personal verstecken. Es werden doch auch Stellen beim Wolfs-Monitoring geschaffen, Wolfsberater, die aufklärend auf die Begegnung mit dem Wolf vorbereiten. Das sind nur Tiere, hier geht es aber um Menschen. Gut, der Vergleich hinkt, aber wir sind in Notlagen doch einfallsreich – holt die größten Schreihälse, gebt ihnen Aufgaben, lasst sie Einblick in das Elend nehmen.

Denn geht es so weiter, muss Deutschland aufpassen, dass sich in unserem Lande der Rassismus nicht salonfähig macht – breitgemacht hat er sich schon.

Ruth Monicke

Flüchtlinge

Bundesarchiv: Deutsche Flüchtlinge laden 1945 ihr Gepäck an einem Berliner Bahnhof aus (Lizenz: CC BY-SA 3.0 de).

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