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Michael Reinboth

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Der Kohnstein – Nachruf auf einen geschändeten Berg

Der Verein für Heimatgeschichte Walkenried/Bad Sachsa und Umgebung hat sich inzwischen einige Bekanntheit durch die Herausgabe von Schriften zu Themen der Heimatgeschichte erworben. Dabei lösen sich „dicke Wälzer“ und kleinere Hefte, je nach Thema, in bunter Folge ab. Die Nummer 50 der Schriftenreihe wurde für den langjährigen Vorsitzenden und seitherigen Ehrenvorsitzenden Fritz Reinboth reserviert. Nun hat er geliefert und seine Schrift dem Kohnstein bei Nordhausen gewidmet.

Der Geschichtsverein ist auch bekannt dafür, dass er sich um eine objektive, also vom Sponsoring durch die Gipsindustrie und der Propaganda ihrer politischen Unterstützer nicht beeinflusste Darstellung des Südharzer Gipskarstes und seiner jüngeren Geschichte bemüht. Zu den bisherigen vier Heften dieser Reihe gesellt sich nun als Abschluss das Heft über den Kohnstein. „Nachruf auf einen geschändeten Berg“ lautet der von Fritz Reinboth bewusst gewählte Untertitel, denn in wohl kaum einem anderen Höhenzug des Gipskarstes bündeln sich wie in einem Brennglas bemerkenswerte, nun aber den Steinbrüchen und Abraumhalden zum Opfer gefallene Karsterscheinungen und eine ebenfalls weitgehend verschwundene wunderbare Landschaft einerseits und vor nichts zurückschreckendes Profitstreben andererseits, hier noch in trauriger Weise ergänzt durch die Verbrechen des Naziregimes. Dem Gedenken an diese unmenschlichen Geschehnisse verdanken wir, dass am Ende überhaupt noch ein Stück dieses einst ausgedehnten Wandergebietes übrigbleiben wird…

Niedersachswerfen, Produktion von V1 / V2

Der Kohnstein aus Richtung Niedersachswerfen (1945). [Bundesarchiv, Bild 146-1992-068-24A / CC-BY-SA 3.0]

Die Gipsindustrie schickt sich an, der schon geschundenen Südharzlandschaft in Niedersachsen und Thüringen den Rest zu geben – Ersatz für REA-Gips muss schließlich her. Dass am Ende nicht viel mehr als Trümmerfelder zurückbleiben, wo früher Karsterscheinungen das Interesse der Besucher weckten, spielt in diesen Überlegungen keine Rolle. Die Generationen nach uns werden einst fragen, warum wir diese einmalige Natur für kurzfristige Gewinne preisgegeben haben. Der jüngste Beschluss des Göttinger Kreistages lässt zwar hoffen, aber die gipsabbauenden Firmen werden nicht aufgeben.

Reinboths Schrift wird die Entwicklung wohl nicht aufhalten – zu sehr sind die Interessen von Industrie und Politik miteinander verwoben. Aber er zeigt, was alles verloren gegangen ist: Aussichtspunkte, Höhlen, Schwinden, markante Bäume… Um die gipsabbauende Industrie nicht zu Unrecht schlimmer Taten zu verdächtigen, stieg der nicht mehr ganz junge Autor sogar noch durch schwer zugängliches Gelände, um am Ende doch festzustellen: Auch die Kunzenhöhle wurde rücksichtslos preisgegeben. Und wer durch die heutige Mondlandschaft des Kohnsteins streift, der merkt, dass alles Gerede von Renaturierung oder gar „schöner als vorher“ nur Blendwerk ist.

Für den Wanderer (noch lassen sich bestimmte Wege ja begehen) und den Geschichtsfreund bietet die 30 Seiten starke Schrift viele Anregungen. Dass man sie nach dem Lesen doch etwas betroffen aus der Hand legt, liegt nicht am Verfasser. Doch ob anderen Bergen ringsum wie Himmelberg, Mühlberg, Himmelreich, Höllstein oder Sachsenstein das Schicksal des Kohnsteins erspart bleibt, hängt am seidenen Faden. So gesehen, sollte der „Nachruf“ zugleich auch ein „Weckruf“ sein, um der weiteren Zerstörung unserer einmaligen Landschaft Einhalt zu gebieten.

Das Heft kostet 5 € und kann beim Verein für Heimatgeschichte bezogen werden. Je nach Corona-Lage und entsprechenden Lockerungen wird es auch im örtlichen Buchhandel angeboten werden. Es ist im Papierflieger-Verlag Clausthal-Zellerfeld erschienen und kann auch über den Verlag bezogen werden.

Eisenbahngeschichte anhand von Fahrplänen erzählt

In seiner nächsten Veranstaltung am Mittwoch, den 28.11.2018 ab 15 Uhr in der Walkenrieder Gemeindebücherei befasst sich der Verein für Heimatgeschichte erneut mit der 150jährigen Geschichte der Eisenbahnstrecke Northeim – Nordhausen, aber ein klein wenig anders als sonst üblich.

Michael Reinboth, der die Strecke seit Jahrzehnten nicht nur als Chronist betreut, erzählt ihre Geschichte anhand von ausgewählten Fahrplänen von 1890 bis heute. Etwas alle 10 Jahre wirft er einen Blick auf die entsprechenden Tabellen. Sie sagen viel mehr aus als nur Abfahrt und Ankunft: „Fahrpläne sind keineswegs langweilig. Sie sind, über fast 150 Jahre hinweg betrachtet, nicht nur ein Stück Strecken-, sondern auch ein Stück Heimat- und Zeitgeschichte. Sie zeigen das durch zwei Weltkriege bedingte Auf und Ab, die mühsame Erholung nach 1945, die Art und Weise, wie der Konkurrenz des Autos begegnet wurde, aber auch die Reaktion auf den aufkommenden Tourismus, die völlig veränderte Arbeitswelt, die Pendlerströme und vieles mehr.“

Es geht also nicht um das Betrachten von Fahrzeiten, sondern um Fahrpläne im Kontext ihres wirtschaftlichen und politischen Umfelds, bei uns zudem noch geprägt durch die jahrzehntelange Grenzsituation.

Der Eintritt ist wie immer frei, Gäste sind herzlich willkommen. Die Veranstaltung endet gegen 17 Uhr.

Gipsmuseum

Das Archiv für Heimatgeschichte, die ortsgeschichtliche Sammlung Walkenried sowie die Bücherei befinden sich im Gebäude der ehemaligen Walkenrieder Grundschule am Geiersberg.

Der Walkenrieder Kapitelsaal als evangelische Gemeindekirche

Der Kapitelsaal des Walkenrieder Klosters war zu Zeiten der Zisterzienser nach der Klosterkirche deren wichtigster Raum und wurde in der Endzeit des Klosters noch als Ersatz für die verfallende Kirche genutzt, wozu auch einige Einrichtungsgegenstände wie das Chorgestühl von der Kirche hierhin übertragen wurden. Seit der Aufhebung des Klosters dient der Kapitelsaal als Kirchenraum der evangelischen Kirchengemeinde Walkenried, und dies nun schon mehr als 450 Jahre lang. In diesem Zeitraum war der Saal immer wieder und im 19. und 20. Jahrhundert verstärkt Veränderungen und Umbauten unterworfen, die weniger die Gestalt des Raumes selbst als vielmehr die „Prinzipalstücke“, das Gestühl, die Beleuchtung und die Farbgebung betrafen.

Ausgehend vom Jubiläum der heutigen Kanzel, welches im letzten November begangen wurde, sind Fritz und Michael Reinboth den vielfältigen Veränderungen des Kapitelsaals, den Gründen hierfür, aber auch längst Verschollenem oder anderweitig Untergebrachtem nachgegangen. Es gab viel zu entdecken. So stellen die Entwurfsskizzen des Herzoglich Blankenburger Baumeisters Heinrich Gebhardt zur – nahezu vollständig verschwundenen – neugotischen Ausstattung eine kleine Überraschung dar. Über die Kanzel und ihren Schöpfer Conrad Bonifacius aus Ellrich gibt es einiges zu berichten und zu deuten, und der Taufstein ist in Walkenried eben auch etwas ganz Besonderes. Aus der ursprünglichen Idee wuchs so ein neues Heft des Geschichtsvereins heran, welches auf knapp 70 Seiten einen nahezu vollständigen Überblick zur Geschichte des evangelischen Kirchenraums gibt. Auch eine Übersicht der Walkenrieder Pfarrer von der Einführung der Reformation bis heute fehlt nicht. Der heutige Pfarrer Heiner Reinhard steuerte ein kleines Grußwort bei.

Alte Leuchter noch vorhanden

Eine Überraschung gab es bei den Arbeiten auch. Ganz offensichtlich existieren noch mehrere Exemplare der alten, von Heinrich Gebhardt konzipierten Beleuchtungskörper in nahezu unversehrter Form. Der Geschichtsverein hofft nun, einen dieser üppig gestalteten Leuchter für Walkenried zurückgewinnen und ausstellen zu können. „Wir sehen heute Schöpfungen der Neugotik mit anderen Augen und betrachten sie nicht mehr nur als bloße Nachahmungen gotischer Werke. Insoweit wäre solch ein mehr als 130 Jahre alter Leuchter für Walkenried schon eine Bereicherung“ meint Michal Reinboth vom Geschichtsverein. Für einen anderen Gegenstand, die „Waterloo-Tafel“, wird ein geeigneter Anbringungsort gesucht und sicher auch gefunden werden.

Das reich bebilderte Heft kann zum Preis von 7,50 € ab sofort beim Geschichtsverein, in Veras Kiosk sowie in Bad Sachsa bei WIBU und bei der Buchhandlung Kusch am Rondell erworben werden.

Kapitelsaal

Auch die Kanzel birgt Geheimnisse. Nach Meinung der Autoren vom Geschichtsverein stellt das mit dem Engel ringende Tier doch einen Drachen dar.

 

Forderung nach besseren Bahn- und Busverbindungen für Walkenried unterstrichen

In einem Kurzinterview mit dem Norddeutschen Rundfunk („Hallo Niedersachsen“) hat Michael Reinboth für den Fahrgastverband PRO BAHN seine Forderung nach besseren Bahn- und Busverbin-dungen für den Klosterort und seine Umgebung unterstrichen. Das Interview fand aus Anlass der Erweiterung der Fahrpläne rund um Herzberg am Harz statt, wo es jetzt auf einigen Buslinien zusätzliche Früh- und Spätverbindungen gibt. Reinboth begrüßte dies, betonte aber, dass genau diese Verbesserungen auch für Orte wie Walkenried oder auch Bad Grund benötigt werden. PRO BAHN und „Höchste Eisenbahn“ fordern seit längerem unter anderem die Einrichtung eines Frühzuges von Walkenried nach Göttingen, um für Pendler und Auszubildende bessere Voraussetzungen zum Erreichen ihrer Arbeitsplätze und Lehrstellen zu schaffen. Leider prallt diese Forderung bisher an der Sturheit der Landesnahverkehrsgesellschaft im fernen Hannover ab.

Für Ende April hat nun der Zweckverband Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen (ZVSN) Verbesserungen im Busverkehr auch im Bereich Bad Sachsa – Walkenried – Braunlage angekündigt. Reinboth versucht derzeit herauszubekommen, um welche Art der Verbesserung es sich handelt. Einen Frühbus anstelle eines Zuges nach Herzberg sieht er als nicht zielführend an, weil dessen Fahrzeit viel zu lang sei. Verbesserungen in Richtung Braunlage und Oberharz hingegen „sind jederzeit willkommen.“ Ein just zum Zeitpunkt des Interviews eintreffender Linienbus aus Braunlage mit einer diesem entsteigenden Urlauberfamilie untermalte die Szene und brachte ein wenig Walkenrieder Lokalkolorit in den Beitrag.

Michael Reinboth

Herzberg am Harz Busbahnhof Walkenried

„Langer Steg“ über die Wieda ist wieder hergestellt

„Dieser schnelle Wiederaufbau war nur dank der großzügigen Unterstützung durch die HarzEnergie und das Forstamt Lauterberg sowie die rasche Entscheidung der Ortsbürgermeister von Walkenried und Wieda möglich“ erklärte Michael Reinboth vom Verein „Wir Walkenrieder“ aus Anlass der offiziellen Übergabe des „Langen Stegs“ über die Wieda. Der von den Walkenriedern als Nachfolger des Harzklubs zu betreuende Steg, über den mehrere Wanderwege führen, war im Spätwinter altersbedingt und infolge des Hochwassers der Wieda zusammengebrochen. Das Forstamt Lauterberg stellte daraufhin einen Lärchenstamm für die Träger zur Verfügung, und mit Unterstützung der Ortsbürgermeister konnten Mittel aus dem neuen Ehrenamtsfonds der HarzEnergie für den Aufbau eingesetzt werden. „Wir wollten den Steg rechtzeitig vor der Wandersaison fertig haben und haben dieses Ziel nun auch erreicht.“

Besonders erfreut zeigte sich Frank Uhlenhaut darüber, dass sich hier zwei Ortschaften zu einem gemeinsamen Projekt zusammengetan haben, denn dies sei bei der Einrichtung des Fonds ein wichtiges Ziel gewesen. Aus diesem fließen insgesamt 1.500 € in das Projekt. Der neue Steg soll nun wie sein Vorgänger wenigstens 20 Jahre den Wanderern, Radfahrern und Spaziergängern im Südharz dienen. Für die Radfahrer wird der Verein noch eine kleine Aufstiegshilfe auf beiden Seiten anbringen. Auch eine Bank soll das Ensemble ergänzen.

Sorge bereitet an dieser Stelle allerdings das Verhalten der Wieda, die dort immer weiter nach Westen ausweicht und ihren Verlauf merklich verschoben hat. Hier hofft man darauf, dass der Bode-Zorge-Verband durch eine Korrekturmaßnahme die Wieda wieder in ihr altes Bett bewegen kann. Sonst, so Reinboth, werde man den Steg eines Tages wohl um etliche Meter verschieben müssen…

Frank Uhlenhaut

Freuen sich über den neuen Steg: Dr. Hubertus Köhler vom Forstamt Lauterberg, Ortsbürgermeister Ulrich Kamphenkel (Wieda), Frank Uhlenhaut von HarzEnergie, Ortsbürgermeister Claus Eggert (Walkenried) und der zweite Vorsitzende der „Walkenrieder“, Klaus Facius.

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