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Röseberg

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Neue Bilddokumente im Archiv des Geschichtsvereins

In jüngster Zeit werden dem Archiv des Vereins für Heimatgeschichte erfreulich oft Bilddokumente zur Walkenrieder Geschichte zur Verfügung gestellt – sei es dauerhaft, sei es als Leihgabe, was das Einscannen und Archivieren auf diese Weise ermöglicht. So konnte Klaus Koch viele Bilder zum Thema Feuerwehr aus dem Nachlass von Willi Hanke auswerten, wofür ihm und der Leihgeberin an dieser Stelle herzlich gedankt sei. Diese Bilder wurden unter anderem am Walkenrieder „Knätschnachmittag“ in der Bücherei gezeigt.

Ein wertvolles Bilddokument ganz anderer Art erhielt kürzlich Fritz Reinboth von einem Nachfahren der einst in Walkenried ansässigen Meier-Dynastie. Albrecht Meier ist der Begründer der Walkenrieder Gipsfabrik (später Rode), war im Gemeinderat, gründete mit anderen den Walkenrieder Harzklub und machte sich auch sonst um den Ort verdient. Sein Bruder Felix Meier, der tatsächlich als Kapitän zur See gefahren war, wurde auch in Walkenried heimisch, worauf bis heute der Name „Kapitäns Haus“ hinweist. Albrecht Meier erbaute unter dem Röseberg die bekannte Villa, einziges uns bekanntes Haus in Deutschland aus Gips.

Albrecht Meier

Historische Fotografie der Familie des Walkenrieder Gipsfabrikanten Albrecht Meier aus dem Jahr 1890.

 

Das 1890 in Walkenried entstandene Bild zeigt Albrecht Meier ganz links in sehr interessantem Freizeitlook (für den Hut wurde seinerzeit auch der Begriff „Kreissäge“ geprägt) im Kreise seiner Verwandten. Bei der damaligen Fototechnik muss der Aufwand zur Anfertigung dieses Bildes doch recht erheblich gewesen sein. Es wurde auch bewusst ein lauschiges Plätzchen im Walkenrieder Wald ausgewählt – wo genau, das verschließt sich leider unserer Kenntnis. Es könnte durchaus im Röseberg sein. Mit viel Mühe muss der Fotograf seine Ausrüstung nebst Platten dorthin getragen haben. Ein Weilchen still halten musste man wohl auch, und dennoch ist es ein lebhaftes Bild geworden. Irgendjemand hat ein nicht benötigtes Kleidungsstück rechts in den Busch gehängt.

Vielleicht war es aber auch anders, und der Hinter- wie der Vordergrund wurden eigens im Atelier des Fotografen gestaltet und die Gruppe dann hineingestellt. Auf der Rückseite ist allerdings „Walkenried / Harz“ ausdrücklich vermerkt.

Walkenried um 1890

Eine Ansichtskarte des Klosterorts Walkenried mit einer Aufnahme aus dem Jahr 1890.

 

Das zweite Bild stammt aus dem gleichen Jahr 1890. Das verrät uns in diesem Falle die Rückseite.

Postkartenrückseite

Die Rückseite der historischen Walkenrieder Ansichtskarte zeigt, dass die Aufnahme aus einem Braunschweiger Atelier stammt.

 

Hochinteressant, was 1890 so alles in Walkenried stand bzw. noch nicht stand. Es stand auf alle Fälle noch der vollständige „Hohe Chor“ mit seinen zwei Bögen, wie überhaupt die Klosterruine aus dieser Perspektive einen hervorragenden Eindruck macht. Kein Wunder, denn es hatten sich ja schon sehr verdienstvolle Denkmalpfleger um sie bemüht! Stehen tut auch noch der vollständige, gar nicht kahle Kopf (man vergleiche mit der heutigen Sicht auf die steinbruchzerfressene Flanke). Und auch die Malzfabrik in der Turmstraße ist noch in vollem Flor zu erkennen. Ansonsten steht noch die „Schmiede“. Unschwer kann man sich beim Betrachten dieses Bildes vorstellen, dass der Geiersberg ein bevorzugter Ort der Walkenrieder Malerkolonie um Eugen Bracht und andere war, die viele Sommer lang in Walkenried lebten und malten. Die Bewohner des „Hopfenheller“ können natürlich nach ihren Häusern Ausschau halten.

Vieles kann anhand solcher und anderer Dokumente beantwortet werden, aber manchmal stehen auch die Archivmitarbeiter auf dem Schlauch. So kürzlich, als Walkenrieder Neubürger etwas über ihr Haus in der Kreuzstraße in Erfahrung bringen wollten. Da mussten wir – vorläufig – passen. Hier liegen uns nur über das „Armenhaus“ Unterlagen vor. Vielleicht kann aber ein alter Walkenrieder helfen?

Röseberg-Begehung brachte in einigen Punkten Klärung

Auf reges Interesse stieß der vom Forstamt Bad Lauterberg anberaumte und auf Wunsch des Vereins „Wir Walkenrieder“ e.V. zustande gekommene Rundgang durch den Röseberg. Etwa 30 Walkenrieder Bürgerinnen und Bürger fanden sich am Freitag (8.2.) um 15 Uhr auf dem Klosterparkplatz ein, um eine zweistündige, teilweise durchaus beschwerliche Wanderung durch den Walkenrieder Hausberg anzutreten. Geleitet wurde der Rundgang von den Herren Dr. Köhler und Steinmetz von der Forstverwaltung, für Rückfragen stand aber auch Herr Zimmer von der Firma Saint Gobain Formula zur Verfügung. Auch der frisch gewählte Samtgemeinde-Bürgermeister Haberlandt nahm teil, jedoch leider kein Walkenrieder Gemeinde-Ratsherr.

Zunächst ging es zum aktuell wohl umstrittensten Punkt, dem demnächst beginnenden Abbau des letzten Feldes Röseberg-Mitte unmittelbar hinter den Häusern. Bei allen Erläuterungen zur Auslichtung des verbliebenen Waldbestandes und dem mehrfachen Hinweis darauf, dass die Firma Saint Gobain Formula doch hier freiwillig auf Abbaurechte verzichtet habe, wurde doch klar, dass die Abstimmung zwischen Firma und Forst an diesem Punkt wenig optimal war: Der von der Forstverwaltung durch das „Auslichten“ angestrebte Baum-Nachwuchs wird sich erst einstellen, wenn der Abbau an dieser Stelle schon wieder beendet ist. Lärm- und Sichtschutz müssen durch andere geeignete Maßnahmen sichergestellt werden. Herr Zimmer kündigte an, dass der Gutachter seine Arbeiten hier in der kommenden Woche aufnehmen werde.

Röseberg-Begehung

So sollte es eigentlich nicht laufen: Die Gruppe im Abbaubereich Röseberg-Mitte.

 

Die Eigentumsverhältnisse und damit die damaligen Zuständigkeiten bei der Zustimmung zum Abbau konnten letztlich nicht geklärt werden, jedoch konnte sich keiner der anwesenden ehemaligen Ratsherren und auch nicht Dieter Haberlandt an diesbezügliche Vorgänge im Rat erinnern. In keinem Protokoll sind Beratungen zum Thema Abbau Röseberg-Mitte zu finden.

Besser sieht es bezüglich der Abstimmung zwischen Forst und Betrieb im Abbaugebiet Röseberg-Ost aus, denn hier konnte die Forstverwaltung schon vor Jahren beginnen, den Wald so zu gestalten, dass er einen möglichst dichten Saum vor dem sich in Etappen von West nach Ost hinziehenden Bruch bilden wird. Freilich wird dies nicht verhindern, dass man in der blattlosen Jahreszeit Einblick in die Steinbruchkante haben wird. Seitens Saint Gobain Formula wurde darauf hingewiesen, dass am oberen Rand des Bruchs neben den dort stehenden bleibenden Bäumen noch eine mehrere Meter dicke, braune bzw. grüne Abraumschicht die Fernsicht etwas erträglicher gestalten werde. In den Baumbestand des vom Abbau ausgenommenen Steilhangs kann nicht eingegriffen werden: Er steht als Teil des Naturdenkmals „Steilhang Röseberg“ unter absolutem Schutz.

Röseberg mit Sichtlinie

Die geplante Abbaukante am Röseberg vom Klosterparkplatz aus gesehen.

 

Positiv nahmen die Teilnehmer auf, dass die schöne Buchenzeile auf dem Kamm erhalten bleibt und es weiterhin möglich sein wird, den Kammweg zu begehen. Der „Karstwanderweg“ soll übrigens aus dem gefährdeten Bereich des Steilhangs herausgenommen und auf den alten „Myliusweg“ verlegt werden, der sich in etwa halber Höhe im Röseberg entlang zieht und stets unterhalb der unteren Abbaukante des künftigen Bruchs verläuft.

In „Röseberg-Mitte“ werden 2013 umfangreiche Pflanzungen vorgenommen, da dieser Bereich als Steinbruch ausgedient hat. Hier wird also Ruhe einkehren, zumal die Abfuhr aus dem letzten Abbaufeld von „Mitte“ wie auch die aus Röseberg-Ost über einen bereits fertig gestellten Weg am oberen Rand erfolgen wird, der vom Ort weitestgehend abgeschirmt ist.

Ein kleiner Kreis der Teilnehmer fand sich abschließend im Freizeitzentrum noch zu einem Gespräch mit Forst und Firma ein. Saint Gobain Formula wurde gebeten, den zeitlichen Ablauf der Arbeiten in Röseberg-Ost auf einer Karte darzustellen, aus der ersichtlich ist, welche Felder wann vorbereitet, bearbeitet und rekultiviert werden. Grob gesagt, wird sich immer ein Viertel des Bereichs Röseberg-Ost in Bearbeitung befinden: Während der „ausgesteinte“ Abschnitt 1 mit dem Abraum des vorzubereitenden Abschnitts 3 aufgefüllt und danach bepflanzt wird, wird im Abschnitt 2 gesprengt und abgefahren. Danach wird der Abraum von Abschnitt 4 nach Abschnitt 2 gebracht, während Abschnitt 3 ausgehöhlt wird – und so weiter. Eine Ausnahme macht der allererste Abschnitt, dessen Abraum noch nach Röseberg-Mitte verbracht werden wird, um danach dort die Rekultivierung durchführen zu können. Von all dem sollen die Walkenrieder und ihre Besucher, auch die des Klosters, so wenig wie möglich mitbekommen.

Man war sich darüber einig, weiter im Gespräch zu bleiben, um angesichts der gegebenen Rechts- und Faktenlage sinnvolle Lösungen für alle Beteiligten und Betroffenen zu finden.

Röseberg mit Sichtlinie

Die geplante Abbaukante am Röseberg an der Abfahrt zum Klosterparkplatz.

Forstverwaltung will im Frühjahr 2013 Bäume pflanzen

Der Vorsitzende des Vereins „Wir Walkenrieder e.V.“, Wilfrid Ristau, hatte sich kürzlich mit einigen Fragen an Dr. Hubertus Köhler, den Leiter des Forstamts Bad Lauterberg, gewandt. Es ging hierbei um Aussagen und Zusagen seitens der Landesforsten, welche bei der Begehung des Naturschutzgebietes Priorteich-Sachsenstein im Sommer gemacht wurden. Inzwischen ist eine Antwort aus Bad Lauterberg eingetroffen, aus der auszugsweise zitiert wird. Viele Walkenrieder sind seinerzeit mitgewandert und werden daher am Fortgang der Dinge interessiert sein.

Zum Bereich Blumenberg – hier hatte sich der Verein nach den vorgesehenen Eichenpflanzungen, der Herrichtung des parallel zum Judenweg verlaufenen Weges und weiterem Baumeinschlag erkundigt – schreibt Herr Dr. Köhler:

1. Die Flächen am Blumenberg und am Hirseteich sind in der Bepflanzungsplanung enthalten. Die Pflanzung der bereits bestellten Pflanzen erfolgt im Frühjahr 2013.

2. Der Wegebaustützpunkt der Nds. Forstverwaltung in Seesen ist beauftragt, den parallel zum Judenweg aufgeschütteten Weg befahr- und begehbar herzustellen. Dieses soll passieren mit einer Fräse, die das grobe Gestein klein mulcht. Wegen intensiver Beanspruchung beim Bau des Parkplatzes in Braunlage wurde bisher diese Arbeit noch nicht durchgeführt, wird aber sobald der Schnee verschwunden ist, in Angriff genommen, weil die Fräse bei Schnee nicht arbeiten kann.

3. Bei den markierten Bäumen im Bereich zwischen Bahnstrecke und Judenweg handelt es sich um eine Auszeichnung für Durchforstungen im Jahr 2012. Die Arbeiten wurden im Winter bis zum Frühjahr 2012 begonnen, aber auf Teilflächen unterbrochen, um den weich werdenden Boden zu schonen. Die Arbeiten werden erst fertig gestellt, wenn durch Frost der Boden schadlos befahren werden kann. Die blau markierten Bäume sind Z-Bäume, die erhalten bleiben, die mit gelber Farbe markierten Bäume werden bei entsprechenden Witterungsverhältnissen noch entnommen.

Hierzu ist allerdings anzumerken, dass zahlreiche und zum Teil ausgesprochen massive Markierungen im Blumenberg erst vor wenigen Wochen – und damit nach der gemeinsamen Begehung – angebracht worden sind.

Zum Röseberg schreibt Dr. Köhler:

Für den Gipsabbauabschnitt Röseberg Ost gibt es eine Abbauplanung, in der vorgesehen ist, dass im Norden zwischen der Abbaufläche und der Ortschaft Walkenried ein Waldstreifen als Sicht- und Immissionsschutz erhalten bleibt. Dieser wird durch entsprechende Durchforstung und Pflege sukzessiv möglichst dicht gehalten. Diese Durchforstungsmaßnahmen sind bereits im Vorfeld begonnen worden. Durch die Durchforstungen sollen möglichst große, grüne Kronen dauerhaft erhalten bleiben. Im Frühjahr 2013 werden außerdem die Rekultivierungsflächen im Bereich Röseberg West mit Elsbeeren, Kirschen und Hasel bepflanzt.

„Wir Walkenrieder“ freut sich über die ausführliche Auskunft und wird, was die Umsetzung der angesprochenen Maßnahmen betrifft, natürlich am Ball bleiben. Zum Thema Röseberg Ost besteht seitens des Vereins auch Kontakt zur Firma Formula (Kutzhütte). Der „Bettlaken-Test“ des Vereins im Frühjahr hat gezeigt, wie sensibel das Thema Sichtschutz ist und dass einiges getan werden muss, um den Steinbruch vom Ort – und vom Kloster – wirksam abzuschirmen.

Röseberg mit Sichtlinie

Die geplante Abbaukante am Röseberg vom Klosterparkplatz aus gesehen.

Steinbrucherweiterung Röseberg-Mitte bleibt vorrangig in der Kritik

Die am 4.12. von der Firma Saint Gobain Formula GmbH im Walkenrieder Freizeitzentrum durchgeführte Informationsveranstaltung zum aktuellen Gipsabbau im Bereich Röseberg-Mitte und zum geplanten Gipabbau Röseberg-Ost wurde von recht wenigen Walkenrieder Bürgerinnen und Bürgern wahrgenommen. Hierzu hat sicher auch die etwas kurzfristig und nur mit Hilfe von wenigen Aushängen ausgesprochene Einladung beigetragen, aber man hätte der rund zwei Stunden währenden Vorstellungs- und Diskussionsrunde mehr Teilnehmer gewünscht. Diejenigen, welche da waren, konnten ihre Bedenken, Anregungen und Vorstellungen freilich deutlich artikulieren.

Röseberg-Kamm

Röseberg-Kamm, Mitte September 2012: Die Halde ist weg, das Loch ist noch da.

 

Elmar Zimmer, Betriebsleiter des Gipswerkes „Kutzhütte“, stellte eingangs das Unternehmen, seine Produkte und Leistungen sowie sein Engagement für Walkenried und Umgebung vor. 20 der derzeit 106 Mitarbeiter des Werkes wohnen in der Samtgemeinde Walkenried, in der man auch Steuern entrichte und diverse Vereine und Veranstaltungen unterstütze. Danach ging es direkt zu dem in Walkenried derzeit am häufigsten diskutierten Punkt, den Steinbrüchen am Röseberg. Zimmer stellte für beide Fälle („Mitte“ und „Ost“) die Zeitpläne und das Ausmaß des noch bzw. insgesamt geplanten Abbaus vor und erläuterte auch, welche Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen flankierend vorgesehen sind.

In der anschließenden Diskussion artikulierten unmittelbare und mittelbare Anwohner ihr Unverständnis über den aus ihrer Sicht enormen Abbaulärm im Steinbruch Mitte, vor allem ausgelöst durch den allgemein als „Tacker“ bezeichneten hydraulischen Zerkleinerer, und gaben ihrer Besorgnis Ausdruck, dass dieser Lärm mit dem Näherrücken des Bruchs an die Bebauung am Röseberg noch deutlich zunehmen werde. Schon heute sei es oft kaum noch auszuhalten. Einen angeregten Verzicht auf das vergleichsweise kleine Abbaufeld schloss Zimmer kategorisch aus und bezeichnete ihn als existenzgefährdend für die Firma, ein Argument, welches in Anbetracht von 11 derzeit betriebenen Steinbrüchen nicht jedem einleuchten wollte. Herr Michaelis, Vertreter des Gewerbeaufsichtsamts Göttingen, kündigte in der Veranstaltung die Erstellung eines Lärmgutachtens an, welches auch eine „Hochrechnung“ des heutigen Lärms auf den Betriebszustand des kommenden Abbaufeldes enthalten wird. Hierzu gab es eine Reihe von Fragen und Anregungen, auch zu der im gleichen Gutachten erfolgenden Analyse der Auswirkungen der Sprengungen. Zimmer wiederum kündigte an, dass die Firma im Rahmen des Gutachtens auch Lärmschutzmaßnahmen für die Bewohner untersuchen lassen will. Die Ergebnisse des Gutachtens sollen im Frühjahr 2013 vorliegen, das Abbaufeld Mitte soll 2013 angefangen und bis 2016 abgeschlossen sein.

 

Schon 2014 soll der erste von 12 geplanten Abbauabschnitten des Feldes „Röseberg-Ost“ in Angriff genommen werden. Hier soll sich der Abbau über insgesamt 45 Jahre erstrecken, wobei immer jeweils ein Viertel der Abbaufläche in Arbeit sein wird. Bei diesem Abbau erstreckten sich die Fragen auf den Sichtschutz gegenüber Ort und Kloster einerseits, auf die vorgesehene Renaturierung des Feldes und auf die Stabilität der verbleibenden Steilwand mit dem Karstwanderweg andererseits. Für den Sichtschutz muss nach Auffassung einiger Anwohner mehr getan werden, u.a. auch durch forstliche Maßnahmen. Zimmer räumte aber ein, dass man selbst dann in der „unbelaubten“ Jahreszeit vom Ort und vom Kloster aus die Steinbruchwand werde sehen können. Während der Sprengungen wird der Karstwanderweg gesperrt werden, der Zustand der – naturgeschützten – Steilwand nach Sprengungen wird laufend beobachtet. Eine Bestandsgarantie für sie gibt es nicht, wobei Zimmer auch auf andere karsttypische Veränderungsprozesse verwies, denen die Wand unterläge. Die Abfuhr des Gesteins erfolgt von Röseberg-Ost über einen bereits vorbereiteten Weg direkt auf dem Kamm des Berges.

Röseberg mit Sichtlinie

Die geplante Abbaukante am Röseberg an der Abfahrt zum Klosterparkplatz.

 

Nach rund zwei Stunden ging man mit dem sicheren Gefühl auseinander, dass es zu beiden Abbaufeldern weitere Gespräche geben muss. Seitens Saint Gobain Formula wurde nicht nur einmal zugesichert, dass man Anregungen der Bewohner ernsthaft prüfen und wo möglich auch berücksichtigen werde. Wie weit diese Zusage trägt, wird man schon bald beim Thema Lärmschutz sehen können.

Die trotz aller Differenzen insgesamt in sachlichem Ton durchgeführte Veranstaltung hätte deutlich mehr Zuhörer verdient gehabt. Von der Verwaltung war Dieter Haberlandt anwesend, vom Rat, soweit erkennbar, niemand, wozu allerdings auch parallele und schon länger vorher terminierte andere Veranstaltungen beigetragen haben mögen – auch dies der sehr kurzfristigen Einladungsfrist geschuldet.

Noch einmal: Walkenried und der Gipsabbau

Zum Thema „Walkenried und Gipsabbau“ sind in den Walkenrieder Nachrichten in letzter Zeit mehrere bemerkenswerte Beiträge erschienen, in denen die Interessen des Gipswerks auf dem Walkenrieder Klosterberg entschieden verteidigt und die Aktivitäten des Werks für die Bevölkerung des Klosterorts dargestellt wurden. Hierzu soll es keine Gegendarstellung geben, jedoch müssen einige der insbesondere von Herrn Zimmer gemachten Angaben hinterfragt werden.

Auslöser der genannten Beiträge ist die Berichterstattung über die fortschreitende Zerstörung des Walkenrieder Rösebergs, eines Höhenzuges, der das Ortsbild prägt und dessen Schädigung – das ist Fakt – auch den Ort Walkenried nachhaltig betrifft und weiter betreffen wird. Jetzt, wo das Laub gefallen ist, sieht man wieder sehr schön, welches Ausmaß die Zerstörungen unmittelbar hinter den letzten Häusern bereits erreicht haben. Wohl in keiner anderen Kommune würde ein Steinbruch mit erheblichen Emissionen – Staub und Lärm – in solcher Nähe zum Ort geduldet. Wir aber sollen es ertragen. Das ist nicht einzusehen.

Röseberg mit Sichtlinie

Die geplante Abbaukante am Röseberg an der Abfahrt zum Klosterparkplatz.

 

Ruth Monicke betont in ihrem Beitrag, dass heute wesentlich leiser als früher gesprengt wird und der Steinbruch im Röseberg schon immer da gewesen sei. Letzteres trifft zu, jedoch war dieser Bruch stets gut abgeschirmt und ist dem Ort niemals so nahe auf die Pelle gerückt wie es heute der Fall ist. Sie übersieht leider auch, dass es nicht nur die Sprengungen sind, sondern das stundenlange nervtötende Getacker der Bohrer, welche die durch Sprengungen gelockerten Steine dann erst zertrümmern. Sprengungen und Bohrungen rücken dem Ort nun weitere hundert Meter näher, ohne dass es einen Schutzwall zwischen ihm und dem Bruch gäbe. Mit Fug und Recht kann und muss hier der Lärm- und Sichtschutz hinterfragt werden.

Elmar Zimmer wiederum sieht sein Unternehmen verantwortlich für die Region agieren: Durch Zahlung von Steuern (eine zumindest bei der Grundsteuer blanke Selbstverständlichkeit), Sponsoring des Karstwanderweges (auf den so gestifteten Tafeln wird das Handeln der Gipsindustrie in glänzenden Farben dargestellt, und es werden einmalige, in potenziellen Abbaugebieten liegende Naturerscheinungen wie die Zwerglöcher klein geredet – ein Schelm, der Böses dabei denkt) und anderweitige Unterstützung von Vereinen, vor allem aber auch durch das Vorhalten von 106 Arbeitsplätzen in, man lese allerdings genau, „Niedersachsen und Thüringen“, also nicht nur oben auf dem Berge. Auch Gewerbesteuer wird entrichtet. Schön.

Röseberg-Kamm

Röseberg-Kamm, Mitte September 2012: Die Halde ist weg, das Loch ist noch da.

 

Aber leider übergeht Herr Zimmer einige wesentliche Punkte. Mit dem Argument „Arbeitsplätze“ geht die Gipsindustrie seit 50 Jahren hausieren und hat es damit immer wieder geschafft, Naturschutzgebiete zu entwidmen und Einmaliges zu zerstören. Die Zahl der Arbeitsplätze ist aber in den letzten Jahrzehnten keineswegs gestiegen, sondern deutlich zurückgegangen. In Walkenried und Neuhof hat je eine Gipsfabrik geschlossen, die Mechanisierung in den Brüchen und im Werk tut ein Übriges. Auch beim Thema „Gewerbesteuern“ sei ein kleiner Hinweis angebracht. Da die konkreten Zahlen leider nicht genannt werden, aber einmal die Rede von einer „sechsstelligen Summe“ war, die Steuer zu Zeiten, als das Werk noch nicht Teil eines Konzerns war, jedoch eher im Millionenbereich lag, können wir mit Fug und Recht davon ausgehen, dass heute am Ort deutlich weniger Gewerbesteuer entrichtet wird als zu Zeiten der Firma Börgardts. Das Steueraufkommen Walkenrieds steht also wohl im umgekehrt proportionalen Verhältnis zur fortschreitenden Zerstörung seiner Umgebung.

Auch muss festgehalten werden, dass die Firma Kerntätigkeiten wie den Betrieb der Steinbrüche an Subunternehmer vergeben hat, die wiederum in Walkenried keinen Cent Steuern zahlen (die Firma Beissner hat ausweislich der Aufschrift auf ihren Autos ihren Sitz in Göttingen). Der derzeit lärmintensivste Bereich bleibt somit außen vor. Das gilt übrigens auch für den „innerbetrieblichen Transport“ von den Steinbrüchen zum Werk: Walkenried hat den Lärm, aber nicht einen Cent Steuereinnahme von den Subunternehmern, die hier ständig durch den Ort fahren. Vom Gegenteil lasse ich mich gerne überzeugen, aber bitte nur mit konkreten Zahlen.

 

Aber kommen wir zum Kern des Themas zurück. In unmittelbarer Sicht- und Hörweite des Ortes wird ein Steinbruch so erweitert, dass er sich zu einer ständigen und vor der Haustür liegenden Lärmquelle entwickeln wird. Zudem wird das Bild des Rösebergs an dieser Stelle und später auch im Ostteil schwer geschädigt. Damit haben wir ein Problem, und es ist nicht einzusehen, dass dieses einseitig auf die Bevölkerung und die verbliebenen Vermieter abgewälzt wird. Es muss deutlich mehr getan werden, um den Ort vor Lärm und Staub zu schützen. Es muss deutlich gemacht werden, wie das Ortsbild bei Inbetriebnahme des neuen Steinbruchs Röseberg-Ost geschützt werden soll. Es muss erläutert werden, wie ein Steinbruch in direkter Nachbarschaft zum Kloster sich auswirken wird. Und: Für den Ort, den man am nachhaltigsten durch den Steinbruchbetrieb trifft, und das ist Walkenried, muss eine Firma, die noch dazu körperlich ihren Sitz dort hat, mehr tun als dies bisher der Fall ist. Das Sponsoring von Konzerten oder Reklameschildern am Karstwanderweg beruhigt die Politik, nutzt den Anwohnern aber herzlich wenig. Der Beweis, sich wirklich nachhaltig zu engagieren, steht mithin noch aus: Höhere Wälle, umfangreichere Bepflanzung, zeitliche Restriktionen, gar der Verzicht auf ortsnahe Arbeiten stünden der Firma gut zu Gesicht.

Hierzu hätten wir gerne etwas gehört.

Doch genau dazu hat die Firma auf dem Berge bisher die Karten nicht auf den Tisch gelegt. Es wird Zeit hierfür!

Röseberg mit Sichtlinie

Die geplante Abbaukante am Röseberg vom Klosterparkplatz aus gesehen.

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