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Samuel Rösel

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Skizzen von Samuel Rösel machen späte Zerstörungen an der Klosterruine deutlich

(von Michael Reinboth, Walkenrieder Geschichtsverein)

Der Verein für Heimatgeschichte Walkenried/Bad Sachsa wirkt wie so viele andere Vereine auch seit Monaten etwas im Verborgenen. Veranstaltungen sind über Monate hinweg nicht möglich gewesen, und auch der Besuch von Archiv und Ausstellung unterlag Beschränkungen.

Die Arbeit am Thema Heimatgeschichte ging freilich ohne Pause weiter, die Bestände des Archivs wurden weiter gesichtet, und nun ist auch ein neues Heft in der Schriftenreihe des Vereins erschienen – immerhin die Nummer 52. Besonders die in den letzten fünfzehn Jahren nach und nach herausgebrachten Hefte und Bücher zu Walkenrieder Themen und zur Walkenrieder Umgebung wurden und werden vielhundertfach verkauft und tragen mit dazu bei, das Interesse am Klosterort zu wecken und Gäste anzulocken. Schade, dass diese Arbeit, die ja ausschließlich ehrenamtlich erfolgt, durch den Verkaufsbeschluss zur alten Grundschule am Geiersberg erheblich beeinträchtigt wird. Der Verein weiß nämlich nicht, wo die Bestände dann gelagert, die vielen, zum Teil wertvollen Ausstellungsstücke präsentiert und die Archivarbeit, die vielfach Auskünfte an Dritte umfasst, welche seitens der Gemeinde nicht erteilt werden können, fortgesetzt werden soll. Eine entsprechende, auch die Bücherei betreffende Anfrage an die derzeitige Verwaltungsspitze blieb bis dato ohne Antwort, obgleich die Zusammenarbeit mit der Verwaltung über Jahrzehnte hinweg sehr gut war und immer von gegenseitigem Respekt und Vertrauen geprägt wurde.

Davon unbeeindruckt hat Fritz Reinboth nach einigen sich mehr oder weniger zufällig ergebenden Kontakten und Funden die Fährte nach Zeichnungen des seinerzeit sehr bekannten, sogar von Goethe in einem Gedicht erwähnten Kunstprofessors und Zeichners Samuel Rösel (1769 – 1843) aufgenommen und wurde im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, wo man sich sehr kooperativ zeigte, fündig. Ein wahrer Schatz exakter Zeichnungen trat zutage, die Rösel aus Anlass eines Besuchs in Walkenried 1801 angefertigt hat. Sie sind so präzise, dass sich eine Gegenüberstellung mit dem Zustand zur Jahrhundertwende 1898 und dem heutigen Zustand geradezu anbot. Man bemerkt, dass nach 1801 bis zur endgültigen Sicherung der Ruinen der Klosterkirche noch allerhand kaputtgegangen oder verschwunden ist. Rösels Zeichnungen beeindrucken durch ihre Präzision, die bis ins kleinste Detail reicht – immerhin war er allenfalls ein paar Stunden hier, und was er da alles in sein Skizzenbuch gebracht hat, ist mehr als beachtlich.

Fritz Reinboth hat mit der von ihm gewohnten Präzision die Zeichnungen, ihre Entstehungsgeschichte und die Vergleiche mit vorgestern und heute in Heft Nummer 52 der Schriftenreihe zusammengestellt. Dass der Verein dabei mit der auch von ihm gern kolportierten Mär, das Karl Friedrich Schinkel dereinst den Torbogen gezeichnet habe, aufräumen muss, ist nicht zu ändern – immerhin beruhte dies ja auf Einschätzungen von Schinkel-Experten aus der damaligen „Hauptstadt der DDR Berlin“ aus dem Jahre 1982. Also, er war es nicht, Rösel war es. Aber das tut der Präzision auch dieser Darstellung ja keinen Abbruch, im Gegenteil.

Das neue Heft „Samuel Rösel – Skizzen aus Walkenried 1801“ ist soeben erschienen und kann zum Preis von 6 € im Archiv des Geschichtsvereins (noch in der alten Grundschule, Di 15 bis 17 Uhr) oder im Kiosk an der Harzstraße erworben werden.

Bild erinnert an die Rolle der Maler beim Erhalt des Klosters

Was lange währt… Am 8.3. konnte nach Anbringung der hierfür erforderlichen Schiene das vom Geschichtsverein Walkenried mit Hilfe von Sponsoren schon im Frühjahr 2020 erworbene Gemälde des Klosters aus der Zeit um 1850 in der Tourist-Information aufgehängt werden.

Karen Ruppelt, Christopher Wagner, Fritz Reinboth und Tina Holzapfel haben vor dem neuen Bild Aufstellung genommen.

Der Verkäufer des Bildes hatte zur Bedingung gemacht, dass es in Walkenried dem Publikum zugänglich sein müsse. Mit der Tourist-Information im Herrenhaus ist hierfür ein idealer Standort gefunden worden. „Wer zur Tür hereinkommt, dessen Blick fällt auf das Gemälde“ erläutert Christopher Wagner von der Gemeinde Walkenried, und auch Karen Ruppelt, Leiterin der der Tourist-Information Bad Sachsa und Walkenried, freut sich über den neuen Blickfang, der freilich seine Wirkung erst dann richtig entfalten kann, wenn die Einrichtung wieder für den Publikumsverkehr geöffnet ist.

Fritz Reinboth, Ehrenvorsitzender des Geschichtsvereins und Kenner der Walkenrieder Malerszene, erinnerte aus Anlass der Übergabe an die Rolle der Maler beim Erhalt des Klosters. Schon 1801 zeichnete Samuel Rösel das Kloster und sein Umfeld, aber es dauerte noch 15 Jahre, bis dem Abbruch des Klosters seitens der Braunschweigischen Regierung Einhalt geboten wurde. Maßgeblich hierfür waren Hinweise des Malers Ahlborn, der somit am Beginn des Denkmalschutzes in Walkenried steht, denn ausgelöst durch ihn trat der Blankenburger Kreisbaumeister Frühling in Aktion und sorgte für erste Sanierungsmaßnahmen.

Die Neuerwerbung hängt in der Tourist-Information.

Das vom Geschichtsverein erworbene und dem ZisterzienserMuseum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellte Bild stammt allerdings aus der Zeit um 1850 und aus dem Umfeld der bekannten Maler Carl Hasenpflug (1802-1858) und Wilhelm Steuerwaldt (1815-1871). Beide waren mehrfach in Walkenried und haben die Ruine und die Klausur gezeichnet und gemalt. Das nicht signierte Gemälde ist dabei eher der Steuerwaldt-Schule zuzuordnen und könnte auch von ihm selbst stammen. Es zeigt den weniger oft gemalten Südflügel des Kreuzgangs mit Blick auf den Innenhof, wobei man aus einigen Indizien wie dem fehlenden Maßwerk in den Fenstern oder dem fehlenden Dach auf dem Brunnenhaus Rückschlüsse auf die Entstehungszeit des Bildes ziehen kann. Im Unterschied zu anderen Bildern dieser Maler handelt es sich um eine sehr exakte Darstellung des damaligen Zustands.

„Wir freuen uns, dieses schöne Gemälde für Walkenried erworben zu haben. Hier ist es allemal besser aufgehoben als in einer privaten Sammlung. Selbstredend steht das Bild auch für eine eventuelle Ausstellung im Kloster zur Verfügung.“ Michael Reinboth, der Vorsitzende des Geschichtsvereins, freut sich über den gelungenen Ankauf und wünscht sich, dass nicht nur Gäste, sondern auch die Walkenrieder bei Gelegenheit das Bild in Augenschein nehmen können. Denn es macht zwei Dinge deutlich: Die Wertschätzung, die das Kloster seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erfahren hat und bis heute erfährt, und die Fortschritte, die seither beim Erhalt von Kirchenruine und Klausur erreicht worden sind.

Walkenried genoss bis zum Ende des 19. Jahrhunderts einen guten Ruf als „Malerparadies“, wobei die sich später hier oft wochenlang aufhaltenden Künstler vorwiegend die Landschaft im Blick hatten. Mit dem Aufkommen der Gipsindustrie brach diese Entwicklung ab.

Der Geschichtsverein beschäftigt sich aktuell mit den Zeichnungen Samuel Rösels von 1801 und bemüht sich um eine Abdruckgenehmigung der im Berliner Kupferstich-Kabinett befindlichen Stücke, weil sie aufgrund der Genauigkeit, mit der Rösel arbeitete, ein exaktes Bild des Klosters zu Beginn des 19. Jahrhunderts zeigen und vieles noch zu erkennen ist, welches in den Jahren danach dem Abbruch zum Opfer fiel.

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