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Wandertipp

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Auch bei diesem Wetter: Von Ellrich nach Walkenried

Der diesjährige Winter war ja bisher gar keiner. Einige Frosttage, ein paar Mal leichter Schneefall, das war es. Aber noch ist er ja nicht vorbei, der Winter 2013/2014. Die Harzurlauber, die von der Reklame „Schneesicher dank Kunstschnee“ angelockt wurden, können wandern. Denn um Kunstschnee zu produzieren, braucht es tagelang Minusgrade, sonst nutzen die ganzen Kanonen auch nichts. Im Südharz bleibt auch in anderen Wintern oft nur das Wandern in immerhin frischer kühler Luft, wobei viel Regen den Wegen schon mal etwas zusetzen kann. Deswegen sollte man immer die entsprechende Ausrüstung an Schuhen haben und möglichst eine alte Hose anziehen, sonst gibt es hinterher vielleicht Ärger…

Für den 4. Januar hatten die Wetterfrösche immerhin zeitweise Sonnenschein angekündigt. Also mit dem Zug nach Ellrich – noch streiken die Lokführer ja nicht – und ab dort zu Fuß durch das Himmelreich zurück. Vom Bahnhof Ellrich bis zum Bahnhof Walkenried braucht man dafür kaum mehr als zwei Stunden, und auch die nur, wenn man die eine oder andere Aussicht mitnehmen will oder, die ich, irgendwo auf einen vorbeikommenden Zug wartet. Vom Ellricher Bahnhof geht es in die Bahnhofstraße, dort nach links und vor der Zorgebrücke noch mal nach links zurück an die Bahn zum Stellwerk „Ellrich West“ und weiter hinauf auf den Burgberg. Dort, wo der Harzblick am schönsten ist, biegen wir nach links in die bergab führende gleichnamige Straße ab und an deren Fuß nach rechts auf den alten Kolonnenweg, jedoch nur 20 Meter weit. Dort biegt ein Trampelpfad zum Bahngleis und, dieses überquerend, in den Bereich der „Juliushütte“ ab. Dort treffen wir auf den Karstwanderweg und bleiben diesem weitgehend treu. Weitgehend deswegen, weil wir vom „Hexentanzplatz“ (vulgo „Ellrichblick“) zum anderen Ausblick über den Itelklippen den direkten Weg nehmen und die Ehrenrunde des Karstwanderweges nicht mitlaufen.

Karstwanderweg

Diese Aufnahme zeigt ein leidlich gutes Stück des Weges – an anderen Stellen ist er auf der Ostseite des Himmelreichs leider ziemlich matschig und hier und da auch rutschig. Aber irgendwie kommt man schon nach oben und steht 45 Minuten nach Verlassen des Ellricher Bahnhofs schon am „Ellrichblick“, von wo der Blick zurück zum Ausgangspunkt der Tour geht. Oft schon wurde der Blick auch in den „Walkenrieder Nachrichten“ gezeigt, deswegen soll er auch an einem Tag wie heute, an dem die Sonne sich entgegen den Prognosen doch eher selten zeigte, nicht vergessen werden. Denn auch heute war er von eigenartigem, durch die Heizbemühungen der Ellricher hervorgerufenem Reiz.

Ellrich

Oder ist es der von der Zorge aufsteigende Frühdunst? Jedenfalls mal etwas ganz anderes. Doch weiter – aber Achtung: Nicht nach rechts den Karstwanderweg bergab, sondern einfach geradeaus an der „Tunnelmitte“ vorbei auf die Westseite des Höhenrückens, wo uns oberhalb der Itelklippen der nächste schöne Blick erwartet. Nach unten schauend, bemerken wir den abgelassenen Itelteich, der „auswintern“ soll und an dessen Damm irgendwie herumgebastelt wurde. Von oben nähert sich der nächste Stundentakt-Triebwagen aus Northeim, während unser Weg – nun wieder deckungsgleich mit dem Karstwanderweg – an der „Tlusty-Hütte“ über die Klippen bergab führt. Da am Itel im Januar weder Feuersalamander noch Kröten warten und die Frühblüher sich trotz der Temperaturen noch zurückhalten, schlagen wir ausgangs des Klippenweges den direkten Weg zurück nach Walkenried ein und laufen über den Bahnübergang, parallel zur Bahn und zur Wieda, zur Schäferbrücke. Da die Sonne nun doch einmal ein Lebenszeichen von sich gibt, zeigt sich unser Haus- und Hofstrom von seiner besten Seite. Über die Wiedigshöfer Straße, die Straße „Am Röseberg“, grollend an dem trostlosen Anblick des Steinbruchs Röseberg vorüber geht es zum Röseteich und wieder zum Bahnhof, gerade noch rechtzeitig, um den nächsten Taktzug nach Nordhausen abzupassen.

Dass unsere Heimat bei jedem Wetter schön ist, hat sie auch heute wieder unter Beweis gestellt. Gut, den Steinbruch muss man sich wegdenken, so gut es eben geht. Ich kann das ja, aber die Bewohner der Röseberg-Ecke können es nicht. Immerhin schwieg heute ja der hydraulische Hammer. Da man des Windes wegen sogar den die Schienenstöße am Sachsenstein passierenden Triebwagen auf den Itelklippen hören konnte, hätte man bei Betrieb des Hammers dort oben eine ständige Begleitmusik gehabt. Aber wir waren ja gerade bei der landschaftlichen Schönheit, weswegen nun noch ein paar Bilder folgen sollen:

Itelklippen

Itelsbreite

Wieda

Geheimnisse des Himmelreichs…

… haben wir hier schon öfter vorgestellt. Heute kommen sie noch einmal in geballter Form, denn das Himmelreich lohnt zu jeder Jahreszeit einen Spaziergang. Der hier beschriebene Weg – Ausgangspunkt Klosterparkplatz – wurde dieses Mal in ziemlich genau 1 Stunde 45 Minuten zurückgelegt. Also, sagen wir, ein Spaziergang von rund zwei Stunden Länge. Neben der neuen „Hermann-Krieghoff-Bank“ gibt es unterwegs diverse andere Sitzgelegenheiten mit oder ohne Aussicht.

Tlusty-Huette

Unser zweitgrößter Teich (nach dem Priorteich), auf den man hier von der Aussicht an der „Tlusty-Hütte“ herabschaut, liegt gewissermaßen in einer Sackgasse und wird sein Wasser nur dadurch los, dass er es über zwei „Schwinden“ in das Gipsmassiv ableitet, aus dem es auf der anderen Seite am „Pontel“ wieder hervortritt. Da der Teich seine Zuflüsse weitgehend unterirdisch aus den Wieda-Schottern bezieht, findet hier ein Transfer von der Wieda zur Zorge statt, denn vom Pontel gelangt das Wasser an Ellrich vorüber in den anderen Harzfluss. Damit hätten wir Geheimnis Nummer 1. Im Hintergrund des Bildes der der Zerstörung anheimfallende Röseberg und ganz hinten der Staufenbüttel bei Steina. Sommerlich hell glänzen die Getreidefelder rund um den Kupferberg.

Weiter zum „Ellrichblick“. Dass es hier schön ist, fällt nicht unter die Geheimnisse des Himmelreichs. Oder, sagen wir, es ist ein offenes Geheimnis. Möge der liebe Gott verhindern, dass die Gipsindustrie jemals auch noch dieses Fleckchen Erde attackiert! In morgendlichem Gegenlicht leuchten uns die Nachbarstadt Ellrich und die Harzberge bei Ilfeld entgegen.

Harzberge

Geheimnisvoller wird es gleich um die Ecke. Was macht eine Vignoles-Schiene hier oben auf dem Berg? Sie markiert einen Vermessungspunkt zur Feststellung der Mitte des 268 Meter langen Walkenrieder Tunnels. Weiß angestrichen hat sie der Harzklub, damit man sie im Laub besser erkennt. Diese Schienenform hat der englische Ingenieur Charles Vignoles entwickelt, die zur Zeit der Entstehung der Eisenbahn verwendeten sahen noch ganz anders aus. Unter uns also verläuft er, der Tunnel, kurz, aber ebenfalls voller Geheimnisse.

Vignoles-Schiene

Zuvor jedoch noch ein ganz anderes Wunder, nämlich das des „Himmelsmehls“. An dieser Stelle des Himmelreichs tritt der Gips in quasi verwitterter Form auf und verleitete mittelalterliche Walkenrieder dem Vernehmen nach dazu, ihn in Notzeiten zur Streckung eigener knapper Mehlvorräte zu verwenden. Mit sehr negativen Folgen, denn im Magen bindet der so vereinnahmte Gips wieder ab. Es soll Todesfälle gegeben haben, richtig bestätigt sind diese allerdings nicht. Die Fläche des „Himmelsmehls“ hat sich jüngst übrigens etwas ausgedehnt, es tritt offen am Hang liegend auf und nicht mehr nur rund um solche kleinen Höhlchen.

Himmelsmehl

Steigen wir von hier zu dem einen noch vorhandenen Gleis ab, stehen wir vor dem schönen Portal des Walkenrieder Tunnels, zinnenbekrönt wie bei einer Burg. Das oft beschriebene „Licht am Ende des Tunnels“ können wir hier dank der Kürze desselben auch erkennen. Was man nicht sieht, ist die Tür auf der rechten Seite im letzten Drittel, die in die „Himmelreichhöhle“ hinein führt. Unser Walkenrieder Tunnel ist nämlich der einzige in Deutschland, der mitten durch eine Höhle hindurch geht. Diese wiederum hängt auch, aber nicht nur mit dem Verschwinden des Itelteich-Wassers zusammen. Um den Tunnel zu schützen, baute die Bahnverwaltung (zunächst die preußische, dann die alte Reichsbahn) noch etliche hundert Stollenmeter durch das Gebirgsmassiv. Mitgezählt? Dies wäre dann Geheimnis Nummer vier. Auf dem Rückweg kommen wir an den beiden „Schwindhöhlen“ übrigens vorbei. Angenehmer ist freilich der Blick auf den Teich selbst.

Also: Die Schuhe geschnürt und ab ins Himmelreich!

Himmelreichtunnel

Itel

Der kleine Wandertipp: Auf dem Karstwanderweg nach Ellrich

Wir leben in keinem Museum, und die Landschaft um uns herum ist nur so lange geschützt, wie es der Gipsindustrie gefällt. Vermeintlich sichere Naturschutzgebiete werden über Nacht aufgehoben, um den Sprengkommandos, Bohrern und Baggern dieses nimmersatten Industriezweiges Platz zu machen. Was zurück bleibt, gleicht für Jahre und Jahrzehnte einer Mondlandschaft. Die Natur holt sich freilich einiges wieder zurück, aber eines kann sie nicht: Riesige Löcher wieder zumachen.

Der Gipskarst um uns herum erweist sich so als Fluch und Segen, und jeder mag sich aussuchen, was in seiner persönlichen Meinung überwiegt. Zum Segen gereichen uns eine äußerst abwechslungsreiche Landschaft und vielfältige interessante Karsterscheinungen, von denen wir einige entlang der heutigen Tour aufsuchen wollen. Wir bewegen uns hierbei fast nur auf dem Karstwanderweg und verlassen diesen erst am Bahnhof in Ellrich, können uns also am „K“ orientieren und sind alles in allem gut zwei Stunden oder etwa 8 Kilometer lang unterwegs.

Auf dem Karstwanderweg nach Ellrich

Am Röseteich. Hinter der Idylle gähnt ein Loch. Wenn das Laub gefallen ist, wird man es sehen.

 

Am Bahnhof startend, überqueren wir die Gleise und biegen sogleich links in den kleinen Fußweg am „Röseteich“ – der ja eigentlich „Fauler Sumpf“ heißt, wobei „Faul“ von „Pfuhl“ herrührt – ein, um an seinem Ende schon den Karstwanderweg zu erreichen. Der Damm links von uns trug einst das Anschlussgleis der „Walkenrieder Gipsfabrik“, es ist ebenso wie die Fabrik lange verschwunden. An diese erinnern noch der alte, von der „Kutzhütte“ übernommene und bedeutend erweiterte Steinbruch und die „Villa“, das aus gebrannten Gipsblöcken erbaute Wohnhaus des Firmengründers Albrecht Meier. An der Straße „Am Röseberg“ notieren wir kopfschüttelnd, dass der Gipsindustrie hier in geradezu menschenverachtender Weise gestattet worden ist, einen Steinbruch bis unmittelbar hinter die Gärten der dortigen Anlieger zu betreiben. Aber auch dies gehört zu den Kernbotschaften des Karstwanderweges, wenngleich diese während der geführten Wanderungen nicht vermittelt werden.

Am Bahnübergang biegen wir scharf nach rechts ab und kommen an den Rand des Röseberges. Dieser das Walkenrieder Ortsbild prägende Berg wird von allen Seiten angebaggert und besprengt, und auch während des schönen Ganges unterhalb seiner Steilkante entlang, immer begleitet vom Mühlgraben, müssen wir daran denken, dass schon bald hinter dieser Kante der nächste Steinbruch eröffnet werden wird. Welchen Einfluss dies auf die Stabilität des schon jetzt etwas brüchigen Hanges haben wird, muss offen bleiben. Prinzipiell wird uns dieses Stück Karst allerdings bleiben, wenn auch der Fürst Potemkin hierfür Pate stehen muss. Gleich zu Beginn treffen wir auf eine Karsterscheinung, die Höhle „Hubertuskeller“, einst von den Walkenriedern für alle möglichen Zwecke wie das Verstecken von alten Waffen genutzt, in Tat und Wahrheit eine durch nahes Wasser entstandene – und noch arbeitende – Höhle und damit ein „Klassiker“ des Gipskarstes.

An der Ecke des Klärwerkes – hier wird der neue Steinbruch seine größte „Pufferzone“ haben – geht es leicht nach rechts und beim Krieghoffschen Anwesen scharf nach links, am Hof vorbei und auf die Straße nach Wiedigshof. Dieser folgen wir nur wenige Schritte und biegen gleich wieder nach links ein, wo zur Bedienung eines weiteren Steinbruchs der „Kutzhütte“ eine relativ neue Brücke über die Wieda existiert, mit deren Hilfe wir die breite Wiedaaue durchqueren können. Auf der Brücke erblicken wir in der Wieda einiges an Wasser, welches von der nahen Einmündung des Mühlgrabens herrührt, denn ansonsten ist der kleine Harzfluss hier schon im Einflussbereich des Karstes und gibt mehr und mehr Wasser an den Untergrund ab. Es ist also noch da, fließt aber für uns unsichtbar in den eigenen Schottern der Wieda. Schon bei Wiedigshof – und von hier bis weit hinter Gudersleben – ist die Wieda um diese Jahreszeit (Oktober) praktisch trocken.

Auf dem Karstwanderweg nach Ellrich

Die „roten Äcker“ zwischen der Straße nach Juliushütte und dem Himmelreich.

 

Am anderen Hang, dem „Kahlen Kopf“, passieren wir den immer größer werdenden Steinbruch, gelangen auf die einst zur Juliushütte führende Straße und erblicken rechts von uns die „Roten Äcker“, die schon den bekannten Maler Eugen Bracht im 19. Jahrhundert zu einem Gemälde reizten, dessen Kopie im Ausstellungsraum des Vereins für Heimatgeschichte zu bewundern ist. Wunderschön ist gerade im Herbst die Waldkante des „Himmelreichs“. In dieses brechen wir nun auf, indem wir an seinem Fuß nach rechts abbiegen und uns auf den anfangs recht steilen Anstieg zu den Itelklippen hinauf begeben. Viele Worte müssen wir hier nicht verlieren (siehe Wandertipp Nr. 1), sondern können andächtig dieses wahrhaft einzigartige Stück Landschaft genießen. Wenn nicht im nahen Steinbruch der Bohrer tackert, ist es hier sehr ruhig, ab und an quakt vom Itel her ein Wasservogel oder ein Zug rauscht tief unter uns in den Tunnel hinein. Oder er kommt wieder heraus.

Auf dem Karstwanderweg nach Ellrich

Herbstliche Farbenpracht im Himmelreich.

 

Das wusste übrigens in den Anfangsjahren der Bahn schon ein hiesiger Landwirt, der sich von seinen Mitreisenden nicht ins Bockshorn jagen ließ. Als der Zug nämlich in die dunkle Tunnelröhre eintauchte, riefen diese: „Buur, jetzt giehts in die Helln“ (auf hochdeutsch: Herr Landwirt, nun geht es in die Hölle), worauf dieser konterte „Des is mich worscht, ich haah retour“ (oder: Das ist mir egal, ich habe eine Rückfahrkarte). Das nur mal nebenbei. Nach Erreichen des Ellrichblicks führt uns der Karstwanderweg nun bergab aus dem Himmelreich heraus. Hier bitte Vorsicht, der Weg ist oft feucht und etwas rutschig. Am Fuße kommen wir zum Pontelteich, dessen Wasser weitgehend aus dem Itel stammt und das Himmelreich unterirdisch durchquert hat. Von der ehemaligen Siedlung Juliushütte ist nichts mehr erkennbar, wohl aber vom einstigen Steinbruchbetrieb und dem in diesem Gelände angesiedelten KZ „Erich“.

Die Stollen und Sprengkammern gehören zum Gipsbetrieb, die Fundamente der Baracken zum Lager. Der Steinbruchbetrieb ruht hier nun schon über 70 Jahre, und dennoch sind die Wunden in der Landschaft noch nicht verheilt. Die anderen Wunden, die vom KZ herrührenden, ebenso wenig. Wir passieren zwei Gedenksteine und können uns anhand mehrerer Tafeln über das Leid der hier Inhaftierten informieren. Der letzte dieser Steine steht bereits vor dem Bahnhofsgelände von Ellrich. Hier verlassen wir den Karstwanderweg und gehen über die alte Ladestraße bis zum Bahnübergang und von dort ein kurzes Stück zurück zum Bahnhof Ellrich, wo wir einen der stündlich nach Walkenried zurück fahrenden Züge nehmen, nicht ohne zuvor am Automaten eine Fahrkarte gelöst zu haben. Trotz des Tunnels reicht eine einfache Fahrt!

Auf dem Karstwanderweg nach Ellrich

Blick vom Himmelreich auf Ellrich – einmal nicht vom „Ellrichblick“, sondern etwas östlich davon.

 

Was bleibt, sind sicher vielfältige, auch zwiespältige Eindrücke. Herrliche Wälder, wunderbare Ausblicke und interessante Karsterscheinungen einerseits, tiefe Wunden und Lärm durch Steinbrüche andererseits. Die Landschaft wird zugunsten industrieller Nutzung an vielen Stellen weiter zurückgedrängt. Aber auch hierüber sollte man informiert sein.

Der kleine Wandertipp: Zur Sachsenburg

Im dritten Teil der kleinen Wanderweg-Reihe hier in den „Walkenrieder Nachrichten“ wollen wir heute von Walkenried aus in westlicher Richtung laufen. Startpunkt sei erneut der Parkplatz hinter dem Kloster, aber für diese kleine Tour eignet sich der Bahnhof Walkenried ebenso gut als Beginn. Vom Klosterparkplatz aus gehen wir zunächst durch die kleine Pforte der Klostermauer, überqueren den Klosterplatz und verlassen diesen in seiner Südostecke zwischen dem Herrenhaus der ehemaligen Domäne und der Klostermühle, passieren die Feuerwehr und biegen am ehemaligen Jagdschloß der Herzöge von Braunschweig scharf nach rechts in die Turmstraße ab. Hier laufen wir ein kleines Stück entlang der alten Klostermauer, die an dieser Stelle leider etwas an Höhe verloren hat und vor sich hin bröckelt, nicht zuletzt eine Folge des intensiven Lkw-Verkehrs zum Gipswerk Kutzhütte. An der Kreuzung mit der Bahnhofstraße geht es nach links und vorbei am ehemaligen Amtsgericht (derzeit Verwaltung der Samtgemeinde) in Richtung Bahnhof.

Bevor wir diesen erreichen, biegen wir nach rechts in den „Sachsaer Weg“ ein. Im Sommerhalbjahr kann man hier kurz anhalten, einen Euro zücken und den Zügen der Gartenbahn zuschauen, bevor es weiter geht. Der Sachsaer Weg geht nach ca. 700 Metern in einen Waldweg über, dem wir treu bleiben, auch wenn rechter Hand der Radwanderweg nach Braunlage lockt. Wir passieren den Affenteich und treten in den Wald ein, der hier „Blumenberg“ genannt wird. Links können wir die Reste des Schotterwerks der ehemaligen Kleinbahn Walkenried – Braunlage, der „Südharz-Eisenbahn“, erkennen. Nun geht es auf einen kleinen Waldpfad nach links und dann auf breiterem Wege leicht bergan bis an den Waldrand, wo wir unten die Gleise der Bahnlinie Northeim – Nordhausen sehen, denen wir nun bis zur Sachsenburg treu bleiben. Eine Bank lädt zu einer kleinen Rast ein, und man sollte das Angebot annehmen, denn bis zur Sachsenburg kommt nun keine mehr.

Sachsenburg

Der Rundturm der Sachsenburg im herbstlichen Blumenberg.

 

Im Wald rechts verbergen sich viele kleine und größere „Zwerglöcher“, Gipsblasen, die durch die Umwandlung von Anhydrit in Gips entstehen. Das größte von ihnen, die „Waldschmiede“, ist allerdings nur noch Ruine. Aber gleich daneben findet man einige hoffnungsvolle Nachwuchsblasen. Wo der Weg in Richtung Bad Sachsa rechts abbiegt und bergab führt, gehen wir geradeaus weiter und passieren alsbald das erste historische Flurdenkmal, einen alten Wall, der zu einer vor- oder frühgeschichtlichen Wehranlage an dieser strategisch günstigen Ecke des steil abfallenden Sachsensteins gehörte. Links können wir dann ein gut ausgebautes Zwergloch bestaunen, bevor es steil hinauf zu den Fragmenten der Sachsenburg geht, die ihrerseits wieder auf einem Wall errichtet wurde. Wir erkennen den großen Rundturm und einen Teil der Mauer und müssen etwas Phantasie walten lassen, um uns die gewaltige Toranlage der Burg mit ihren beiden eckigen Türmen und der Durchfahrt in der Mitte vorzustellen. Am Rundturm vorbei geht es auf das Plateau, wo uns zwar keine Sitzgelegenheit erwartet, aber ein dafür umso schönerer Ausblick auf die unter uns liegende Bahnstrecke, die Niederung der Uffe, den gewaltigen Abbruch des Sachsensteins und – etwas entfernt – auf den Kranichstein bei Neuhof erwartet. Eisenbahnfans sei verraten, dass die Triebwagen hier immer zu den Minuten 48 (nach Nordhausen) und 06 (nach Northeim) durchrauschen. Bis vor wenigen Jahren war hier wegen Senkstellen im Gipskarst nur 30 km/h erlaubt.

Sachsenstein

Ausblick von der Sachsenburg zum Sachsenstein.

 

Nachdem wir uns satt gesehen oder je nach Geschmack auch über das Schicksal des Salierkaisers Heinrich IV. sinniert haben, der für den Bau der Burg verantwortlich zeichnet, wenden wir uns zur Rückkehr und gehen auf gleichem Wege zurück bis zum so genannten „Drehkreuz“, wo wir die Bahn überqueren und nach Erklimmen des Hanges links abbiegen, um alsbald die Spatenbornwiese zu erreichen, auf der wir von April bis Oktober zumeist eine kleine Kuhherde antreffen, deren Mitglieder für eine gewisse Abwechslung durchaus dankbar sind. Wir folgen ab hier dem „K“ des Karstwanderweges und klettern noch auf den Höllstein hinauf, um die Walkenrieder Teichwelt und die dahinter liegenden Harzberge von oben zu bestaunen. Am Höllteich überqueren wir die Straße nach Neuhof, passieren den Röseteich und die schöne, aus Gips erbaute Villa des Fabrikanten Albrecht Meier, bevor wir nach Überqueren der Bahnstrecke wieder in den Klosterbezirk einbiegen.

Höllstein

Blick vom Höllstein auf den Andreasteich und Walkenried.

 

Für die gesamte Tour sollte man sich gut zwei Stunden Zeit nehmen. Längeres Erforschen der Sachsenburg oder Warten auf Züge kommen dann noch hinzu. Die Wege sind leicht zu begehen, es gibt nur eine nennenswerte Steigung von der Spatenbornwiese hinauf auf den Höllstein.

Wer gern mehr über die Sachsenburg oder die Zwerglöcher erfahren möchte, dem sei die kleine Schrift des Vereins für Heimatgeschichte „Der Höllstein, der Sachsenstein und die Sachsenburg“ empfohlen, die es unter anderem am Kiosk in der Ortsmitte und bei der Post in der Bahnhofstraße gibt.

Der kleine Wandertipp: Rund um den Kupferberg

Heute führen wir unsere Wandertipp-Reihe mit einer kleinen Tour fort, die – je nach Tempo – nicht mehr als eine bis anderthalb Stunden in Anspruch nimmt und uns die Welt des Kupferbergs erschließt. Die Wege sind – dank ausgezeichneter Pflege durch die „Walkenrieder“ und vor allem engagierter Mitbürger – in sehr gutem Zustand, viele Bänke säumen die Strecke und laden immer wieder zu kleinen Pausen ein. Weniger zu empfehlen ist der Weg in knackiger Sommermittagshitze, da es über freie Flächen geht, auf denen kein Baum Schutz bietet.

Wir starten am Klosterparkplatz und gehen zunächst von der Info-Tafel aus nach rechts entlang der Wieda. Mit etwas Sorge nehmen wir die starke Zunahme des „Sachalin-Knöterichs“ wahr, dessen Ursache hoch oben im Seitental, in Wieda, zu suchen ist. Es ist wie immer: Dort oben entledigt man sich einer Sache, und wir hier unten haben dann ein Problem. Aber gut, wir überqueren die „Schäferbrücke“, was wir gut können, da wir unter 6 t wiegen, und biegen dann nicht auf die geteerte Straße, sondern ein Stück weiter auf den am Waldrand entlang führenden Rasenweg ab, der nun entlang von „Amtmanns Tännchen“ führt. Suchen Sie hier bitte keine gleichnamigen Bäume, die sind seit einem Sturm 1972 verschwunden und haben Platz gemacht für Laubbäume aller Art.

Am Kupferberg

Unser Blick fällt auf den gegenüber liegenden Röseberg (wie lange wohl noch, und wir erblicken hier eine Steinbruchwand?). An der Ecke angelangt, können wir auch einen Blick auf das „Himmelreich“ genießen und zu diesem Behufe auf einer Bank Platz nehmen. Ein kleines Stück geht es nun bergab, und dort, wo wir auf den aus Richtung Eisenbahn kommenden Feldweg treffen und eine weitere Bank erblicken, biegen wir nach links in den hohlwegartig wirkenden Pfad ein. Er führt uns bergan.

Am Kupferberg

Auch hier gibt es Bänke, die einen Rückblick in Richtung Röseberg und „Itelsbreite“ gestatten. An der nächsten Gabelung gehen wir nicht nach links, sondern biegen nach rechts auf den zwischen den Feldern entlang führenden Weg ab, der uns weiter nach oben bringt, bis wir an der Ecke vom Hundeplatz auf den vom „Mordwäldchen“ her kommenden Weg treffen und nun nach links auf den „Rain“ einbiegen, auch dies ein ausgezeichnet gepflegter Weg oberhalb der Ellricher Straße mit mehreren Sitzmöglichkeiten und wundervollen Blicken hinüber zu den Harzbergen, von denen der Staufenberg markant herüberschaut. Aber auch die „Wendeleiche“ und der „Rote Schuß“ sind gut auszumachen.

„Rain“ ist noch gut nachvollziehbar, „Heide“ hingegen nicht. So aber wird der nun folgende Geländestrich noch gern genannt. Früher stand hier auch massenhaft Erika, und Schafe sowie regelmäßiges Mähen sorgten dafür, dass es auch so blieb. Längst schon ist die „Heide“ nun einem etwas undefinierbaren Wald gewichen, der uns aber immerhin – dank tätiger Mitwirkung einiger emsiger Ortsbewohner – den einen oder anderen Ausblick gönnt.

Am Kupferberg

Zum Beispiel diesen hier. Der Weg beschreibt eine leichte Linkskurve, und dort, wo wir das Schild „Naturschutzgebiet“ erblicken und rechter Hand betrachten können, was die Niedersächsischen Landesforsten darunter verstehen (Abhacken und liegen lassen), steigen wir den Stufenweg hinab zu Bettens Wiese. Hier könnten wir uns eine kleine Pause gönnen, wollen aber weiter entlang der Wieda wandeln. Der Weg, den wir nun benutzen, ist der „Magister-Eckstorm-Weg“, benannt nach dem früheren Leiter der Walkenrieder Klosterschule, einer immerhin über 100 Jahre blühenden Einrichtung nach Ende des eigentlichen Klosterbetriebes. Auch dieser Weg ist gut in Schuss und gönnt uns kurz vor dem Erreichen des Zieles noch einen Top-Blick auf den „Hohen Chor“ unserer einstigen Klosterkirche. Derzeit (Herbst 2012) muss man etwas tricksen, um keine Gerüste mit auf die Platte zu bannen, denn ganz offensichtlich muss man derzeit den 1976 ff. verwendeten falschen Mörtel wieder aus den Klosterfugen kratzen. Das stört die vor sich hin plätschernde Wieda allerdings nur wenig, und wir schließen uns an und überqueren am Aufschluss des Kupferschiefers (auch Fundort des Fisches „Paläoniscus Freieslebeni“) am Kindergarten das Wasser, biegen nach links ein und haben unseren Ausgangspunkt wieder erreicht. Dort lädt die wunderbare Sitzgruppe der „Walkenrieder“ zu einer kleinen Schlussrast ein und ermöglicht einerseits Blicke zum Jagdschloss, aber auch kopfschüttelndes Notieren der abgebauten Klostermauer, die hoffentlich bald wieder aufgemauert werden wird.

Fazit: Prima Weg, viele Sitzmöglichkeiten, schöne Ausblicke und nicht allzu anstrengend. Verlaufen kann man sich eigentlich auch nicht. Also: Auf geht’s!

Am Kupferberg

Hier zu sehen: Der „Hohe Chor“ der Klosterkirche. Das hochgotische Polygon entstand als neue Lösung, nachdem der zisterzienser-übliche gerade Chorschluss baufällig war. Die Grundwässer der Wieda hatten die gipsgemörtelten Fundamente ausgespült. Der Abbruch des „Hohen Chors“ durch den Landkreis Osterode am Harz löste anfangs der siebziger Jahre einen Proteststurm aus, der zum Wiederaufbau nötigte.

Am Kupferberg

Zur Schlussrast lädt die Sitzgruppe am Klosterparkplatz ein. Wer hier Platz nimmt, hat den Blick auf Kloster und Jagdschloss gratis obendrauf (oder neudeutsch: „on top“).

Am Kupferberg

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