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Zisterzienser

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Schweigende Mönche – Sprechende Steine

(von Michael Reinboth, Walkenrieder Geschichtsverein)

Dr. Brigitte Moritz war viele Jahre lang der Motor und Ideengeber des Museums im Kloster Walkenried. Diese Bemerkung soll das Wirken anderer keinesfalls schmälern, aber welcher Verlust ihr Weggang für Walkenried bedeutet, wird sichtbar, wenn man das soeben erschienene neue Buch „Schweigende Mönche – Sprechende Steine“, herausgegeben vom ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried, durchblättert.

Viele Jahre lang hat sie die Bauzier der Klosteranlage, also die Schlusssteine, die Kapitelle und Konsolen quasi täglich vor Augen gehabt. Nun hat sie sie in ihrem Buch katalogisiert, Schlussstein für Schlussstein, Kapitell für Kapitell, Konsole für Konsole. Eine enorme Fleißarbeit. Aber nicht nur das. Brigitte Moritz verbindet die Bauzier mit dem mönchischen, speziell dem zisterziensischen Gedankengut und erläutert, warum sich gerade, um einige Beispiele zu nennen, bestimmte Pflanzen in der Ornamentik finden, was es mit Adler, Löwe, Pelikan auf sich hat und warum bestimmte Fabelwesen auftauchen. Auf diese Art macht sie die Steine für auch für die Betrachter lebendig, die sich eher selten mit theologischen Fragen beschäftigen. Die damaligen Mönche wussten sicher um die Bedeutung jedes einzelnen Schmuckelements. Uns muss man da etwas auf die Sprünge helfen, was mit diesem Buch hervorragend gelingt.

Klostersommer

Wie filigrane Broschen: 750 Jahre alte Schlusssteine im gotischen Kreuzgang Walkenried, beim Gang über den Gerüststeg besonders gut in Augenschein zu nehmen (Foto: Günter Jentsch, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried).

 

Günter Jensch, dem ZisterzienserMuseum ebenfalls lange zugetan und hier eigentlich nie ohne Kamera anzutreffen, hat den Großteil der Bilder beigesteuert. Wie viel Mühe er darauf verwenden musste, um die oft an schwieriger Stelle, allemal aber weit oben angebrachte Bauzier auf den Speicherchip zu bannen, kann der erahnen, der sich schon oft den Hals nach den diversen Schmucksteinen ausgerenkt hat. Ein wunderbares Buch ist so entstanden, für das alle, für die das Kloster mehr als nur eine Anhäufung von Steinen ist, sondern spiritueller Ort, ein Stück Heimat oder eben auch „nur“ ein großes Baudenkmal, der Autorin und dem Fotografen zu Dank verpflichtet sind.

Kerzenschein

Im Kerzenlicht: Der gotische Kreuzgang der mittelalterlichen Klosteranlage Walkenried, Foto: Günter Jentsch, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried.

 

Das Buch hat seinen Preis: Knapp 12 € sind für die fast 180 Seiten fällig. Aber wer es in der Hand hat, der weiß, dass das Preis-Leistungsverhältnis in jeder Hinsicht passt. Also: Nichts wie hin… Halt! Die Sache hat leider einen Haken: Der Museums-Shop, in welchem das Buch verkauft wird, hat coronabedingt noch eine ganze Weile geschlossen. Es bleibt also nur, sich irgendwo eine Notiz zu machen und zum Kloster aufzubrechen, wenn es denn, und das sei hoffentlich bald, wieder geht.

Walkenrieder Enkel und Urenkel in Schlesien

Um verwandtschaftliche Beziehungen besonderer Art geht es beim nächsten Vortrag des Vereins für Heimatgeschichte in Walkenried, der am Mittwoch, den 26.10. ab 15.00 Uhr in den Räumen der Walkenrieder Gemeindebücherei angeboten wird.

Lubiaz

Die große Zisterzienserabteil Leubus (Lubiaz) an der Oder (Bild) ist eine Enkeltochter des Walkenrieder Klosters, denn sie wurde von der Walkenrieder Tochter Pforte (Schulpforta) aus besiedelt. Von diesem ersten Zisterziensterkloster in Schlesien wiederum wurden die Abteien Heinrichau (Henrykow) und Kamenz (Kamieniec Zabkowicki) gegründet sowie das berühmte Frauenkloster Trebnitz (Trzebnica), Grabstätte der Heiligen Hedwig, betreut. Von Heinrichau wiederum wurde die sehr bekannte Abteil Grüssau (Krzeszow) zu Füßen des Riesengebirges besiedelt. Die Grüssauer Zisterzienser wiederum unterhielten eine Probstei in Bad Warmbrunn (Cieplice) im Hirschberger Tal. Michael Reinboth hat alle diese Stätten aufgesucht und berichtet anhand von Bildern und Dokumenten über die Geschichte und den heutigen Status der Klöster und ihrer Umgebung. Da alle Abteien in Schlesien die Reformation überdauerten, sind sie heute in ihrer Bausubstanz weitgehend barock geprägt und haben damit ein durchweg anderes Aussehen als Walkenried, jedoch wirkt besonders in den Kirchen das zisterziensische Bauerbe noch deutlich nach.

Gäste sind zu diesem Vortrag herzlich willkommen, der Eintritt ist wie immer frei.

Vortrag in der Gemeindebücherei: Als das Kloster Walkenried wieder katholisch werden sollte

Nach den Beschädigungen, die es im Bauerkrieg erlitt, zerstreute sich der Konvent des Klosters Walkenried nicht zuletzt auch deswegen, weil die Reformation mit ihrem neuen Gedankengut das klösterliche Leben zunehmend unattraktiv machte. Letztlich wurden das Kloster und seine Schutzherren evangelisch. Es war aber immer noch bedeutend genug, um Ziel eines Rekatholisierungsversuches zu werden, der vom Kloster Kaisheim bei Donauwörth ausging, noch bevor Kaiser Ferdinand II. mit seinem Restitutionserlass derartige Praktiken in großem Stil anschob. Mit dem Sieg Gustav Adolfs bei Breitenfeld erledigte sich die Sache für Norddeutschland und Walkenried relativ schnell. Der wieder abziehende katholische Konvent nahm freilich einige Dinge mit, darunter den bekannten „Walkenrieder Altar“. Was sich in dieser kurzen Zeit, aber aufregenden Zeit in Walkenried abspielte, ist durchaus interessant und wurde jüngst von Fritz Reinboth auch anhand verschiedener, im Staatsarchiv Wolfenbüttel lagernder Originalberichte beider Seiten analysiert. Evangelische und Katholische Vertreter teilen darin kräftig aus und sparen auch nicht mit Seitenhieben, man erfährt aber auch viel über den Zustand des Klosters in der Mitte des Dreißigjährigen Krieges.

Über seine Forschungsergebnisse wird Fritz Reinboth am Mittwoch, den 28.10.2015 ab 15:00 Uhr in der Gemeindebücherei von Walkenried berichten und dabei auch einige Dokumente und die handelnden Personen auf oberer und unterer Ebene vorstellen. Gäste sind wie immer herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.

Die letzten Zisterzienser

Mönch begrüßt nun auch Gäste aus Richtung Ellrich

„Das ist unser kleiner Beitrag zum Wiedervereinigungs-Jubiläum“ sagt Michael Reinboth, Vorsitzender des Vereins „Wir Walkenrieder“, und freut sich über die gelungene Aufstellung des dritten Begrüßungsmönchs, der ab sofort in der Ellricher Straße Gäste begrüßt, die aus Richtung Ellrich kommen – ob mit dem Auto, mit dem Fahrrad oder wie am 3. Oktober weitgehend zu Fuß.

Begrüßungsmönch

Der Mönch war noch im Fundus des Vereins vorhanden und stammt aus den übernommenen Beständen des ehemaligen Kur- und Verkehrsvereins. Die beiden anderen Mönche stehen am Freizeitzentrum und in der Bahnhofstraße. Die Aufstellung erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Grundstückseigentümers und wurde mit der Gemeinde, „Licht & Kraft“ sowie der Straßenbauverwaltung abgestimmt. Die Aktiven des Vereins sorgten nun für eine fachgerechte Aufstellung und werden dieses wie die beiden anderen Schilder auch betreuen. Material für einen vierten Mönch habe man, so Reinboth, noch auf Lager. „eigentlich fehlt noch ein Gruß aus Richtung Wiedigshof – schauen wir mal“. Gleich hinter dem neuen Mönch weisen übrigens Harzklub-Schilder auf die Wanderwege in der Aue hin, die sich von den Forstarbeiten der Vergangenheit nur mühsam erholen. Dort wollen die „Walkenrieder“ im Herbst tätig werden und die Beschilderung komplett überarbeiten.

Als Walkenried wieder katholisch werden sollte

1546 wurde im Kloster Walkenried im Einvernehmen mit den damaligen Schutzherren der protestantische Ritus eingeführt. Nach Zustandekommen des Augsburger Religionsfriedens 1555 wurde diese Umwandlung 1556 in einer Synode bestätigt und zugleich die Klosterschule eingerichtet. Rund 70 Jahre später sollte im Rahmen der während des Dreißigjährigen Krieges von Kaiser Ferdinand II. vorangetriebenen „Restitution“ auch das Walkenrieder Kloster wieder katholisch werden. 1629 wurde, nachdem die protestantischen Fürsten und Heerführer weitgehend besiegt waren, das entsprechende Edikt erlassen, welches einen klaren Bruch der Verträge von Passau und Augsburg darstellte. Die Proteste des damaligen Schutzherren, Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Lüneburg, gegen diese Entwicklung blieben wirkungslos. Erst der Sieg des Schwedenkönigs Gustav Adolf in der Schlacht von Breitenfeld 1631 beendete den Versuch; die in der Zwischenzeit eingesetzten, aus Kaisheim bei Donauwörth stammenden Mönche und ihr Abt Christoph Kölich flohen – unter Mitnahme des berühmten „Walkenrieder Altars“ von Hans Raphon, der sich seither in Prag befindet und dessen mit viel Geld angeschaffte Kopie in einem Hinterzimmer des Klosters derzeit ein trauriges Schattendasein führt.

Fritz Reinboth ist dieser nur zwei Jahre währenden Episode nachgegangen und hat sie anhand von Akten des Staatsarchivs Wolfenbüttel und anderer Quellen aufbereitet. Es ist interessant, die unterschiedlichen Berichte von protestantischer und katholischer Seite zu lesen, die in dieser Zeit verfasst wurden. Der evangelische Prior des Klosters Hildebrand blieb nämlich so lange wie möglich vor Ort und berichtete nach Wolfenbüttel, während der für die Restitution verantwortliche Kommissar Mager seinerseits seine Vorgesetzten auf dem Laufenden hielt. Es gelang ihm nicht, den „Walkenrieder Hof“ in Nordhausen in seinen Besitz zu bringen, und auch anderswo wurde hinhaltend Widerstand geleistet. Da die vier Mönche aus Kaisheim über keine Ortskenntnisse verfügten, kam es zeitweise zu der etwas merkwürdigen Situation, dass der evangelische Prior für den katholischen Abt die Ökonomie des Klosters weiter führte.

Es ist das Verdienst von Fritz Reinboth, die für den Zeitraum von 1629 bis 1631 vorhandenen Originaldokumente aufgespürt und so bearbeitet zu haben, dass wir heutigen Leser problemlos damit zurechtkommen und uns in die etwas wirre Zeit mitten im Dreißigjährigen Krieg einlesen können. Norddeutschland blieb nach der Breitenfelder Schlacht von weiteren Restitutionsversuchen verschont. Insoweit ist der Titel der Schrift „Die letzten Zisterzienser in Walkenried“ zutreffend – wer weiß, wie die Entwicklung verlaufen wäre, wenn die Rekatholisierung geglückt wäre? Ob dann in Walkenried ein barocker Prachtbau oder doch wenigstens eine gediegene barocke Innenausstattung einer reparierten Klosterkirche entstanden wäre? Christoph Kölich jedenfalls floh über Prag bis ins württembergische Lichtenstern bei Heilbronn, wo er 1634 ein ebenfalls rekatholisiertes Kloster übernahm, aber schon 1636 verstarb.

Die kleine, 40 Seiten umfassende Schrift ist beim Verein für Heimatgeschichte in Walkenried zum Preis von 4,00 € zu erwerben.

Die letzten Zisterzienser

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