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Zisterzienser

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Walkenrieder Enkel und Urenkel in Schlesien

Um verwandtschaftliche Beziehungen besonderer Art geht es beim nächsten Vortrag des Vereins für Heimatgeschichte in Walkenried, der am Mittwoch, den 26.10. ab 15.00 Uhr in den Räumen der Walkenrieder Gemeindebücherei angeboten wird.

Lubiaz

Die große Zisterzienserabteil Leubus (Lubiaz) an der Oder (Bild) ist eine Enkeltochter des Walkenrieder Klosters, denn sie wurde von der Walkenrieder Tochter Pforte (Schulpforta) aus besiedelt. Von diesem ersten Zisterziensterkloster in Schlesien wiederum wurden die Abteien Heinrichau (Henrykow) und Kamenz (Kamieniec Zabkowicki) gegründet sowie das berühmte Frauenkloster Trebnitz (Trzebnica), Grabstätte der Heiligen Hedwig, betreut. Von Heinrichau wiederum wurde die sehr bekannte Abteil Grüssau (Krzeszow) zu Füßen des Riesengebirges besiedelt. Die Grüssauer Zisterzienser wiederum unterhielten eine Probstei in Bad Warmbrunn (Cieplice) im Hirschberger Tal. Michael Reinboth hat alle diese Stätten aufgesucht und berichtet anhand von Bildern und Dokumenten über die Geschichte und den heutigen Status der Klöster und ihrer Umgebung. Da alle Abteien in Schlesien die Reformation überdauerten, sind sie heute in ihrer Bausubstanz weitgehend barock geprägt und haben damit ein durchweg anderes Aussehen als Walkenried, jedoch wirkt besonders in den Kirchen das zisterziensische Bauerbe noch deutlich nach.

Gäste sind zu diesem Vortrag herzlich willkommen, der Eintritt ist wie immer frei.

Vortrag in der Gemeindebücherei: Als das Kloster Walkenried wieder katholisch werden sollte

Nach den Beschädigungen, die es im Bauerkrieg erlitt, zerstreute sich der Konvent des Klosters Walkenried nicht zuletzt auch deswegen, weil die Reformation mit ihrem neuen Gedankengut das klösterliche Leben zunehmend unattraktiv machte. Letztlich wurden das Kloster und seine Schutzherren evangelisch. Es war aber immer noch bedeutend genug, um Ziel eines Rekatholisierungsversuches zu werden, der vom Kloster Kaisheim bei Donauwörth ausging, noch bevor Kaiser Ferdinand II. mit seinem Restitutionserlass derartige Praktiken in großem Stil anschob. Mit dem Sieg Gustav Adolfs bei Breitenfeld erledigte sich die Sache für Norddeutschland und Walkenried relativ schnell. Der wieder abziehende katholische Konvent nahm freilich einige Dinge mit, darunter den bekannten „Walkenrieder Altar“. Was sich in dieser kurzen Zeit, aber aufregenden Zeit in Walkenried abspielte, ist durchaus interessant und wurde jüngst von Fritz Reinboth auch anhand verschiedener, im Staatsarchiv Wolfenbüttel lagernder Originalberichte beider Seiten analysiert. Evangelische und Katholische Vertreter teilen darin kräftig aus und sparen auch nicht mit Seitenhieben, man erfährt aber auch viel über den Zustand des Klosters in der Mitte des Dreißigjährigen Krieges.

Über seine Forschungsergebnisse wird Fritz Reinboth am Mittwoch, den 28.10.2015 ab 15:00 Uhr in der Gemeindebücherei von Walkenried berichten und dabei auch einige Dokumente und die handelnden Personen auf oberer und unterer Ebene vorstellen. Gäste sind wie immer herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.

Die letzten Zisterzienser

Mönch begrüßt nun auch Gäste aus Richtung Ellrich

„Das ist unser kleiner Beitrag zum Wiedervereinigungs-Jubiläum“ sagt Michael Reinboth, Vorsitzender des Vereins „Wir Walkenrieder“, und freut sich über die gelungene Aufstellung des dritten Begrüßungsmönchs, der ab sofort in der Ellricher Straße Gäste begrüßt, die aus Richtung Ellrich kommen – ob mit dem Auto, mit dem Fahrrad oder wie am 3. Oktober weitgehend zu Fuß.

Begrüßungsmönch

Der Mönch war noch im Fundus des Vereins vorhanden und stammt aus den übernommenen Beständen des ehemaligen Kur- und Verkehrsvereins. Die beiden anderen Mönche stehen am Freizeitzentrum und in der Bahnhofstraße. Die Aufstellung erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Grundstückseigentümers und wurde mit der Gemeinde, „Licht & Kraft“ sowie der Straßenbauverwaltung abgestimmt. Die Aktiven des Vereins sorgten nun für eine fachgerechte Aufstellung und werden dieses wie die beiden anderen Schilder auch betreuen. Material für einen vierten Mönch habe man, so Reinboth, noch auf Lager. „eigentlich fehlt noch ein Gruß aus Richtung Wiedigshof – schauen wir mal“. Gleich hinter dem neuen Mönch weisen übrigens Harzklub-Schilder auf die Wanderwege in der Aue hin, die sich von den Forstarbeiten der Vergangenheit nur mühsam erholen. Dort wollen die „Walkenrieder“ im Herbst tätig werden und die Beschilderung komplett überarbeiten.

Als Walkenried wieder katholisch werden sollte

1546 wurde im Kloster Walkenried im Einvernehmen mit den damaligen Schutzherren der protestantische Ritus eingeführt. Nach Zustandekommen des Augsburger Religionsfriedens 1555 wurde diese Umwandlung 1556 in einer Synode bestätigt und zugleich die Klosterschule eingerichtet. Rund 70 Jahre später sollte im Rahmen der während des Dreißigjährigen Krieges von Kaiser Ferdinand II. vorangetriebenen „Restitution“ auch das Walkenrieder Kloster wieder katholisch werden. 1629 wurde, nachdem die protestantischen Fürsten und Heerführer weitgehend besiegt waren, das entsprechende Edikt erlassen, welches einen klaren Bruch der Verträge von Passau und Augsburg darstellte. Die Proteste des damaligen Schutzherren, Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Lüneburg, gegen diese Entwicklung blieben wirkungslos. Erst der Sieg des Schwedenkönigs Gustav Adolf in der Schlacht von Breitenfeld 1631 beendete den Versuch; die in der Zwischenzeit eingesetzten, aus Kaisheim bei Donauwörth stammenden Mönche und ihr Abt Christoph Kölich flohen – unter Mitnahme des berühmten „Walkenrieder Altars“ von Hans Raphon, der sich seither in Prag befindet und dessen mit viel Geld angeschaffte Kopie in einem Hinterzimmer des Klosters derzeit ein trauriges Schattendasein führt.

Fritz Reinboth ist dieser nur zwei Jahre währenden Episode nachgegangen und hat sie anhand von Akten des Staatsarchivs Wolfenbüttel und anderer Quellen aufbereitet. Es ist interessant, die unterschiedlichen Berichte von protestantischer und katholischer Seite zu lesen, die in dieser Zeit verfasst wurden. Der evangelische Prior des Klosters Hildebrand blieb nämlich so lange wie möglich vor Ort und berichtete nach Wolfenbüttel, während der für die Restitution verantwortliche Kommissar Mager seinerseits seine Vorgesetzten auf dem Laufenden hielt. Es gelang ihm nicht, den „Walkenrieder Hof“ in Nordhausen in seinen Besitz zu bringen, und auch anderswo wurde hinhaltend Widerstand geleistet. Da die vier Mönche aus Kaisheim über keine Ortskenntnisse verfügten, kam es zeitweise zu der etwas merkwürdigen Situation, dass der evangelische Prior für den katholischen Abt die Ökonomie des Klosters weiter führte.

Es ist das Verdienst von Fritz Reinboth, die für den Zeitraum von 1629 bis 1631 vorhandenen Originaldokumente aufgespürt und so bearbeitet zu haben, dass wir heutigen Leser problemlos damit zurechtkommen und uns in die etwas wirre Zeit mitten im Dreißigjährigen Krieg einlesen können. Norddeutschland blieb nach der Breitenfelder Schlacht von weiteren Restitutionsversuchen verschont. Insoweit ist der Titel der Schrift „Die letzten Zisterzienser in Walkenried“ zutreffend – wer weiß, wie die Entwicklung verlaufen wäre, wenn die Rekatholisierung geglückt wäre? Ob dann in Walkenried ein barocker Prachtbau oder doch wenigstens eine gediegene barocke Innenausstattung einer reparierten Klosterkirche entstanden wäre? Christoph Kölich jedenfalls floh über Prag bis ins württembergische Lichtenstern bei Heilbronn, wo er 1634 ein ebenfalls rekatholisiertes Kloster übernahm, aber schon 1636 verstarb.

Die kleine, 40 Seiten umfassende Schrift ist beim Verein für Heimatgeschichte in Walkenried zum Preis von 4,00 € zu erwerben.

Die letzten Zisterzienser

Führungen und Vorführungen zu Schmuck und Zier aus Stein im Walkenrieder Kreuzgang

(Pressemitteilung des ZisterzienserMuseums Kloster Walkenried zum HarzerKlosterSonntag am 31. August 2014)

Hoch über den Köpfen der Besucher breitet sich im Kreuzgang der gotischen Klosteranlage Walkenried der rund 750 Jahre alte Bauschmuck mit seinen Konsolen und Schlusssteinen aus. Diese kaum beachtete Bilderwelt der mittelalterlichen Mönche mit ihren Tier- und Pflanzenmotiven und den Spuren der Zeit erleben die Besucher am HarzerKlosterSonntag erstmals überhaupt bei einem Rundweg, der über den eigens aufgebauten Gerüststeg führt und die Bauzier auf Augenhöhe erleben lässt. Steinmetzmeister Dietrich aus Thüringen führt außerdem vor, wie der Schmuck dieses „Walkenrieder Schatzkästleins“ einst entstand. Alle Führungen sind nur am HarzerKlosterSonntag frei. Start ist jeweils um 10.00, 12.00 und 14.00 Uhr sowie nach Voranmeldung.

Noch bis zum 21. September 2014 lassen sich die Sonderführungen über den Steg buchen, auch außerhalb der Öffnungszeiten beim Besucherservice des ZisterzienserMuseums unter der Tel: 05525-9599064 oder unter info@kloster-walkenried.de. Weitere „Unbekannte Schatzkästlein“ am HarzerKlosterSonntag unter www.harzerklostersommer.de.

Klostersommer

Wie filigrane Broschen: 750 Jahre alte Schlusssteine im gotischen Kreuzgang Walkenried, beim Gang über den Gerüststeg besonders gut in Augenschein zu nehmen (Foto: Günter Jentsch, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried).

Klostersommer

Auf Augenhöhe mit den Besuchern: Vom 31. August bis 21. September 2014 lässt sich die mittelalterliche Bilderwelt der Walkenrieder Mönche bei Sonderführungen erleben (Foto: Günter Jentsch, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried).

Klostersommer

Steinmetzmeister Dietrich aus Thüringen führt vor, wie der Walkenrieder Bauschmuck einst entstand (Foto: Max Dietrich).

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