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Zisterzienser

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Als Walkenried wieder katholisch werden sollte

1546 wurde im Kloster Walkenried im Einvernehmen mit den damaligen Schutzherren der protestantische Ritus eingeführt. Nach Zustandekommen des Augsburger Religionsfriedens 1555 wurde diese Umwandlung 1556 in einer Synode bestätigt und zugleich die Klosterschule eingerichtet. Rund 70 Jahre später sollte im Rahmen der während des Dreißigjährigen Krieges von Kaiser Ferdinand II. vorangetriebenen „Restitution“ auch das Walkenrieder Kloster wieder katholisch werden. 1629 wurde, nachdem die protestantischen Fürsten und Heerführer weitgehend besiegt waren, das entsprechende Edikt erlassen, welches einen klaren Bruch der Verträge von Passau und Augsburg darstellte. Die Proteste des damaligen Schutzherren, Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Lüneburg, gegen diese Entwicklung blieben wirkungslos. Erst der Sieg des Schwedenkönigs Gustav Adolf in der Schlacht von Breitenfeld 1631 beendete den Versuch; die in der Zwischenzeit eingesetzten, aus Kaisheim bei Donauwörth stammenden Mönche und ihr Abt Christoph Kölich flohen – unter Mitnahme des berühmten „Walkenrieder Altars“ von Hans Raphon, der sich seither in Prag befindet und dessen mit viel Geld angeschaffte Kopie in einem Hinterzimmer des Klosters derzeit ein trauriges Schattendasein führt.

Fritz Reinboth ist dieser nur zwei Jahre währenden Episode nachgegangen und hat sie anhand von Akten des Staatsarchivs Wolfenbüttel und anderer Quellen aufbereitet. Es ist interessant, die unterschiedlichen Berichte von protestantischer und katholischer Seite zu lesen, die in dieser Zeit verfasst wurden. Der evangelische Prior des Klosters Hildebrand blieb nämlich so lange wie möglich vor Ort und berichtete nach Wolfenbüttel, während der für die Restitution verantwortliche Kommissar Mager seinerseits seine Vorgesetzten auf dem Laufenden hielt. Es gelang ihm nicht, den „Walkenrieder Hof“ in Nordhausen in seinen Besitz zu bringen, und auch anderswo wurde hinhaltend Widerstand geleistet. Da die vier Mönche aus Kaisheim über keine Ortskenntnisse verfügten, kam es zeitweise zu der etwas merkwürdigen Situation, dass der evangelische Prior für den katholischen Abt die Ökonomie des Klosters weiter führte.

Es ist das Verdienst von Fritz Reinboth, die für den Zeitraum von 1629 bis 1631 vorhandenen Originaldokumente aufgespürt und so bearbeitet zu haben, dass wir heutigen Leser problemlos damit zurechtkommen und uns in die etwas wirre Zeit mitten im Dreißigjährigen Krieg einlesen können. Norddeutschland blieb nach der Breitenfelder Schlacht von weiteren Restitutionsversuchen verschont. Insoweit ist der Titel der Schrift „Die letzten Zisterzienser in Walkenried“ zutreffend – wer weiß, wie die Entwicklung verlaufen wäre, wenn die Rekatholisierung geglückt wäre? Ob dann in Walkenried ein barocker Prachtbau oder doch wenigstens eine gediegene barocke Innenausstattung einer reparierten Klosterkirche entstanden wäre? Christoph Kölich jedenfalls floh über Prag bis ins württembergische Lichtenstern bei Heilbronn, wo er 1634 ein ebenfalls rekatholisiertes Kloster übernahm, aber schon 1636 verstarb.

Die kleine, 40 Seiten umfassende Schrift ist beim Verein für Heimatgeschichte in Walkenried zum Preis von 4,00 € zu erwerben.

Die letzten Zisterzienser

Führungen und Vorführungen zu Schmuck und Zier aus Stein im Walkenrieder Kreuzgang

(Pressemitteilung des ZisterzienserMuseums Kloster Walkenried zum HarzerKlosterSonntag am 31. August 2014)

Hoch über den Köpfen der Besucher breitet sich im Kreuzgang der gotischen Klosteranlage Walkenried der rund 750 Jahre alte Bauschmuck mit seinen Konsolen und Schlusssteinen aus. Diese kaum beachtete Bilderwelt der mittelalterlichen Mönche mit ihren Tier- und Pflanzenmotiven und den Spuren der Zeit erleben die Besucher am HarzerKlosterSonntag erstmals überhaupt bei einem Rundweg, der über den eigens aufgebauten Gerüststeg führt und die Bauzier auf Augenhöhe erleben lässt. Steinmetzmeister Dietrich aus Thüringen führt außerdem vor, wie der Schmuck dieses „Walkenrieder Schatzkästleins“ einst entstand. Alle Führungen sind nur am HarzerKlosterSonntag frei. Start ist jeweils um 10.00, 12.00 und 14.00 Uhr sowie nach Voranmeldung.

Noch bis zum 21. September 2014 lassen sich die Sonderführungen über den Steg buchen, auch außerhalb der Öffnungszeiten beim Besucherservice des ZisterzienserMuseums unter der Tel: 05525-9599064 oder unter info@kloster-walkenried.de. Weitere „Unbekannte Schatzkästlein“ am HarzerKlosterSonntag unter www.harzerklostersommer.de.

Klostersommer

Wie filigrane Broschen: 750 Jahre alte Schlusssteine im gotischen Kreuzgang Walkenried, beim Gang über den Gerüststeg besonders gut in Augenschein zu nehmen (Foto: Günter Jentsch, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried).

Klostersommer

Auf Augenhöhe mit den Besuchern: Vom 31. August bis 21. September 2014 lässt sich die mittelalterliche Bilderwelt der Walkenrieder Mönche bei Sonderführungen erleben (Foto: Günter Jentsch, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried).

Klostersommer

Steinmetzmeister Dietrich aus Thüringen führt vor, wie der Walkenrieder Bauschmuck einst entstand (Foto: Max Dietrich).

Das gibt’s nur am Welterbetag!

(Pressemitteilung des ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried)

Führungen und Familienprogramm des ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried zum UNESCO-WELTERBE-TAG am 1. Juni 2014

Die am Südharz gelegene gotische Klosteranlage Walkenried und ihr vielgelobtes ZisterzienserMuseum sind auch Erlebnisort für Familien, zum Beispiel am 1. Juni, dem UNESCO-WELTERBE-TAG. An diesem besonderen Tag sind bei regulärem Eintritt alle Programme und Führungen im ZisterzienserMuseum kostenfrei und ohne Voranmeldung. Die Klosteranlage ist Teil des UNESCO-Welterbes Oberharzer Wasserwirtschaft und die Mönche, einst mit guten Geschäftsbeziehungen zum Oberharz und Rammelsberg, gelten als Väter der Oberharzer Wasserwirtschaft.

Die Welterbeführung durch historische Mauern und modernes Museum, die auch die Erkundung der gotischen Kirchenruine einschließt, startet um 11.30 Uhr und um 14 Uhr. Schon ab 10 Uhr werden die pfiffige KlosterRallye angeboten und in der Schreibstube Briefe auf Pergament geschrieben und gesiegelt. Und wie einst die Mönche früher finden Spürnasen am Welterbetag sogar Erz und Glitzerstein im Kloster. Mit dem neuen KinderAudioGuide, einem Hörspiel to go, tauchen nicht nur junge Entdecker ein ins Mittelalter, wenn Mönch Conni und die freche Maus Mathilde durch ihr Kloster führen.

Parkplatz am Museum, KlosterCafé mit Mittagstisch, weitere Infos beim Besucherservice unter Tel: 05525-95990 und http://www.kloster-walkenried.de.

Mittelalterliche Bleibarren

Nur am Welterbetag geöffnet: die Montan-Vitrine mit mittelalterlichen Kupfer- und Bleibarren aus Walkenrieder Kloster-Produktion (Foto: Günter Jentsch, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried).

Zwei Klöster und eine Mühle…

…standen auf dem Programm der Frühjahrsfahrt des Vereins für Heimatgeschichte Walkenried/Bad Sachsa. Zunächst ging es mit dem Bus über den Harz und Halberstadt hinauf in den Huy zum Benediktinerkloster Huysburg, wo die Gruppe unter fachlicher Anleitung des Priors der Abtei die Klosterkirche und Teile der Klausur mit dem romanischen Refektorium kennenlernen und anschließend noch am Mittagsgebet des Konvents teilnehmen konnte, bevor im barocken „Kaisersaal“ des Gästehauses zu Mittag gegessen wurde.

Huysburg

Das romanische Refektorium der Huysburg.

 

Das Auf und Ab in der Geschichte der alten Abtei spiegelt sich natürlich auch in den Bauwerken der weitläufigen Anlage wider. Die romanische Klosterkirche wurde innen barockisiert, ihre beiden Türme erhielten in gotischer Zeit zwei spitze Turmhelme. Die meisten Bauten ringsum entstammen der Barockzeit, als es mit dem Kloster nach den Wirren des 30jährigen Krieges wieder bergauf ging. Seit 1972 einziges Benediktinerkloster der DDR und bis 1993 Priesterseminar, bietet die Abtei heute viele Kurse und Seminare für Gäste und Gruppen an. Sowohl das Kloster als auch die herrliche Landschaft des Huy mit sehr seltenen Pflanzen, der Daneilshöhle und den „Gletschertöpfen“ lohnen einen Besuch.

Das gilt auch für die „Kuckucksmühle“ in Huy-Neinstedt, die sich liebevoller Pflege ihrer privaten Besitzer erfreut und an bestimmten Tagen wie dem „Mühlenfest“ auch für jedermann zugänglich ist. Der Geschichtsverein wurde überaus freundlich empfangen und fachkundig mit dem Betrieb einer Wassermühle und dem Müllerhandwerk vertraut gemacht. Im Umfeld befinden sich übrigens noch zwei Bockwind- und eine weitere Wassermühle, so dass man das nördliche Vorland des Huy hinüber zum „Großen Bruch“ durchaus als kleine Mühlenlandschaft bezeichnen kann.

Kuckucksmühle

Im Hof der „Kuckucksmühle“ bei Huy-Neinstedt.

 

Nach dem Rundgang durch die Mühle ging es über den Huy mit prachtvollen Ausblicken hinüber zum Harz mit dem Brocken zurück nach Halberstadt, wo zum Abschluss noch die Kirche des ehemaligen Nonnenklosters St. Burchardi wartete. Das architektonisch ausgesprochen bemerkenswerte Bauwerk verkam nach der Klosteraufhebung zusehends und erlebte nach der Wende eine Wiederauferstehung, als man beschloss, im Kloster die Orgel-Klanginstallation „As slow as possible“ von John Cage zu installieren und in den kommenden mehr als 300 Jahren abzuspielen. Im Kirchenraum erklingt über Jahre hinweg immer der gleiche Ton. 2020 wird auf den nächsten Ton gewechselt. Auch wenn die Installation selbst nicht bei allen Teilnehmern Begeisterung auslöste, hat sie doch dazu beigetragen, der ansonsten ungenutzten Kirche wieder einen Sinn zu geben. Cages Installation – die er selbst übrigens gar nicht mehr erlebt hat – soll zum Nachdenken über den Begriff „Zeit“ anregen. Darob geht der höchst bemerkenswerte rechteckige Chorumgang etwas unter, der aber den Reiz des ansonsten eher unscheinbaren Bauwerks ausmacht. Aufgrund einer eher unglücklichen Grundstücksaufteilung kann man den Chor von außen nicht bzw. nur mit sehr großem Umweg in Augenschein nehmen. Die noch nach der Wende, freilich in schlechtem Zustand, vorhandene typische Nonnenempore fiel übrigens wenig gelungenen Sanierungsarbeiten zum Opfer.

So war denn für jeden Geschmack etwas geboten, und Stoff zum Nachdenken gab es allemal. Genau dies war auch Zweck der Übung, denn jede Stätte kann für sich wieder aufgesucht werden. Den einen zieht es in den schönen Huy, den anderen zu John Cage, und wieder andere vertiefen sich in das Müllerhandwerk mit seinen Besonderheiten. Die Resonanz auf das Programm war denn auch positiv. Aber der Verein für Heimatgeschichte muss sich auf seine Kernaufgaben konzentrieren und wird Fahrten wie diese nur noch maximal ein Mal pro Jahr organisieren können. Letztlich muss man auch dem steigenden Durchschnittsalter der Mitglieder und Teilnehmer Tribut zollen

Burchardikirche

In der Burchardikirche. Vor uns der rechteckige Chorumgang, eine absolute Besonderheit in unseren Breiten.

Kloster im Kerzenschein mit Harzer Kniesteressen

(Pressemitteilung des ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried)

Das Abendhighlight im ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried für Einzelbesucher, Familien und Reisegruppen: Der stimmungsvolle Rundgang beginnt nach Einbruch der Dunkelheit vor der beeindruckenden Kulisse der gotischen Kirchenruine. Umhüllt von Dunkelheit und Kühle des mittelalterlichen Kreuzgangs, eingetaucht in das warme Licht hunderter Kerzen, erfahren die Besucher sodann von den Geschicken der Walkenrieder Gottesmänner und der Geschichte ihres Klosters. Spannend auch für Kinder.

Nach diesem einmaligen Erlebnis von rund 45 minütiger Dauer erwartet die Gäste das Team vom KlosterCafé mit einem herzhaften Kniesteressen, das im Refektorium, dem einstigen Speisesaal der Mönche, gereicht wird. Dieses Abendhighlight ist buchbar im KlosterCafé unter klostercafe-walkenried@t-online.de oder unter Tel 05525-208979 dienstags bis sonntags von 11 – bis 17 Uhr.

Die nächsten Führungen noch am Mittwoch, 29. Januar, Freitag, 31. Januar und Samstag, 1. Februar sowie weitere Termine im Februar, März und April. Alle aktuellen Termine auch unter www.kloster-walkenried.de einsehbar.

Kerzenschein

Im Kerzenlicht: Der gotische Kreuzgang der mittelalterlichen Klosteranlage Walkenried, Foto: Günter Jentsch, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried.

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