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Michael Reinboth

Michael Reinboth hat geschrieben 751 Beiträge für Walkenrieder Nachrichten

Kultur und Kulinarik im Kloster Walkenried

(von Annette Behnk, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried)

Vom 28. Januar bis 12. Februar lädt der Harzer Tourismusverband zum mittlerweile 15. Harzer KulturWinter ein und begeistert auch in diesem Jahr mit einer magischen Veranstaltungsvielfalt.

Im ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried zählen dazu die „zauberhaften“ Führungen im Kerzenschein, die in Kombination mit dem berühmten Harzer Kniesteressen ein besonderes Erlebnis versprechen. Wandeln Sie bei einem geführten Rundgang im Schein hunderter Kerzen durch den einzigartigen gotischen Kreuzgang, der einst nur den Mönchen vorbehalten war, und erfahren Sie Spannendes und Wissenswertes über Leben und Wirken der Walkenrieder Gottesmänner.

Im Refektorium, dem ehemaligen Speiseraum der Mönche, erwartet Sie anschließend eine Speisetradition aus alter Zeit: das Harzer Kniesteressen. Auf dem Blech gebackene Kartoffeln, dazu frischer Kräuterquark, Harzer Käse, eingelegtes Sauergemüse, Suppe und Kraut, hausgebackenes Klosterbrot und cremige Sauerrahmbutter – ein Genuss!

Termine: 28.1., 29.1., 3.2., 4.2., 10.2. und 11.2., jeweils um 17 Uhr.

Das Angebot kostet 31 Euro pro Person, Kinder bis 12 Jahren zahlen 19 Euro (Mindestalter 10 Jahre). Eine Anmeldung ist spätestens drei Tage vorher unter info@kloster-walkenried.de oder 05525/95 99 064 erforderlich, da es eine begrenzte Teilnehmerzahl sowie eine Mindestteilnehmerzahl gibt.

Führung im Kerzenschein © Günter Jentsch

Jahresabschluss der DLRG Ortsgruppe Walkenried – Spende vom Harzer Hexentrail offiziell übergeben

(von Sven Ludwig, DLRG Walkenried)

Am Freitag, den 16. Dezember fand der diesjährige Jahresabschluss der DLRG Ortsgruppe Walkenried statt. Bevor hierbei der geplante Filmabend startete, gab es noch eine feierliche Spendenübergabe:

Beim diesjährigen Harzer Hexentrail am 10. September sind die „Walkenrieder Klosterwalker“ für die DLRG Ortsgruppe gelaufen. Ditmar Sohns, Sprecher Gruppe berichtete bei der Übergabe über die Historie der „Klosterwalker“. Diese laufen seit 15 Jahren. Zunächst waren sie beim Oxfam Trailwalker dabei, welcher später durch den Hexentrail abgelöst wurde. Dass sie diesmal für die DLRG laufen sei bei den Sponsoren und allgemein im ganzen Ort gut angekommen. Man habe die Wichtigkeit der Schwimmausbildung für Kinder erkannt und sich daher für die DLRG entschieden, so Sohns weiter. Bei der Spendensammlung ist eine Summe von 1550 Euro zusammengekommen. Leider gab er zugleich die Auflösung der Gruppe bekannt und bedankte sich bei seinen Mitläufern Andreas Gloger, Klaus Lamm, Dirk Schlegel und Uwe Stricker.

Tom Täubert, Vorsitzender der DLRG Ortsgruppe Walkenried bedankte sich für die Spende. Ein großer Dank gelte hier natürlich auch den Sponsoren. Er berichtete weiter, dass die Ortsgruppe im Verlaufe des Jahres auf 470 Mitglieder angewachsen ist. Das Schwimmtraining findet an 4 Tagen in der Woche statt. Dies ist nur möglich durch die gute Zusammenarbeit mit den Inhabern des Kanus Hallenbades. Das Geld wird zum Nutzen der Jugend verwendet werden. Neben dem Schwimmtraining sind im kommenden Jahr auch weitere Aktivitäten für die Jugend geplant.

Nach einem traditionellen Weihnachtsfilm öffnete der Leiter der Verbandskommunikation, Sven Ludwig, noch sein Fotoarchiv. Neben einem Jahresrückblick konnte auch mit Fotos älterer Jahrgänge in Erinnerungen geschwelgt werden.

Die Vorsitzenden mit den „Walkenrieder Klosterwalkern“: Gabriele Miche (2. Vorsitzende der DLRG Ortsgruppe Walkenried), Andreas Gloger, Dirk Schlegel, Uwe Stricker, Ditmar Sohns, Tom Täubert (Vorsitzender der DLRG Ortsgruppe Walkenried), Foto: Sven Ludwig/DLRG.

Die perfekte Geschenkidee: Gutscheine für Führungen im Kerzenschein

(von Annette Behnk, ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried)

Der eindrucksvolle Kreuzgang der gotischen Klosteranlage Walkenried entfaltet in den Abendstunden seinen speziellen Zauber – insbesondere bei einer Führung im Schein hunderter Kerzen.

Für alle, die für ihre Liebsten noch ein Weihnachtsgeschenk benötigen, ist ein Gutschein für eine Führung im Kerzenschein eine schöne Geschenkidee für ein eimaliges Erlebnis. Die Gutscheine sind an der Kasse des ZisterzienserMuseums Kloster Walkenried zu den Öffnungszeiten erhältlich (mittwochs bis sonntags, 10 bis 17 Uhr) und kosten 11 € pro Person. Also auch noch als Last Minute-Geschenk ideal!

Umhüllt von Dunkelheit und Kühle des mittelalterlichen Kreuzgangs, eingetaucht in das warme Licht Hunderter Kerzen, erfahren die Besucherinnen und Besucher bei der Führung von der bewegten Geschichte der Walkenrieder Gottesmänner und ihres Klosters.

Termine für die Führungen sind im Veranstaltungskalender unter http://www.kloster-walkenried.de zu finden. Eine Voranmeldung ist spätestens einen Tag vorher unter info@kloster-walkenried.de oder 05525 95 99 064 erforderlich. Außerdem sind für Gruppen individuelle Termine buchbar.

Tipp: An ausgewählten Terminen werden im Januar Führungen im Kerzenschein mit einem anschließenden typischen Harzer Kniesteressen im ehemaligen Speiseraum der Mönche angeboten (7.1., 28.1. und 29.1., jeweils um 17 Uhr).

Gutschein Führungen im Kerzenschein © ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried, A. Behnk

Ortsrat Walkenried traf sich zu Begehung und Sitzung: Unterhaltungsrückstand bei Kleingewässern muss dringend abgebaut werden

(von Michael Reinboth)

Vor die eigentliche Sitzung des Ortsrats hatte dieser auf Anregung von Steffen Blau zu einer Begehung der Breitenbach von der Albrecht-Meier-Hütte bis zur Einfahrt der Spedition Will geladen. Wie sich zeigte, keineswegs vergeblich, denn eine nähere Betrachtung des Gewässers zeigte zahlreiche Kolke und Unterspülungen, die sich zum Teil bereits bedenklich der Landstraße Walkenried – Zorge nähern. Stellweise ist der Hang aufgeweicht und sogar unterspült. Das Bett der Breitenbach muss in diesem Abschnitt zeitnah saniert werden. Bürgermeister Lars Deiters will sich hierzu alsbald mit der Straßenbaubehörde in Verbindung setzen und lässt zudem prüfen, ob die Sanierung nicht auch mit Mitteln des Hochwasserschutzes gefördert werden kann.

Sandsteg nicht mehr über 2023 hinaus zu erhalten

Wieder in beheizten Räumen angekommen, gedachte man mit einer Schweigeminute der früheren Ratsfrau Ruth Monicke, auf die viele Dinge in und um Walkenried zurückgeführt werden können. Danach ging es sogleich mit den schlechten Nachrichten weiter. Der „Sandsteg“ über die Wieda ist, wie eine Überprüfung ergab, in äußerst schlechtem Zustand. Um ihn wenigstens für 2023 verkehrssicher zu erhalten, wird die Gemeinde hierfür 2.500 Euro aufwenden. Die Kosten für einen Neubau werden auf über 100.000 Euro geschätzt – völlig ausgeschlossen, dass dies über den Gemeindeetat finanzierbar ist. Die Ratsmitglieder wiesen auf die Bedeutung des Stegs für das Erreichen des Einkaufsmarktes und das Wanderwegenetz hin. Ortsbürgermeister Reinboth will versuchen, eine Lösung analog zum „Langen Steg“ zu finden, wo mittels Sponsoren und freiwilliger Leistungen die Kosten massiv gesenkt werden konnten.

Dank an Walkenrieder Vereine und mithelfende Bürgerinnen und Bürger

Keine schönen Nachrichten zum Jahresende also. Hinzu kommt der Großbrand in der Karl-Genzel-Straße, der drei Mietparteien obdachlos hinterlässt. Hierzu konnte Bürgermeister Deiters aber berichten, dass alle vorläufig untergekommen seien und man seitens der Gemeinde auch Wohnungen nachgewiesen habe.

Gleichwohl konnte der Ortsrat für 2022 feststellen, dass trotz aller Hindernisse einige Themen angepackt oder weiter betrieben werden konnten: Der Kiosk am Priorteich wird wieder bewirtschaftet, am Geiersberg haben die Arbeiten zur Sanierung und Umgestaltung begonnen, das Wegenetz rund um den Ort und die Klosterteiche sind gut gepflegt, und mit Kloster- und Weihnachtsmarkt konnten wieder zwei sehr gut besuchte Veranstaltungen stattfinden. Dies alles war und ist nur möglich, weil sich die Walkenrieder Vereine weiter sehr stark in die Arbeit einbringen und auch viele nicht vereinsgebundene Bürgerinnen und Bürger mit zupacken. Der Ortsbürgermeister sprach im Namen des gesamten Ortsrats allen ein herzliches Dankeschön aus: Den „Wir Walkenriedern“, dem VNK, den Sportfischern, aber auch allen anderen, die durch ihre Aktivitäten den Ort lebens- und liebenswert machen.

Der „Zebrastreifen“ lässt noch auf sich warten

Leider konnte ein Thema, bei dem sich der Ortsrat sehr stark eingebracht hat, noch nicht als „erledigt“ abgehakt werden. Die Wiedereinrichtung des Fußgängerüberwegs in Höhe der Einmündung Turmstraße/Lindenweg lässt leider weiter auf sich warten – ärgerlich gerade in der dunklen Jahreszeit. Doch ist der Bau beschlossene Sache, und auch die Finanzen sind geklärt. Man wird immer wieder nachhaken, doch Bürgermeister Deiters ist sich sicher, dass der Überweg im Frühjahr fertig wird.

Klare Forderungen zum Verkauf gemeindeeigener Immobilien

Ein wesentlicher Punkt der Sitzung war die Stellungnahme des Ortsrats zum beabsichtigten Verkauf von gemeindeeigenen Immobilien. Man habe, so Michael Reinboth, das Thema im Vorfeld ausführlich erörtert. Der Jugendklub Am Kronenberg soll auf alle Fälle erhalten werden, da er sich als Treffpunkt der Jugendlichen aus der ganzen Gemeinde bewährt hat und die Jugendlichen auch selbst mit anpacken, wenn es um Arbeiten dort geht. Was die alte Grundschule Geiersberg betrifft, so fordert der Ortsrat vor einem Verkauf eine enge Zusammenarbeit mit den heutigen Nutzern der Räume, den Nachweis vergleichbarer Unterbringungsmöglichkeiten in anderen gemeindeeigenen Immobilien und die Unterstützung bei eventuellen Umzügen. Man wolle, so Reinboth, sich den Notwendigkeiten nicht entziehen, jedoch müsse das vielfältige Engagement der Bücherei, des Kirchenladens, des Ortsarchivs und der Ausstellung sowie des Spielmannszuges gewürdigt und weiter gefördert werden. Das schließt freilich eine Überprüfung des Raumbedarfs durch die Nutzer nicht aus. „In der alten Grundschule herrscht Leben, sie ist Anlaufstelle für viele – diese Funktion für den Ort Walkenried muss weiter bestehen bleiben.“ Der Ortsrat Walkenried fordert ferner, dass dieselben Überlegungen zum Raumbedarf auch in Wieda und Zorge angestellt werden. So könne man sich durchaus eine Bücherei für alle drei Orte mit entsprechenden Ausleihtagen vor Ort vorstellen. Auch die Heimatkundler in den drei Orten sollten die Köpfe zusammenstecken.

Spätanbindung an Göttingen bleibt auf der Agenda

Die Verwaltung hat das vom Ortsrat angesprochene Thema einer Spätanbindung im ÖPNV an Göttingen analog zu allen anderen Kommunen im Altkreis (außer Bad Sachsa, das die „Grenznähe“ mit Walkenried teilt) umgehend an den Landkreis weitergeleitet. Lars Deiters konnte vermelden, dass man sich dort auch bereits mit der Sache befasse. Am Tag nach der Sitzung traf freilich ein Schreiben aus Göttingen ein, wonach eine schnelle Lösung als nicht machbar bezeichnet wird. Immerhin: Man lehnt die Sache nicht grundsätzlich ab. Also hat der Ortsrat bereits wieder einen Punkt für die nächste Sitzung, denn das Thema, so Reinboth, bleibe so lange auf der Agenda, bis es gelöst sei: „Eine gute Anbindung an den ÖPNV ist wesentlicher Bestandteil der Attraktivität der Gemeinde.“

Zwischen Isergebirge und Südharz: Ruth Monicke lebte für zweimal Heimat

Ruth Monicke hat sich auf ihre Art von ihren Freunden und Bekannten verabschiedet. Still hat sie sich von dieser Welt zurückgezogen. Das passt eigentlich so gar nicht zu ihr, deren Engagement für ihre alte Heimat sich bis zuletzt in Taten und Worten niederschlug und die in ihrer neuen Heimat zahlreiche Pflöcke eingerammt hat und sich hierbei gegen zum Teil erhebliche Widerstände durchsetzen musste.

„Heimat“ gibt es nur in der Einzahl. Ruth Monicke hatte aber zwei „Heimaten“, denn obwohl sie schon als Kind aus Schreiberhau, dem Ort zwischen Iser- und Riesengebirge, flüchten musste, hat sie, nachdem dies wieder möglich war, unermüdlich für Szklarska Poreba gearbeitet, Kontakte geknüpft, Projekte wie die Wiederherstellung des Nieder-Schreiberhauer Friedhofs oder der dortigen Kirchenuhr gefördert, ganz ohne Ressentiments und hochgeachtet von ihren polnischen Gesprächspartnern und Freunden. Zuletzt, als das Reisen nicht mehr ging, blieben das Schreiben und die Kontaktpflege über das Netz. Man konnte sich mit ihr wunderbar über die Schönheiten der beiden Gebirge, die Vorzüge von Schreiberhau oder über Carl und Gerhart Hauptmann unterhalten – den berühmten Nobelpreisträger hat sie als kleines Kind noch als Nachbarn kennengelernt. Ihre beiden Brüder huldigten schon in Schreiberhau dem Wintersport und wurden im Harz bekannte Skispringer.

In Walkenried mit der Familie Weichert angekommen, hatte sie es, wie alle Flüchtlinge, keineswegs einfach. Ein roter Teppich wurde ihnen ja nicht ausgerollt. Oft hat sie über ihre schwere erste Zeit erzählt – was sie nicht daran gehindert hat, zusammen mit dem Ur-Walkenrieder Gerhard Henze alles über die hiesige Geschäftswelt der Jahre 1945 bis 1950 zusammenzutragen und zu publizieren. Walkenried wurde ihr zur wirklichen zweiten Heimat, für die sie sich mit zunehmendem Alter immer stärker engagierte. Als erste Frau wurde sie in den Walkenrieder Gemeinderat gewählt und hinterließ hier Spuren, die bis heute deutlich sichtbar sind. Dazu zählen ihr Engagement für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger, für die sie „Nah dran“ ins Leben rief und zahlreiche Referenten nach Walkenried holte, und ihre langjährige Tätigkeit als Leiterin der Gemeindebücherei, wo sie unermüdlich vor allem um Kinder als Leser bemüht war. Sie war durchaus hartnäckig und streitbar: Als die Gemeinde kein Geld mehr für die Bücherei bewilligen mochte, zog sie von einem zum anderen Tag einen Schlussstrich.

Unvergessen auch ihre Bemühungen um die Wiederaufnahme des Personenzugverkehrs zwischen Walkenried und Ellrich. Ihr Schriftwechsel hierzu füllt Ordner, die Antworten der diversen Politiker, die zwar in Sonntagsreden die Einheit beschworen, aber zu Taten nicht in der Lage waren, hätten jede andere Person verzweifeln lassen. Sie nicht. Sie machte einfach weiter, gewann Mitstreiter, wusste zuletzt die Eisenbahngewerkschaft hinter sich. Und saß in einem der ersten Züge, die am 12.11.1989 tatsächlich wieder fuhren.

Von unschätzbarem Wert für Walkenried war ihr Kampf um die Sanierung der Klosterteiche. Dass diese sich heute in gutem Zustand präsentieren, ist zweifellos ihr Verdienst. Ihre Beharrlichkeit, ihr ständiges Drängen und Vorsprechen bei den Behörden und Ministerien, ihr Behauptungswille gegen vielerlei Widerstände hat sich für den Klosterort ausgezahlt.

Vor allem jedoch griff sie ein Thema auf, welches in Walkenried gern verdrängt wurde. Die „Juliushütte“ und das dortige KZ wurden – aus der Überzeugung heraus, dass man immer und immer wieder daran erinnern muss, um eine Wiederholung für alle Zukunft zu vermeiden – ihr großes Thema, für das sie sich mit allen anlegte, die ihr diesbezüglich in die Quere kamen. Und das waren nicht wenige: Ewig-Gestrige waren darunter, aber vor allem Menschen, die den Namen Walkenried nicht im Zusammenhang mit dem KZ Juliushütte sehen wollten. Ihnen kam über viele Jahre hinweg die Nähe des Geländes zur Grenze gelegen. Ruth Monicke boxte schließlich die Aufstellung eines Gedenksteins auf Walkenrieder Gemarkung durch, knüpfte Kontakte zu ehemaligen Insassen, übersetzte deren Erinnerungen in die deutsche Sprache und drehte, nachdem die Grenze gefallen und das Gelände wieder vollständig verfügbar war, noch einmal richtig auf. Bis zuletzt nahm sie an der Entwicklung teil und freute sich über Aufräumaktionen und neue Hinweisschilder. Am Ende, so viel steht fest, hat sie sich durchgesetzt. Und das Aufwecken der Erinnerung an die schrecklichen Geschehnisse von 1944 und 1945 wird immer mit ihrem Namen verknüpft sein. Dass Walkenried sich inzwischen auch zu diesem Teil seiner Vergangenheit offen bekennt, ist ihr Vermächtnis.

In den letzten Jahren kam sie kaum noch aus ihrer Wohnung heraus. Aber wenn man ihr dann vom letzten Wanderurlaub im Isergebirge vorschwärmte, wurde sie lebendig und begann zu erzählen: Von den langen Wintern da oben, vom Wintersport, von der Flucht, von der Rückkehr, von der Wiederherstellung des Grabes von Carl Hauptmann. Und immer wieder wollte sie Artikel für die schlesische Heimatzeitung, weil sie längst bemerkt hatte, dass nur mit alten Erinnerungen kein Staat mehr zu machen war. Gegen das Aussterben der alten Schlesier war auch sie am Ende machtlos. Aber die Unbefangenheit, mit der sie den heutigen Bewohnern entgegentrat, war und ist auch für andere beispielgebend.

So gesehen, ist nicht nur eine engagierte Walkenriederin und entschiedene Gegnerin der Nazis und jeder anderen Form der Gewaltherrschaft, sondern auch eine überzeugte Europäerin von uns gegangen. Von allem können wir eigentlich nicht genug haben. Allein deswegen wird sie uns fehlen.

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