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Diese Kategorie enthält 48 Beiträge

Geopark-Stele und Infotafel in Walkenried eingeweiht

Es muss schon etwas dran sein an der Anziehungskraft der Südharzer Gipskarstlandschaft. Der aus Anlass der Einweihung der ersten Geopark-Infotafel im Himmelreich vom Regionalverband Harz ist jedenfalls schon vergriffen und muss nachgedruckt werden.

Nach der Infotafel am Ellrichblick hat der Regionalverband Harz als Träger des Natur- und Geoparks am 31.1. zwei weitere Marken für das Projekt „Landschaft lesen lernen“ in Walkenried gesetzt. Am „Dreieck“ wurde eine Geopark-Stele eingeweiht, mit der auf die Einmaligkeit der Südharzer Zechstein-Landschaft hingewiesen wird, die vor rund 250 Millionen Jahren entstanden ist und zahlreiche Besonderheiten aufweist, aus denen der Gipskarst herausragt und daher besonders schützenswert ist. Am Priorteich wurde nach der Tafel am Ellrichblick im Himmelreich nun eine zweite Infotafel angebracht, welche auf die Walkenrieder Teichlandschaft, aber auch andere bemerkenswerte Dinge im Naturschutzgebiet Priorteich-Sachsenstein aufmerksam macht und einen entsprechenden Rundgang empfiehlt.

Christel Wemheuer und Dr. Klaus George

Christel Wemheuer und Dr. Klaus George enthüllen die neue Infotafel am Priorteich.

 

In Anwesenheit des frisch gebackenen Ehrenlandrats Klaus Liebing, der als alter Walkenrieder den Priorteich natürlich zu schätzen weiß, erläuterte Dr. Klaus George vom Regionalverband Harz die Ziele des Schutzgebietsnetzwerks „Natura 2000“, nämlich heimische und besonders schützenswerte Tiere, Pflanzen und ihre Lebensräume zu erhalten und wenn nötig wiederherzustellen. „Natura 2000“ bietet für die anliegenden Orte die Möglichkeit, für und mit den Einmaligkeiten der Landschaft zu werben und sollte daher als Chance auch für Walkenried gesehen werden. Genau so sieht es auch die Erste Kreisbeigeordnete Christel Wemheuer, die zum ersten Mal am Priorteich war und sich von der Landschaft und der Möglichkeit der Badestelle sehr beeindruckt zeigte. Sie betonte, dass das Land Niedersachsen noch in diesem Jahr die Natura 2000-Gebiete ausweisen und – mit einiger Verspätung – unter Schutz stellen werde.

Dies ist nach Ansicht von Michael Reinboth, dem Vorsitzenden der „Wir Walkenrieder“, welche sich in Nachfolge des Harzklubs um die Wanderwege im Naturschutzgebiet, aber sehr intensiv auch um den Priorteich und seine Umgebung kümmern, auch dringend erforderlich, da die Gipsindustrie mit dem Hinweis auf die wegfallenden REA-Gipse aus Kohlekraftwerken bereits die Hand nach schon stillgelegten und renaturierten Steinbrüchen auszustrecken beginne. Und wenn da nichts mehr zu holen sei, würde auch anderswo geguckt. Die Naturschutzgebiete Blumenberg-Sachsenstein und Himmelreich müssen also dringend und dauerhaft vor Begehrlichkeiten geschützt werden, damit sie nicht das Schicksal des Rösebergs erleiden. Reinboth nutzte die Gelegenheit, die Besucher über die bereits erledigten und die noch anstehenden Arbeiten sowie einige Probleme am Priorteich zu informieren. Eine Spielanlage für Kinder wurde gebaut, der Teich in einer mehrtägigen Aktion „gemäht“, die Drainage des Kiosks wurde repariert und nun laufen die Arbeiten zur Sanierung des Kiosks, die im Frühjahr 2020 fortgeführt werden. Doch durch das Füttern der Schwäne und die damit verbundene Zunahme der Population hat leider die Wasserqualität bereits gelitten, ein Alarmsignal. Auch Vandalismus sei immer wieder ein Thema. Im Interesse des Tourismus und der Naherholung muss der Priorteich aber als Badestelle unbedingt erhalten werden.

Frühlingsstimmung am Priorteich

Frühlingsstimmung am Priorteich.

 

Derweil präsentierte sich der Priorteich am 31. Januar in geradezu vorfrühlingshafter Stimmung. Die stille Schönheit dieses einmaligen Stücks Natur ließ keinen der Gäste unbeeindruckt. Dr. Klaus George und Christel Wemheuer wollen auf jeden Fall noch einmal wiederkommen.

WeltErbeBilder von Alexander Calvelli im ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried

Von April bis Oktober wartet das ZisterzienserMuseum mit einer besonderen Ausstellung auf. Der in Köln lebende Künstler Alexander Calvelli hat über Wochen nicht nur Goslar und den Rammelsberg sowie Teiche, Gräben und Bergwerke im Oberharz durchstreift, sondern sich auch im und um das Kloster Walkenried umgesehen, fotografiert und gezeichnet. Er hat sich dabei viel Zeit genommen und den Harz mit dem Fahrrad und zu Fuß bereist. Dass dies die Augen für viele Motive öffnet, die man beim eiligen Durchfahren der Landschaft gar nicht bemerken würde, zeigen die 60 Acryl-Gemälde, die aus den Fotos und Skizzen dann in der heimischen Werkstatt entstanden sind und nun in Walkenried im Zaubersaal ausgestellt werden. Übrigens parallel zu einer Ausstellung mit ähnlichen Motiven desselben Malers, die im Rammelsberg bei Goslar gezeigt wird und 130 Bilder umfasst. Es lohnt sich also, nicht nur die Walkenrieder Ausstellung zu besuchen, sondern auch einen Abstecher nach Goslar zu unternehmen, zumal dort auch Bilder von Walkenried zu sehen sind, so wie umgekehrt ein Querschnitt durch Bauten und Landschaften des Weltkulturerbes in Walkenried zu betrachten sind.

AlexanderCalvelliAuf die Frage, was ihn denn am Kloster Walkenried besonders beein-drucken würde, antwortete der Künstler: „Dass es hier noch Mauerwerk gibt, welches seit fast 800 Jahren so steht wie es ist. Das kenne ich aus dem kriegszerstörten Köln nicht und das beeindruckt mich tief.“ Am Harz gefällt ihm, dass so vieles aus der alten Bergbau- und Hüttenzeit noch steht, obschon seinem scharfen Auge der Verfall einiger Anlagen wie dem Meding-schacht („da wird in ein paar Jahren nichts mehr stehen“) oder der Nebengebäude von Wiemannsbucht und Achenbachschacht nicht ent-gangen ist.  Umso schöner ist es, dass Calvelli so viele Motive über und unter Tage akribisch genau erfasst und dargestellt hat, wenngleich er andeutet: „Als Maler kann ich schon mal einen Baum fällen…“.

Man kann sich anhand seiner Bilder – die übrigens auch erworben werden können – einen wunderbaren Einblick in die Vielfalt des Goslarer und Oberharzer Bergbaus und seiner Wasserversorgung verschaffen und Motive aus dem Kloster Walkenried aus anderem Blickwinkel wahr-nehmen. Hierzu bietet sich in den kommenden Wochen und Monaten ausreichend Gelegenheit, da die Ausstellung bis in den Oktober hinein zu sehen sein wird. Wendy Eixler, die Direktorin des Museums in Walkenried, deutete an, dass sie diese Ausstellung als Anknüpfung an eine Tradition sieht, die mit der Ausstellung der Bilder von Gerd Winner zunächst endete. Sie möchte gern weitere Ausstellungen dieser Art in Walkenried haben, zumal bald auch die Ausstellung zum Weltkulturerbe im Herrenhaus der Domäne zu sehen sein wird. Auch sie zeigt sich von der Vielfalt der Motive Calvellis beeindruckt und freut sich, dem Walkenrieder Publikum und den Gästen des Klosters diese Schau bieten zu können.

Calvelli beschäftigt sich in seinen Bildern auch mit stillgelegten Zechengebäuden und Maschinen-hallen und hat auch die Untertagewelt der Schächte und Stollen hervorragend erfasst. Ein wenig bedauert er, dass die vielen Zeugen des Harzer Hüttenwesens, welches mit dem Bergbau in engem Zusammenhang steht, nicht unter dem Schutz des Weltkulturerbes stehen. So erscheint ihm unter anderem die Königshütte in Bad Lauterberg als unbedingt erhaltenswert. Calvelli: „Im Ruhrgebiet bekam ich während des Zechen- und Hüttensterbens erstmals Gelegenheit, mich mit dieser untergehenden Welt zu beschäftigen, und sie hat mich fasziniert. Im Unterschied zu dort ist im Harz so viel mehr noch vorhanden und sollte bewahrt werden.“

Aber die Darstellung dieser Zeugnisse in der ihm eigenen Technik kann ja noch werden – für dieses Mal stehen die Zeugen von Bergbau und Wasserwirtschaft im Mittelpunkt. Wer ganz genau hinschaut, wird auch einen Walkenrieder Teich entdecken. Welchen? Um das herauszufinden, sollte man ganz einfach die Ausstellung aufsuchen und Bild für Bild betrachten. Es sind Stunden, die sich allemal lohnen.

Mit einigen seiner Bilder knüpft Calvelli gewissermaßen an die Tradition Walkenrieds als „Malerparadies“ an – das war unser Klosterort ja in der Tat im 19. Jahrhundert. Vielleicht kann er es ja wieder werden. Motive sind genug vorhanden…

Holztreppe

Tag der offenen Tür in der alten Grundschule

Samstag, 13. April 2019 14-18 Uhr

Konzert des Spielmannszuges * Bücher zum Mitnehmen * Schnuppern in der Gemeindebücherei * Führungen durch die Dauerausstellung zum Gips * Der „Walkenrieder Altar“ * Das Kirchenmodell von 1927 * Walkenried und die Seife * Kaffee und Kuchen im Kirchenladen * Fotos aus der Sammlung von Andreas Helbing * Drei Filme über Walkenried

Zum zweiten Mal öffnen die in der alten Grundschule aktiven Vereine und Einrichtungen ihre Türen und laden alle Walkenriederinnen und Walkenrieder ein, einen abwechslungsreichen und interessanten Nachmittag in und um die Schule zu verbringen. Die Dauerausstellung des Geschichtsvereins und die Flure weisen viele Neuigkeiten auf, aber auch für schon Bekanntes gibt es besondere Führungen. Der Kirchenladen zeigt, was er leistet, und lädt zu einer Tasse Kaffee mit Kuchen ein. In der Bücherei führt Jakob Heinert Filme aus den 70er und 80er Jahren über Walkenried vor. Alle Mitwirkenden erteilen gern Auskunft über ihre Arbeit…

Wir freuen uns auf ihren Besuch!

Achtung:

In den Straßen Am Geiersberg, Poststraße, Blankenburger Straße und Lindenweg besteht wegen der Baustelle Bahnhofstraße ein Parkverbot!

Gipsmuseum

Das Archiv für Heimatgeschichte, die ortsgeschichtliche Sammlung Walkenried sowie die Bücherei befinden sich im Gebäude der ehemaligen Walkenrieder Grundschule am Geiersberg.

Tipps zu Digitalisierung und Automatisierung beim „Startup & Innovation Meetup Harz“

(Pressemitteilung des SüdniedersachsenInnovationsCampus)

„Unsere technischen Möglichkeiten sind so weit entwickelt – aber wir nutzen sie viel zu wenig“, sagte Digital-Berater Sascha Riedeberger beim 7. Startup & Innovation Meetup Harz, das der SüdniedersachsenInnovationsCampus (SNIC), die Wirtschaftsförderung Region Göttingen(WRG) und Startup Göttingen am Donnerstagabend in der WRG-Eventlocation in Osterode ausgerichtet haben. Sein Fazit: Vieles, was heute als Zukunftsmusik bezeichnet wird, ist längst Teil der Gegenwart.

Wie gerade Start-ups und kleine Unternehmen die Chancen der Digitalisierung und Automatisierung nutzen können, machte Riedeberger anhand einiger günstiger und kostenloser Tools deutlich – etwa für Rechnungsverarbeitung, Webhosting oder Aufgabenmanagement. Die Zeitersparnis sei zum Teil enorm, verdeutlichte der IT-Profi. Die wichtigste Komponente beim Thema Digitalisierung ist für ihn jedoch der Mensch. Denn: Damit die digitale Transformation im Unternehmen gelingt, müssten sowohl Führungspersonal als auch Mitarbeiter frühzeitig eingebunden werden. Wird dies versäumt, entstehe oftmals ein Gefühl der Überforderung.

Um dem vorzubeugen und die richtigen Weichen in Richtung digitale Transformation zu stellen, spendierte Riedeberger den gut ein Dutzend Teilnehmern jeweils eine kostenlose Beratungsstunde. Zudem stand er im Anschluss an seinen Vortrag für Fragen und kleine Tipps zur Verfügung. Rund um den Vortrag hatten die Teilnehmer darüber hinaus wie gewohnt Gelegenheit, zu diskutieren, zu netzwerken und eigene Erfahrungen auszutauschen.

Dass das Startup & Innovation Meetup nicht nur ein geeigneter Ort ist, um interessante Informationen zu bekommen, sondern auch, um diese weiterzugeben, betonten die Organisatoren Gunnar Kothrade (WRG) und Sergei Bojew (SNIC / Startup Göttingen): „Wer seine Erfahrungen weitergeben möchte oder spannende Einblicke gewähren kann, ist jederzeit herzlich willkommen, einen Impulsvortrag zu halten.“ Interessierte können sich gerne per E-Mail an sergei.bojew@snic.de oder gunnar.kothrade@wrg-goettingen.de wenden.

Das Startup & Innovation Meetup Harz findet alle acht Wochen in Osterode statt. Weitere Ausgaben des Formats gibt es mittlerweile in Northeim, Duderstadt und Holzminden. Zudem findet in Göttingen regelmäßig das Social Entrepreneurship Meetup statt, das sich gezielt mit sozialem und nachhaltigem Unternehmertum beschäftigt. Aktuelle Termine finden Sie unter:

http://www.snic.de/veranstaltungen/kategorie/snic/

SNIC-Meetup

Referent Sascha Riedeberger (3.v.li.) mit den Organisatoren (v.li.) Kerstin Wittenberg und Gunnar Kothrade (beide WRG) sowie Sergei Bojew (SNIC / Startup Göttingen).

Aktuelle Harz-Zeitschrift 2018 erschienen – Beiträge zur Harzgeschichte von Quedlinburger Keramik über die Rolle der Walkenrieder Mönche im Harzer Hüttenwesen und Martin Luther bis zur NSDAP in Bad Sachsa

Die Walkenrieder Zisterziensermönche sind nicht die Väter der Oberharzer Wasserwirtschaft, waren aber führend im Harzer Hüttenwesen

Soeben erschien im Lukas-Verlag Berlin der 70. Jahrgang der Harz-Zeitschrift für das Jahr 2018, die für den in Wernigerode ansässigen Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde e. V. von Dr. Jörg Brückner herausgegeben wird. Die Zeitschrift hat eine lange Geschichte – sie erschien erstmals 1868, dem Gründungsjahr des Vereins.

Vereinsgeschichte

Im April 1868 wurde in Wernigerode der Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde e.V. gegründet. Schon von Anfang an sollte er die Geschichtsinteressen aller am Harz beteiligten Menschen und Orte bündeln. Seit 1868 erscheint auch die durch den Harz-Verein herausgegebene Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde e.V., seit 1948 Harz-Zeitschrift genannt.

Der Harz-Verein hat eine wechselvolle Geschichte, die zunächst sehr stark mit seinen prägenden Vorstandsmitgliedern verknüpft war. Bedeutende Vorstandsmitglieder waren u.a. der 1. Vorsitzende, Graf Botho zu Stolberg-Wernigerode, der gräfliche Bibliothekar und Archivar Eduard Jacobs, der Wernigeröder Amtsgerichtsrat Walter Grosse, der Ehrenvorsitzende Karl Wolfgang Sanders, der den Verein nach dem 2. Weltkrieg wieder ins Leben rief, der langjährige Kustos am Braunschweigischen Landesmuseum Christof Römer sowie viele weitere Persönlichkeiten, die weit über die Geschichte des Harzes hinaus von Bedeutung sind.

Der Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde e.V. arbeitet länderübergreifend in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Thüringen – konsequenterweise ist er denn auch beim Vereinsregister Braunschweig registriert und unterhält seine Geschäftsstelle seit 2000 bei der Schloß Wernigerode GmbH. Der Verein gibt eine Monografien-Reihe heraus – die Forschungen zur Geschichte des Harzgebietes (kurz Harz-Forschungen). Diese bündeln immer wieder besondere Fragestellungen und Interessen, die das Harzgebiet betreffen. Gegenwärtig unterhält der Harz-Verein mehrere Arbeitskreise:

  • zur Archäologie des Harzes, geleitet von Hans-Jürgen Grönke in Nordhausen,
  • zur Landesgeschichte mit Kirchen- und Klostergeschichte, geleitet von Dr. Monika Lücke in Naundorf bei Halle,
  • zur Montangeschichte, geleitet von Hans-Heinrich Hillegeist und Dr. Wilfried Ließmann in Göttingen,
  • zur Rechtsgeschichte, geleitet von Dr. Dieter Pötschke in Leest bei Potsdam
  • und zur Zeitgeschichte in der Verantwortung von Dr. Friedhart Knolle in Goslar in Verbindung mit dem Verein Spurensuche Harzregion e.V.

Der aktuelle Band beschäftigt sich mit historischen Fachthemen zahlreicher Orte aus dem gesamten Harz. Drei davon beschäftigen sich mit dem Südharz.

Zur Rolle der Klöster Walkenried und Neuwerk in Goslar im Bergbau und Hüttenwesen des Harzes

Fritz Reinboth und Friedhart Knolle haben zur Bedeutung der Klöster Walkenried und Neuwerk in Goslar im Bergbau- und Hüttenwesen des Harzes recherchiert. Ziel der Autoren ist es, die Einbeziehung des Klosters Walkenried in das UNESCO-Welterbe wissenschaftlich haltbar zu begründen anstelle der abwegigen Behauptung, die Mönche seien die Väter der Oberharzer Wasserwirtschaft, von deren Teichen nur der im Unteren Pfauenteich überstaute „Bavendik” mittelalterlich war.

Außer seiner umfangreichen Grangienwirtschaft war das Zisterzienserkloster Walkenried am Rammelsberger Bergbau beteiligt und neben dem Goslarer Kloster Neuwerk im Harzer Hüttenwesen führend. Als diese Geldquelle mit dem Niedergang des Rammelsberger Bergbaus um 1350 versiegte, blieben Teile der so großartig begonnenen Klausur dürftige Provisorien.

Die Autoren untersuchen neben Angaben zum Kloster Neuwerk besonders die Walkenrieder Hüttenplätze im Südharz (Wieda, Zorge, Brunnenbach) und am Westharz bei Münchehof. Neben die Auswertung von Urkunden und der älteren Fachliteratur traten Geländebegehungen zur exakten Lokalisierung der Hüttenplätze.

Bisher gab es Untersuchungen im Gelände vor allem für die Anlagen am Pandelbach bei Münchehof. Da sie urkundlich nicht fassbar sind, stützt sich ihre Datierung nur auf Vermutungen; zudem hat das Kloster in der Umgebung vorhandene ältere Hütten fertig übernommen. Die Teiche und Gräben am Pandelbach als Pionierleistung oder gar als Vorläufer der Oberharzer Wasserwirtschaft hinzustellen ist abwegig; die Wassergräben der ältesten überhaupt belegbaren Hütten des Klosters bei Wieda sind dagegen bisher gar nicht beachtet worden.

Das bedeutendste Erzeugnis einer Walkenrieder Hütte war zweifellos das bronzene Becken im Brunnenhaus des Klosters, das leider 1715 nach Salzdahlum verschleppt wurde und dort beim Abriss des Schlosses spurlos verloren ging. Eine erhaltene Parallele ist der Marktbrunnen in Goslar, dessen Provenienz allerdings unbekannt ist.

Die Autoren kommen letztlich zum Ergebnis, dass die Bedeutung des Klosters Walkenried für das Montanwesen des Westharzes neben seinen zeitweisen Anteilen an Gruben des Rammelsbergs vor allem im Hüttenwesen liegt. Teiche und Gräben zum Betrieb der Blasebälge der Kupferhütten waren damals allerdings Stand der Technik. Das heutige Oberharzer Graben- und Teichsystem ist ohnehin erst entstanden, als es längst kein Kloster Walkenried mehr gab. Ältere Anlagen wie die in Urkunden genannten „Agetuchten” am Rupenberg hat Walkenried nur übernommen.

Am Rammelsberg waren Walkenrieder Laienbrüder organisatorisch beteiligt. Dass und wieweit der Ausbau der Wasserwältigung aber auf diese Laienbrüder zurückgeht – z. B. mit dem Bau des Feuerzäher Gewölbes – ist völlig hypothetisch. Die Entwicklung der bergmännischen und städtischen Wasserwirtschaft der Stadt Goslar begann bereits im 10. Jahrhundert, also lange vor der Gründung des Klosters Walkenried. Goslar baute sukzessive ein komplexes System von Wasserreisen auf.

Von der Gewehrfabrik zur Reckhammer- und Feilenfabrik auf Oderfeld bei Lauterberg

Eine Südharzer Momentaufnahme der Industriegeschichte hat Hans-Heinrich Hillegeist verfasst – sein Beitrag lautet „Von der Gewehrfabrik zur Reckhammer- und Feilenfabrik auf Oderfeld bei Lauterberg“.

Mit dieser Südharzer Momentaufnahme, die der Autor weitgehend aus Akten im Bergarchiv Clausthal zusammengestellt hat, wird zunächst die Vorgeschichte der Herzberger Gewehrfabrik aufgezeigt: Dem Kurfürstentum Hannover ging es darum, eine eigene Produktionsstätte für Gewehre und Bajonette in der Nähe einer Eisenhütte zu besitzen. Zunächst bot sich der Hüttengewerke Johann August Keydel an, auf seiner Eisenhütte in Lonau Gewehre herzustellen. Um 1734 begann er, die notwendigen Gebäude zu errichten und Fachleute aus Brandenburg, vom Thüringer Wald und aus Belgien anzuwerben. Da er nicht kostendeckend produzieren konnte, endete diese Lonauer Gewehrfabrikation bereits 1736 mit einem totalen Ruin.

Ein Neuanfang startete die Kriegskanzlei in Hannover auf dem Oderfeld zwischen Lauterberg und Barbis. 1738 waren die notwendigen Gebäude vollendet, so dass dort in unmittelbarer Nähe zur Königshütte bei Lauterberg, von wo das notwendige Eisen geliefert wurde, mit der Gewehrherstellung begonnen wurde. Damit wollte das Kurfürstentum unabhängig vom teuren Einkauf aus dem Thüringer Wald werden.

An Gebäuden wurden errichtet: ein Wohnhaus, die Fabrik mit Rohrschmiede, Bohrmühle und Schleifmühle, ein Kohlenschuppen, der Backofen und ein Schießhaus. Aus der ausgewerteten Akte aus dem Bergarchiv Clausthal konnten die genauen Angaben, Maße usw. dieser Gebäude ermittelt werden. Zur Ernährung der Fachleute wurden Gärten zur Verfügung gestellt. Für die Herstellung der Gewehre konnte die Wasserkraft der Oder mittelst eines Hüttengrabens genutzt werden. Bei den Fachleuten trat jedoch schon bald eine massive Unzufriedenheit ein. Sie beklagten sich über die primitiven Wohnverhältnisse und zu geringen Lohn. Nach der Pleite in Lonau führten dann verschiedene Gründe in Oderfeld zu einem zweiten schnellen Ende der Produktion. Ein Neuanfang war dann erst in Herzberg erfolgreich.

Der neue Oberfaktor (Verwalter) der Königshütte, Johann Arnold Bertram machte seinen Bruder Johann Albert Bertram in Neuwied auf die leer stehende Anlage auf Oderfeld aufmerksam. Ein Pachtvertrag kam mit Hannover zu Stande, so dass der neue „Entrepreneur“ 1741 mit einem neuen Reckhammer nach Rheinländischer Art und einer Feilenhauerei beginnen konnte. Die Clausthaler Zehntkasse gewährte ihm einen Kredit bis max. 500 Reichsthaler ein. Zum Schutz der in den Fürstentümern Calenberg, Göttingen und Grubenhagen arbeitenden Huf-, Nagel- und Klein-Schmieden durfte Bertram jedoch kein acht- und vierkantiges Klein-Eisen, auch keine Spanischen Bänder und andere Sorten in den Orten in diesen Landstrichen anbieten. Daher musste er für den Absatz Abnehmer weiter außerhalb dieses Gebiets ermitteln. Die hohen Ausgaben führten für den neuen Unternehmer J.A. Bertram zu einer Überziehung des Kredits, so dass sein Bruder auf der Königshütte vom Bergamt in Clausthal eine Ermahnung erhielt, besser auf die Ausgaben seines Bruders zu achten. Aus der Antwort des Jungunternehmers geht hervor, dass er in Bremen und Friesland wegen des Absatzes gewesen sei und dort mit wohlhabenden Kaufleuten Geschäfte abgeschlossen hätte, jedoch seien durch seine Bautätigkeiten und durch das Heranführen von Fachleuten aus dem Rheinland erhebliche Mehrkosten entstanden. Seine Kunden, die Waren erhalten aber noch nicht bezahlt hatten, wohnten in Bremen, Hamburg, Leipzig, Hannover, Kassel und Erfurt.

Trotz mancher positiver Ansätze gelang es Johann Albert Bertram nicht, auf Dauer auf Oderfeld Gewinn zu erzielen, so dass im März 1743 der auf drei Jahre abgeschlossene Pachtvertrag mit der Kammer in Hannover aufgehoben wurde.

Die Rolle der NSDAP und der staatlichen Behörden in Bad Sachsa am Südharz 1931/32

Markus Jaeger schließt die Reihe der Hauptbeiträge des Bandes mit einer Untersuchung zur Rolle der NSDAP und der staatlichen Behörden in Bad Sachsa am Südharz 1931/32. Nachdem die NSDAP bei den Reichstagswahlen 1930 in Bad Sachsa mit 31,9 % der Wählerstimmen zur stärksten Partei geworden war und damit den endgültigen wahlpolitischen Durchbruch geschafft hatte, war das Jahr 1931 für die NSDAP-Ortsgruppe von einer Auseinandersetzung mit den städtischen und regionalen Behörden gekennzeichnet. Im Zentrum dieses Konflikts stand die Versammlungspraxis der Nationalsozialisten unter ihrer unumstrittenen Führungsfigur, dem Ortsgruppenleiter Heinrich Keiser. Da die Partei wiederholt gegen behördliche Auflagen verstieß und in ihren öffentlichen Versammlungen immer wieder Rechtsverstöße vorkamen, sahen sich die lokalen wie regionalen Behörden dazu veranlasst, Heinrich Keiser als Versammlungsleiter der NSDAP nicht länger zuzulassen. Darüber kam es zu langwierigen Auseinandersetzungen zwischen Keiser, dem Bad Sachsaer Bürgermeister Dr. Griepentrog, dem Landrat in Nordhausen und dem Regierungspräsidenten in Erfurt. Sollte Keiser als zentrale Führungsfigur der Bad Sachsaer Nationalsozialisten auf diese Weise politisch kaltgestellt werden, stand die gesamte Versammlungspraxis der NSDAP-Ortsgruppe und damit die weitere Durchsetzung der Partei vor Ort auf dem Spiel.

In diesen Auseinandersetzungen legte Keiser ein Verhalten an den Tag, das sich zwischen Impertinenz und Anpassungsbereitschaft bewegte und jeglichen Respekt gegenüber den staatlichen Behörden vermissen ließ. Indem er auswärtige Nationalsozialisten an seiner Stelle als Versammlungsleiter vorschlug, gelang es ihm, die politische Aktionsfähigkeit der NSDAP-Ortsgruppe zu erhalten. Sein von Flexibilität und Ausdauer geprägtes Vorgehen bewegte die lokalen und regionalen Behörden – seiner zahlreichen Eingaben und Einsprüche überdrüssig – schließlich dazu, ihre Vorbehalte gegen Keiser als Versammlungsleiter mehr und mehr zurückzunehmen. Dieses Zurückweichen der staatlichen Behörden gegenüber der NSDAP war nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen, dass sich die politische Stimmung in Bad Sachsa immer mehr zugunsten der Nationalsozialisten veränderte, die in der Stadt über eine stetig wachsende Zahl von Mitgliedern und Sympathisanten verfügten.

Auf diese Weise konnte sich Keiser trotz vereinzelter Rückschläge schließlich durchsetzen und seit Anfang 1932 wieder uneingeschränkt als Versammlungsleiter der NSDAP in Bad Sachsa fungieren. Dadurch gelang es ihm, seinen Status als lokaler Parteiführer zu festigen und die Aktions- und Durchsetzungsfähigkeit der NSDAP-Ortsgruppe in der Folgezeit weiter auszubauen. Das sollte sich besonders in den Wahlkämpfen des Jahres 1932 zeigen, die nicht nur von einer gesteigerten Propagandatätigkeit der Nationalsozialisten gekennzeichnet waren, sondern auch von einem zunehmenden Terror der SA. Spätestens mit den Wahlerfolgen von 1932, bei denen die NSDAP in Bad Sachsa die absolute Mehrheit erreichte, hatten sich die Nationalsozialisten endgültig als dominierende politische Kraft durchgesetzt.

Weitere Beiträge

Ein weiterer Aufsatz zur Harzgeschichte stammt von Tobias Gärtner und beschäftigt sich mit spätmittelalterlicher Keramik aus Quedlinburg. Joachim Stüben hat über die Vorlagen für Luthers Editionen der Theologia Deutsch und einen unbekannten Sammelband aus der Bibliothek des Klosters Himmelpforten bei Wernigerode gearbeitet. Rudolf G. A. Fricke liefert einen Forschungsbericht über den aus Braunschweig stammenden Carl Geitel, den er als „Forstwirt, Politiker und Gelegenheitslyriker“ charakterisiert.

Berichte zu Veranstaltungen des Harz-Vereins und Rezensionen runden den Band ab. Er ist mit zahlreichen Abbildungen illustriert, hat einen Umfang von 156 Seiten und kann über den örtlichen Buchhandel oder den Lukas-Verlag http://www.lukasverlag.com bestellt werden.

Harz-Verein für Geschichte und Altertumskunde e.V.
für den Vorstand
Dr. Friedhart Knolle
Grummetwiese 16
38640 Goslar
0170 22 09 174

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