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Diese Kategorie enthält 57 Beiträge

Zwischen Isergebirge und Südharz: Ruth Monicke lebte für zweimal Heimat

Ruth Monicke hat sich auf ihre Art von ihren Freunden und Bekannten verabschiedet. Still hat sie sich von dieser Welt zurückgezogen. Das passt eigentlich so gar nicht zu ihr, deren Engagement für ihre alte Heimat sich bis zuletzt in Taten und Worten niederschlug und die in ihrer neuen Heimat zahlreiche Pflöcke eingerammt hat und sich hierbei gegen zum Teil erhebliche Widerstände durchsetzen musste.

„Heimat“ gibt es nur in der Einzahl. Ruth Monicke hatte aber zwei „Heimaten“, denn obwohl sie schon als Kind aus Schreiberhau, dem Ort zwischen Iser- und Riesengebirge, flüchten musste, hat sie, nachdem dies wieder möglich war, unermüdlich für Szklarska Poreba gearbeitet, Kontakte geknüpft, Projekte wie die Wiederherstellung des Nieder-Schreiberhauer Friedhofs oder der dortigen Kirchenuhr gefördert, ganz ohne Ressentiments und hochgeachtet von ihren polnischen Gesprächspartnern und Freunden. Zuletzt, als das Reisen nicht mehr ging, blieben das Schreiben und die Kontaktpflege über das Netz. Man konnte sich mit ihr wunderbar über die Schönheiten der beiden Gebirge, die Vorzüge von Schreiberhau oder über Carl und Gerhart Hauptmann unterhalten – den berühmten Nobelpreisträger hat sie als kleines Kind noch als Nachbarn kennengelernt. Ihre beiden Brüder huldigten schon in Schreiberhau dem Wintersport und wurden im Harz bekannte Skispringer.

In Walkenried mit der Familie Weichert angekommen, hatte sie es, wie alle Flüchtlinge, keineswegs einfach. Ein roter Teppich wurde ihnen ja nicht ausgerollt. Oft hat sie über ihre schwere erste Zeit erzählt – was sie nicht daran gehindert hat, zusammen mit dem Ur-Walkenrieder Gerhard Henze alles über die hiesige Geschäftswelt der Jahre 1945 bis 1950 zusammenzutragen und zu publizieren. Walkenried wurde ihr zur wirklichen zweiten Heimat, für die sie sich mit zunehmendem Alter immer stärker engagierte. Als erste Frau wurde sie in den Walkenrieder Gemeinderat gewählt und hinterließ hier Spuren, die bis heute deutlich sichtbar sind. Dazu zählen ihr Engagement für ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger, für die sie „Nah dran“ ins Leben rief und zahlreiche Referenten nach Walkenried holte, und ihre langjährige Tätigkeit als Leiterin der Gemeindebücherei, wo sie unermüdlich vor allem um Kinder als Leser bemüht war. Sie war durchaus hartnäckig und streitbar: Als die Gemeinde kein Geld mehr für die Bücherei bewilligen mochte, zog sie von einem zum anderen Tag einen Schlussstrich.

Unvergessen auch ihre Bemühungen um die Wiederaufnahme des Personenzugverkehrs zwischen Walkenried und Ellrich. Ihr Schriftwechsel hierzu füllt Ordner, die Antworten der diversen Politiker, die zwar in Sonntagsreden die Einheit beschworen, aber zu Taten nicht in der Lage waren, hätten jede andere Person verzweifeln lassen. Sie nicht. Sie machte einfach weiter, gewann Mitstreiter, wusste zuletzt die Eisenbahngewerkschaft hinter sich. Und saß in einem der ersten Züge, die am 12.11.1989 tatsächlich wieder fuhren.

Von unschätzbarem Wert für Walkenried war ihr Kampf um die Sanierung der Klosterteiche. Dass diese sich heute in gutem Zustand präsentieren, ist zweifellos ihr Verdienst. Ihre Beharrlichkeit, ihr ständiges Drängen und Vorsprechen bei den Behörden und Ministerien, ihr Behauptungswille gegen vielerlei Widerstände hat sich für den Klosterort ausgezahlt.

Vor allem jedoch griff sie ein Thema auf, welches in Walkenried gern verdrängt wurde. Die „Juliushütte“ und das dortige KZ wurden – aus der Überzeugung heraus, dass man immer und immer wieder daran erinnern muss, um eine Wiederholung für alle Zukunft zu vermeiden – ihr großes Thema, für das sie sich mit allen anlegte, die ihr diesbezüglich in die Quere kamen. Und das waren nicht wenige: Ewig-Gestrige waren darunter, aber vor allem Menschen, die den Namen Walkenried nicht im Zusammenhang mit dem KZ Juliushütte sehen wollten. Ihnen kam über viele Jahre hinweg die Nähe des Geländes zur Grenze gelegen. Ruth Monicke boxte schließlich die Aufstellung eines Gedenksteins auf Walkenrieder Gemarkung durch, knüpfte Kontakte zu ehemaligen Insassen, übersetzte deren Erinnerungen in die deutsche Sprache und drehte, nachdem die Grenze gefallen und das Gelände wieder vollständig verfügbar war, noch einmal richtig auf. Bis zuletzt nahm sie an der Entwicklung teil und freute sich über Aufräumaktionen und neue Hinweisschilder. Am Ende, so viel steht fest, hat sie sich durchgesetzt. Und das Aufwecken der Erinnerung an die schrecklichen Geschehnisse von 1944 und 1945 wird immer mit ihrem Namen verknüpft sein. Dass Walkenried sich inzwischen auch zu diesem Teil seiner Vergangenheit offen bekennt, ist ihr Vermächtnis.

In den letzten Jahren kam sie kaum noch aus ihrer Wohnung heraus. Aber wenn man ihr dann vom letzten Wanderurlaub im Isergebirge vorschwärmte, wurde sie lebendig und begann zu erzählen: Von den langen Wintern da oben, vom Wintersport, von der Flucht, von der Rückkehr, von der Wiederherstellung des Grabes von Carl Hauptmann. Und immer wieder wollte sie Artikel für die schlesische Heimatzeitung, weil sie längst bemerkt hatte, dass nur mit alten Erinnerungen kein Staat mehr zu machen war. Gegen das Aussterben der alten Schlesier war auch sie am Ende machtlos. Aber die Unbefangenheit, mit der sie den heutigen Bewohnern entgegentrat, war und ist auch für andere beispielgebend.

So gesehen, ist nicht nur eine engagierte Walkenriederin und entschiedene Gegnerin der Nazis und jeder anderen Form der Gewaltherrschaft, sondern auch eine überzeugte Europäerin von uns gegangen. Von allem können wir eigentlich nicht genug haben. Allein deswegen wird sie uns fehlen.

Walkenried beim MDR: Der Kohnstein – ein deutscher Schicksalsberg

Am 5.7. strahlte der MDR um 21 Uhr den Film „Der Kohnstein – ein deutscher Schicksalsberg“ in der Reihe „Der Osten – entdecke, wo Du lebst“ aus. Was der Titel so nicht hergibt, ist die Tatsache, dass es sich um einen 45 Minuten langen Streifzug durch den Südharzer Gipskarst handelt, bei dem der Kohnstein im Mittelpunkt steht, der aber u.a. auch kurze Passagen zur Rüdigsdorfer Schweiz, zum Erdfall in Buchholz, zur Heimkehle, zu den Sattelköpfen, zur Kelle und nicht zuletzt auch zur Juliushütte, zum Himmelreich und zum Kloster Walkenried bietet. Der „niedersächsische Teil“ des Films bildet den Schluss und ist, wie der ganze Film, für den der Fernsehjournalist Rene Römer verantwortlich zeichnet, sehr gelungen. Zu Wort kommen Naturschützer, aber auch die Gipsindustrie, vertreten durch die Firma Knauff.

Der Film ist einerseits Doku zum Kohnstein, dann auch eine Doku zum Konflikt Natur versus Gipsabbau, in erster Linie jedoch aufgrund der herrlichen Aufnahmen und des breiten Spektrums der gezeigten Sehenswürdigkeiten eine sehr schöne Werbung für unsere Landschaft und nicht zuletzt auch für Walkenried und seine Umgebung. Der Versuch, die Einmaligkeit unserer Landschaft plus Kloster herauszuarbeiten, ist meinem Erachten nach durchweg geglückt.

Ich durfte als einer der „Mitwanderer“ am Preview im Tabakspeicher teilnehmen und fand den Film ausgewogen, fachlich gut und eben sehr südharzfreundlich. Der Vater des Autors, Hilmar Römer, hat vor vielen Jahren die sehr lesenswerte „Kohnstein-Fibel“ verfasst, die inzwischen durch das Heft von Fritz Reinboth aus unserer Schriftenreihe ergänzt worden ist.

Also: Mal reinschauen – der Streifen kann noch eine ganze Weile in der Mediathek des MDR abgerufen werden:

https://www.ardmediathek.de/video/der-osten-entdecke-wo-du-lebst/der-kohnstein-ein-deutscher-schicksalsberg/mdr-fernsehen/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy8wMDdlZWZhMC03MjUyLTRjNDAtOTY5YS01NGUyYzUwZTk3OTU

Neue Internetplattform HEDI informiert auch auf Ukrainisch zu Schwangerschaft und Geburt

(Pressemitteilung des Amts für regionale Landesentwicklung Braunschweig)

Das neue digitale Angebot HEDI vernetzt Schwangere und junge Eltern mit Hebammen, Gynäkolog*innen, Kinderärzt*innen und sozialen Anlaufstellen in Südniedersachsen. Die kostenlose mobil optimierte Web-Plattform beantwortet wichtige Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt in mehr als 160 Artikeln und bietet 300 relevante Kontakte in Südniedersachsen an. Neben Deutsch, Englisch, Französisch und stehen die Informationen ab sofort auch auf Ukrainisch zur Verfügung.

„Schwangerschaft und Geburt sind herausragende Ereignisse für Eltern und Familien. Neben der Vorfreude gibt es in dieser Phase aber auch viele Fragen und Unsicherheiten. Ich freue mich sehr, dass HEDI das Informationsbedürfnis von Frauen und jungen Familien umfassend abdeckt. Gerade für werdende Mütter und junge Familien, die jetzt aus der Ukraine zu uns kommen und weder die Region noch unsere Sprache kennen, ist das Angebot eine wertvolle Orientierungshilfe“, so Dr. Ulrike Witt, Landesbeauftragte für regionale Landesentwicklung Braunschweig.

HEDI ist ein Kooperationsprojekt der Gesundheitsregion Göttingen/Südniedersachsen. Auf Befürwortung des Kommunalen Steuerungsausschusses Braunschweig wurde das Projekt im Rahmen des Förderprogramms „Soziale Innovation“ durch das Land Niedersachsen und die Europäische Union (ESF) gefördert. Die Plattform HEDI wird weiterentwickelt und soll zukünftig auch Informationen und Kontaktadressen aus weiteren Landkreisen und Regionen anbieten.

Weitere Informationen finden Sie unter hedi.app

HEDI bündelt die wichtigsten Informationen rund um Schwangerschaft und Geburt © Karo Oh

Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) übernimmt Landarztpraxis in Walkenried

Der Allgemeinarzt Rolf A. Brokate übergibt seine langjährig geführte Landarztpraxis in Walkenried zum 01.04.2022 an das MVZ PRIMEDUS Bad Lauterberg, um auf diese Weise den Fortbestand der hausärztlichen Versorgung vor Ort auf lange Sicht zu sichern. Das MVZ PRIMEDUS Bad Lauterberg mit allgemeinmedizinischem und gynäkologischem Schwerpunkt gehört zur ärztlich geführten PRIMEDUS Schwerpunkt Diabetologie GmbH, die außerdem das MVZ PRIMEDUS Schwerpunkt Diabetologie GmbH an den Standorten Bad Lauterberg und Osterode innehat.

Zunächst betreut Herr Brokate als angestellter Arzt des MVZ PRIMEDUS Bad Lauterberg am Standort Walkenried wie bisher seine Patienten und Patientinnen. Das ihn unterstützende Praxisteam besteht aus bisherigen und neuen Mitarbeiterinnen. Zudem erhält das Team in Walkenried Unterstützung aus Bad Lauterberg. Für die Zukunft ist ein Ausbau der ärztlichen Betreuung im ländlichen Umkreis durch das Angebot von Telemedizin sowie der Delegation ärztlicher Aufgaben wie beispielsweise Hausbesuche an speziell ausgebildete Nichtärztliche PraxisassistentInnen geplant.

Nach einer kurzen Schließung zur Übergabe ist die Praxis ab 06.04.2022 wieder geöffnet. Die neuen Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 8 Uhr – 12 Uhr sowie Montag und Donnerstag von 15.30 Uhr – 18.00 Uhr. Termine können wie bisher telefonisch unter 05525/96770 vereinbart werden. Außerdem ist die Praxis per E-Mail an kontakt.walkenried@primedus-sd.de erreichbar.

Hohe Beteiligung am Walkenrieder Umwelttag hilft auch den Ukraine-Flüchtlingen

„Alles in allem haben rund 130 Bürgerinnen und Bürger beim Walkenrieder Umwelttag mitgemischt. Das sind gemäß dem Gelübde, pro Teilnehmer 5 Euro für die örtliche Ukraine-Hilfe zu spenden, schon mal 650 Euro hierfür. Mir wurden aber von allen Seiten auch noch Scheine zugesteckt, die Praxis Pape-Gehrken brachte 200 Euro vorbei, so dass wir bei knapp 1.100 Euro als Fonds für die in Walkenried untergekommenen Flüchtlinge landen. Ein schöner Erfolg, für dessen Zustandekommen der Ortsrat sich bei allen Walkenriederinnen und Walkenriedern herzlich bedankt.“

Die Mittel, so Ortsbürgermeister Michael Reinboth, werden im Benehmen mit Bürgermeister Lars Deiters und bereits tätigen Gruppen wie dem „Netzwerk Ukraine“ zeitnah und zielgerichtet eingesetzt werden.

Das mit Steffen Blau und Horst Facius bemannte Gemeindefahrzeug musste mehrere Runden drehen, um den gesammelten Müll abzutransportieren. Die Menge konnte aber nur mittels Einsatz privater Transportmittel bewältigt werden.

Nicht nur das Fahrzeug der Gemeinde, sondern auch die „Arbeitsgruppe Mehlhorn“ war mit mehreren Rundfahrten zwecks Zusammenführung der gesammelten Müllbeutel beschäftigt. „Wenn es denn nur der Kleinmüll gewesen wäre – von wegen. Möbel, ganze Laminatböden nahe des Priorteichs und Berge von Müll entlang der Straßengräben und Parkplätze zeigen das ganze Ausmaß der Gedanken- und Rücksichtslosigkeit, mit der unsere Umwelt behandelt wird. Allen Helfern, die ja auch privates Gerät eingesetzt haben, sei auch an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt.“

Ein zusätzlicher Schwerpunkt war in diesem Jahr der Geiersberg (besonderer Bericht). Deswegen wurden aber die anderen, sattsam bekannten Bereiche nicht vernachlässigt. Während der Müll auf den klassischen Wanderwegen kein wirkliches Problem mehr darstellt, nehmen die Probleme bei Straßengräben, Parkplätzen, Lkw-Stellplätzen im und rund um den Ort immer mehr zu. Es bedarf schon einer großen Verbundenheit mit dem Heimatort, um hier die Handschuhe überzustreifen und den Müll anderer Leute wegzuräumen, denn diese bringen ja morgen wieder neuen hin.

Von Plastikdachrinnen bis Stacheldrahtrollen fehlte auf dem Anhänger von Stefan Mehlhorn eigentlich nichts. So weit, so gut – aber irgendwelche Menschen haben das alles zuvor in der Natur entsorgt.

Um Verständnis bittet Michael Reinboth bei allen, die beim abschließenden „Catering“ etwas zu kurz gekommen sind. „Wir mussten einerseits coronabedingt sehr kurzfristig umstellen und hatten andererseits zwar auf viel Zuspruch gehofft. Dieser übertraf unsere Erwartungen erfreulich deutlich. Beim nächsten Umwelttag haben wir Corona hoffentlich endgültig überwunden, dann wird auch wieder gegrillt werden“ verspricht er.

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